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Anwaltshaftung 2020

 Von 
Brit2
Status:
Beginner
(55 Beiträge, 3x hilfreich)
Anwaltshaftung 2020

Bin von einem Anwalt nicht nur mehrfach falsch beraten worden. Er reichte auch wichtige Unterlagen nicht ein (alles außergerichtlich, Klageereichung lehnte er ab). Ganze 18 Monate verstrichen ungenutzt.
Das Mandat ist aufgelöst.
Habe einer anderen Kanzlei neues Mandat in identischer Angelegenheit übertragen (Vermittlung durch die Rechtsanwaltskammer). Nach Prüfung aller Unterlagen positive Einschätzung. Kanzlei möchte allerdings außergerichtliche Einigung.

Dass ich die Anwaltshaftung des ursprünglichen Anwalts belasten möchte, weiß die aktuelle Kanzlei. Konkrete Absprachen zum Ablauf gibt es noch nicht.

Meine Frage:
Ist für Ansprüche in eine Anwaltshaftung wegen nachweislicher Fehlleistung zwingend nötig, dass der neue Anwalt per Klageeinreichung zum ursprünglichen Sachverhalt reguliert oder genügt bereits die Regulierung außergerichtlich (d.h. per Zahlung an mich vom Gegner die Bestätigung, dass meine ursprüngliche Forderung korrekt und erfolgreich vom neuen Anwalt durchgesetzt wurde)? = Übernahme Anwaltskosten für Tätigkeit neuer Anwalt durch den früheren.

Gibts eigentlich auch % Verzinsung, wenn der erste Anwalt stolze 18 Monate nicht nur das Originalgutachten verschlampt hat und ich mehr als 18 Monate lang infolge seiner Fehlleistung auf mein Geld warten musste?

Danke für Rat.

-- Editiert von Brit2 am 19.07.2020 12:55

-- Editiert von Moderator am 20.07.2020 00:40

-- Thema wurde verschoben am 20.07.2020 00:40

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Geld Anwalt Anwaltshaftung


3 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Zuckerberg
Status:
Schüler
(433 Beiträge, 581x hilfreich)

Zitat:
Ist für Ansprüche in eine Anwaltshaftung wegen nachweislicher Fehlleistung zwingend nötig, dass der neue Anwalt per Klageeinreichung zum ursprünglichen Sachverhalt reguliert oder genügt bereits die Regulierung außergerichtlich (d.h. per Zahlung an mich vom Gegner die Bestätigung, dass meine ursprüngliche Forderung korrekt und erfolgreich vom neuen Anwalt durchgesetzt wurde)?
Weder noch, würde ich meinen.

Wenn die Zahlung des Gegners genügen soll, wäre das doch absurd. Dann könnte ja der Gegner darüber entscheiden (indem er Ihre Forderung anerkennt oder nicht), ob der frühere Anwalt etwas falsch gemacht hat bzw. Ihnen Geld schuldet. Das kann nicht richtig sein, oder?

Wenn Sie den schon so lange streitigen Anspruch jetzt erfolgreich per Klage geltend machen, dann kommt es noch immer darauf an, warum die Klage erfolgreich sein wird. Obsiegen Sie lediglich durch Versäumnisurteil, dann hat das Gericht sich den Fall doch gar nicht so wirklich angesehen. Und wenn SIe nur obsiegen, weil der Gegner anerkennt, dann sind wir doch wieder bei dem vorherigen Absatz.
Sowieso würde ich meinen, dass auch einem Urteil nur eine Indizwirkung für den Streit mit dem alten Anwalt zukommen kann. Denn zumindest solange der alte Anwalt an dem Prozess gegen den Gegner nicht irgendwie beteiligt ist (vielleicht kann man aber genau das ja ändern?), wüsste ich nicht, warum das Urteil zu diesem Prozess den unbeteiligten alten Anwalt an irgendwas binden sollte.

Auch sollten Sie bedenken: Selbst wenn ein Gericht jetzt zu dem Schluss kommt, dass der Anspruch bestand (das kann gegebenfalls auch in einem Haftungsprozess gegen den alten Anwalt passieren), dann bedeutet das für mich noch nicht, dass der Anwalt auch wirklich haften muss. Bei einem Prozess ist es doch sehr häufig, dass das Bestehen eines Anspruchs (oder die Beweisbarkeit) von einer der Seiten anders beurteilt wird als von der anderen. Auch weiß man vorher nie so genau, mit was für einem Richter man es zu tun haben wird. Zwei Juristen, drei Meinungen.
Der Anwalt kann also durchaus gute Arbeit gemacht haben, auch wenn sich später herausstellt, dass ein anderer Weg besser gewesen wäre.

Zitat:
Klageereichung lehnte er ab

Zitat:
Gibts eigentlich auch % Verzinsung
Das finde ich ein bischen albern. Sollte der Anwalt wirklich ein wichtiges Gutachten verschlampt haben, dass unbedingt notwendig war für die Anspruchsdurchsetzung, dann kann man vielleicht tatsächlich sagen, dass der Anwalt für die Zinsen für den Zeitraum haftet, der allein wegen der notwendigen Wiederbeschaffung des Gutachtens verstrichen ist. Aber wie lange war denn dieser Zeitraum, warum war das Gutachten (im Original) denn so bedeutsam, was war das überhaupt für ein Gutachten und warum wurde eine neue Kopie nicht einfach beim Gutachter angefordert?

Was den Zeitverstreich wegen der nicht erfolgten Klageeinreichung angeht: Sie wussten doch, dass keine Klage erhoben wurde. Wenn Sie das nun für den goldenen Weg und für so eilig hielten, dann hätten Sie doch selber Klage einreichen bzw. das einen anderen Anwalt machen lassen könnten. Dabei hätte aber wohl auch kein anderer Anwalt gleich am ersten Tag die Klageschrift rausgeschickt. Dass auch der neue Anwalt es noch außergerichtlich probiert, zeigt das doch.

Abgesehen davon würde ich mich eher fragen, ob nicht der Gegner die Forderung verzinsen muss.

Aber wir wissen doch beide, wie viel Zinsen es auf dem Markt heutzutage gibt, oder?

Wie hat der alte Anwalt es eigentlich begründet, dass er keine Klage einreichen möchte? Wurde er dazu ausdrücklich aufgefordert?

Zitat:
Übernahme Anwaltskosten für Tätigkeit neuer Anwalt durch den früheren
Was haben Sie dem alten Anwalt denn schon alles gezahlt? Welche Mehrkosten sind entstanden? Wie hoch ist eigentlich der Streitwert?

Zusammenfassung:
Für mich ist nicht ohne weiteres erkennbar, dass der alte Anwalt einen (haftungsauslösenden) Fehler begangen hat und Ihnen gerade dadurch ein Schaden entstanden ist.

Geht es um den Verkehrsrechtfall aus Ihren anderen Threads? Die Threads habe ich jetzt nur überflogen, aber vielleicht auch aus anderen Gründen nicht ganz verstanden. Das scheint mir alles ein wenig wirr zu sein.

In der Frage der Anwaltshaftung sollten Sie meier Meinung nach auf keinen Fall alleine etwas unternehmen (und auch nicht Zeit durch Recherchen vergeuden), sondern diese Frage ggf. an einen Rechtsanwalt übergeben. Das kann ein Anwalt sein, der auf Anwaltshaftung spezialisiert ist. Das kann auch Ihre neue Kanzlei sein, die mit dem Fall schon betraut ist.

Aber ich würde das Thema Anwaltshaftung überhaupt nicht weiter verfolgen, solange die Verkehrssache nicht abgeschlossen ist.

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#2
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(81098 Beiträge, 33917x hilfreich)

Zitat (von Brit2):
Er reichte auch wichtige Unterlagen nicht ein

In solchen Fällen sollte der Mandant sich bewusst machen, das nicht alles was er als "wichtig" erachtet auch tatsächlich diese Status hat. Und das nicht alles was er gerne irgendwo vorlegen würde, zu dem Zeitpunkt auch taktisch klug wäre.



Zum Thema welchen Status der Mandant hat: "Der Anwalt ist der Herr des Verfahrens".

Grundsätzlich hat der Anwalt die Wünsche / Weisungen des Mandanten zwar zu beachten, muss ihnen aber nicht in allen Fällen Folge leisten.

Einfach mal die Vollmacht lesen die man am Anfang unterschrieben hat. Dann wird oftmals schon klar, wie unabhängig der Anwalt sein darf / kann und wer der "Herr des Verfahrens" ist.

Dann gibt es noch die BRAO. Der Anwalt dient als unabhängiges Organ der Rechtspflege (siehe § 1 BRAO ) und als unabhängiger Berater und Vertreter in allen Rechtsangelegenheiten (siehe § 3 BRAO ).

Der BGH hat sich auch mal dazu geäußert (V ZR 136/13).

Insbesondere wenn eine Weisung des Mandanten dem Mandant wirklich schadet, hat das der Anwalt zu prüfen und entsprechend zu Wohle des Mandanten zu handeln.

Aber auch sonst muss der Anwalt nicht den Weisungen des Mandanten folgen, z.B. wenn er sich an zweifelhaften Aktionen beteiligen soll (sieh OLG Rostock NJW-RR 2012, 400)



So, und nach diesen beiden Punkten (Vorlage der Dokumente wäre unabdingbar gewesen, Anwalt hätte (vorstätzlich) rechtswidrig gegen Weisungen verstoßen), müsste man auch noch beweisen, das durch die Handlungen ein Schaden entstanden ist.



Zitat (von Brit2):
alles außergerichtlich, Klageereichung lehnte er ab

Zitat (von Brit2):
Kanzlei möchte allerdings außergerichtliche Einigung.

Wenn 2 Anwälte nicht vor Gericht ziehen wollen, sollte man überlegen, ob ein Gerichtsverfahren Sinn macht.



Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#3
 Von 
Brit2
Status:
Beginner
(55 Beiträge, 3x hilfreich)

Der ursprünglich beauftragte Anwalt wurde beauftragt, weil er mir regelrecht aufgezwungen wurde. Den Teufel tu ich und berichte hier warum und durch wen. Jedenfalls hatte ich 24 Stunden Bedenkzeit zum Unterschreiben plus die Aussage "der macht das mit mir seit vielen Jahren erfolgreich zusammen".
Es war die Aussage dieses Anwalts plötzlich Monate später "alles aussichtslos, werde keine Klage einreichen, lege das Mandar nieder und überreiche Ihnen meine Rechnung zum Bezahlen".
Der neue Anwalt wurde mir von der Anwaltskammer genannt. Dorthin wurde ich von anderer Kanzlei verwiesen ("würden die Sache zwar gern übernehmen, allerdings könnten Sie unsere Fahrtkosten nicht erstattet bekommen können, darum besser ortsansässigen Kollegen beauftragen"). Beide Anwälte erklärten mir sehrwohl Aussicht und von Anfang an verkorkstes Vorgehen vom Kollegen.
ICH bestand zu keiner Zeit auf dem Klageweg. Ich bin kein Jurist.
Ich will nur nicht nochmal der Depp sein. Vertrauen ist gut - eine Drittmeinung aber durchaus nützlich.

Wenn der neue Anwalt ohne Klage Zahlungen an mich erreicht, kann ich seine Tätigkeit per Anwaltshaftung vom zuvor (un-)tätigen Anwalt bezahlen lassen oder bleibe ich auf solchen außergerichtlichen Kosten sitzen weil ich ihn beauftragt habe?
Würde er Klage einreichen, würde er gewinnen und müsste die Gegenseite auch seine Kosten zahlen. Er würde allerdings weniger verdienen. Logisch möchte eher anders vorgehen. Auch Juristen sind teilweise Menschen.

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