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Kein Wasser - nach wie viel Zeit ist Mietminderung berechtigt?

11.2.2019 Thema abonnieren
 Von 
Mikado911
Status:
Frischling
(16 Beiträge, 5x hilfreich)
Kein Wasser - nach wie viel Zeit ist Mietminderung berechtigt?

Moin, ich denke, dass das Thema alle Jahre wieder kommt...

Bei mir im Haus ist seit Gestern Mittag / frühen Nachmittag ohne Vorwarnung das Wasser abgestellt wurden. Man konnte somit keine Vorräte bereitstellen, geschweige denn sich irgendwie darauf vorbereiten. Grund war, dass im Zusammenhängenden Nachbarhaus (ein großes Gebäude) eine Verstopfung zu einer Überflutung des Kellers geführt hat (Wasser stand dort 10cm hoch) ...

Gestern hieß es, dass die Verstopfung gegen 20 Uhr beseitigt wird und das Wasser im Anschluss wieder aufgedreht werden soll. Um 23 Uhr ist immer noch kein Wasser aus der Leitung herausgekommen, also entschied ich mich ins Hotel auf die andere Straßenseite zu gehen; denn ... irgendwann muss man als Mensch auch mal auf die Toilette oder duschen.

Nun kam ich wieder nach Hause und... noch immer kein Wasser. Der Zettel an der Haustür, der darauf hinwies, dass die Verstopfung beseitigt wird, wurde entfernt. Ein Anruf bei der Hausverwaltung gab dann wieder Antwort: Die Rohre seien zu alt und beschädigt wurden, es müssen erst Ersatzrohre angeschafft werden o.ä.

Nun frage ich mich: Ab wann ist eine Wohnung heutzutage unbewohnbar? Ab wann kann ich für diesen Umstand Mietminderung durchführen? Habe der Hausverwaltung bereits über die Hotelrechnung in Kenntnis gesetzt, die das (zumindest am Telefon) wohlwollend aufnahmen, ... eigentlich wollte ich da gar kein großes Ding raus machen, aber als ich dann eben heute aus dem Hotel zurückkam und immer noch kein Wasser da war, ist mir das irgendwie doch alles zu viel langsam.

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17 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Michael32
Status:
Senior-Partner
(6840 Beiträge, 1448x hilfreich)

https://www.kostenlose-urteile.de/LG-Berlin_67-T-7002_Ausfall-der-Wasser-und-Gasversorgung-sowie-der-Heizung-rechtfertigt-Mietminderung-von-100-Prozent.news16988.htm

Zitat:
In dem zugrunde liegenden Fall wurde im Rahmen einer Modernisierungsmaßnahme die Gas- und Wasserversorgung einer Mietwohnung unterbrochen. Dies führte dazu, dass der Herd nicht mehr genutzt werden konnte und die Heizung in den Heizmonaten ausfiel. Die Mieterin der Wohnung minderte daraufhin ihre Miete. Da die Vermieterin damit nicht einverstanden war, landete der Fall vor Gericht.
Recht zur Mietminderung bestand
Das Landgericht Berlin entschied zu Gunsten der Mieterin. Der Ausfall der Wasserversorgung habe eine Mietminderung von 20 % gerechtfertigt. Der Ausfall der Gasversorgung habe wiederum zu einer Minderung von 10 % berechtigt, soweit durch den Ausfall der Betrieb des Herds betroffen war. Hinsichtlich des Heizungsausfalls in den Heizmonaten hat das Landgericht eine Minderungsquote von wenigstens 70 % für angemessen gehalten. Dabei sei zu berücksichtigen gewesen, dass das Absinken der Wohnraumtemperatur in den Heizmonaten durchaus unterschiedlich ausfallen kann.

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#2
 Von 
AltesHaus
Status:
Unparteiischer
(9258 Beiträge, 2582x hilfreich)

Wenn am Sonntag das Wasser abgestellt wurde, dann ist irgendwo was passiert, also höhere Gewalt. Dass Beschädigungen der Straßen-Leitungen nicht mal so eben hopplahopp behoben sind dürfte klar sein, ebenso, dass man so etwas nicht vorher den Nutzern "anmelden" kann.

Man ist dann gleich in ein Hotel gegangen? Na dann viel Spaß.


-- Editiert von AltesHaus am 11.02.2019 11:02

Signatur:Ich erteile keine Ratschläge, ich schreibe nur wie ich die Dinge handhaben würde.
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#3
 Von 
Mikado911
Status:
Frischling
(16 Beiträge, 5x hilfreich)

Zitat (von AltesHaus):

Man ist dann gleich in ein Hotel gegangen? Na dann viel Spaß.

Naja, wenn man 10 Stunden lang die Toilette nicht nutzen kann um der menschlichen Notdurft nachzugehen und diese im Anschluss wegzuspülen und keinerlei Hygiene nachgehen kann, weil schlicht das Wasser fehlt, bleibt einem um 23 Uhr dann wohl wenig Wahl, als irgendwohin auszuweichen, wo man Wasser hat, oder?

Die Kosten sind zudem überschaubar geblieben, hab ja kein teures Luxushotel gewählt.

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#4
 Von 
AltesHaus
Status:
Unparteiischer
(9258 Beiträge, 2582x hilfreich)

Zitat (von Mikado911):
Naja, wenn man 10 Stunden lang die Toilette nicht nutzen kann um der menschlichen Notdurft nachzugehen und diese im Anschluss wegzuspülen und keinerlei Hygiene nachgehen kann, weil schlicht das Wasser fehlt, bleibt einem um 23 Uhr dann wohl wenig Wahl, als irgendwohin auszuweichen, wo man Wasser hat, oder?

Ist ja nicht so, dass nur bei Ihnen das Wasser weg war, wie haben das denn die hundert anderen Bewohner des betroffenen Stranges gehandhabt? .... ich gehe davon aus, dass Sie Schwierigkeiten bekommen werden die Hotelkosten durchzusetzen, deswegen viel Spaß.

Signatur:Ich erteile keine Ratschläge, ich schreibe nur wie ich die Dinge handhaben würde.
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#5
 Von 
Mikado911
Status:
Frischling
(16 Beiträge, 5x hilfreich)

Zitat (von AltesHaus):

Ist ja nicht so, dass nur bei Ihnen das Wasser weg war, wie haben das denn die hundert anderen Bewohner des betroffenen Stranges gehandhabt? .... ich gehe davon aus, dass Sie Schwierigkeiten bekommen werden die Hotelkosten durchzusetzen, deswegen viel Spaß.

Naja, ich bin in der finanziellen Situation, wo die eine Nacht Hotel auch für mich privat finanziell tragbar wäre; aber eingereicht hab ich die Rechnung nun und mal schauen, was bei rum kommt. Inzwischen heißt es, dass das Wasser in den nächsten Stunden wieder laufen soll ... ich bleibe erwartungsvoll.

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#6
 Von 
cauchy
Status:
Senior-Partner
(6225 Beiträge, 3272x hilfreich)

Eine Wohnung ohne Wasserversorgung dürfte unbewohnbar sein, wenn sich dies über einen längeren Zeitraum hinzieht. Somit wäre meiner Meinung nach während des Ausfalls eine Mietminderung von 100% möglich. Das wird jedoch nicht die Hotelrechnung decken.

Die Hotelrechnung würde unter Schadensersatz fallen, wenn der Vermieter den Ausfall zu vertreten hat (§ 536a (1) BGB). Ich wage zu bezweifeln, dass dies der Fall ist. Es war ja kein geplanter Ausfall und offenbar wurde auch zügig reagiert.

Von daher würde ich davon ausgehen, dass eine Mietminderung während der Ausfallzeit drin ist und dass der Mieter auf der Hotelrechnung sitzenbleibt.

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#7
 Von 
AltesHaus
Status:
Unparteiischer
(9258 Beiträge, 2582x hilfreich)

Zitat (von cauchy):
Von daher würde ich davon ausgehen, dass eine Mietminderung während der Ausfallzeit drin ist

wobei wir noch nicht einmal bei 24 Stunden Ausfall sind ....

gehen wir mal von 20 % aus ... 20 % von der Miete sind X : 30 Tage : 24 Std. x der Stunden (überspitzt) die das Wasser nicht da war ... und da sind die Kosten des Hotels gewiss noch nicht gedeckelt, aber man hat Wasser gehabt, dass sicherlich teurer war, aber was soll's ;)

Signatur:Ich erteile keine Ratschläge, ich schreibe nur wie ich die Dinge handhaben würde.
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#8
 Von 
quiddje
Status:
Bachelor
(3461 Beiträge, 2051x hilfreich)

Ich sehe das wie @cauchy.
Kann sein, dass die Hausverwaltung die Kosten übernimmt - wenn man eine entsprechende Leitungsversicherung hat ist das möglich, einen Anspruch hat der Mieter jedenfalls ohne Verschulden des Vermieters nicht.

Übrigens kann man im Schwimmbad Duschen und WCs lasse sich auch außerhalb von Hotelzimmern finden.

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#9
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(33051 Beiträge, 11760x hilfreich)

Zitat:
gehen wir mal von 20 % aus

Naja, die 20% aus dem Urteil des LG Berlin sind dem Umstand geschuldet, dass das LG Berlin die Gesamtminderung von 100% auf die einzelnen Mängel verteilt hat.

Ich würde @cauchy folgen und eine Mietminderung von 100% annehmen, wenn die komplette Wasserversorgung mehr als nur ein paar Stunden ausfällt. Aber auch eine solche Mietminderung dürfte die Hotelkosten nicht ausgleichen, denn wenn die Wasserversorgung heute wieder hergestellt wurde, darf man m.E. 1/30 der Monatsmiete mindern.

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#10
 Von 
spatenklopper
Status:
Junior-Partner
(5860 Beiträge, 3015x hilfreich)

Zitat (von quiddje):
WCs lasse sich auch außerhalb von Hotelzimmern finden.

Dürfte sich, vor allem in Nachtzeiten, als Herausforderung darstellen.
Man kann sich natürlich nächtens ein Taxi bestellen um im Hauptbahnhof sein großes Geschäft zu verrichten, oder sich mit dem eigenen Wagen zum nächsten Rasthof begeben, praktikabel ist allerdings was anderes.

Aber eine andere Möglichkeit.
Wäre es dem Mieter zuzumuten gewesen, sich z.B. im Supermarkt mit ausreichend Wasser zu bevorraten?

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#11
 Von 
AltesHaus
Status:
Unparteiischer
(9258 Beiträge, 2582x hilfreich)

Zitat (von spatenklopper):
Wäre es dem Mieter zuzumuten gewesen, sich z.B. im Supermarkt mit ausreichend Wasser zu bevorraten?

Sicherlich nicht, aber zum nicht betroffenen Nachbarhaus hätte man schon gehen können.

Die Hotels müssen in dieser Nacht ja gut belegt gewesen sein ;)

Signatur:Ich erteile keine Ratschläge, ich schreibe nur wie ich die Dinge handhaben würde.
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#12
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(33051 Beiträge, 11760x hilfreich)

Zitat:
Wäre es dem Mieter zuzumuten gewesen, sich z.B. im Supermarkt mit ausreichend Wasser zu bevorraten?

Am Sonntag?

Es ist aber letztlich auch egal, denn für die Höhe der Mietminderung kommt es nicht darauf an, ob der Mieter sich mit der Anmietung eines Hotelzimmers, dem Gang ins Schwimmbad oder der Bevorratung mit Wasserkanistern behilft.

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#13
 Von 
AltesHaus
Status:
Unparteiischer
(9258 Beiträge, 2582x hilfreich)

Zitat (von hh):
ob der Mieter sich mit der Anmietung eines Hotelzimmers, dem Gang ins Schwimmbad oder der Bevorratung mit Wasserkanistern behilft.

Na ja, er strebt ja den Ausgleich der Hotelrechnung an.

Signatur:Ich erteile keine Ratschläge, ich schreibe nur wie ich die Dinge handhaben würde.
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#14
 Von 
cauchy
Status:
Senior-Partner
(6225 Beiträge, 3272x hilfreich)

Zitat (von AltesHaus):
Na ja, er strebt ja den Ausgleich der Hotelrechnung an.
Was er anstrebt, ist klar. Hier geht es um die rechtliche Einordnung. Und dafür ist es wichtig festzustellen, dass ohne Verschulden der Vermieter eben nur zur Mietminderung verpflichtet ist. Da ist es vollständig egal, wie der Mieter mit dem Problem umgegangen ist.

Bei einem längeren oder bei einem geplanten Ausfall könnte man überlegen, ob der Vermieter zu weiteren Notfallmaßnahmen wie z.B. Sanitärcontainern verpflichtet ist. Aber darum geht es ja (noch) nicht.

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#15
 Von 
Mikado911
Status:
Frischling
(16 Beiträge, 5x hilfreich)

Find's ja lustig, wie alle darauf rumreiten, dass ich für mich entschieden habe ins Hotel zu gehen.

Ursprünglich hab die Begleichung der Hotelrechnung (die gerade einmal 60,00 EUR beträgt) nicht einmal wirklich in Betracht gezogen, weil ich das Ganze RELATIV entspannt betrachtet habe. Tatsächlich hieß es heute vormittag, dass das Wasser bis Mittag wieder laufen könnte - inzwischen ist es 14 Uhr und immer noch nichts... Dieser Gedanke kam erst beim heutigen Gespräch mit der Hausverwaltung, die am Telefon diese Entscheidung auch wohlwollend entgegen nahm.

Abwarten; Tatsächlich war bei mir eher die generelle Frage aufgekommen ... ab was für einem Zeitraum Wassermangel eben eine Mietminderung rechtfertigt. Ob und wie ich diese Schritte gehen würde, sei jetzt erstmal dahin gestellt ...

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#16
 Von 
AltesHaus
Status:
Unparteiischer
(9258 Beiträge, 2582x hilfreich)

Zitat (von Mikado911):
Tatsächlich war bei mir eher die generelle Frage aufgekommen ... ab was für einem Zeitraum Wassermangel eben eine Mietminderung rechtfertigt.

Minderung der Miete ab sofort (Bekanntwerden des Mangels), dieser muss natürlich dem VM auch sofort bekannt gegeben werden, damit er die Möglichkeit hat den Mangel zeitnah zu beheben.

Signatur:Ich erteile keine Ratschläge, ich schreibe nur wie ich die Dinge handhaben würde.
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#17
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(64707 Beiträge, 31077x hilfreich)

Nach wie viel Zeit eine Mietminderung berechtigt wäre, hat der Gesetzgeber und die Rechtsprechung recht genau festgelegt: ab Eintritt des vom Mieter nicht selbst verursachten Mangels.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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