AfA bei gewillkürtem Betriebsvermögen

21. Juni 2024 Thema abonnieren
 Von 
Eisenfuß
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)
AfA bei gewillkürtem Betriebsvermögen

Hallo,

Herr A hat einen Handwerksbetrieb geerbt und will ihn nun abwickeln.

Ein PKW gehört als gewillkürtes Betriebsvermögen auch zum Inventar. Der betriebliche Nutzungsanteil ist 40%.

Was nun merkwürdig ist:
Der Erblasser bei dem PKW als Bemessungsgrundlage der AfA nicht die vollen 100%, also 30.000 €, angesetzt, sondern nur 40%. Und das Finanzamt hat das wohl akzeptiert.

Bisher ging ich davon aus, dass gewillkürtes Betriebsvermögen immer zu 100% Betriebsvermögen ist, auch so abgeschrieben werden kann und dann die privaten Nutzungsanteile als Einnahmen verbucht werden müssen.

Kann es sein, dass es da eine inoffizielle Regelung gibt, dass bei einem Nutzungsanteil von 40% alle Kostenarten nicht mit 100%, sondern eben mit 40% in den betrieblichen Aufwand eingehen?
Das wäre ja eigentlich auch vernünftig, jedoch eben strenggenommen nicht korrekt.

Kennt da jemand hier im Forum die Praxis der Finanzämter?

Gruß Jürgen

-- Editiert von User am 21. Juni 2024 07:27

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13 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
amz621718-85
Status:
Schüler
(417 Beiträge, 41x hilfreich)

Zitat (von Eisenfuß):
Bisher ging ich davon aus, dass gewillkürtes Betriebsvermögen immer zu 100% Betriebsvermögen ist, auch so abgeschrieben werden kann und dann die privaten Nutzungsanteile als Einnahmen verbucht werden müssen.


Per Saldo also Aufwendungen in Höhe der 40%..

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#2
 Von 
Tom998
Status:
Student
(2096 Beiträge, 1199x hilfreich)

Zitat (von Eisenfuß):
Der Erblasser bei dem PKW als Bemessungsgrundlage der AfA nicht die vollen 100%, also 30.000 €, angesetzt, sondern nur 40%. Und das Finanzamt hat das wohl akzeptiert.
Ich tippe eher auf "nicht gewusst".

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#3
 Von 
Eisenfuß
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von amz621718-85):
Per Saldo also Aufwendungen in Höhe der 40%..


Das mag im Ergebnis so annähernd richtig sein.

Und deshalb meine Frage, ob die Finanzämter sich sagen, ob jemand links und rechts rum rechnet, ist uns egal, wenn am Ende das Richtige rauskommt.

Ab 50% betrieblicher Anteil gibt es ja wohl die beamtenfreundliche 1%-Dienstwagenregelung.
Und zwischen 10 und 50%, in dem "gewillkürten" Bereich droht viel Arbeit ... (??)

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#4
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(48122 Beiträge, 16998x hilfreich)

Zitat (von Eisenfuß):
Und deshalb meine Frage, ob die Finanzämter sich sagen, ob jemand links und rechts rum rechnet, ist uns egal, wenn am Ende das Richtige rauskommt.

Es kann auch einfach sein, dass das übersehen wurde.

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#5
 Von 
Cybert.
Status:
Junior-Partner
(5031 Beiträge, 1207x hilfreich)

Zitat (von Eisenfuß):
Ab 50% betrieblicher Anteil gibt es ja wohl die beamtenfreundliche 1%-Dienstwagenregelung.

Was daran "beamtenfreundlich" sein soll, erschließt sich nicht.
In jedem Fall besteht im Umsatzsteuerrecht die Möglichkeit, den PKW nur zu 40% dem Unternehmensvermögen zuzuordnen.

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

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#6
 Von 
Eisenfuß
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Cybert.):
Was daran "beamtenfreundlich" sein soll, erschließt sich nicht.


Die Pauschale ist einfacher zu bearbeiten als das Fahrtenbuch nachzurechnen.

Zitat (von Cybert.):

In jedem Fall besteht im Umsatzsteuerrecht die Möglichkeit, den PKW nur zu 40% dem Unternehmensvermögen zuzuordnen.


Das Umsatzsteuerrecht unterscheidet sich hier vom Ertragssteuerrecht.

Meine Vermutung ist, dass die sinnvolle Regelung des Umsatzsteuerrechts in kleineren Fällen auch auf das Ertragssteuerrecht übertragen wird.
Einfach weil es für den Finanzbeamten schneller zu bearbeiten ist, und weil bei einem dezidierten Nachweis der privaten Fahrten das Ergebnis in etwa gleich wäre.

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#7
 Von 
Cybert.
Status:
Junior-Partner
(5031 Beiträge, 1207x hilfreich)

Doppelt.



-- Editiert von User am 22. Juni 2024 15:12

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

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#8
 Von 
Cybert.
Status:
Junior-Partner
(5031 Beiträge, 1207x hilfreich)

Zitat (von Eisenfuß):
Die Pauschale ist einfacher zu bearbeiten als das Fahrtenbuch nachzurechnen.

Und für den Selbständigen ist es keine Vereinfachung?



Zitat (von Eisenfuß):
Meine Vermutung ist, dass die sinnvolle Regelung des Umsatzsteuerrechts in kleineren Fällen auch auf das Ertragssteuerrecht übertragen wird.

Das denke ich nicht.

Zitat (von Eisenfuß):
Einfach weil es für den Finanzbeamten schneller zu bearbeiten ist, und weil bei einem dezidierten Nachweis der privaten Fahrten das Ergebnis in etwa gleich wäre.

Und was ist, wenn sich der private Anteil z. B. auf 50% erhöht?

Zudem würde die Anwendung einer solchen vermeintlichen Vereinfachung om alten Recht oder bei notwendigem Betriebsvermögen die Kostendeckelung obsolet werden lassen.

M.E. bestand hier Unwissenheit auf beiden Seiten.

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

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#9
 Von 
taxpert
Status:
Student
(2450 Beiträge, 649x hilfreich)

Zitat:
Die Pauschale ist einfacher zu bearbeiten als das Fahrtenbuch nachzurechnen.
Das ist schlicht falsch, da die Prüfung der 1%-Regelung häufig genauso aufwändig ist, wie die Prüfung eines Fahrtenbuches.

Wie @Cybert schon gesagt hat, der Vorteil liegt beim Unternehmer! Eine große Anzahl von Unternehmern wendet lieber die teurere 1%-Regelung an um sich den Aufwand des Fahrtenbuches zu sparen.

Zitat:
Die Pauschale ist einfacher zu bearbeiten als das Fahrtenbuch nachzurechnen.
Eine solche Regelung gibt es definitiv nicht!

Zitat:
M.E. bestand hier Unwissenheit auf beiden Seiten.
Ich werde hier von steuerlicher Unwissenheit des Unternehmers und Unkenntis des tatsächlichen Sachverhaltes durch falsche Angaben des Unternehmers auf Seiten des FA annehmen.

Vorteil für die Erben ist natürlich, dass bei Betriebsaufgabe nach Richtigstellung noch ggü. dem FA noch 18.000 € Buchwert dem Entnahmewert gegenüberstehen!

taxpert

Signatur:

"Yeah, I'm the taxman
and you're working for no one but me!"

The Beatles, Taxman

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#10
 Von 
Eisenfuß
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von taxpert):
Vorteil für die Erben ist natürlich, dass bei Betriebsaufgabe nach Richtigstellung noch ggü. dem FA noch 18.000 € Buchwert dem Entnahmewert gegenüberstehen!


Deshalb der Thread.

Wie wann zu welchem Preis sinnvollerweise entnommen wird, hängt ja durchaus von den Rahmendaten ab.

Und eine Entnahme unter Zugrundelegung der falschen, aber bisher durch das FA akzptierten, Buchhaltungsdaten, erfolgt anders, als eine Entnahme, bei der alle Buchungen rechtskonform korrigiert werden müssen.

Oder stark vereinfacht gefragt: ZIeht man das "falsch" weiter durch, oder korrigiert man alles.


-- Editiert von User am 23. Juni 2024 02:38

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#11
 Von 
taxpert
Status:
Student
(2450 Beiträge, 649x hilfreich)

Zitat:
ZIeht man das "falsch" weiter durch
Etwas falsches wird selten dadurch „besser" indem man es konsequent bis zum Schluss falsch macht!

Deshalb …
Zitat:
Oder stark vereinfacht gefragt:[/qoute]… stark vereinfacht geantwortet: Den Ansatz von nur 40% des tatsächlichen Entnahmewertes kann man zunächst ohne weiteres als Steuerhinterziehung interpretieren.

taxpert

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#12
 Von 
Cybert.
Status:
Junior-Partner
(5031 Beiträge, 1207x hilfreich)

Zitat (von taxpert):
Den Ansatz von nur 40% des tatsächlichen Entnahmewertes kann man zunächst ohne weiteres als Steuerhinterziehung interpretieren.

Kann man evtl., jedoch sehe ich den Vorsatz als fraglich. Zudem muss sich eine hinterzogene Steuer ergeben. Wenn 100% Teilwert - 60% RBW weniger sind als 40% Teilwert - Erinnerungswert...!?

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

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#13
 Von 
taxpert
Status:
Student
(2450 Beiträge, 649x hilfreich)

Zitat:
Kann man evtl., jedoch sehe ich den Vorsatz als fraglich
Die gesetzliche Definition des Teilwertes in §6 Abs.1 Nr.1 EStG ist ziemlich eindeutig. Ein bewusst niedrigerer Ansatz wäre wohl vorsätzlich.

Auch das …
Zitat:
Wenn 100% Teilwert - 60% RBW weniger sind als 40% Teilwert - Erinnerungswert...!?
… sehe ich noch problematisch!

Für mich sich gleich auch die Frage gestellt, wie der Eigenverbrauch berechnet wurde.

Wurde gar nichts angesetzt und auch alle anderen Kosten wie zum Beispiel Treibstoff, Reparaturen, Versicherung und Steuer nur 40% in der Gewinnermittlung berücksichtigt? Dann wurde die AfA ja grundsätzlich in zutreffender Höhe „geltend" gemacht!

Wurden die sonstigen laufenden Kosten nicht auch gekürzt, laufen die Erben über §153 Abs.1 Satz 2 AO wieder Gefahr in den Bereich des §370 AO zu kommen.

Machen wir mal ein Beispiel!

Sagen wir es war ein gebrauchtes Auto, das bei Entnahme abgeschrieben war und einen Teilwert von 10.000 € hat.

Wurde auch die Privatnutzung bisher richtig angesetzt, versteuert man 4.000 € (Teilwert 10.000 € x 40% minus Buchwert 0 €) statt eines Verlustes von 8.000 € (Teilwert 10.000 € minus RBW 18.000 €).

Wurde die Privatnutzung bisher falsch berechnet (s.o.) versteuert man ebenfalls 4.000 € statt 10.000 € (=ggf. Steuerhinterziehung)

Ergo ist „Weiter so!" schlicht die schlechteste Variante überhaupt.

taxpert


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and you're working for no one but me!"

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