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Anwalt verlangt Geld für nicht erbrachte Leistung

 Von 
Abraxas-7
Status:
Frischling
(16 Beiträge, 5x hilfreich)
Anwalt verlangt Geld für nicht erbrachte Leistung

Hallo zusammen,


Folgender, angenommener Fall:

Jemand erhält eine Klage (Zivilrecht), beauftragt einen Anwalt und begleicht auch dessen Kostennote im Voraus. Es handelt sich aufgrund geringen Streitwertes um eine Kostennote von rund 100 Euro.

Die Klageerwiderung wurde vom Anwalt im Entwurf erfasst, der Beklagte hatten Änderungswünsche hinsichtlich der enthaltenen Fakten. Der Anwalt sicherte zwar zu, dies zu berücksichtigen, sandte jedoch den ursprünglichen, nicht korrekten Schriftsatz an das Gericht.

Dies führte beim Mandanten bereits zu erstem Unmut.

Anschließend kam es zu einer Klageerhöhung. Der Anwalt erbat eine Stellungnahme vom Mandanten, die er auch umgehend erhielt. Daraufhin sandte er erneut die Kostennote mit dem Hinweis, diese umgehend zu bezahlen, da er vorher keine Erwiderung auf die Klageerhöhung verfassen würde (Fristablauf war bereits wenige Tage später!)

Daraufhin wurde dem Anwalt wegen Verweigerung das Mandat entzogen und die bereits bezahlte Terminsgebühr zurück gefordert, da es ja noch keinen Termin gegeben hatte. Außerdem wurde die Rückgabe der Handakte gefordert.

Die Rücksendung der Handakte erfolgte prompt. Die Erstattung der Terminsgebühr erfolgte auch nach 30 Tagen nicht, stattdesen sandte der Anwalt eine erneute Kostennote mit nochmals knapp 200 Euro!

Frage: Obwohl das Mandat wegen Leistungsverweigerung entzogen wurde und der Anwalt bezügl. der Klageerhöhung kein Mandat hatte, verlangt er Geld und verweigert die Rückzahlung der zuviel gezahlten Gebühr.
Ist das rechtens?

Danke für eure Antworten.

-- Editiert Abraxas-7 am 26.04.2013 10:08

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Rechtsanwalt Mandat Anwalt


8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Rechtsanwalt Lars Winkler
Status:
Schüler
(437 Beiträge, 327x hilfreich)

Hallo,

Erstens hatte der Rechtsanwalt hier sehr wohl den Auftrag, auch zu der Klageerhöhung Stellung zu nehmen. Dies ergibt sich bereits daraus, dass der Mandant die angeforderte Stellungnahme zur Klageerwiderung eingereicht hat. Daraus lässt sich der Schluss ziehen dass konkludent ein entsprechender Auftrag an den Rechtsanwalt ergangen ist.

Zweitens hat hier niemand die Leistung verweigert. Rechtsanwälte haben gemäß § 9 RVG das Recht, angemessene Vorschüsse zu verlangen. Dass der Rechtsanwalt eine weitere Tätigkeit von der Vorschusszahlung abhängig machen, ist ebenfalls Usus und nicht zu beanstanden. Da zudem der Mandant gekündigt hat stellt sich die Frage auch nicht, ob die Verweigerung des weiteren Vorschusses schon einen Vertrauensbruch darstellt. Dass dem Rechtsanwalt hier Gebühren dem Grunde nach zustehen bestreitet wohl auch der Mandant nicht.

Drittens wäre zu prüfen, ob der vom Anwalt vereinnahmte Vorschuss plus die zweite Kostennote genau den Betrag ausmachen, welchen der Anwalt nach Mandatskündigung verlangen kann. Dies wären insbesondere die Verfahrensgebühr,bei außergerichtlicher Tätigkeit ausserdem die verbleibende Geschäftsgebühr, zudem Auslagenpauschale und Mehrwertsteuer. Da hier keine aussagefähigen Zahlen genannt werden, kann auch niemand überprüfen welchen Anspruch der Rechtsanwalt hier letztlich hat.

Viertens ist es professionelle Kernaufgabe des Rechtsanwalts die für den Mandanten nützlichen Tatsachen vorzutragen, bedeutungslose oder gar schädliche Tatsachen jedoch gerade nicht! Einige Mandanten verwechseln Rechtsanwälte ab und an ein wenig mit einem Lohnschreiber, der gefälligst all das vorzutragen hat, was sich der Mandant so vorstellt. Der Katzenjammer kommt dann regelmäßig bei verlorenen Prozess. Ohne Kenntnis des Sachverhalts kann man nicht sagen, ob die Weigerung des Rechtsanwalts falsch oder sachlich geboten war. Generell sollte man als Mandant aber davon ausgehen, dass der Rechtsanwalt gute Gründe dafür hat, bestimmte Tatsachen gerade nicht vorzutragen. Den diesbezüglichen Ärger mit dem Mandanten zieht man sich in aller Regel nicht grundlos über den Hals.

Gruss

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#2
 Von 
Abraxas-7
Status:
Frischling
(16 Beiträge, 5x hilfreich)

Hallo Herr Winkler,

danke zunächst für Ihre - wenngleich nicht ganz objektive - Stellungnahme.

Es ging nicht um Meinungen in der Klageerwiderung, sondern um falsch dargestellte Tatsachen, z. B. Falschangabe von Daten, Geldbeträgen, etc. Diese sind zu korrigierne und das hat nichts mit Lohnschreiberei zu tun, sondern mit sorgfältiger Arbeit. Schlimm genug, daß ein Mandant derlei Dinge kontrollieren muß, obwohl dem Anwalt alle relevanten Unterlagen vorlagen.

Wenn der Anwalt trotz drohendem Fristablauf die Tätigkeit verweigert und auf Begleichung der Kostennote VOR der Stellungnahme besteht, so hat er die Leistung verweigert. Dieser Umstand hat zum Mandatsentzug geführt, denn die Frist zur Erwiderung auf die Klageerhöhung wäre abgelaufen.

In diesem Zusammenhang wurde der Anwalt weder tätig, noch hatte er zu diesem Zeitpunkt den Auftrag, bzw. lehnte selbigen ab.

Ich habe Sie nun so verstanden, daß dem Anwalt eine höhere Kostennote allein deshalb zusteht, daß er die Klageerhöhung zugestellt bekommen hat, sie gelesen hat und den Mandanten um Stellungnahme gebeten hat.

Da dies weder vorhersehbar, noch vom Mandanten zu vertreten war, kann es nicht sein, daß allein dafür eine weitere Kostennote erstellt werden kann.

Aus Sicht des Mandanten stellt es sich dar wie die Gier des Anwalts, Gebühren für eine Angelegenheit zu verlangen, in der er selbst nicht tätig geworden ist.

Bitte nicht persönlich nehmen, aber worin sollte die Forderung genau begründet sein?

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#3
 Von 
JuBiPe
Status:
Lehrling
(1092 Beiträge, 563x hilfreich)

quote:
danke zunächst für Ihre - wenngleich nicht ganz objektive - Stellungnahme


Du kannst schon davon ausgehen, daß ein hier kostenlos (!) antwortender Anwalt die Rechtslage objektiv darstellt. Alles andere klingt sehr nach "bitte nur Antworten, die mir in den Kram passen".

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#4
 Von 
Rechtsanwalt Lars Winkler
Status:
Schüler
(437 Beiträge, 327x hilfreich)

Es ging nicht um Meinungen in der Klageerwiderung, sondern um falsch dargestellte Tatsachen, z. B. Falschangabe von Daten, Geldbeträgen, etc. Diese sind zu korrigierne und das hat nichts mit Lohnschreiberei zu tun, sondern mit sorgfältiger Arbeit. Schlimm genug, daß ein Mandant derlei Dinge kontrollieren muß, obwohl dem Anwalt alle relevanten Unterlagen vorlagen.

O.k., das ging aus Ihrem Ausgangspost nicht eindeutig hervor. Fehler müssen korrigiert werden, ohne Wenn und Aber!

Wenn der Anwalt trotz drohendem Fristablauf die Tätigkeit verweigert und auf Begleichung der Kostennote VOR der Stellungnahme besteht, so hat er die Leistung verweigert. Dieser Umstand hat zum Mandatsentzug geführt, denn die Frist zur Erwiderung auf die Klageerhöhung wäre abgelaufen.

Die Tatsache, dass bei Leistung des Vorschusses die Frist abgelaufen wäre, habe ich so aus dem Ausgangspost auch nicht herausgelesen. Die gerichtlich gesetzten Fristen hat der Anwalt natürlich zu beachten, im Notfall (wo möglich) um Verlängerung nachzusuchen. Eine Frist zur Stellungnahme auf die Klageerhöhung kann man sich einmalig auf jeden Fall verlängern lassen. Hat der Anwalt das erwähnt? Man kann sich zum Beispiel auch eine Kopie/einen Screenshot oder Ähnliches von der Überweisung machen lassen und dann die Stellungnahme fertigen…

In diesem Zusammenhang wurde der Anwalt weder tätig, noch hatte er zu diesem Zeitpunkt den Auftrag, bzw. lehnte selbigen ab.

Doch, er musste davon ausgehen, einen Auftrag zu haben. Ihre Stellungnahme benötigte er nur für die Erwiderung auf die Klageerhöhung. Wenn Sie nun um eine Stellungnahme gebeten werden und diese dann auch einreichen, dann sagen Sie sinngemäß: Lieber Anwalt, bitte fertige die Erwiderung auf die Klageerhöhung. Das meinte ich mit konkludentem Auftrag. An dem Punkt werden Sie auch nicht wegkommen, der Auftrag wurde erteilt und bestand.

Ich habe Sie nun so verstanden, daß dem Anwalt eine höhere Kostennote allein deshalb zusteht, daß er die Klageerhöhung zugestellt bekommen hat, sie gelesen hat und den Mandanten um Stellungnahme gebeten hat.

Langsam: Wenn der Rechtsanwalt für den Prozess mandatiert wird, dann erstreckt sich das Mandat automatisch auch auf eventuelle Klageerhöhungen der Gegenseite bzw. die Reaktion heirauf. Einer gesonderten Beauftragung zur Reaktion auf die Klagerwiderung bedarf es dafür nicht.

Da dies weder vorhersehbar, noch vom Mandanten zu vertreten war, kann es nicht sein, daß allein dafür eine weitere Kostennote erstellt werden kann.

Doch, das kann sein. Dass die Klageerhöhung für den Mandanten nicht vorhersehbar war, kann sehr gut sein. Nur: Er hat den Rechtsanwalt vorher das Mandat erteilt, ihn in diesem Prozess zu vertreten. Dieser Auftrag gilt (zumindest für die aktuelle Instanz) umfassend. Vor Überraschungen wie etwa Klageerhöhungen, Widerklagen oder Aufrechnungen durch den Gegner ist man dabei nie gefeit. Man weiß eben nicht genau, was alles kommen wird. Das liegt daran, dass das Gericht und der Gegner auch mitspielen; die haben eben ihren eigenen Kopf.

Aus Sicht des Mandanten stellt es sich dar wie die Gier des Anwalts, Gebühren für eine Angelegenheit zu verlangen, in der er selbst nicht tätig geworden ist.

Nochmal: Er ist tätig geworden. Er hat den Mandanten in diesem Prozess schon vertreten; dafür genügt übrigens schon die Anzeige der Vertretung gegenüber dem Gericht. Die Klageerwiderung wurde eingereicht; Die Verfahrensgebühr ist hier in jedem Fall angefallen. An der Klageerhöhung sind nun weder der Beklagte noch sein Anwalt Schuld, streitwerterhöhend wirkt diese trotzdem. Das schreibt schlicht das Gesetz vor. Auf den Umfang der Tätigkeit des Rechtsanwalts kommt es dabei nicht an!

Bitte nicht persönlich nehmen, aber worin sollte die Forderung genau begründet sein?

Der Rechtsanwalt hat durch den Auftrag des Mandanten, ihn in diesem Prozess zu vertreten, einen Vertrag mit diesem geschlossen. Das Honorar richtet sich dabei (Honorarvereinbarung lassen wir jetzt mal beiseite) nachdem angefallenen Gebührentatbeständen und dem Streitwert. Nach Ihren Darstellungen hat der Rechtsanwalt eine Verfahrensgebühr basierend auf dem aktuellen Streitwert verdient. Diesen Streitwert hat der Kläger durch seine Klage sowie die Klageerhöhung festgelegt.

Gruss

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-- Editiert am 26.04.2013 16:20

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#5
 Von 
Abraxas-7
Status:
Frischling
(16 Beiträge, 5x hilfreich)

Vielen Dank Herr Winkler für Ihre ausführliche Stellungnahme.

Ich sehe nun, daß es dem Anwalt (schön, daß es in diesem Unterforum um "Standesrecht" geht) zusteht, eine weitaus höhere Forderung für die gleiche Leistung (die bereits erbracht und vergütet war) zu stellen.

Es mutet dennoch (aus Mandantensicht) merkwürdig an, denn er hatte ja keine Mehrarbeit.

Die gesamten Prozesskosten (auf Basis des ersten, niedrigeren Streitwertes) wurden ja bereits beglichen.

Der Mandant hatte nach Mandatsbeendigung lediglich die nicht angefallene "Terminsgebühr" zurück gefordert und anstatt diese zu erstatten, schickt der Anwalt eine neue, höhere Kostennote.

Das mag aus dem RAVG korrekt sein, ist es aber (wie geschildert: aus Mandantensicht!) keinesfalls, denn bei erneuter Mandatsvergabe an einen anderen Anwalt zahlt der Mandant diese kompletten Gebühren zzgl. der Terminsgebühr erneut. Und letztendlich hat dieser dann auch die Arbeit damit.

Will heissen: 2 Anwälte "kassieren" Geld für die gleiche Angelegenheit, einer muß dafür Leistung erbringen, der andere nicht. Der Dumme ist hier aber ausschließlich der Mandant.

Recht hin, Recht her ... objektiv betrachtet ist das das Hinterletzte.

Ihnen ein schönes Wochenende und nochmals vielen Dank für die Aufklärung.

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#6
 Von 
Rechtsanwalt Lars Winkler
Status:
Schüler
(437 Beiträge, 327x hilfreich)

Ich sehe nun, daß es dem Anwalt (schön, daß es in diesem Unterforum um "Standesrecht" geht) zusteht, eine weitaus höhere Forderung für die gleiche Leistung (die bereits erbracht und vergütet war) zu stellen.

Es mutet dennoch (aus Mandantensicht) merkwürdig an, denn er hatte ja keine Mehrarbeit.

Die gesamten Prozesskosten (auf Basis des ersten, niedrigeren Streitwertes) wurden ja bereits beglichen.

Der Gesetzgeber hat sich mit den gesetzlichen Gebühren nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz ein System ausgedacht, welches fast ausschließlich auf den Gegenstandswert/Streitwert abstellt. Die gesetzlichen Gebühren des Rechtsanwalts habe mit dem tatsächlichen Arbeitsaufwand (fast) nichts zu tun! Das bedeutet bei hohen Streitwerten u.U. guten Verdienst. Bei niedrigen Streitwerten, und einen solchen hatten wir (zumindest vor der Klageerhöhung) auch hier, legt der Rechtsanwalt unter Umständen sogar drauf! Das soll keine Aufforderung sein, angesichts der Lage der Rechtsanwälte zum Taschentuch zu greifen. Nur muss sich der Mandant mit den niedrigen Streitwert im Klaren sein, dass ein gewisser Mindestarbeitsaufwand immer anfällt. Daher ist letztlich in diesen Fällen das Einkommen des Rechtsanwalts gering, oder er legt sogar drauf. In den Augen des Rechtsanwalts bemisst sich auch aus diesem Grunde die "Lizenz zum Beschweren" seitens des Mandanten u.a. danach, wie dieser zahlt;).

Das sollte man bei der Bewertung der Reaktionen immer mit sehen… Damit will ich wohlgemerkt nicht ausdrücken, dass inhaltliche Fehler oder Mängel in der Kommunikation zum Mandanten damit besser wären.

Der Mandant hatte nach Mandatsbeendigung lediglich die nicht angefallene "Terminsgebühr" zurück gefordert und anstatt diese zu erstatten, schickt der Anwalt eine neue, höhere Kostennote.

Das mag aus dem RAVG korrekt sein, ist es aber (wie geschildert: aus Mandantensicht!) keinesfalls, denn bei erneuter Mandatsvergabe an einen anderen Anwalt zahlt der Mandant diese kompletten Gebühren zzgl. der Terminsgebühr erneut. Und letztendlich hat dieser dann auch die Arbeit damit.

Der erste Anwalt hatte auch Arbeit: Er hat die Klageerwiderung gefertigt und die Stellungnahme zu Klageerhöhung zumindest vorbereitet. Meinen Sie ernsthaft, das würde er für lau machen? Die Höhe der Gebühren bestimmt sich dabei (zumindest zum größten Teil) nach dem Streitwert. Dieses System muss man nicht mögen, es ist aber Gesetz. Man kann den Rechtsanwalt auch nach Stunden bezahlen (gerichtlich ist allerdings die gesetzliche Vergütung ein verbindliches Minimum); dann ist man aus dem System der Quersubventionierung aus. Ich wage aber zu bezweifeln dass Sie bei den hier wohl vorliegenden Mini-Streitwerten besser fahren würden.

Will heissen: 2 Anwälte "kassieren" Geld für die gleiche Angelegenheit, einer muß dafür Leistung erbringen, der andere nicht. Der Dumme ist hier aber ausschließlich der Mandant.

Wieso? Man müsste die Umstände des Falles näher kennen, um beurteilen zu können, ob die Kündigung des Mandats wirklich zwingend war… Und was das Kassieren anlangt: Meinen Sie ernsthaft, dass man für 100 € eine Klageerwiderung vorbereiten und fertigen kann und dabei auch nur ansatzweise ein adäquates Honorar erzielt? Die Vertretung bei solchen Streitwerten ist letzten Endes eine soziale Leistung, welche die Mandanten mit höheren Streitwerten quersubventionieren! Wenn dann zur fast nicht vorhandenen Honorierung auch noch ein schwieriger Mandant kommt ist es menschlich doc zum. ein wenig verständlich wenn einem auch mal der Geduldsfaden reißt. Finden Sie nicht auch?

Recht hin, Recht her ... objektiv betrachtet ist das das Hinterletzte.

Ansichtssache. Man sollte immer versuchen, auch die Position des anderen zumindest logisch nachzuvollziehen.

Ihnen ein schönes Wochenende und nochmals vielen Dank für die Aufklärung.

Bitteschön.

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#7
 Von 
Abraxas-7
Status:
Frischling
(16 Beiträge, 5x hilfreich)

quote:
Der erste Anwalt hatte auch Arbeit: Er hat die Klageerwiderung gefertigt


Die Klageerwiderung hatte er gefertigt, ja, aber diese war bereits vergütet, der Höhe nach so, wie sie nun einmal ist.

quote:
und die Stellungnahme zu Klageerhöhung zumindest vorbereitet.


Falsch, er hatte nichts vorbereitet.

quote:
Die Höhe der Gebühren bestimmt sich dabei (zumindest zum größten Teil) nach dem Streitwert. Dieses System muss man nicht mögen, es ist aber Gesetz.


Das hatte ich bereits verstanden, es ist jedoch das Gesetz, über das man hier vortrefflich streiten kann.

Übrigens, es handelte sich um einen Fachanwalt f. Mietrecht, der u.a. für den Mieterbund arbeitet, d.h. er bearbeitet TÄGLICH viele ähnlich gelagerte Fälle und die Klageerwiderung war somit Standard für ihn. Daß er dabei gravierende Fehler gemacht hatte, erwähnte ich bereits.

quote:
Die Vertretung bei solchen Streitwerten ist letzten Endes eine soziale Leistung, welche die Mandanten mit höheren Streitwerten quersubventionieren! .... Finden Sie nicht auch?


Nein, finde ich nicht, denn Sozialleistungen erbringt i. d. R. kein einziger Anwalt. Es gibt Anwälte, die Fälle mit niedrigen Streitwerten ablehnen (ist deren gutes Recht), die anderen fahren offenbar bestens mit diesen - in der Wirtschaft sog. - Mischkalkulationen.

quote:
Wenn dann zur fast nicht vorhandenen Honorierung auch noch ein schwieriger Mandant kommt ist es menschlich doc zum. ein wenig verständlich wenn einem auch mal der Geduldsfaden reißt.


Verstehe ich nicht ganz. Der Anwalt weist weder auf eine mögliche Fristverlängerung hin, noch hatte er irgendwas vorbereitet, sondern klipp und klar geäußert, daß er nicht tätig würde, BEVOR die Honorarnote nicht beglichen sei. Dazu sei noch gesagt, daß die Frist ja weitaus länger gewesen wäre, jedoch hatte der Anwalt es nicht für nötig befunden, den Schriftsatz der Klägerseite unmittelbar nach dem Eingang an den Mandanten weiterzuleiten. Dies erfolgte, wie bereits erwähnt, 3 Tage vor Fristablauf mit der Aufforderung zur Stellungnahme und Begleichung der Kostennote.

Woraus folgern Sie, daß es sich um einen "schwierigen Mandanten" handelte und woher nehmen Sie die Annahme, dem Anwalt sei der Geduldsfaden gerissen?

btw: Wann ist ein Mandant ein schwieriger Mandant?

Nette Grüße,

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#8
 Von 
Rechtsanwalt Lars Winkler
Status:
Schüler
(437 Beiträge, 327x hilfreich)

So, einmal antworte ich noch:

quote:Der erste Anwalt hatte auch Arbeit: Er hat die Klageerwiderung gefertigt

Die Klageerwiderung hatte er gefertigt, ja, aber diese war bereits vergütet, der Höhe nach so, wie sie nun einmal ist.

- Wenn und soweit sich der Streitwert erhöht, erhöht sich auch die Verfahrensgebühr. Die Tätigkeiten im Verfahren, etwa das fertigende Klageschrift, waren damit noch nicht vollständig vergütet. Das ist Ihnen aber mittlerweile auch klar...

quote:und die Stellungnahme zu Klageerhöhung zumindest vorbereitet.

Falsch, er hatte nichts vorbereitet.

- O.k., da hab ich was falsch verstanden. Ändert aber an den gesetzlichen Gebühren gar nichts, hatten wir ja schon.

quote:Die Höhe der Gebühren bestimmt sich dabei (zumindest zum größten Teil) nach dem Streitwert. Dieses System muss man nicht mögen, es ist aber Gesetz.

Das hatte ich bereits verstanden, es ist jedoch das Gesetz, über das man hier vortrefflich streiten kann.

- Dann sind Sie im falschen Forum. Hier geht es um Standesrecht, d.h. man diskutiert, ob sich der Rechtsanwalt seinen Berufsregeln entsprechend verhalten hat. Was Sie beabsichtigen, ist eine rechtspolitische Diskussion. Die kann man auch führen, wir sind ein freies Land. Nur ist das hier das falsche Forum dafür; zudem sollte man sowas immer mit Argumenten machen. "Das ist das Allerletzte" ist aber kein Argument.

Übrigens, es handelte sich um einen Fachanwalt f. Mietrecht, der u.a. für den Mieterbund arbeitet, d.h. er bearbeitet TÄGLICH viele ähnlich gelagerte Fälle und die Klageerwiderung war somit Standard für ihn. Daß er dabei gravierende Fehler gemacht hatte, erwähnte ich bereits.

- Ja. Das ist ja aber wohl für Sie nicht das Hauptthema. Übrigens ändern Fehler des Rechtsanwalts nullkommagarnichts an seinem Vergütungsanspruch. Dieser (hier erhöhte) Anspruch besteht trotzdem.

quote:Die Vertretung bei solchen Streitwerten ist letzten Endes eine soziale Leistung, welche die Mandanten mit höheren Streitwerten quersubventionieren! .... Finden Sie nicht auch?

Nein, finde ich nicht, denn Sozialleistungen erbringt i. d. R. kein einziger Anwalt. Es gibt Anwälte, die Fälle mit niedrigen Streitwerten ablehnen (ist deren gutes Recht), die anderen fahren offenbar bestens mit diesen - in der Wirtschaft sog. - Mischkalkulationen.

- Absoluter Unsinn! Der Start wälzt über Beratungshilfe und Prozesskostenhilfe massiv Sozialleistungen auf die Anwälte ab. Auch Mandate zu trinken Intrigen wie das ihre (Vorrangregelung) werden von der Mandantschaft quersubventioniert, welche relevante Honorare zahlt. In einer durchschnittlichen Kanzlei muss der Rechtsanwalt pro abrechenbarer Stunde (das sind die Stunden, welche im engeren Sinne mit Tätigkeiten am Einzelmandat verbracht werden, ca. 70 % der Arbeitszeit) schon seine 150, 160 € pro Stunde einspielen, damit er auf seine Kosten kommt. Alles andere ist Quersubventionierung (durchaus auch aus Werbegründen) oder aber Tätigkeit, für die aus sozialen Gründen draufgelegt wird.

quote:Wenn dann zur fast nicht vorhandenen Honorierung auch noch ein schwieriger Mandant kommt ist es menschlich doc zum. ein wenig verständlich wenn einem auch mal der Geduldsfaden reißt.

Verstehe ich nicht ganz. Der Anwalt weist weder auf eine mögliche Fristverlängerung hin, noch hatte er irgendwas vorbereitet, sondern klipp und klar geäußert, daß er nicht tätig würde, BEVOR die Honorarnote nicht beglichen sei. Dazu sei noch gesagt, daß die Frist ja weitaus länger gewesen wäre, jedoch hatte der Anwalt es nicht für nötig befunden, den Schriftsatz der Klägerseite unmittelbar nach dem Eingang an den Mandanten weiterzuleiten. Dies erfolgte, wie bereits erwähnt, 3 Tage vor Fristablauf mit der Aufforderung zur Stellungnahme und Begleichung der Kostennote.

- Wie es zu dem Hergang kam ist wirklich eine gute Frage, wohl die interessanteste in dem Fall. Irgendwer oder irgendwas hat wohl das Mandatsverhältnis schon vorher belastet. Was das war, können vielleicht Sie sagen, vielleicht auch nicht. Ich kann es ganz sicherlich nicht. Wie schon gesagt: Das Halten der Frist liegt in der Verantwortung des Anwalts. Wie er das macht, ist seine Sache. Offenbar hat er damit gerechnet, dass er die Frist halten beziehungsweise verlängern hätte können. Auch das Geltendmachen eines Vorschusses ist zunächst einmal standesrechtlich nicht zu beanstanden.

Woraus folgern Sie, daß es sich um einen "schwierigen Mandanten" handelte und woher nehmen Sie die Annahme, dem Anwalt sei der Geduldsfaden gerissen?

- Reine Spekulation, beruhend auf jahrelanger beruflicher Erfahrung. Oft ist es so, dass Mandanten, welche nur Mini-Beträge zahlen (können oder wollen), ihren Fall für den weltweit wichtigsten halten. Mitunter werden dann Zeit und Nerven der Kanzleimitarbeiter in einem Umfang in Anspruch genommen, der zur Bedeutung des Falles und der Honorarhöhe in überhaupt keinem Verhältnis steht. Hat man öfters, wenn man als Referendar in Kanzlei mitarbeitet. Solche Nervmandate kriegt man dann nämlich häufig vom Chef auf den Tisch geknallt.

btw: Wann ist ein Mandant ein schwieriger Mandant?

- Das ist wie im wahren Leben. Es gibt schwierige Menschen und Querulanten. Rechtsanwälte haben mit denen wohl häufiger zu tun als der Bevölkerungsdurchschnitt. Uneinsichtigkeit, Besserwisserei, nerviges Verhalten in allen Schattierungen sind da nur einzelne Beispiele… In der Rechtsprechung ist übrigens anerkannt, dass die RVG-Gebühren auch wegen schwieriger Mandanten moderat erhöht werden dürfen.

Gruss

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-- Editiert am 28.04.2013 15:23

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