Frage zu Eingangssteuersatz

8. Mai 2023 Thema abonnieren
 Von 
Anjuna
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)
Frage zu Eingangssteuersatz

Liebe Forenmitglieder,

ich hätte mal eine Grundlegende Frage zur Besteuerung niedriger Renten und Einkommen.

Nehmen wir mal an die Summe an Einkommen/Jahr bis zu der ich keine Steuern zahlen muss, ist 10.000 Euro. Was passiert, wenn ich knapp darüber liege, z.b. 10.500 Euro. Muss ich dann den Eingangssteuersatz von 14 Prozent zahlen, d.h.1470 Euro?

Das wäre ja ein Witz, denn dann hab ich 30 Euro mehr Geld, als jemand, der nie auch nur einen Cent in die Rentenversicherung eingezahlt hat und der Staat würde mich auf das Existenzminimum runterkürzen obwohl ich doch extra mein ganzes Leben lang für die 500 Euro Mehreinnahmen hart gearbeitet habe.

Noch krasseres Beispiel. Ich bekomme 10.100. Das wäre dann 1414 Euro an Steuern. Da würde ich dann in den Minusbereich rutschen und hätte nur noch 8686 zur Verfügung.

Kann das alles so sein? Die Steuererklärung (vom Steuerberater erstellt) zeigt genau den oben zuerst genannten Fall. Ich kanns aber einfach nicht glauben. Ich würde dann als Arbeitgeber z.B. einer Teilzeitkraft, das Gehalt (abzüglich KK) auf genau 10.000 Euro kürzen, damit ich bloß kein Geld an den Staat verschenke und dem Arbeitnehmer vielleicht ein paar Geschenke wie Jobticket machen. Hab aber noch nie gehört, dass das massenhaft so gehandhabt wird.

Vielen Dank für Eure Antworten.

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13 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Cybert.
Status:
Master
(4744 Beiträge, 1151x hilfreich)

Zitat (von Anjuna):
Muss ich dann den Eingangssteuersatz von 14 Prozent zahlen, d.h.1470 Euro?

Nein natürlich nur auf die 500 Euro.

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

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#2
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118428 Beiträge, 39570x hilfreich)

Zitat (von Anjuna):
Die Steuererklärung (vom Steuerberater erstellt) zeigt genau den oben zuerst genannten Fall.

Wenn dem tatsächlich so wäre, führt das unweigerlich zu der Frage, was dieser "Steuerberater" eigentlich beruflich macht ...



Zitat (von Anjuna):
Muss ich dann den Eingangssteuersatz von 14 Prozent zahlen, d.h.1470 Euro?

14 Prozent von 500 EUR sind 70 EUR ...



Zitat (von Anjuna):
Ich bekomme 10.100. Das wäre dann 1414 Euro an Steuern. Da würde ich dann in den Minusbereich rutschen und hätte nur noch 8686 zur Verfügung.

Ja, das kann passieren.
Was mitunter dazu führt, dass Angestellte ihre "Gehaltserhöung" gar nicht haben wollen ...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#3
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(32677 Beiträge, 17209x hilfreich)

Sorry, aber das ist Unfug - 14 % von 100 Euro sind genau 14 Euro. Niemand rutscht "in den Minusbereich". Folglich hat man in dem Beispiel noch ganze 10.086 Euro übrig.

Signatur:

Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Cybert.
Status:
Master
(4744 Beiträge, 1151x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
14 Prozent von 500 EUR sind 70 EUR ...
, aber
Zitat (von Harry van Sell):
Zitat (von Anjuna):
Ich bekomme 10.100. Das wäre dann 1414 Euro an Steuern. Da würde ich dann in den Minusbereich rutschen und hätte nur noch 8686 zur Verfügung.

Ja, das kann passieren.

Wie soll das gehen ? 14% von 100 sind für mich 14 EUR.

Zitat (von Harry van Sell):
Was mitunter dazu führt, dass Angestellte ihre "Gehaltserhöung" gar nicht haben wollen ...

Das scheinen nicht die hellsten Kerzen auf der Torte zu sein, da man nominal nicht weniger hätte als vorher.
Aber vielleicht spielt der Gedanke
Zitat (von Anjuna):
damit ich bloß kein Geld an den Staat verschenke

eine Rolle.

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Anjuna
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke für Eure Antworten.

Das Beispiel oben macht keinen Sinn. Es müssten mindestens 11.650 Euro sein, damit ich nicht ins Minus rutsche.
11.650 Euro x 0,14 ergibt 1631 Euro. 11.650 -1631 = 19 Euro, die ich von meinen zusätzlich erwirtschafteten Euros behalten darf. Oder gilt 1631 x 0,14. Kann ich auch kaum glauben. Ich hab das noch auf keiner Steuererklärung gesehen, dass es da einen Freibetrag von ca. 10.000 Euro gibt.

Ich hab die Steuererklärung übrigens noch mal mit Elster selber gemacht. Elster berechnet auch 14 Prozent vom Gesamteinkommen (abzüglich den ganzen Kram wie Versicherungen, Werbungskosten etc.). 10.000 Euro werden da nirgendwo abgezogen.

Das würde ja auch im Umkehrschluss heißen, dass wenn ich 50.000 an zu versteuertem Einkommen habe, ich nur für 40.000 Steuern zahlen muss. Kann jemand in Lohnarbeit auf seiner Steuererklärung mal schauen, ob dem so ist.

-- Editiert von User am 9. Mai 2023 01:21

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#6
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118428 Beiträge, 39570x hilfreich)

Zitat (von Anjuna):
Ich hab das noch auf keiner Steuererklärung gesehen, dass es da einen Freibetrag von ca. 10.000 Euro gibt.

Wie denn auch, das Beispiel hat man ja schließlich selber gesetzt ...
Zitat (von Anjuna):
Nehmen wir mal an die Summe an Einkommen/Jahr bis zu der ich keine Steuern zahlen muss, ist 10.000 Euro.

Im übrigen findet sich sowas regelmäßig in den Gesetzen / Verordnungen, so ist der Grundfreibetrag für Rentner 2023 bei 10.908 EUR.



Zitat (von Anjuna):
Kann ich auch kaum glauben.

Ist ja auch völliger Blödsinn - wenn man schon Theorien aufstellt, sollte man die logischerweise auch bei den Beispielrechnungen beibehalten ...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Anjuna
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Zitat (von Anjuna):
Ich hab das noch auf keiner Steuererklärung gesehen, dass es da einen Freibetrag von ca. 10.000 Euro gibt.
.


Von mir aus kann es auch irgendein anderer Betrag zwischen 8000 und 15000 Euro sein. Abgezogen in diesem Bereich wurde definitiv nichts in keiner Steuererklärung. Die 10.000 Euro sind nur ein Beispiel für das Existensminimun. Das ändert sich aber jedes Jahr.

Zitat (von Harry van Sell):

Im übrigen findet sich sowas regelmäßig in den Gesetzen / Verordnungen, so ist der Grundfreibetrag für Rentner 2023 bei 10.908 EUR. .


Daher steht oben auch "Nehmen wir an". Die echten Zahlen herauszusuchen, ist zu viel Aufwand. Ist auch egal. Wie hoch der Betrag tatsächlich jetzt ist, spielt für die Frage überhaupt keine Rolle. Relevant ist: Wird das gesamte zu versteuernde Einkommen mit 14 Prozent belastet oder nur das Einkommen das über dem Existensminimum liegt.

Zitat (von Harry van Sell):

Ist ja auch völliger Blödsinn - wenn man schon Theorien aufstellt, sollte man die logischerweise auch bei den Beispielrechnungen beibehalten ...


Was von der Berechnung soll Blödsinn sein? Der erste Post stimmt nicht ganz. Die Korrektur im 2. Post stimmt genau.


-- Editiert von User am 9. Mai 2023 01:46

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#8
 Von 
KTTK
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Die Frage

Zitat (von Anjuna):
Wird das gesamte zu versteuernde Einkommen mit 14 Prozent belastet oder nur das Einkommen das über dem Existensminimum liegt.


wurde bereits in der ersten Antwort beantwortet
Zitat (von Cybert.):
Nein natürlich nur auf die 500 Euro


Die Besteuerung erfolgt nach der Steuertabelle, der Grundfreibetrag ist darin bereits berücksichtigt.

https://www.grundtabelle.de/Grundtabelle-2022.pdf

-- Editiert von User am 9. Mai 2023 05:05

-- Editiert von User am 9. Mai 2023 05:08

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#9
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47207 Beiträge, 16727x hilfreich)

Zitat (von Ajuna):
Abgezogen in diesem Bereich wurde definitiv nichts in keiner Steuererklärung.


Der Grundfreibetrag (10.000€) wird auch nirgendwo abgezogen. Das ändert aber nichts daran, dass auf ein zu versteuerndes Einkommen von 11.000€ nur 140€ Steuern fällig sind und nicht etwa 1.540€.

Zitat (von Ajuna):
Wird das gesamte zu versteuernde Einkommen mit 14 Prozent belastet oder nur das Einkommen das über dem Existensminimum liegt.


Nur das Einkommen über dem Existenzminimum wird belastet, auch wenn der Grundfreibetrag nirgendwo abgezogen wird.

Zitat (von Ajuna):
Ich hab das noch auf keiner Steuererklärung gesehen, dass es da einen Freibetrag von ca. 10.000 Euro gibt.


Es ist richtig, dass der Grundfreibetrag nirgendwo auf dem Steuerbescheid zu finden ist. Er wird aber dennoch berücksichtig.

Auf dem Steuerbescheid steht dann nämlich:
Zu versteuerndes Einkommen: 10.100€
Festgesetzte Einkommensteuer: 14€

Das kann man auch in § 32a EStG nachlesen.

-- Editiert von User am 9. Mai 2023 08:08

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
Anjuna
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von KTTK):
Die Besteuerung erfolgt nach der Steuertabelle, der Grundfreibetrag ist darin bereits berücksichtigt.


Danke für die Info. Die Theorie hatte ich auch schon. Allerdings, wo und wie wird in der Tabelle der Grundfreibetrag berücksichtigt. Ich hab alles nachgerechnet. Das haut alles überhaupt nicht hin.

Rente: 11.650 Euro
Grundfreibetrag für 2022: 10.347 Euro

In der Tabelle gibt es nun einen Durchschnittssteuersatz von 3% und einen Grenzsteuersatz von 19% für 11.650 Euro. Welcher dieser Steuersätze wird nun angewendet und auf welchen Wert. Auf die 11.650 Euro oder 11.650 - 10.347 = 1303 Euro.

Was Elster jetzt an Steuern aufzeigt sind entspricht in etwa 11.650 Euro * 0,03. Ich hab die Theorie, dass der Grundfreibetrag irgendwie den Steuersatz senkt. Von X auf 0,03. Nur wie berechnet sich X und wo ist darin der Grundfreibetrag versteckt.

Aus Wikipedia konnte ich folgende Formel herleiten: 11.650 * 0,03 = (11.650 - 10.347) * X. Wenn man das nachrechnet kommt X auf ca. 26 %. Der Wert ist so hoch, dass hab ich in keiner Tabelle bei Google so finden können. Macht also auch nicht wirklich Sinn. In dem Wiki Beispiel entsprach X dem Grenzsteuersatz. Das geht rechnerisch aber mal gar nicht auf.

Wer kann das Rätsel lösen?

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#11
 Von 
taxpert
Status:
Student
(2324 Beiträge, 627x hilfreich)

Zitat (von KTTK):
Die Besteuerung erfolgt nach der Steuertabelle,
Da es solche Tabellen im EStG nicht gibt, ist diese Aussage in dieser Form nicht richtig!

Die Besteuerung erfolgt nach dem Steuertarif, der als Formel in §32a EStG gesetzlich normiert ist. Darin enthalten ist bereits der Grundfreibetrag, so dass dieser Betrag auch nicht irgendwo in einem Bescheid extra ausgewiesen werden muss. Ganz im Gegenteil! Bei beschränkt Steuerpflichtigen wird dieser Betrag dem zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet!, §50 Abs.1 Satz 2 EStG.

Zitat (von Cybert.):
Zitat (von Harry van Sell):
Was mitunter dazu führt, dass Angestellte ihre "Gehaltserhöung" gar nicht haben wollen ...

Das scheinen nicht die hellsten Kerzen auf der Torte zu sein, da man nominal nicht weniger hätte als vorher.
Bis 2003 gab es den sogenannten "Tabellensprung" im ESt-Tarif (damals §32a Abs.2 EStG). Durch den Tabellensprung konnte es in Einzelfällen tatsächlich passieren, dass sich eine Gehaltserhöhung insgesamt negativ auf das Nettoeinkommen auswirken konnte.

taxpert

Signatur:

"Yeah, I'm the taxman
and you're working for no one but me!"

The Beatles, Taxman

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47207 Beiträge, 16727x hilfreich)

Zitat (von Ajuna):
In der Tabelle gibt es nun einen Durchschnittssteuersatz von 3% und einen Grenzsteuersatz von 19% für 11.650 Euro.


Die Angaben dienen nur der Information, sind aber steuerrechtlich nicht relevant. Die Berechnung der Steuer erfolgt nach der Formel in § 32a EStG.

Zitat (von Ajuna):
Welcher dieser Steuersätze wird nun angewendet und auf welchen Wert. Auf die 11.650 Euro oder 11.650 - 10.347 = 1303 Euro.


Es wird für 2022 folgende Formel aus dem § 32a EStG angewendet:
(1.088,67 · y + 1.400) · y
Wobei gilt:
y=(zvE-10.347)/10.000

Bei der Formel für y taucht dann auch der Grundfreibetrag auf. Die Zahl 1.400 repräsentiert den Eingangssteuersatz (1.400/10.000=14%).

Das Ergebnis der Berechnung für ein zvE von 11.650€ ist dann 200,90€, abgerundet 200€.

Auf ein zu versteuerndes Einkommen von 11.650€ fallen dann 200€ Steuern an. Dabei ist mir dann noch aufgefallen, dass die von @KTTK verlinkte Steuertabelle falsch ist, weil sie nicht berücksichtigt, dass der Grundfreibetrag nachträglich und rückwirkend erhöht wurde.

Zitat (von taxpert):
Durch den Tabellensprung konnte es in Einzelfällen tatsächlich passieren, dass sich eine Gehaltserhöhung insgesamt negativ auf das Nettoeinkommen auswirken konnte.


Aber nur, wenn es sich um eine Gehaltserhöhung von 1€ pro Monat gehandelt hat. Dann konnte es passieren, dass man ca. 1,50€ mehr Steuern zahlen musst oder aber auch 0€.

Überraschend war der Effekt eher beim Geltendmachen von Werbungskosten. Da konnte dann im Extremfall 1€ mehr oder weniger zu einem Unterschied von bis zu 16€ in der Steuer führen.

Obwohl dieser Effekt schon seit 20 Jahren beseitigt ist, steckt er immer noch in den Köpfen vieler Steuerzahler.


-- Editiert von User am 9. Mai 2023 11:22

1x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
Anjuna
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

@hh: Vielen Dank. Das bringt mich jetzt wirklich weiter. Jetzt hab ich etwas zum Rechnen.

Mein Steuerberater ist anscheinend der totale Honk :-( . Eine größere Summe an Zusatzeinkommen hat er auch noch glatt vergessen. Daher kommt auch der hohe Steuerwert in Elster.

0x Hilfreiche Antwort

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