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Nichtbeförderung nach Verspätung aufgrund von Air traffic control - Anrecht auf Entschädigung?

22.4.2019 Thema abonnieren
 Von 
inkasso_becker_fan
Status:
Frischling
(12 Beiträge, 0x hilfreich)
Nichtbeförderung nach Verspätung aufgrund von Air traffic control - Anrecht auf Entschädigung?

Hallo,

Folgendes hat sich zugetragen:

- Flug A von Europa nach Amerika landet mit 30 Minuten Verspätung.

- Ca. 30 Passagiere von Flug A haben den gleichen Anschlussflug B. Die 30 Passagiere kommen ca. 45 Minuten vor Abflug von Flug B am Boarding gate an.

- Ca. 20 Passagiere können regulär den Flug B nehmen. Die restlichen 10 Passagiere dürfen nicht ins Flugzeug, obwohl sie einen Boarding pass haben und rechtzeitig beim Boarding waren.

- Diese 10 Passagiere können erst am nächsten Tag den Anschlussflug antreten und kommen mit 12 Stunden Verspätung am Endziel an.

- Eine Entschädigung von 600 Euro nach 261/2004 wird gegenüber der europäischen Fluggesellschaft geltend gemacht.

- Die Entschädigung wird mit folgender Begründung abgelehnt:

"Per our records, I note that the above mentioned flight [Flug A] was delayed due to Air Traffic Control. As a result, you missed your connecting flight XX123 [Flug B] and were subsequently rebooked on next available alternate flight XX234 departing the next day."

Wie schätzt das Forum den Sachverhalt ein?

Als Laie würde ich folgendes argumentieren:
Einerseits gelten Einschränkungen aufgrund von Air Traffic Control als außergewöhnliche Umstände, für die Fluggesellschaften nicht verantwortlich sind.
Andererseits erscheint es mir "unlogisch", dass diese außergewöhnlichen Umstände in dem beschriebenen Fall Anwendung finden, weil der Anschlussflug ja eigentlich gar nicht verpasst wurde. Trotz Verspätung von Flug A kamen die Passagiere rechtzeitig am Boarding Gate von Flug B an und ca. 2/3 der Passagiere von Flug A wurden ja auch tatsächlich in Flug B mitgenommen.

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8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(74193 Beiträge, 32871x hilfreich)

Zitat (von inkasso_becker_fan):
Die restlichen 10 Passagiere dürfen nicht ins Flugzeug,

Warum?


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#2
 Von 
inkasso_becker_fan
Status:
Frischling
(12 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Zitat (von inkasso_becker_fan):
Die restlichen 10 Passagiere dürfen nicht ins Flugzeug,

Warum?

Die Passagiere meinen gehört zu haben, dass kein Platz mehr im Flugzeug war. Die Passagiere beherrschen allerdings die Landessprache nicht und konnten deshalb keine weiteren Details in Erfahrung bringen.

Meine Vermutung: Es kam bereits im Vorfeld zu Verspätungen und verpassten Anschlussflügen in Richtung Endziel. Die Fluggesellschaft hatte deshalb die Verantwortung, ca. 10 Passagiere von vorherigen Flügen zum Endziel zu befördern. Deshalb wurden für diese Passagiere Plätze in Flug B reserviert, wodurch Flug B "überbucht" war und nicht alle Passagiere von Flug A mitgenommen werden konnten.
Das ist natürlich reine Spekulation von meiner Seite. ;)

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#3
 Von 
AlinaKl
Status:
Schüler
(276 Beiträge, 108x hilfreich)

Welche Fluggesellschaften waren denn beteiligt? das wirkt sich nämlich unter Umständen auf die MCT (minimum conecting time) aus genauso wie der Flughafen an dem der Umstieg erfolgt ist.

Grundsätzlich dürfte aber gerade hier kein Fall von Verspätung vorgelegen haben sondern einer Beförderungsverweigerung sofern man sich eben rechtzeitig am Gate eingefunden hat.
Hier stellt sich die Frage kann der ganze Ablauf nachgewiesen werden?

Im übrigen sieht auch das US Recht Entschädigungen in Fällen von nicht Beförderung vor die teilweise sogar höher sind als die der EU-VO

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#4
 Von 
inkasso_becker_fan
Status:
Frischling
(12 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von AlinaKl):
Welche Fluggesellschaften waren denn beteiligt? das wirkt sich nämlich unter Umständen auf die MCT (minimum conecting time) aus genauso wie der Flughafen an dem der Umstieg erfolgt ist.

Flug A war Air France. Der Anschlussflug B war mit COPA AIRLINES. Der Umstieg erfolgte in Panama City.

Zitat (von AlinaKl):
Hier stellt sich die Frage kann der ganze Ablauf nachgewiesen werden?

Was würde denn als Nachweis gelten? Uhrzeiten können wir ungefähr anhand von gesendeten Whatsapp-Nachrichten rekonstruieren, aber das wird wahrscheinlich nicht als Nachweis gelten.

Laut https://www.planemapper.com und https://www.flightera.net/ hatte Flug A 58 Minuten Verspätung beim Abflug und 26 Minuten Verspätung bei der Landung.

Der Aufenthalt in Panama City wäre laut Flugplan 1h12. Durch die Verspätung von 26 Minuten hätte sich der Aufenthalt entsprechend auf 46 Minuten verringert.
Kann man die MCT (minimum conecting time) für Panama City irgendwo nachschauen? Laut einigen Beiträgen in Reiseforen sollten 10-20 Minuten in Panama City ausreichend sein. Aber solche Foren sind natürlich keine offizielle Quelle.

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#5
 Von 
vundaal76
Status:
Student
(2640 Beiträge, 1467x hilfreich)

Genau - bei dem Fall der verweigerten Beförderung kann sich die Airline nicht mit außergewöhnlichen Umständen herausreden.
Es sieht wohl so aus, dass Copa die Fluggäste eben wg. der erwarteten Verspätung ausgeladen hat, um anderen Fluggästen Platz zu machen ("overselling").
Das Problem mit der verweigerten Beförderung ist eben, dass Diese von Copa ab Panama City ausgeübt wurde.
Selbst wenn alles auf einem Ticket ist, wird das eine hohe Hürde werden, die Ausgleichszahlung gerichtlich durchzusetzen. Copa ist in Europa kaum greifbar.

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#6
 Von 
inkasso_becker_fan
Status:
Frischling
(12 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von vundaal76):
Selbst wenn alles auf einem Ticket ist, wird das eine hohe Hürde werden, die Ausgleichszahlung gerichtlich durchzusetzen. Copa ist in Europa kaum greifbar.

Die Flüge waren tatsächlich Teil einer einzigen Buchung. Deshalb ging ich immer davon aus, dass die Verantwortung bei Air France liegen würde. Aber klar, Forderungen wegen der Nichtbeförderung müssten gegen die Copa gestellt werden... das wäre wohl tatsächlich ziemlich aussichtslos.

Eine andere Frage: entspricht es generell der Wahrheit, wenn Fluggesellschaften sich auf "restriction put forward by Air Traffic Control (ATC)" berufen? Oder lohnt es sich eventuell, einen Nachweis dafür einzufordern? Der einzige "Nachweis", den wir bisher haben, ist ein einziger Satz diesbezüglich in der Antwort-Email von Air France.

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#7
 Von 
vundaal76
Status:
Student
(2640 Beiträge, 1467x hilfreich)

ATC Delays sind zwar eigentlich ausserhalb des Verantwortungsbereichs von Fluggesellschaften.
Aber bei der Frage der Ausgleichszahlung geht es nicht um Schuldfrage oder ob die Ursache von der Fluggesellschaft im Verantwortungsbereich der Fluggesellschaft liegt.
Es geht um das Adjektiv "aussergewöhnlich". Flughäfen wie Beijing Capital oder London Heathrow erleben sehr häufig ATC Restrictions/Delays. Das ist dann nicht mehr aussergewöhnlich und die Airline muss zahlen.

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#8
 Von 
inkasso_becker_fan
Status:
Frischling
(12 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von vundaal76):
ATC Delays sind zwar eigentlich ausserhalb des Verantwortungsbereichs von Fluggesellschaften.
Aber bei der Frage der Ausgleichszahlung geht es nicht um Schuldfrage oder ob die Ursache von der Fluggesellschaft im Verantwortungsbereich der Fluggesellschaft liegt.

Das ist eine wertvolle Info, danke!

Natürlich fragen wir uns jetzt, ob und falls ja wie wir ganz konkret die Angelegenheit weiterverfolgen wollen. Macht es Sinn, nochmal bei Air France nachzuhaken und einen Nachweis für ATC Restrictions einzufordern? Müsste Air France auf diese Forderung eingehen?

Ps: Vielleicht relevant: https://www.fairplane.co.uk/Airlines-truth-about-delays

-- Editiert von inkasso_becker_fan am 23.04.2019 19:02

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