Angestellter + Freiberufler gleichzeitig = höhere Einkommenssteuer?

3. Oktober 2022 Thema abonnieren
 Von 
tobiasr84
Status:
Frischling
(8 Beiträge, 0x hilfreich)
Angestellter + Freiberufler gleichzeitig = höhere Einkommenssteuer?

Hallo,

es geht um die Einkommensteuererklärung 2021: In dem Jahr war ich hauptberuflich Angestellter und habe zudem auch Einnahmen als Freiberufler erzielt (nachdem ich in den Jahren zuvor ausschließlich freiberuflich tätig war). In der Einkommenssteuererklärung 2021 füllte ich also zuerst – wie gewohnt – den Abschnitt für Freiberufler aus. Dort errechnete mir Smartsteuer eine Steuerrückzahlung durch das Finanzamt von rund 600 Euro. Soweit, so gut.

Als ich aber die Daten der Lohnsteuerbescheinigung 2021 (von meinem Arbeitgeber) ergänzte, traf mich fast der Schlag, da sich die Zalhungskalkulation plötzlich komplett änderte. Demnach soll ich fast 3.000 Euro an Steuern nachzahlen! Wie kann das sein? Ich dachte, die Lohnsteuerabgaben hätte ich durch die gesetzlichen Abzüge meiner Endgeltabrechnungen längst geleistet und es geht hier "nur" (oder in erster Linie) um Gewinne/Steuerabgaben durch meine freiberufliche Tätigkeit. Oder verstehe ich hier etwas komplett falsch?


Gruß
Tobias

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16 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118451 Beiträge, 39575x hilfreich)

Zitat (von tobiasr84):
Wie kann das sein?

Eingabefehler, Fehler im Programm, zu wenig Steuer vorausbezahlt ...



Zitat (von tobiasr84):
Ich dachte, die Lohnsteuerabgaben hätte ich durch die gesetzlichen Abzüge meiner Endgeltabrechnungen längst geleistet

Das ist ein Irrtum ... das sind eher Vorauszahlungen, was zu zahlen ist, ergibt sich dann aus der Endabrechnung (Steuererklärung / Steuerbescheid).


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#2
 Von 
Cybert.
Status:
Master
(4745 Beiträge, 1151x hilfreich)

Zitat (von tobiasr84):
ich durch die gesetzlichen Abzüge meiner Endgeltabrechnungen längst geleistet und es geht hier "nur" (oder in erster Linie) um Gewinne/Steuerabgaben durch meine freiberufliche Tätigkeit.

Richtig. Liegt der Gewinn denn bei ca. 10.000 Euro?

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

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#3
 Von 
tobiasr84
Status:
Frischling
(8 Beiträge, 0x hilfreich)

Der Gewinn aus freiberuflicher Tätigkeit liegt bei ca. 20.000 Euro (die Arbeitnehmereinnahmen sind höher).

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#4
 Von 
Cybert.
Status:
Master
(4745 Beiträge, 1151x hilfreich)

Dann scheint alles richtig zu sein. Bisher wurden nur die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit durch die Lohnsteuer versteuert.
Die Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit kommen "on top" und sind nun noch zi versteuern.

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

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#5
 Von 
taxpert
Status:
Student
(2324 Beiträge, 627x hilfreich)

„ Der Gewinn aus freiberuflicher Tätigkeit liegt bei ca. 20.000 Euro "

Dann wurden auf Grund dieser Zahlen ESt-Vorauszahlungen fest gesetzt wurden. Hierbei wurde der Grundfreibetrag von rd. 10.000 € berücksichtigt.

„ (die Arbeitnehmereinnahmen sind höher)."

Auch hier wurde seitens des ArbG der Grundfreibetrag bei der Einbehaltung der Lohnsteuer berücksichtigt!

Als Folge sind bisher rd. 10.000 € nicht versteuert, was jetzt zur Nachzahlung führt!

taxpert

Signatur:

"Yeah, I'm the taxman
and you're working for no one but me!"

The Beatles, Taxman

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#6
 Von 
tobiasr84
Status:
Frischling
(8 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Cybert.):
Dann scheint alles richtig zu sein. Bisher wurden nur die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit durch die Lohnsteuer versteuert.
Die Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit kommen "on top" und sind nun noch zi versteuern.


Danke für die Antworten. In den vergangenen Jahren hatte ich höhere Einnahmen bei der freiberuflichen Tätigkeit und ich habe auch schon Abschlagszahlungen für 2021 an das Finanzamt geleistet (bei Smartsteuer auch schon eingetragen) – trotzdem ist der Nachzahlbetrag jetzt sehr hoch. Vor dem Eintrag des Lohnsteuerbescheids bei Smartsteuer hatte ich ja sogar schon die Einnahmen aus freiberuflicher Tätigkeit eingetragen – dort hieß es, ich bekomme rund 500 Euro zurück.

Erst nachdem ich danach den Lohnsteuerbescheid meines Angestelltenverhältnisses hinzugefügt habe (inklusive der schon geleisteten Lohnsteuer), wurden plötzlich fast 3000 Euro als Nachzahlbetrag angezeigt. Eventuell werden beide Einnahmen zusammen addiert und dann ein neuer Steuersatz errechnet, was mir aber bislang nicht klar war. Dachte, nur die Einnahmen aus freiberuflicher Tätigkeit seien relevant, da ich die Lohnsteuer für meinen Hauptberuf schon bezahlt habe.

-- Editiert von User am 4. Oktober 2022 14:47

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#7
 Von 
Cybert.
Status:
Master
(4745 Beiträge, 1151x hilfreich)

Zitat (von tobiasr84):
Eventuell werden beide Einnahmen zusammen addiert und dann ein neuer Steuersatz errechnet, was mir aber bislang nicht klar war.

Genau so ist es. Bei mathematischer Affinität: § 32a EStG. :)

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

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#8
 Von 
AR377
Status:
Praktikant
(944 Beiträge, 258x hilfreich)

Zitat (von tobiasr84):
Angestellter + Freiberufler gleichzeitig = höhere Einkommenssteuer?
Ja.

Wenn die freiberufliche Tätigkeit nicht gerade der Selbstverwirklichung dient dann ist das folgende Modell dem hier zur Rede stehenden dringend vorzuziehen:

"Angestellter + Angestellter (520 EUR Job) gleichzeitig = niedrigere Steuer- und Sozialabgabenquote!"

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#9
 Von 
Cybert.
Status:
Master
(4745 Beiträge, 1151x hilfreich)

Zitat (von AR377):
Wenn die freiberufliche Tätigkeit nicht gerade der Selbstverwirklichung dient dann ist das folgende Modell dem hier zur Rede stehenden dringend vorzuziehen:

"Angestellter + Angestellter (520 EUR Job) gleichzeitig = niedrigere Steuer- und Sozialabgabenquote!"

Vielleicht bei nur einem Auftraggeber und geringen Einnahmen. Ein Gewinn von 20.000 Euro dient wohl kaum nur der Selbstverwirklichung.

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

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#10
 Von 
tobiasr84
Status:
Frischling
(8 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke für die Hinweise (auch zu den dazugehörigen Paragrafen). Bin inzwischen am überlegen, ob ich meinen Arbeitgeber nach einer Vollzeitstelle frage und dafür dann das Freelancing komplett weglasse.

Was wäre von folgenden zwei Arbeitsmodellen steuerlich vorteilhafter, wenn das zusammengerechnete Jahreseinkommen beispielsweise 45.000 Euro Brutto beträgt (falls es sich so pauschal sagen lässt):

1) Teilzeitbeschäftigter als Angestellter (30.000 Euro) + Freelancing (15.000 Euro)

2) Vollzeitbeschäftigter (45.000 Euro) ohne Freelancing nebenbei

Wäre die Vollzeitbeschäftigung steuerlich günstiger?

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#11
 Von 
Cybert.
Status:
Master
(4745 Beiträge, 1151x hilfreich)

Steuerlich käme es zu einem ähnlichen Ergebnis.
Unterschiede gibt es bei den Sozialversicherungsbeiträgen und ob Sie fürs Alter vorgesorgt haben.

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

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#12
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(32680 Beiträge, 17209x hilfreich)

Steuerlich ist das völlig schnuppe. Spannender ist die Frage der Krankenversicherung - zahlen Sie die auf die Freelance-Einnahmen? Wenn nicht, ist Variante 1 natürlich günstiger.

Signatur:

Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).

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#13
 Von 
tobiasr84
Status:
Frischling
(8 Beiträge, 0x hilfreich)

Aktuell mache ich Variante 1) (aber nicht mit exakt den Zahlen). Beim Freelancing bin ich in der Künstlersozialkasse (KSK) – darüber läuft allerdings "nur" die Rentenversicherung, Krankenversicherung geht ausschließlich über das Angestelltenverhältnis.

-- Editiert von User am 16. Oktober 2022 15:36

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#14
 Von 
cirius32832
Status:
Senior-Partner
(6856 Beiträge, 1450x hilfreich)

Zitat (von tobiasr84):
Krankenversicherung geht ausschließlich über das Angestelltenverhältnis.


Da kann es zu unangenehmen Nachfragen kommen... Vorsicht!

Signatur:

https://www.antispam-ev.de

0x Hilfreiche Antwort

#15
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47218 Beiträge, 16728x hilfreich)

Zitat (von tobiasr84):
Aktuell mache ich Variante 1) (aber nicht mit exakt den Zahlen).


Die Höhe der festgesetzten Einkommensteuer richtet sich alleine nach dem zu versteuernden Einkommen. Ob man dieses Einkommen mit einem oder mehreren Jobs oder mit einer Mischung aus Angestellten- und Selbstständigkeit erzielt ist schnuppe.

Das Problem in der Ausgangsfrage war einfach, dass bei den Steuervorauszahlungen der Grundfreibetrag berücksichtigt wurde und beim Lohnsteuerabzug in den Steuerklassen 1 bis 4 wird der Grundfreibetrag auch berücksichtigt. Dadurch kam es zu einer doppelten Berücksichtigung und da jedem Steuerzahler der Grundfreibetrag nur einmal zusteht zu einer Nachzahlung im Rahmen der Steuererklärung.

Zitat (von tobiasr84):
Krankenversicherung geht ausschließlich über das Angestelltenverhältnis.


Das ist nur dann zulässig, wenn Du die selbstständige Tätigkeit nebenberuflich ausübst, d.h. wenn sie im Vergleich zur angestellten Tätigkeit untergeordnet ist. Das ist aktuell der Fall, könnte aber beim Wechsel in einen Teilzeitjob anders sein.

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#16
 Von 
guest-12315.09.2023 08:23:49
Status:
Junior-Partner
(5465 Beiträge, 925x hilfreich)

Zitat (von hh):
Das ist nur dann zulässig, wenn Du die selbstständige Tätigkeit nebenberuflich ausübst, d.h. wenn sie im Vergleich zur angestellten Tätigkeit untergeordnet ist. Das ist aktuell der Fall, könnte aber beim Wechsel in einen Teilzeitjob anders sein.
Da der TE in Teilzeit angestellt ist, könnte es jetzt schon zu Problemen kommen.
Zitat (von tobiasr84):
Bin inzwischen am überlegen, ob ich meinen Arbeitgeber nach einer Vollzeitstelle frage und dafür dann das Freelancing komplett weglasse.

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