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Hat der Nachbar das Recht, einen Grenzzaun zu errichten, obwohl ich keinen haben will ?

29. September 2022 Thema abonnieren
 Von 
Chakameh
Status:
Beginner
(108 Beiträge, 3x hilfreich)
Hat der Nachbar das Recht, einen Grenzzaun zu errichten, obwohl ich keinen haben will ?

Der Nachbar hat zwischen meinem und seinem Grundstück völlig unerwartet einen Zaun errichtet, ohne sich vorher mit mir darüber abgestimmt zu haben. Die Grenze ist zwischen den Grundstücken immer offen gewesen. Wenn einer das Grundstück des anderen betreten hat, hat man das gegenseitig nie beanstandet. Wenn man das tat, nahm man gegenseitig einen kleinen Vorteil wahr, der in einer Wegabkürzung bestand. Einen tatsächlichen Verlust hat aber keiner zu erleiden, wenn dieser Vorteil nun nicht mehr ausgenutzt werden kann. So werde ich mich mit dem Zaun abfinden und deswegen auch keinen Streit anfangen. Mit dem unerwünschten Zaun kam jedoch die Frage auf, wer eigentlich in der beschriebenen Konstellation darüber bestimmen darf, ob ein Zaun gezogen werden darf oder nicht. Offensichtlich möchte der Nachbar aus unbekanntem Grund einen Zaun haben, während ich eine offene, freie Grenze bevorzuge und selbstverständlich auch beachte, wenn ich sie beachten soll. Hat der Nachbar das Recht, einen Zaun zu errichten, wenn ich keinen Grenzzaun haben will und ihn ablehne ?



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6 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
drkabo
Status:
Wissender
(14088 Beiträge, 8557x hilfreich)

Jein.
Im Regelfall ist es schon so, dass ein Zaun gebaut werden muss, wenn einer der beiden Anrainer das möchte. Allerdings ist das eigenmächtige Vorgehen des Nachbarn wahrscheinlich nicht korrekt.
Auf der anderen Seite können Sie wahrscheinlich froh sein, wenn der Nachbar alle Kosten getragen hat. In den meisten Bundesländern wäre nämlich Kostenteilung die Regel.
Sie müssten das Bundesland verraten - Nachbarrecht ist nämlich Landesrecht.

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

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#2
 Von 
Chakameh
Status:
Beginner
(108 Beiträge, 3x hilfreich)

Wenn es so ist, daß ein Anrainer die Errichtung eines Zaunes verlangen kann, ohne auf die gegensätzlichen Interessen des anderen Rücksicht nehmen zu müssen, bleibt es für mich unverständlich, daß ich mich, der ich den Zaun gar nicht will und ablehne, auch noch an den Kosten seiner unerwünschten Errichtung, wenn sie von mir abgefordert würden, beteiligen müßte. Eine Kostenbeteiligung ist tatsächlich nicht verlangt worden, jedenfalls nicht bisher. Die Verhältnisse haben ohne Zaun und ohne die geringsten Probleme über 70 Jahre bestanden. Dann ist das Nachbargrundstück an andere Eigentümer gegangen, die mit der Durchführung ihrer aktivistischen Pläne alles kaputt machen und nun auch noch den grenznahen Baum auf ihrer Seite umlegen dürfen, der alle Anwohner immer erfreut und niemals jemanden gestört hat. Wenn das Zaunproblem in den Bundesländern unterschiedlich beurteilt wird, kann ich daraus nur entnehmen, daß es eigentlich keine gerechte Lösung gibt und darum mit einem Gesetz entschieden wird, was richtig und falsch zu sein hat. Ich befinde mich mit meinem Problem in Hamburg und will mich nur orientieren, ohne einen Nachbarschaftsstreit beginnen zu wollen.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(105560 Beiträge, 37791x hilfreich)

Zitat (von Chakameh):
Dann ist das Nachbargrundstück an andere Eigentümer gegangen, die mit der Durchführung ihrer aktivistischen Pläne alles kaputt machen und nun auch noch den grenznahen Baum auf ihrer Seite umlegen dürfen, der alle Anwohner immer erfreut und niemals jemanden gestört hat.

Mindestens einen hat er gestört.
Im übrigen kann der Eigentümer mit seinem Eigentum verfahren wie er möchte, ob es der Nachbarschaft nun gefällt oder nicht ist dabei irrelevant.



Das
Zitat (von drkabo):
Im Regelfall ist es schon so, dass ein Zaun gebaut werden muss, wenn einer der beiden Anrainer das möchte.
Zitat (von drkabo):
In den meisten Bundesländern wäre nämlich Kostenteilung die Regel.

gilt nur für Grenzzäune.



Zitat (von Chakameh):
Hat der Nachbar das Recht, einen Zaun zu errichten, wenn ich keinen Grenzzaun haben will und ihn ablehne ?

Wenn der Zaun kein Grenzzaun ist, kann der Nachbar noch freier bestimmen - Kostenteilung gibt es da aber in der Regel nicht.



Zitat (von drkabo):
Nachbarrecht ist nämlich Landesrecht.

Nachbarrecht ist ja nur ein Element das das ganze beeinflusst.
Es kommt darauf an, welche Vorschriften für das spezielle Grundstück gelten.
Als erstes müsste man also mal schauen, was die Gesetze, Verordnungen und vertraglichen Vereinbarungen besagen, die für das betreffende Grundstück und die Nachbargrundstücke gelten.

Also erst mal Akten wälzen, mal in den Kaufvertrag schauen, Grundbuch, Baulastenverzeichnis, Bebauungsplan, örtliche Bausatzungen, Landesbauordnung, Nachbarschaftsrecht, …
Und Regelungen zu Natur- und Wasserschutzgebieten können auch noch relevant sein.´


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
de Bakel
Status:
Lehrling
(1218 Beiträge, 244x hilfreich)

Hamburg ist eines der wenigen Bundesländer, die kein Nachbarschaftsgesetz haben.

Sofern örtliche Vorschriften (B-Plan, Gestaltungssatzung o.ä.) oder vertragliche Vereinbarungen nichts anderes aussagen, darf der Nachbar auf seine Kosten den Zaun bauen.

Deine polemischen Ausführungen sind nichts als Geschwätz und was 70 Jahre funktioniert hat, sagt nichts über die neue Nachbarschaft aus. Vielleicht will der Nachbar sich ja einen kleinen Schäferhund anschaffen?

1x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
eh1960
Status:
Junior-Partner
(5092 Beiträge, 1279x hilfreich)

Zitat (von Chakameh):
Wenn es so ist, daß ein Anrainer die Errichtung eines Zaunes verlangen kann, ohne auf die gegensätzlichen Interessen des anderen Rücksicht nehmen zu müssen, bleibt es für mich unverständlich, daß ich mich, der ich den Zaun gar nicht will und ablehne, auch noch an den Kosten seiner unerwünschten Errichtung, wenn sie von mir abgefordert würden, beteiligen müßte.

Das ist vom Gesetz aber nun mal so vorgesehen.
Und der Gesetzgeber hat das gemacht, weil ein "Grenzzaun" (o.ä.) der Normalfall ist, und jeder Grundstückseigentümer Anspruch darauf hat, daß es einen solchen Zaun gibt.
Da bleibt dann nur noch die Frage, wie die Bezahlung geregelt ist, und die ist entweder so geregelt, daß beide Nachbarn sich die Kosten für einen schlichten, ortsüblichen Zaun teilen müssen, oder aber jeder für jeweils 2 Seiten seines Grundstücks alleine zahlen muss.

Zitat:
Die Verhältnisse haben ohne Zaun und ohne die geringsten Probleme über 70 Jahre bestanden.

Ändert nichts daran, daß jeder Nachbar einen gesetzlichen Anspruch auf einen Grenzzaun hat.
Das ist auch nicht ganz unwichtig, weil ohne eine ausreichende "Einfriedung" kein "befriedetes Grundstück" besteht - und wenn das Grundstück nicht entsprechend eingefriedet ist, dann kann nicht nur jeder da rauf laufen, sondern er darf es auch, denn "Hausfriedensbruch" setzt eine ausreichende Einfriedung voraus.

Zitat:
Dann ist das Nachbargrundstück an andere Eigentümer gegangen, die mit der Durchführung ihrer aktivistischen Pläne alles kaputt machen

Nein. Jetzt gibt es einen neuen Eigentümer, der ganz einfach seine Rechte wahrnimmt.

Zitat:
nun auch noch den grenznahen Baum auf ihrer Seite umlegen dürfen, der alle Anwohner immer erfreut und niemals jemanden gestört hat.

Offensichtlich stört er aber den neuen Grundstückseigentümer. Und wenn keine Baumschutzsatzung o.ä. dem entgegensteht, dann darf er auf seinem Grundstück Pflanzen und Bäume nach seinem Belieben entfernen. (Und pflanzen.)

Zitat:
Wenn das Zaunproblem in den Bundesländern unterschiedlich beurteilt wird, kann ich daraus nur entnehmen, daß es eigentlich keine gerechte Lösung gibt und darum mit einem Gesetz entschieden wird, was richtig und falsch zu sein hat.

Das ist ja genau der Sinn und Zweck von Gesetzen...

Und "gerecht" ist es ganz bestimmt nicht, wenn Sie Ihrem Nachbarn vorschreiben wollen, daß der keinen Zaun haben darf und auch nicht entscheiden darf, ob auf seinem Grundstück ein Baum steht oder nicht.

Wie würden Sie wohl reagieren, wenn Ihr Nachbar Ihnen solche Vorschriften machen wollte?

Signatur:

Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".

1x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
eh1960
Status:
Junior-Partner
(5092 Beiträge, 1279x hilfreich)

Zitat (von de Bakel):
Deine polemischen Ausführungen sind nichts als Geschwätz und was 70 Jahre funktioniert hat, sagt nichts über die neue Nachbarschaft aus. Vielleicht will der Nachbar sich ja einen kleinen Schäferhund anschaffen?

Oder Kinder, die nicht einfach das Grundstück verlassen können sollen, solange sie noch klein sind...

Oder er baut einen Swimmingpool im Garten - und muss dann durch einen Zaun verhindern, daß ein Kind aus der Nachbarschaft einfach auf sein Grundstück laufen, in den Pool fallen und ertrinken kann...

Oder er ahnt, daß ohne Zaun mehr oder weniger oft fremde Leute auf sein Grundstück latschen werden. Vielleicht gar mit der Begründung, das würde ja schon seit 70 Jahren so gemacht...

Signatur:

Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".

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