Erste Hilfe in Rechtsfragen seit 2000.
536.509
Registrierte
Nutzer

Schonvermögen -Eigentumswohnung

 Von 
Elfriede
Status:
Beginner
(101 Beiträge, 10x hilfreich)
Schonvermögen -Eigentumswohnung

Wie verhält es sich, wenn man als alleinerziehende Mutter (1 Kind, 7 Jahre) eine selbst genutzte Eigentumswohnung mit 82 qm besitzt die vollständig abbezahlt ist, für die also nur noch die laufenden Kosten (Instandhaltung, Heizung, Wasser, Verwalter, Hausmeister, Versicherungen, Steuern) bezahlt werden muß. Ansonsten ist kein weiteres Vermögen vorhanden. Nur eine Lebensversicherung die seit 15 Jahren läuft und einen Rückkaufswert von 12.000 Euro aufweist.

Bekommt man in diesem Fall Hartz IV falls Bedarf bestehen würde?

Und wie sieht es im Gegensatz dazu aus, wenn die selbe Mutter zur Miete in einer gleichgroßen Wohnung lebt und ein Vermögen in Höhe von - beispielsweise - 100.000 Euro hat?

Verstoß melden

Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
ALG Geld Kosten Mutter


4 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
AxelK
Status:
Philosoph
(12009 Beiträge, 4024x hilfreich)

1. Die Eigentumswohnung ist als Schonvermögen geschützt und führt nicht zum Verlust des Leistungsanspruchs. Auch wird diese nicht verwertet - also verkauft - werden müssen.

2. Die laufenden Kosten der Unterkunft werden auch bei Wohneigentum vom Amt übernommen. Dazu dürfte m.E. alles das zählen, was Du auch als Mieter an Nebenkosten zahlen müsstest. Ob Kosten für Instandhaltung ebenfalls übernommen werden, weiß ich nicht. Ich denke aber wohl eher nicht.

3. Die Lebensversicherung muss dann nicht verwertet werden, wenn sie

a. nicht vor Erreichen des Rentenalters verwendet werden kann,

b. die Freibeträge von 250,-- Euro pro vollendetem Lebensjahr des Versicherungsnehmer, max. 16.250,-- Euro, durch den Rückkaufwert nicht überschritten werden.

Wenn im Übrigen entsprechender Bedarf besteht, wäre also ALG II zu gewähren.

Zum zweiten Beispiel:

Eine Mietwohnung von 82 qm Wohnfläche wäre für zwei Personen wohl unangemessen. Das heißt, es würde sicherlich die Aufforderung kommen, die KdU zu senken. Diese werden in der Regel für max. 6 Monate übernommen, danach nur noch die als angemessen geltenden KdU, die regional unterschiedlich hoch sind.

Darüber hinaus würde hier aber zunächst ohnehin kein Leistungsanspruch entstehen, weil zunächst das vorhandene Vermögen in der Höhe, wie es die oben genannten Freibeträge übersteigt, aufgebraucht werden müsste. Das heißt von diesem Geld müsstest Du so lange leben, bis das dieses Vermögen aufgebraucht ist. Zu beachten ist dabei, dass monatlich nicht mehr Geld verbraucht werden darf, wie Du beim Bezug von ALG II zur Verfügung hättest.

Gruß,

Axel

-----------------
"Rechtschreibfehler dienen der allgemeinen Belustigung. Wer welche findet, darf sie gerne behalten."

1x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#2
 Von 
Elfriede
Status:
Beginner
(101 Beiträge, 10x hilfreich)

Danke für die konkrete Antwort!

Noch eine Frage: würde bei Gewährung von ALGII die Wohnung durch das Amt belastet werden (Hypothek), sprich: würde nach dem Ableben der Frau das Amt Anspruch auf die Wohnung oder Teilvermögen daraus erheben?

Übrigens: Die benannte Frau steht in Arbeit und Brot. Sie befürchtet aber aufgrund ihrer persönlichen Lebenssituation und aufgrund ihres Alters, dass sie plötzlich hilfsbedürftig werden könnte und dann ihr sauer verdientes und erspartes Geld futsch wäre.

1x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#3
 Von 
AxelK
Status:
Philosoph
(12009 Beiträge, 4024x hilfreich)

Solange die betroffene Person lebt, kann da m.E. nichts passieren. Anders sieht es möglicherweise nach ihrem Tod aus.

quote:
§ 35 Erbenhaftung

(1) 1Der Erbe eines Empfängers von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts ist zum Ersatz der Leistungen verpflichtet, soweit diese innerhalb der letzten zehn Jahre vor dem Erbfall erbracht worden sind und 1 700 Euro übersteigen. 2Die Ersatzpflicht ist auf den Nachlasswert im Zeitpunkt des Erbfalles begrenzt.

(2) Der Ersatzanspruch ist nicht geltend zu machen,

1.
soweit der Wert des Nachlasses unter 15 500 Euro liegt, wenn der Erbe der Partner des Leistungsempfängers war oder mit diesem verwandt war und nicht nur vorübergehend bis zum Tode des Leistungsempfängers mit diesem in häuslicher Gemeinschaft gelebt und ihn gepflegt hat,
2.
soweit die Inanspruchnahme des Erben nach der Besonderheit des Einzelfalles eine besondere Härte bedeuten würde.

(3) 1Der Ersatzanspruch erlischt drei Jahre nach dem Tod des Leistungsempfängers. 2§ 34 Abs. 3 Satz 2 gilt sinngemäß.


Die Erben können also verpflichtet werden, die Leistungen, die die Hilfeempfängerin innerhalb der letzten, maximal 10 Jahre vor ihrem Tod, bezogen hat, zurück zu zahlen, soweit der Nachlasswert zum Zeitpunkt des Erbes dafür ausreichend ist. Ob das tatsächlich auch gemacht wird, weiß ich nicht.

Was gibt es denn für einen Anlass dafür, das die betroffene Person meint, plötzlich hilfebedürftig werden zu können. Ich meine, im Moment ist sie ja wohl in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis. Wenn das tatsächlich beendet wird, wird sie erst einmal Anspruch auf ALG 1 haben. Und dann wird man weitersehen müssen. Sofern es nicht wirklich konkreten Anlass für diese Sorge gibt, würde ich mir da keine allzu großen Gedanken machen.

Gruß,

Axel.

-----------------
"Rechtschreibfehler dienen der allgemeinen Belustigung. Wer welche findet, darf sie gerne behalten."

1x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#4
 Von 
Elfriede
Status:
Beginner
(101 Beiträge, 10x hilfreich)

Einen konkreten Anlaß gibt es nicht. Außer, dass die betreffende Person eben in erster Linie einmal Mutter eines Kindes ist. Das Kind leidet an Allergien die sich in Form von Heuschnupfen bis hin zu Atemnot und in Neurodermitis zeigen.

Sie selbst ist 45 Jahre alt und leidet an Gliederschmerzen (Fibromyalgie). Trotzdem geht sie zuverlässig täglich 6 Stunden einer körperlich schweren Arbeit (Lagerarbeiterin) nach.

Gerade als Mutter fühlt man sich schutzbedürftig. Schlimm, wenn einem da jegliche Hilfe versagt wird, obwohl man schon viele, viele Jahre in die Sozialkassen mächtig einbezahlt hat.

1x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

Jannis Geike Nicolas Reiser Felix Hoffmeyer
  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 186.128 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 25
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
78.579 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. Zzgl. 2€ Einstellgebühr pro Frage.