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Mietwohnung wird verkauft. Angst vor Eigenbedarf?

23. Januar 2017 Thema abonnieren
 Von 
Gorgyporgy
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)
Mietwohnung wird verkauft. Angst vor Eigenbedarf?

Hallo,

wir sind drei Studenten. Eine kurz vor Arbeitsaufnahme, eine mitten im Studium und ich mitten in der Bachelorarbeit.
Wir wohnen zu dritt als WG in einer Mietwohnung mit Indexmietvertrag. Der Vertrag wurde beim Einzug der dritten Mieterin im Mai '16 neu verhandelt und unterzeichnet.
Nun erhielt ich letzten Mittwoch einen Anruf von der verwaltenden Firma mit der Info, dass die Wohnung als Anlegerwohnung zum Verkauf steht und Freitag besichtet werden soll. Freitag kam dann eine Familie her mit der Verwalterin und nannten auch direkt ihr Anliegen. Sie wohnen gerade zur Zwischenmiete und suchen ihre eigenen vier Wände.
Da war ich doch geschockt, am Telefon hieß es nämlich, dass die Wohnung mit Mieter verkauft wird.
Erstmal dachte ich noch "naja, vielleicht kaufen die die Wohnung auch nicht" aber nun scheint dieses Szenario immer wahrscheinlicher und wir wissen nicht was wir tun sollen. In Hamburg ist bezahlbarer Wohnraum wirklich Mangelware und beim bloßen Gedanken an die Wohnungssuche fange ich schon an mit den Zähnen zu knirschen.

Nun teilten mir Freunde mit, dass der neue Eigentümer 3 Jahre lang kein Eigentum anmelden darf. Ein anderer verweist auf die Kündigungsfrist, die ja nun nachdem der Vertrag im Mai neu ausgelegt wurde lediglich bei 3 Monaten liegt.

Ich weiß gerade einfach gar nicht mehr weiter und nicht wo ich wohnen soll. Vielleicht können Sie mir näher Auskunft geben.

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13 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
0815Frager
Status:
Master
(4961 Beiträge, 2358x hilfreich)

Zitat (von Gorgyporgy):
Wir wohnen zu dritt als WG in einer Mietwohnung mit Indexmietvertrag. Der Vertrag wurde beim Einzug der dritten Mieterin im Mai '16 neu verhandelt und unterzeichnet.

Das dürfte weniger eine Rolle spielen, vielmehr wie lange man schon insgesamt dort wohnt.
Bis 5 Jahre sind es drei Monate, länger als 5 Jahre 6 Monate ab 8 Jahren 9 Monate.
Zitat (von Gorgyporgy):
Nun teilten mir Freunde mit, dass der neue Eigentümer 3 Jahre lang kein Eigentum anmelden darf.

Nö, sofort nachdem er als Eigentümer im Grundbuch steht.
Wobei wenn die Wohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt werden, hat unter bestimmten Voraussetzungen der Mieter ein Vorkaufsrecht. Vielleicht wäre das was?

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#2
 Von 
Ver
Status:
Master
(4314 Beiträge, 2264x hilfreich)

Zitat (von Gorgyporgy):
Nun teilten mir Freunde mit, dass der neue Eigentümer 3 Jahre lang kein Eigentum anmelden darf



Das gilt nur, wenn ein MFH in einzelne Mietwohungen umgewandelt wird.

Wenn das schon einzelne Wohnungen sind (WEG), dann gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen. ABER:

Die neuen Eigentümer können erst kündigen, wenn sie im Grundbuch eingetragen sind und das kann Monate dauern. Und die Kündigung muss auch formal korrekt sein.

Doch Mieten ist immer Wohnen auf Zeit. Wenn es in Hamburg so teuer ist: Warum kauft Ihr die Wohnung nicht "einfach" selbst. Derzeit ist kaufen billiger als mieten.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Gorgyporgy
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke soweit für die Antworten.
über einen Kauf habe ich mir selber noch keine großen Gedanken gemacht. Wie gesagt ist die Ankündigung gerade wenige Tage erst her.
Soweit ich weiß ist der bisherige Eigentümer auch Hausbesitzer, wobei zwei Wohnungen an jemanden verkauft sind. Die Person wohnt hier auch. Die Wohnung soll jetzt verkauft werden um den Kauf einer anderen zu refinanzieren.

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
guest-12303.07.2019 16:29:14
Status:
Lehrling
(1396 Beiträge, 425x hilfreich)

Der TE hat Angst vor der Wohnungssuche. Ich tippe also mal ins Blaue und behaupte, dass er also wenig Geld zur Verfügung haben wird. Wie soll er also die Wohnung kaufen? Einen Bankredit? Für quasi drei Studenten? Never...

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#5
 Von 
Gorgyporgy
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Der TE ist noch Student. Gerade auf Jobsuche aber sehr gute Aussicht auf ein äußerst gutes Gehalt. Dennoch ist es hier nicht unüblich 1300-1500€ für die Miete hinzulegen was ich nicht einsehe.
Das ist aber nicht das größte Problem. Das ist nämlich die Zeit. Bei 3 Monaten Kündigungsfrist ist es fast unmöglich eine Wohnung in HH zu finden, die gut gelegen, frei von Schimmel etc. ist.

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
0815Frager
Status:
Master
(4961 Beiträge, 2358x hilfreich)

Zitat (von Gorgyporgy):
Dennoch ist es hier nicht unüblich 1300-1500€ für die Miete hinzulegen was ich nicht einsehe.

Dann wäre der Kauf doch eine Lösung, meist bekommt man vom Eigentümer einen kleinen Bonus.
1500€ monatlich sind aufs Jahr 18.000€ auf 10 Jahre schon 180.000€ das ist eine gewaltige Summe für kein Eigentum, oder eben schon mal einen Batzen ab bezahlt.

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
cauchy
Status:
Richter
(8885 Beiträge, 4198x hilfreich)

Zitat (von Gorgyporgy):
Wir wohnen zu dritt als WG in einer Mietwohnung mit Indexmietvertrag. Der Vertrag wurde beim Einzug der dritten Mieterin im Mai '16 neu verhandelt und unterzeichnet.

Die Kündigungsfristen richten sich nach § 573c BGB und damit nach der Überlassung des Wohnraums. Ein neuer Mietvertrag wäre da prinzipiell erstmal unschädlich, hier ist zumindest ein Mieter neu. Da ist mir unklar, wie sich die Kündigungsfrist berechnet.

Zitat (von Gorgyporgy):
Nun erhielt ich letzten Mittwoch einen Anruf von der verwaltenden Firma mit der Info, dass die Wohnung als Anlegerwohnung zum Verkauf steht und Freitag besichtet werden soll.

Na klar. Wenn die sagen, dass sie die Wohnung für Eigennutzung verkaufen wollen, wird die Kooperationsbereitschaft der Mieter gegen null gehen. Da der nicht verpflichtet ist, auf die Terminwünsche des Vermieters einzugehen, kann das problematisch sein. Mal abgesehen davon das der Mieter potentielle Käufer durchaus verschrecken kann. Von daher wird man so gut wie immer hören, dass die Wohnung nur zu Anlegezwecken angeboten wird und sich der Mieter keine Sorgen machen soll. Hat ja auch keinerlei Konsequenzen, wenn dem dann nicht so ist.

Zitat (von Gorgyporgy):
Nun teilten mir Freunde mit, dass der neue Eigentümer 3 Jahre lang kein Eigentum anmelden darf.

Hier mal ein Link zum Thema vorhersehbarem Eigenbedarf: http://www.mietrecht.org/eigenbedarf/eigenbedarf-war-vorhersehbar/. Bis 2015 war man davon ausgegangen, dass eine Eigenbedarfskündigung in den ersten Jahren nach Anmietung nahezu unmöglich ist. Dies hat der BGH 2015 jedoch gekippt. Seitdem ist es für Mieter deutlich schwieriger zu argumentieren, dass ein vorhebarer Eigenbedarf vorliegt und die Kündigung damit rechtsmissbräuchlich ist. Unmöglich ist das ganze aber natürlich nicht. Wenn sich herausstellt, dass die Wohnung bereits Mai 2016 zum Verkauf stand, dann wird's mit dem Eigenbedarf für den Erwerber schonmal schwieriger.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Ver
Status:
Master
(4314 Beiträge, 2264x hilfreich)

Zitat (von Guruhu):
Wie soll er also die Wohnung kaufen? Einen Bankredit?


Warum denn nicht? Nur weil jemand Student ist, bedeutet das nicht, dass kein Geld vorhanden ist. Zumindest in der Familie. Und selbst ein 120%-Kredit ist i.A. finanzierbar.

Wäre doch ganz bequem, die Untermieter hätte er schon und die finanzieren einen guten Teil des Kredits.

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
Gorgyporgy
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Naja der Kauf macht für mich derzeit nicht so viel Sinn. Wenn ich mich schon verschulde, dann kann es auch gleich 200k€ mehr sein und eine moderne Wohnung.

Jedenfalls: Wann/Wie greift denn die Kündigungssperrfrist? So wie ich das verstehe, lebe ich in einer Mietwohnung und die wird jetzt als Eigentum an jemanden verkauft. Das hieße doch wir können für 3 Jahre nicht rausgeworfen werden, oder?

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
0815Frager
Status:
Master
(4961 Beiträge, 2358x hilfreich)

Zitat (von Ver):
Wäre doch ganz bequem, die Untermieter hätte er schon und die finanzieren einen guten Teil des Kredits.

Auf jeden Fall, auch ein gutes Argument fürs Gespräch mit dem Bankberater.

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
Lolle
Status:
Bachelor
(3432 Beiträge, 1926x hilfreich)

Zitat (von Gorgyporgy):
Jedenfalls: Wann/Wie greift denn die Kündigungssperrfrist? So wie ich das verstehe, lebe ich in einer Mietwohnung und die wird jetzt als Eigentum an jemanden verkauft. Das hieße doch wir können für 3 Jahre nicht rausgeworfen werden, oder?

Nein - so einfach ist das nicht

Die Sonderrechte ergeben sich aus > [link=http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/BJNR001950896.html#BJNR001950896BJNG022802377]BGB § 577 und § 577a [/link] (Kapitel: Besonderheiten bei der Bildung von Wohnungseigentum an vermieteten Wohnungen)

in Normaldeutsch z.B. dann hier in den Merkblättern
https://www.mieterschutzverein-frankfurt.de/fileadmin/user_upload/PDF/Merkblaetter/Umwandlung.pdf
http://www.bmgev.de/mietrecht/tipps-a-z/artikel/umwandlung-und-wohnungsverkauf.html

Die Kündigungsbeschränkung gilt nur, wenn - nachdem eine Wohnung eines Mehrfamilienhauses an den Mieter vermietet (überlassen) worden war - aus den Wohnungen Eigentumswohnungen=Sondereigentum (Wohneigentum) gebildet worden war und dieses Wohnungseigentum dann verkauft worden war.

Hintergrund: Wohnungen in einem Mehrfamilienhaus können nicht einzeln verkauft werden, sondern nur das ganze Haus mit allen Wohnungen und solche Objekte werden i.d.R. von Anlegern/Immobiliengesellschaften/-fonds nicht zur Eigennutzung gekauft. Für die Selbstnutzung ist dagegen nur der Kauf einer Eigentumswohnung sinnvoll.

Waren die Wohnungen bei Anmietung bereits Eigentumswohnungen, dann geht der Gesetzgeber davon aus, das der Mieter auch wusste worauf er sich einlässt und dann gelten diese Sonderrechte auch nicht.

Die Frage ist also: war eure Wohnung bereits Eigentumswohnung als ihr die angemietet habt?

Falls die Wohnungen im Haus unterschiedlichen Eigentümern gehören und euer Vermieter in dieser Zeit nicht gewechselt hat, dann dürfte das wohl zutreffen - als nichts mit den Sonderrechten.

Möglicherweise findet sich auf den Umstand "Eigentumswohnung" direkt ein Hinweis im Mietvertrag (sicher auch jetzt aktuell in der Verkaufsanzeige oder im Exposé und auch im Notariellen Kaufvertrag).
Ansonsten musst du dazu den Vermieter/Eigentümer/Verwalter um Auskunft bitten.
Zu Belegen ist das durch einen Grundbuchauszug - zu Erfahren auch über das Grundbuchamt > ich weiss allerdings nicht, ob der Umstand "Mieter einer Wohnung im Haus" für das Grundbuchamt schon als berechtigender Grund für eine Auskunftserteilung zählt.

Signatur:

Es hilft nichts,das Recht auf seiner Seite zu haben.Man muss auch m.d. Justiz rechnen - D Hildebrand

1x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
asd1971
Status:
Student
(2594 Beiträge, 980x hilfreich)

Zitat (von 0815Frager):
Zitat (von Ver):
Wäre doch ganz bequem, die Untermieter hätte er schon und die finanzieren einen guten Teil des Kredits.

Auf jeden Fall, auch ein gutes Argument fürs Gespräch mit dem Bankberater.


Das wird echt unerträglich. Nicht jeder kann sich ohne weiteres in einer Großstadt eine Wohnung leisten. Und nicht alle erben...

Wäre dem so, dann wäre Deutschland kein Mieterland, sondern - wie im EU-Ausland üblich- Eigentümer.

Und ihr seid bereits mehrmals off-topic.

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
0815Frager
Status:
Master
(4961 Beiträge, 2358x hilfreich)

Zitat (von asd1971):
Das wird echt unerträglich. Nicht jeder kann sich ohne weiteres in einer Großstadt eine Wohnung leisten. Und nicht alle erben...

Man muss keinesfalls Erben, Wohneigentum erreichen viele wo rechnen können. Und nicht vergessen, der TE steht vor den Bachelor:
Zitat (von Gorgyporgy):
Der TE ist noch Student. Gerade auf Jobsuche aber sehr gute Aussicht auf ein äußerst gutes Gehalt. Dennoch ist es hier nicht unüblich 1300-1500€ für die Miete hinzulegen was ich nicht einsehe.

Also er steht beruflich glänzend da, und mit 40 oder 50 Jahren braucht man an keine vernünftige Finanzierung glauben, da ist es zu spät.
Nur mal 1500€ ohne die Mieterhöhungen mit gerechnet, sind selbst 500.000€ keine Kaufsumme aufs Leben und 30 Jahre gerechnet.
Zitat (von asd1971):
Wäre dem so, dann wäre Deutschland kein Mieterland, sondern - wie im EU-Ausland üblich- Eigentümer.

Dem ist nur so, weil die Deutschen aus der Sicht Weicheier sind, Miete ist so einfach, man kann für alles Mutti Vermieter rufen, braucht sich um nichts zu kümmern. Nur die Schattenseite, die heutigen Mieter sind in Rente meist Transferempfänger, die Rente wird nicht reichen. Aber dafür haben die Mieter Luxusurlaube auf Pump gemacht, wo sie dann wieder den Rest vom Jahr ab zahlen. Geblieben ist im Alter nichts, aber dafür zahlt der Staat. Genau das ist das typisch deutsche Problem, der normalen Arbeiter und Angestellten.
Jedoch wer beruflich in eine sichere Zukunft sehen kann, wie der TE, kann es sich das leisten, und ist später nicht von Altersarmut betroffen.

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