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Schulden bezahlen als Hartz IV-Empfänger

 Von 
guest-12329.12.2019 21:29:31
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)
Schulden bezahlen als Hartz IV-Empfänger

Liebe Community,

ich war vier Jahre selbständig tätig und musste mein Gewerbe vor ein paar Wochen aufgeben. Aus meiner Selbständigkeit haben sich durch Krankheit und dem schlechten Umgang mit Geld einige Schulden gebildet.

Die Schuldsumme beträgt ca. 120.000,00 EUR.

Ich musste schon vor ein paar Monaten wegen den finanziellen Hintergründen zu meinen Eltern ziehen, zumindest bleibe ich hier übergangsweise.

Ab 01.04.2020 habe ich eine Festanstellung mit einem sehr guten Gehalt in Aussicht. Parallel bewerbe ich mich gerade natürlich auch noch anderweitig, da die Festanstellung noch nicht zu 100% sicher ist.

Derzeit beziehe ich Hartz IV (nur Regelsatz).

Meine Fragen an euch:

1. Darf ich mit dem Regelsatz auch Schulden abbezahlen?

2. Darf ein Dritter, beispielsweise meine Schwester eine Rechnung vom Anwalt bezahlen, welche vor der Antragstellung (Hartz IV) entstanden ist?

3. Darf ein Rechtsanwalt mit meinen Gläubigern einen Vergleich aushandeln, wenn meine Eltern diesen dazu beauftragen und auch alle Kosten sowie auch die Vergleichszahlung übernehmen?



Insolvenz kommt aus moralischen Gründen nicht in betracht. Ich würde gerne mit den Gläubigern einen Vergleich aushandeln wollen und mich (wenns klappt) damit entschulden wollen. Meine Eltern würden deswegen selbst einen Kredit aufnehmen und die Vergleichszahlung welche der Anwalt (habe noch keinen) aushandelt, übernehmen.


Besten Dank im Voraus.

Grüße

-- Editiert von Promi123 am 03.11.2019 22:42

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Hartz Kosten Eltern Anwalt


8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Albarion
Status:
Lehrling
(1709 Beiträge, 678x hilfreich)

Als kleiner Denkanstoß: ein Vergleich kann schon im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleiches geschlossen werden oder ist sogar notwendig (der Versuch) vor einer PI.
Ansonsten kann ein Vergleich auch durch einen Richter bestimmt werden.

Eine PI bedeutet ja nicht, dass man nichts macht. Man kann ja immer noch zwischenzeitlich einen Job finden und dann gesittet dem Verwalter die Beträge abführen.
Dazu kommt, dass du bei einem Regelsatz von 420 Euro oder so dich im schlimmsten Falle dusselig zahlst, weil die Zinsen alles wegfressen.
Wie du dein H4 nutzt, ist deine Sache, aber das Geld ist sowie schon knapp bemessen.
Wenn deine Verwandten die Kosten für den Vergleich übernehmen, ist das ihre Sache. Solange das Geld dir nicht irgendwie direkt zugeführt wird, sollte das I. O. Gehen. Du wirst ja dadurch auch nicht bereichert.

Alles, was über sechs Jahre Zahlung an Raten hinaus geht und weniger als 50 Prozent der Gesamtsumme ausmacht, ist m. E. sinnlos. Da wäre eine PI der bessere und wirtschaftlichere Weg. Insbesondere schützt die PI auch ggf. Vor irgendwelchen Tricks und Gebühren, die gerne immer wieder heimlich auf die Forderung aufgeschlagen werden.

-- Editiert von Albarion am 04.11.2019 10:35

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#2
 Von 
guest-12329.12.2019 21:29:31
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Albarion):
Als kleiner Denkanstoß: ein Vergleich kann schon im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleiches geschlossen werden oder ist sogar notwendig (der Versuch) vor einer PI.
Ansonsten kann ein Vergleich auch durch einen Richter bestimmt werden.

Eine PI bedeutet ja nicht, dass man nichts macht. Man kann ja immer noch zwischenzeitlich einen Job finden und dann gesittet dem Verwalter die Beträge abführen.
Dazu kommt, dass du bei einem Regelsatz von 420 Euro oder so dich im schlimmsten Falle dusselig zahlst, weil die Zinsen alles wegfressen.
Wie du dein H4 nutzt, ist deine Sache, aber das Geld ist sowie schon knapp bemessen.
Wenn deine Verwandten die Kosten für den Vergleich übernehmen, ist das ihre Sache. Solange das Geld dir nicht irgendwie direkt zugeführt wird, sollte das I. O. Gehen. Du wirst ja dadurch auch nicht bereichert.

Alles, was über sechs Jahre Zahlung an Raten hinaus geht und weniger als 50 Prozent der Gesamtsumme ausmacht, ist m. E. sinnlos. Da wäre eine PI der bessere und wirtschaftlichere Weg. Insbesondere schützt die PI auch ggf. Vor irgendwelchen Tricks und Gebühren, die gerne immer wieder heimlich auf die Forderung aufgeschlagen werden.

-- Editiert von Albarion am 04.11.2019 10:35


Vielen Dank für deine Rückantwort!

Eine außergerichtliche Schuldenbereinigung ist bei mir kein muss, da ich in die Regelinsolvenz falle und nicht in die Verbraucherinsolvenz.

Ich hatte nun nicht vor alles mit dem Regelsatz zu bezahlen, da dass ja keinen Sinnn macht. Ich strebe eine einmalige Vergleichszahlung an, so dass ich endlich raus aus dieser Schuldsache komme. Schnellstmöglich - ohne Insolvenz.

-- Editiert von Promi123 am 04.11.2019 10:55

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#3
 Von 
Anami
Status:
Wissender
(14246 Beiträge, 2165x hilfreich)

zu 1. Ja. Das ist erlaubt.
zu 2. Ja. das ist erlaubt. Als Direktzahlung an den RA.
zu 3. Ja. Das ist erlaubt.

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#4
 Von 
guest-12329.12.2019 21:29:31
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Anami):
zu 1. Ja. Das ist erlaubt.
zu 2. Ja. das ist erlaubt. Als Direktzahlung an den RA.
zu 3. Ja. Das ist erlaubt.

Danke für deine Antwort!

Ich fragte mich eben nur, ob dass Jobcenter dann nicht sagen könnte, wenn Ihre Eltern Ihnen Schulden abtragen, wieso unterstützen Sie nicht seinen Lebensunterhalt?!

Ich möchte mich da gesetzlich im Rahmen bewegen. Meine Eltern können mich nicht unterstützen, diese würden selber einen Kredit aufnehmen.

Im Internet liest man eben auch oft kontroverse Aussagen darüber. Da weiß man eben nicht was genau jetzt der Wahrheit entspricht.

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#5
 Von 
Anami
Status:
Wissender
(14246 Beiträge, 2165x hilfreich)

Zitat (von Promi123):
ob dass Jobcenter dann nicht sagen könnte, wenn Ihre Eltern Ihnen Schulden abtragen, wieso unterstützen Sie nicht seinen Lebensunterhalt?!
Wer sagt dem JC, was deine Eltern machen? Beziehen deine Eltern auch Sozialleistungen?
Zitat (von Promi123):
Meine Eltern können mich nicht unterstützen, diese würden selber einen Kredit aufnehmen.
Was jetzt? Sie unterstützen dich doch. Sie lassen dich zB. unentgeltlich bei sich wohnen.
Wovon würden sie denn (als Dritte) deine Schulden abtragen, wenn sie dich nicht einmal mit Wasser und Brot unterstützen können, ohne dafür einen Kredit aufnehmen zu müssen ?

Der gesetzliche Rahmen des SGB II verbietet auf keinen Fall, dass Dritte die Schulden eines Alg2-LB abtragen.
Das ist einfach wahr.

Ich zumindest kenne kein Gesetz im Rahmen des SGB II, dass irgendwelchen Nicht-Leistungsbeziehern (Dritten) verbietet, die Schulden von Leistungsbeziehern zu mindern bzw. zu begleichen. Oder dass dieses Tun Konsequenzen für den LB hat.

Die Höhe der Schulden spielt dabei keine Rolle.

Zitat (von Promi123):
Ich strebe eine einmalige Vergleichszahlung an,
Ganz schön mutig, aber Versuch macht kluch.

Zitat (von Promi123):
Ab 01.04.2020 habe ich eine Festanstellung mit einem sehr guten Gehalt in Aussicht. Parallel bewerbe ich mich gerade natürlich auch noch anderweitig, da die Festanstellung noch nicht zu 100% sicher ist.
Dieser Aspekt ist jetzt und für deine Fragen unwichtig.

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#6
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(81368 Beiträge, 33964x hilfreich)

Zitat (von Anami):
Oder dass dieses Tun Konsequenzen für den LB hat.

Es soll ja schon den einen oder anderen Sachbearbeiter gegeben haben, der darin dann "Einkommen" sah.
Da muss man dann drauf vorbereitet sein.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#7
 Von 
guest-12329.12.2019 21:29:31
Status:
Frischling
(13 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Zitat (von Anami):
Oder dass dieses Tun Konsequenzen für den LB hat.

Es soll ja schon den einen oder anderen Sachbearbeiter gegeben haben, der darin dann "Einkommen" sah.
Da muss man dann drauf vorbereitet sein.


Genau deshalb habe ich diesen Thread gestartet.

Ich denke auch nicht dass es so etwas vom Gesetz her gibt, dass das als Einkommen zählt. Aber ja, ich will vorbereitet sein.

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#8
 Von 
Anami
Status:
Wissender
(14246 Beiträge, 2165x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
der darin dann "Einkommen" sah.
Ja, ich erinnere mich.

Wenn aber Dritte direkt an einen Gläubiger leisten, ist das kein Einkommen des LB im Sinne des § 11 ff SGB II. Es ist auch keine Einnahme in Geldeswert, wie es noch bis Mitte 2016 geregelt war.
Hier ist überhaupt keine Einnahme zu erkennen.
Alles nur Ausgaben.
--------------------------------------------------------------
@TE
Die Gesetze zu *Einkommen* sehen eben Schuldenbegleichung durch Dritte nicht als Einnahme des LB in Geld. Es wären auch keine Zuwendungen von Dritten, wenn Dritte die Summe direkt an den Gläubiger zahlen.
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_2/__11.html
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_2/__11a.html
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_2/__11b.html
https://www.arbeitsagentur.de/datei/dok_ba015901.pdf

Den Begriff *Schulden* finde ich nur im § 22 (8) SGB II, hier im Zusammenhang mit Mietschulden oder Energieschulden für Unterkünfte. Grund: Die Wohnungslosigkeit bzw. Versorgungseinstellung durch EVU verhindern.
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_2/__22.html
(8) Sofern Arbeitslosengeld II für den Bedarf für Unterkunft und Heizung erbracht wird, können auch Schulden übernommen werden, soweit dies zur Sicherung der Unterkunft oder zur Behebung einer vergleichbaren Notlage gerechtfertigt ist. Sie sollen übernommen werden, wenn dies gerechtfertigt und notwendig ist und sonst Wohnungslosigkeit einzutreten droht.
Bei dir sowieso nicht zutreffend, da du keine Wohnkosten hast.

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