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Mietwohnung Zustand (erleichterte?)Rückgabe nach 20 Jahren / Selbstkündigung

26. Mai 2021 Thema abonnieren
 Von 
frankyboy0815
Status:
Beginner
(58 Beiträge, 0x hilfreich)
Mietwohnung Zustand (erleichterte?)Rückgabe nach 20 Jahren / Selbstkündigung

Es geht um den Zustand einer 20J. angemieteten 4-Zi-Wohnung (3-Monatkündigungsfrist). Bin mir zum vertraglichen Mindestzustand im Unklaren, wie die Rückgabe real (ggf. erleichtert) aussehen kann und würde mich über Tipps / Hinweise freuen. Im Mietvertrag steht Wände/Decken Rauhfaser in RAL 9010-Farbe neugestrichen.
Ebenso alle Holztüren, Türrahmen, Fußbodenleisten sind in reinweiß neu zu streichen.
Gibt es nach 20 Jahren Mietdauer ggf. eine erleichterte Wohnungsrückgabe bzw. ein Recht darauf ?
Vermutlich wird der Vermieter Küche/Bad ohnehin modern kernsanieren (wissen tue ich es aber nicht). Nun aber der Reihe nach:
1) Teppich
Die Wohnung war mit Teppich ausgelegt übergeben worden, habe diesen später teils selbst entfernt und mit Laminat ersetzt.
-Zwei Zimmer hatten ohnehin 1A-Holzfußboden darunter, ein weiteres Zi nicht (Boden war dreckig/verklebt), dort zog ich Laminat ein.
-Das verbliebende (Kinder-) Zimmer behielt den Teppichboden bei, wurde später mal zum Abstellraum.
-Der Flur hatte Teppich, der Holzfußboden drunter war jedoch schlechter, somit kam Laminat drüber.
-Die entfernten bisherigen Teppiche gingen auf den Müll.

2) Zimmertüren
Die Türen sind nach 20J. in einem guten Zustand und waren bei Übergabe seinerzeit neugestrichen.

3) Heizkörper
Von zu streichenden Heizkörpern steht im Mietvertrag nichts, sind jedoch auch weiterhin in sehr gutem Zustand.
----------------------------------------
Anmerkung: Der gesamte größere Altbauwohnkomplex (ca 150 Mietparteien) wurde just 2020 von einer Investment-Immobiliengruppe samt Altmietverträgen aufgekauft.

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5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Lolle
Status:
Bachelor
(3432 Beiträge, 1926x hilfreich)

Gibt es nach 20 Jahren Mietdauer ggf. eine erleichterte Wohnungsrückgabe?
Dass wegen einer langen Mietzeitdauer irgendwas anders ausschaut als gesetzlich oder vertraglich bestimmt, gibt es i.A. nicht. Genausowenig gibt es ja eine "Strafe" wegen einer besonders kurzen Mietdauer ;)
Aber was meinst du eigentlich mit "erleichtert"?

1) Teppich
Deine Veränderungen hast du bis zur Rückgabe unter Wiederherstellung des vermieteten Zustands zu beseitigen.
Ggf. hat der Vermieter Anspruch auf Schadenersatz für die entsorgten Bodenbeläge - aber nur in Höhe des Zeitwertes, wie er bis zum Ende deiner Mietnutzung bei vertragsgemäßem Gebrauch und üblicher Abnutzung wäre.
Nach 20 Jahren Mietzeit dürfte der Zeitwert jedoch bei normalen Bodenbelägen bei Null liegen.
Grundsätzlich empfiehlt es sich, sich mit dem Vermieter vorher zu einigen > d.h. dürfen die von dir eingebrachten Bodenbeläge drinbleiben?
Prinzipiell hast du auch ein Wegnahmerecht, das der Vermieter durch Zahlung einer angemessenen Entschädigung abwenden könnte > BGB § 552. Bei bereits abgenutzten Bodenbelägen wird der Vermieter aber i.A. kein Interesse daran haben.
Also einfach froh drüber sein, wenn der Vermieter den Zustand wie er ist akzeptiert (falls dein Bodenbelag noch ok und in vermietbarem Zustand ist) und du dir die Rückbauarbeit & Entsorgung sparen kannst.

2) Zimmertüren 3) Heizkörper ... Streichen ... bei Auszug neu streichen => Schönheitsreparaturen
Da sich die Rechtsprechung in den letzten 15 Jahren hier stark geändert hat, dürfte die meisten Vertragsvereinbarungen in älteren Mietverträgen unwirksam sein > d.h. der Vermieter wird hier wahrscheinlich nichts durchsetzen können.
Um das beurteilen zu können, müsste man aber den Original-Wortlaut des Vertrags lesen (ggf. einscannen, anonymisieren, bei einem Bilderdienst hochladen und Link hier einstellen)

Ein anderer Fall als Schönheitsreparaturen sind natürlich echte Schäden, Beschädigungen.

Vermutlich wird der Vermieter Küche/Bad ohnehin modern kernsanieren
Da könnte der Vermieter auch statt bestehender Leistungsansprüche eine Ausgleich in Geld verlangen.
z.B. hier - unter "Die Renovierungspflicht verwandelt sich in eine Ausgleichspflicht in Geld"
Befassen musst du dich damit aber nur, wenn der Vermieter dies definitiv angekündigt hat.
Aber dort findest du auch einen kurz Anriss über das große Thema "Wirksamkeit von Schönheitsreparatur-Klauseln"






-- Editiert von Lolle am 26.05.2021 11:57

Signatur:

Es hilft nichts,das Recht auf seiner Seite zu haben.Man muss auch m.d. Justiz rechnen - D Hildebrand

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
frankyboy0815
Status:
Beginner
(58 Beiträge, 0x hilfreich)

@Lolle,
herzlichen Dank für Deine sehr informative Antwort.
Bis 2020 gab es keine Konfrontationen / Diskussionen (mit dem ursprünglichen Eigentümer), der nun neue Eigentümer scheint eine schwerere Gangart zu haben (noch herauszufinden). Am besten wäre eine Vorabklärungsbesichtigung gemeinsam mit dem Vermieter (dessen Verwaltung) gewisse Details zu besprechen ( ggf. Laminat raus oder so kein Problem). Gäbe es auf ein Vorabklärungsbesichtigung einen Anspruch, weil ja auch die 3-Monatekündigungszeit schnell davonläuft?Ganz nebenbei ist die Wohnung nicht runtergewohnt, weisse Kacheln im Bad/Küche unverbohrt, sieht nahezu aus wie am ersten Tag.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Lolle
Status:
Bachelor
(3432 Beiträge, 1926x hilfreich)

Zitat (von frankyboy0815):
Gäbe es auf ein Vorabklärungsbesichtigung einen Anspruch,
Nein, einen Anspruch darauf hat weder der Vermieter noch der Mieter

Signatur:

Es hilft nichts,das Recht auf seiner Seite zu haben.Man muss auch m.d. Justiz rechnen - D Hildebrand

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
philosoph32
Status:
Lehrling
(1258 Beiträge, 145x hilfreich)

Zitat (von Lolle):
Da sich die Rechtsprechung in den letzten 15 Jahren hier stark geändert hat, dürfte die meisten Vertragsvereinbarungen in älteren Mietverträgen unwirksam sein > d.h. der Vermieter wird hier wahrscheinlich nichts durchsetzen können.
Um das beurteilen zu können, müsste man aber den Original-Wortlaut des Vertrags lesen (ggf. einscannen, anonymisieren, bei einem Bilderdienst hochladen und Link hier einstellen)


Denke das hier sagt schon alles:

Zitat (von frankyboy0815):
Im Mietvertrag steht Wände/Decken Rauhfaser in RAL 9010-Farbe neugestrichen.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(106019 Beiträge, 37848x hilfreich)

Zitat (von frankyboy0815):
Im Mietvertrag steht Wände/Decken Rauhfaser in RAL 9010-Farbe neugestrichen.
Ebenso alle Holztüren, Türrahmen, Fußbodenleisten sind in reinweiß neu zu streichen.

Das lässt vermuten, das die Klauseln nichtig sind - allerdings müsste man dazu den kompletten Wortlaut kennen und nicht nur Fragmente / Interpretationen.



Zitat (von frankyboy0815):
Gäbe es auf ein Vorabklärungsbesichtigung einen Anspruch, weil ja auch die 3-Monatekündigungszeit schnell davonläuft?

Nein.



Zitat (von frankyboy0815):
Die Wohnung war mit Teppich ausgelegt übergeben worden, habe diesen später teils selbst entfernt und mit Laminat ersetzt.

Da könnte ein Anspruch auf Rückbau / Schadenersatz bestehen.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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