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1 Stunde Mittagspause - eine Abweichung vom Standard?

14.5.2022 Thema abonnieren
 Von 
Frau Herrje
Status:
Beginner
(129 Beiträge, 16x hilfreich)
1 Stunde Mittagspause - eine Abweichung vom Standard?

Einen guten Nachmittag zusammen!

Eine Bekannte hat in einem kleinen Büro eine neue Arbeitsstelle angenommen. Diese war als Teilzeitstelle ausgeschrieben, sie konnte sich 30 oder 35 Std. die Woche vorstellen und hat sich entsprechend beworben. Beim zweiten Gespräch eröffnete man ihr, dass es sich doch um eine Vollzeitstelle handelt, aber mit "nur" 38,5 Std. Wochenarbeitszeit. Ob sie sich das trotzdem vorstellen könnte und ja, sie willigte ein.
Nun kam die Ernüchterung in folgender Weise: Es wird täglich 1 Stunde Mittagspause gemacht. Damit hat die Dame überhaupt nicht gerechnet, es wurde leider auch gar nicht erwähnt oder im Arbeitsvertrag vermerkt. Auf ihre Nachfrage zu dieser "Abweichung vom Standard" sagte man ihr, dass sei doch gesetzlich.....und selbst wenn nicht, es ist halt so. Tatsächlich hätte sie die Stelle nicht angenommen, wenn ihr das vorher bekannt gewesen wäre. Sie fühlt sich getäuscht, es wurden 38,5 Std. statt Teilzeit "angepriesen", aber dann die tägliche halbe Stunde mehr Arbeitszeit verschwiegen. Ist man (sie) in so einem Fall einfach der/die Dumme?

Ein schönes sonniges Wochenende wünsche ich!

-- Editiert von Moderator topic am 15.05.2022 12:00

-- Thema wurde verschoben am 15.05.2022 12:00

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16 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(100317 Beiträge, 37061x hilfreich)

Ich verstehe die Sachverhaltsschilderung nit der Arbeitszeit nicht ...

Im Vertrag sind 38,5 Std. je Woche vereinbart.
Wie sind denn da die Arbeitszeiten und die Pausenzeiten je Tag im Detail?



Zitat (von Frau Herrje):
Auf ihre Nachfrage zu dieser "Abweichung vom Standard"

Welche "Abweichung vom Standard"?



Zitat (von Frau Herrje):
dass sei doch gesetzlich

Bei einem Arbeitstag von 8 Stunden sieht das Gesetz für Erwachsene eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten vor.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#2
 Von 
bostonxl
Status:
Lehrling
(1746 Beiträge, 255x hilfreich)

Zitat (von Frau Herrje):
Sie fühlt sich getäuscht, es wurden 38,5 Std. statt Teilzeit "angepriesen", aber dann die tägliche halbe Stunde mehr Arbeitszeit verschwiegen.
1. Die 38,5 Stunden wurden doch nicht als Teilzeit angepriesen.
2. Die Bekannte hat einen Vertrag mit 38,5 Stunden Arbeitszeit unterschrieben und die Stundenzahl akzeptiert.
3. Pausen sind keine Arbeitszeiten.
4. Der Gesetzgeber schreibt eine Mindestpause von 30 min vor. Der AG kann diese aber auf 1 h ausdehnen.

Wo ist nun das Problem?

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(34695 Beiträge, 13204x hilfreich)

Wir haben keine halbe Stunde mehr Arbeitszeit. Wir haben eine halbe Stunde mehr Pause. Und es gibt unendlich viele Betrieben, in denen die Pause für länger als 30 Minuten festgelegt ist. Etwa, weil ein Kantinenbesuch in einer halben Stunde nicht abgewickelt werden kann, viele Mitarbeiter die Pause zum einkaufen nutzen wollen, u.s.w. Warum hat die Betroffene denn nicht nach der "Pausengestaltung" gefragt, wenn sie ihr denn so wichtig ist?

wirdwerden

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#4
 Von 
Anami
Status:
Unsterblich
(23404 Beiträge, 4597x hilfreich)

Zitat (von Frau Herrje):
Sie fühlt sich getäuscht, es wurden 38,5 Std. statt Teilzeit "angepriesen",...aber dann die tägliche halbe Stunde mehr Arbeitszeit verschwiegen.
Die Frau kann nicht rechnen. Sie arbeitet nun genau 38,5 Std/Woche.
Sie hat Vollzeit akzeptiert, obwohl sie nicht wollte.

Und hat tgl. 1 Std. Pause. In dieser Stunde arbeitet sie hoffentlich nicht.

Mit einer TZ-Stelle von 30 Std/Woche hätte sie vermutlich 5x6 Std. gearbeitet und gar keine Pause. Sie wäre auch damit evtl. nicht zufrieden gewesen, hätte sich getäuscht gefühlt und uU sogar tatsächlich mehr als 30 Std/Woche gearbeitet.

SO geht es seit zig Jahren sehr vielen TZ-Kräften.
Nicht bekannt?

Signatur:

ist nur meine Meinung.

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#5
 Von 
blaubär+
Status:
Wissender
(14445 Beiträge, 5617x hilfreich)

Pausen sind definitionsgemäß nicht Arbeitszeit und in den Pausen sollte AN auch nicht arbeiten oder auch nur auf dem Sprung sein, die Arbeit jederzeit wieder aufzunehmen. Die Gute arbeitet also nicht länger - aber die Verweildauer im Betrieb liegt entsprechend höher. Dass die Pausen im Betrieb so sind, kam im Einstellungsgespräch nicht zur Sprache (wäre auch einigermaßen merkwürdig) - aber Täuschung liegt deswegen nicht vor.
Wenn jetzt die Pausenzeit zur Bruchstelle wird - gut, dann ist es so.
Die Frau wird ja Probezeit haben und kann ohne tamtam kündigen.

1x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(100317 Beiträge, 37061x hilfreich)

Zitat (von wirdwerden):
Wir haben keine halbe Stunde mehr Arbeitszeit.

Zitat (von Anami):
Sie arbeitet nun genau 38,5 Std/Woche.

Faszinierend, diese hellseherischen Fähigkeiten ...

Ich frage mich woher man das wissen will, ist die entscheidende Frage nach den relevanten Fakten
Zitat (von Harry van Sell):
Wie sind denn da die Arbeitszeiten und die Pausenzeiten je Tag im Detail?

doch noch gar nicht beantwortet worden und in der Sachverhaltsschilderung findet sich das genaue Gegenteil eurer Aussagen ...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
blaubär+
Status:
Wissender
(14445 Beiträge, 5617x hilfreich)

Zitat (von Frau Herrje):
Es wird täglich 1 Stunde Mittagspause gemacht.

Zitat (von Frau Herrje):
Vollzeitstelle ... mit "nur" 38,5 Std. Wochenarbeitszeit.

Harry, worin bestehen da 'hellseherische Fähigkeiten'? Vor dem Hintergrund der Darstellung eingangs samt Fakten und Darlegung des Ärgers?

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(100317 Beiträge, 37061x hilfreich)

Zitat (von Frau Herrje):
aber dann die tägliche halbe Stunde mehr Arbeitszeit verschwiegen

Du hast den Punkt vergessen
Zitat (von blaubär+):
Vor dem Hintergrund der Darstellung eingangs samt Fakten und Darlegung des Ärgers?



Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(34695 Beiträge, 13204x hilfreich)

Harry, wenn die Fragestellerin 38,5 Stunden arbeitet, wie vertraglich vorgesehen, sie gleichzeitig moniert, dass sie 30 Minuten länger Mittagspause machen muss und es um diese 30 Minuten geht, dann kann man wohl daraus schließen, dass es - wie auch getitelt - um die 30 Minuten geht.

wirdwerden

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#10
 Von 
Frau Herrje
Status:
Beginner
(129 Beiträge, 16x hilfreich)

Ich bin verwundert, ich hatte das Thema extra nicht in "Arbeitsrecht" gestellt.

Und richtig, nicht die Arbeitszeit verlängert sich um eine halbe Stunde sondern der Arbeitstag. Darum geht es der Dame, denn sie hat sich nicht aus Jux um eine Teilzeitstelle beworben. Und das war bekannt, deswegen der "Kompromiss" mit 38,5 Std. (5 Tage Woche) Vollzeit. Nur leider hat sie nicht nach den Pausenzeiten gefragt. Sie hätte von einer 40 Stunden Woche mit 30 Minuten Pause täglich mehr. Mehr Geld und weniger Arbeitstag.

Ist es denn so ungewöhnlich von den gesetzlichen 30 Min. auszugehen? Es ist ein kleines Büro, kein produzierendes Gewerbe. Es ist keine körperlich anstrengende Arbeit, es gibt keine Kantine. Die Bürozeiten sind von 09:00 Uhr bis 16:30 Uhr (Mo - Do), um 08:30 Uhr wird gestartet. Das wurde vorher auch mitgeteilt. Da erschien es ihr ganz logisch, dass Arbeitsende um 17:00 Uhr ist.

Für sie ist es wirklich blöd, denn sie mag die Arbeit dort bislang.

Dankeschön an alle und schönen Sonntag!

-- Editiert von Frau Herrje am 15.05.2022 15:47

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(100317 Beiträge, 37061x hilfreich)

Zitat (von wirdwerden):
dann kann man wohl daraus schließen, dass es - wie auch getitelt - um die 30 Minuten geht.

Da Frau Herrje nun schon länger hier postet, unterstelle ich mal, dass sie entsprechende Grundkenntnisse hat und weis das Pausen keine Arbeitszeit sind - zumal das wohl durchaus zum Allgemeinwissen zählt.


Jetzt sind die Fragen wie, wo und wodurch entstehen die 30 Minuten zusätzliche Arbeitszeit?


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
Anami
Status:
Unsterblich
(23404 Beiträge, 4597x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Faszinierend, diese hellseherischen Fähigkeiten ...
Ja, nöch?

Gern formuliere ich auf Wunsch eines einzelnen Herrn um:
Wenn diese AN nun 38,5 Std. pro Woche in Vollzeitbeschäftigung arbeitet, und der AG für alle seine AN tgl. 1 Std. Pause (sogar Mittagspause genannt) vorsieht, wird die gute Frau AN wohl nicht mehr Arbeitszeit als 38,5 Stunden pro Woche haben.
Zitat (von Harry van Sell):
in der Sachverhaltsschilderung findet sich das genaue Gegenteil eurer Aussagen ...
Echt?
Zitat (von Frau Herrje):
Es wird täglich 1 Stunde Mittagspause gemacht. Damit hat die Dame überhaupt nicht gerechnet,
Das mag sein. Ein AG muss nicht Standard-Pausen anweisen.

Was bleibt?
Vermutlich ist die AN im Rahmen ihrer derzeitigen Beschäftigung länger unterwegs, als sie dachte. Mindestens 30 Minuten.
Der AG wird nach §4 ArbZG gehandelt und geantwortet haben.

-- Editiert von Anami am 15.05.2022 15:50

Signatur:

ist nur meine Meinung.

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
Frau Herrje
Status:
Beginner
(129 Beiträge, 16x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Da Frau Herrje nun schon länger hier postet, unterstelle ich mal, dass sie entsprechende Grundkenntnisse hat und weis das Pausen keine Arbeitszeit sind - zumal das wohl durchaus zum Allgemeinwissen zählt.


Ich hatte mich in der Tat "verschrieben". Der Arbeitstag verlängert sich um eine halbe Stunde, das war im Grunde doch aber auch aus Titel und Kontext zu entnehmen.
Sie fühlt sich getäuscht, denn sie hätte von einer 40 Stunden Woche mit 30 Minuten Pause täglich mehr.

1x Hilfreiche Antwort

#14
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(34695 Beiträge, 13204x hilfreich)

Außer Harry hat das hier ja auch jeder verstanden. Mach Dir da mal keinen Kopf. Aber Fakt ist nun mal, dass sie beim Einstellungsgespräch danach hätte fragen müssen. Denn eine Stunde Pause ist absolut in der Norm, nichts Besonderes. Sie ist nicht getäuscht worden.

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort

#15
 Von 
Tick-Tack
Status:
Schüler
(168 Beiträge, 19x hilfreich)

Zitat (von Frau Herrje):
Sie fühlt sich getäuscht
Das ist lächerlich.

Beim nächsten Mal direkt im Bewerbungsgespräch die so wichtige Frage klären, damit es nicht zu einem neuerlichen Pausen-Gate kommt :wink:

1x Hilfreiche Antwort

#16
 Von 
kalledelhaie
Status:
Lehrling
(1022 Beiträge, 171x hilfreich)

Zitat (von Frau Herrje):
Sie fühlt sich getäuscht, denn sie hätte von einer 40 Stunden Woche mit 30 Minuten Pause täglich mehr.


Dafür gibt es ja die Probezeit.
Passt das drumherum beiden Parteien. Es steht einem frei seine entsprechende Konsequenz zu ziehen.

Das Problem ist wohl eher das hier:

Zitat (von Frau Herrje):
Für sie ist es wirklich blöd, denn sie mag die Arbeit dort bislang


Vielleicht liegt das ja gerade daran, das sie die Leute dort sich eben nicht als Humankapital mit möglichst optimalen, Zeit/Ertrags Verhältnis sehen, sondern genießen die längere Pause, für ein stabiles soziales miteinander.

Es ist immer ein Paket das man bekommt. Der rechtliche Rahmen ist für beide Parteien, sich das Paket am Anfang anzuschauen. Ob das Paket für den jeweils anderen funktioniert muss jeder für sich herausfinden.

Signatur:

Die von mir vertretenen Meinungen sind rein private Einschätzungen und ersetzen keine professionelle

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