Frist für "steuerlich beratene Personen" - was genau sind steuerlich beratene Personen?

11. März 2024 Thema abonnieren
 Von 
vermächtnisnehmer
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)
Frist für "steuerlich beratene Personen" - was genau sind steuerlich beratene Personen?

Hallo,

die Fristen für die Abgabe der Einkommenssteuer sind mit bekannt und ja auch eindeutig definiert:
https://finanzamt.hessen.de/einkommensteuererklaerung
Hier sind zumindest die Fristen für Hessen definiert, sollte aber wohl einheitlich sein, höchstens wegen bundslandabhängigen Feiertagen kann es sich mal einen Tag verschieben.

Jetzt die eigentliche Frage: Was sind "steuerlich beratene Personen"?

Man kann die Steuererklärung ja direkt vom Steuerberater (oder Personen mit gleicher Befugnis) abgeben lassen, aber sich auch nur beraten lassen. Ich nehme man an, man ist "steuerlich beratene Personen", bereits wenn man sich nur beraten lässt. Gilt die erweitere Frist ("28./29.02 des Zweitfolgejahres") also bereits dann, wenn man nur "beraten" wird oder muss der Steuerberater die Erklärung für einen auch abgeben? Was genau zählt alles als "Beratung"?

Hintergrund: Ich spiele mit dem Gedanken, einen Teil meiner betrieblichen Steuern über einen Steuerberater machen zu lassen (hab mir aber noch keinen gesucht). Welche Abgabefrist hätte ich bspw. für Steuerjahr 2023 wenn ich bspw. die EÜR den Steuerberater machen lassen, die eigentliche Abgabe (inkl. Anlage KAP, Kind etc.) selbst mache. 02.09.2024 oder 02.06.2025?

Beste Grüße

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10 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
vacantum
Status:
Lehrling
(1154 Beiträge, 195x hilfreich)

Auskunft meines Steuerberaters dazu: Nur wenn die beratende Person die Einkommensteuererklärung an das Finanzamt übermittelt, gilt die verlängerte Frist. Konkrete rechtliche Grundlage dazu hatte er leider nicht direkt parat.

-- Editiert von User am 11. März 2024 14:51

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#2
 Von 
Cybert.
Status:
Master
(4938 Beiträge, 1181x hilfreich)

Zitat (von vacantum):
Konkrete rechtliche Grundlage dazu hatte er leider nicht direkt parat.

Das ist erstaunlich. § 149 AO sollte er kennen.

(3) Sofern Personen, Gesellschaften, Verbände, Vereinigungen, Behörden oder Körperschaften im Sinne der §§ 3 und 4 des Steuerberatungsgesetzes beauftragt sind mit der Erstellung von
1.
Einkommensteuererklärungen nach § 25 Absatz 3 des Einkommensteuergesetzes mit Ausnahme der Einkommensteuererklärungen im Sinne des § 46 Absatz 2 Nummer 8 des Einkommensteuergesetzes,
2.
Körperschaftsteuererklärungen nach § 31 Absatz 1 und 1a des Körperschaftsteuergesetzes, Feststellungserklärungen im Sinne des § 14 Absatz 5, § 27 Absatz 2 Satz 4, § 28 Absatz 1 Satz 4 oder § 38 Absatz 1 Satz 2 des Körperschaftsteuergesetzes oder Erklärungen zur Zerlegung der Körperschaftsteuer nach § 6 Absatz 7 des Zerlegungsgesetzes,
3.
Erklärungen zur Festsetzung des Gewerbesteuermessbetrags oder Zerlegungserklärungen nach § 14a des Gewerbesteuergesetzes,
4.
Umsatzsteuererklärungen für das Kalenderjahr nach § 18 Absatz 3 des Umsatzsteuergesetzes,
5.
Erklärungen zur gesonderten sowie zur gesonderten und einheitlichen Feststellung einkommensteuerpflichtiger oder körperschaftsteuerpflichtiger Einkünfte nach § 180 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 in Verbindung mit § 181 Absatz 1 und 2,
6.
Erklärungen zur gesonderten Feststellung von Besteuerungsgrundlagen nach der Verordnung über die gesonderte Feststellung von Besteuerungsgrundlagen nach § 180 Abs. 2 der Abgabenordnung oder
7.
Erklärungen zur gesonderten Feststellung von Besteuerungsgrundlagen nach § 18 des Außensteuergesetzes,
so sind diese Erklärungen vorbehaltlich des Absatzes 4 spätestens bis zum letzten Tag des Monats Februar und in den Fällen des Absatzes 2 Satz 2 bis zum 31. Juli des zweiten auf den Besteuerungszeitraum folgenden Kalenderjahres abzugeben.

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

1x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
vacantum
Status:
Lehrling
(1154 Beiträge, 195x hilfreich)

Zitat (von Cybert.):
Das ist erstaunlich. § 149 AO sollte er kennen.
Und wo steht dort nun, dass die beratende Person die Steuererklärung auch an das Finanzamt übermitteln muss?

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Cybert.
Status:
Master
(4938 Beiträge, 1181x hilfreich)

Gefragt wurde:

Zitat (von vermächtnisnehmer):
Was sind "steuerlich beratene Personen"?


Das Gesetz spricht aber nicht von Beratung, sondern von
Zitat (von Cybert.):
"Personen, (...) [die] mit der Erstellung von" Steuererklärungen beauftragt sind

Darin liegt bereits der Unterschied.

Als es nur Papiererklärungen gab, genügte es, wenn der Berater als Mitwirkender auf der Erklärung genannt war. Zu der Zeit konnte man aber nur aufwendig nachvollziehen, wer die Erklärung einreichte.

Eine schlichte Beratung reicht jedenfalls noch nicht.

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
vacantum
Status:
Lehrling
(1154 Beiträge, 195x hilfreich)

Zitat (von Cybert.):
Gefragt wurde:
Zitat (von vermächtnisnehmer):
Was sind "steuerlich beratene Personen"?
Und viele weitere Fragen wurden durch den TE gestellt. Und wenn man genau liest, wird man auch die Kernfrage entdecken:
Zitat (von vermächtnisnehmer):
Welche Abgabefrist hätte ich bspw. für Steuerjahr 2023 wenn ich bspw. die EÜR den Steuerberater machen lassen, die eigentliche Abgabe (inkl. Anlage KAP, Kind etc.) selbst mache.



Zitat (von Cybert.):
Das Gesetz spricht aber nicht von Beratung, sondern von
Im § 149 AO wird von "Erstellung" gesprochen. Und? Die Frage ist doch: Muss der Steuerberater die EST Erklärung auch an das Finanzamt übermitteln, um in den Genuss der Fristverlängerung zu kommen? Bisher sehe ich dafür immer noch keine gesetzliche Grundlage.

Beispiel: Steuerberater erstellt auf Papier die gesamte Erklärung, Steuerpflichtiger überträgt die Daten in ELSTER und versendet diese. Und nun?

Selbst in den Formularen - auch innerhalb ELSTER - liest man im Hauptvordruck:
Zitat:
Die Steuererklärung wurde unter Mitwirkung einer selbständig und eigenverantwortlich tätigen und zur Hilfeleistung in Steuersachen nach den §§ 3 und 4 des Steuerberatungsgesetzes befugten Person oder Vereinigung angefertigt.
Bei der Anfertigung dieser Steuererklärung hat mitgewirkt:


Zudem gibt es ja noch genügend Steuerpflichtige, die nicht zur elektronischen Übermittlung ihrer EST Erklärung per ELSTER verpflichtet sind. Soll da der Steuerberater die Erklärung persönlich beim Finanzamt abgeben?

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
amz621718-85
Status:
Schüler
(364 Beiträge, 31x hilfreich)

Wird ein StB beauftragt übermittelt er meistens auch. Aber Kern ist halt, dass überhaupt ein StB zur Erstellung beauftragt wurde.

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47834 Beiträge, 16893x hilfreich)

Damit die Abgabefrist verlängert wird, muss der Steuerberater die gesamte Steuererklärung erstellen, nicht nur die EÜR.

Warum er dann nicht auf den Sendeknopf in seiner Software klicken soll, erschließt sich mir nicht. Aber wenn man unbedingt ungeklärte Rechtsfragen aufwerfen will, nur um selbst den Sendeknopf zu betätigen, dann kann man das gerne versuchen.

Zitat (von vacantum):
Zudem gibt es ja noch genügend Steuerpflichtige, die nicht zur elektronischen Übermittlung ihrer EST Erklärung per ELSTER verpflichtet sind. Soll da der Steuerberater die Erklärung persönlich beim Finanzamt abgeben?


Der Steuerberater gibt die Erklärung in derartigen Fällen selbstverständlich auch elektronisch ab. Was ist also das Problem?

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
vermächtnisnehmer
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Erst einmal vielen Dank für die vielen produktiven Antworten!

Zur letzten Gegenfrage: "Der Steuerberater gibt die Erklärung in derartigen Fällen selbstverständlich auch elektronisch ab. Was ist also das Problem?"

Um das "Auf den Knopf drücken ging es mir auch nicht im wesentlichen", das kann der Steuerberater gerne tun. Aber angenommen der Steuerberater gibt nur die EÜR ab ("Steuerberater drückt auf den Knopf") und ich selbst die Einkommenssteuererklärung ("Privatperson drückt auf den Knopf"):

=> Dann hat der Steuerberater klar bis Ende Februar des Folgejahres Zeit
=> Was ist mit mir, welche Frist habe ich für die Einkommenssteuererklärung? Dann doch eigentlich auch bis Ende Februar, da ich mit der Einkommensteuererklärung ja auf die EÜR aufsetze (also auf deren Ergebnis, "Steuerpflichtiger Gewinn/Verlust"). Es kann ja durchaus sein, dass die Einkommenssteuererklärung zeitlich versetzt zur EÜR abgegeben wird (aber dennoch fristgerecht, die Frage ist nur, welches die Frist ist). Wenn die EÜR durch den Steuerberater erst im Januar (oder ähnlich) fertig ist, kann ich ja schlecht schon vier Monate vorher meine Einkommensteuererklärung abgegeben haben, oder?

-- Editiert von User am 12. März 2024 09:54

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
Cybert.
Status:
Master
(4938 Beiträge, 1181x hilfreich)

Zitat (von vermächtnisnehmer):
=> Was ist mit mir, welche Frist habe ich für die Einkommenssteuererklärung? Dann doch eigentlich auch bis Ende Februar, da ich mit der Einkommensteuererklärung ja auf die EÜR aufsetze (also auf deren Ergebnis, "Steuerpflichtiger Gewinn/Verlust").

Zitat (von hh):
Damit die Abgabefrist verlängert wird, muss der Steuerberater die gesamte Steuererklärung erstellen, nicht nur die EÜR.

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
Cybert.
Status:
Master
(4938 Beiträge, 1181x hilfreich)

Zitat (von vacantum):
Zitat (von vermächtnisnehmer):
Welche Abgabefrist hätte ich bspw. für Steuerjahr 2023 wenn ich bspw. die EÜR den Steuerberater machen lassen, die eigentliche Abgabe (inkl. Anlage KAP, Kind etc.) selbst mache.

31.8.24

Zitat (von vacantum):
Beispiel: Steuerberater erstellt auf Papier die gesamte Erklärung, Steuerpflichtiger überträgt die Daten in ELSTER und versendet diese. Und nun?

Nun würde ich grundsätzlich von der normalen Frist ausgehen. Genaueres hätte ein FG zu klären.

Zitat (von vacantum):
Zudem gibt es ja noch genügend Steuerpflichtige, die nicht zur elektronischen Übermittlung ihrer EST Erklärung per ELSTER verpflichtet sind. Soll da der Steuerberater die Erklärung persönlich beim Finanzamt abgeben?

Hier wird regelmäßig ein Stempel oder Druck im Formular enthalten sein. Wie es früher war, beschrieb ich.

Zitat (von vacantum):
Selbst in den Formularen - auch innerhalb ELSTER - liest man im Hauptvordruck:
Zitat:
Die Steuererklärung wurde unter Mitwirkung einer selbständig und eigenverantwortlich tätigen und zur Hilfeleistung in Steuersachen nach den §§ 3 und 4 des Steuerberatungsgesetzes befugten Person oder Vereinigung angefertigt.
Bei der Anfertigung dieser Steuererklärung hat mitgewirkt:

Die Angabe dient auch der Überprüfung, ob eine zulässige Hilfeleistung vorliegt.

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

0x Hilfreiche Antwort

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