Kapitalisierung einer Leibrente

21. Oktober 2023 Thema abonnieren
 Von 
pandero
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)
Kapitalisierung einer Leibrente

Mein 89jähriger Vater erhält seit dem Jahr 2000 eine monatliche Leibrente bis zum Tode in Höhe von 1330€ wegen der damaligen Übertragung seiner Firmenimmobilie. Die Leibrente ist im Grundbuch abgesichert.

Nun möchte der jetzige Eigentümer die Immobilie verkaufen und die Leibrente kapitalisieren. Uns wurde mitgeteilt, es ergibt sich ein Betrag von ca. 80 - 82.000€.

Meine Eltern beziehen im Jahr zusammen eine Altersrente in Höhe von 9264€. Ansonsten gibt es keine weiteren Einkünfte. Sie sind Mitglied in der Krankenversicherung der Rentner.

Meine Fragen:
1. Wäre der Kapitalisierungsbetrag von ca. 80.000€ einkommensteuerpflichtig.
2. Und wie verhält es sich mit der Krankenversicherung.

Ich bedanke mich schon jetzt für die Aufmerksamkeit und Hilfe.

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10 Antworten
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#1
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47322 Beiträge, 16765x hilfreich)

Zitat (von pandero):
Uns wurde mitgeteilt, es ergibt sich ein Betrag von ca. 80 - 82.000€.


Wer hat das mitgeteilt? Den Betrag halte ich für deutlich zu hoch.

Zitat (von pandero):
1. Wäre der Kapitalisierungsbetrag von ca. 80.000€ einkommensteuerpflichtig.
2. Und wie verhält es sich mit der Krankenversicherung.


Nach meiner Auffassung 2x Nein, da es sich um eine Kaufpreiszahlung handelt.

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#2
 Von 
pandero
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von hh):
Wer hat das mitgeteilt? Den Betrag halte ich für deutlich zu hoch.


Deren Steuerberaterin hat die Kapitalisierung ausgerechnet.

Ursprünglich wurde im Notarvertrag eine Leibrente bis Lebensende von 3000DM monatlich vereinbart, angepasst jährlich mit Preisindex. Eine Inflationsanpassung ist aber nie geschehen, die Leibrente wurde sogar vor 13 Jahren gekürzt auf dann 1330€. Meine Eltern sind einer Auseinandersetzung immer stillschweigend aus dem Weg gegangen und haben erst jetzt die damaligen Verträge und Unterlagen mir offen gelegt als das Angebot zur Löschung der Reallast aufkam.

Ich habe bereits diese Steuerberaterin gefragt, sie kann zur Steuerpflicht und Sozialabgaben bei dem Einmalbetrag leider nichts sagen. Deshalb erhoffe ich mir hier eine Antwort.

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#3
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47322 Beiträge, 16765x hilfreich)

Zitat (von pandero):
Deren Steuerberaterin hat die Kapitalisierung ausgerechnet.


Aha, dann sollte sie das nochmal durchrechnen und dabei ihre Fehler aus der ersten Berechnung nicht wiederholen. Die Berechnung ist offensichtlich falsch.

Aber wenn der Eigentümer der Immobilie darauf reinfällt, kann man es auch so lassen.

Zitat (von pandero):
Eine Inflationsanpassung ist aber nie geschehen,


Wenn es dazu keine Vereinbarung gibt, dann gibt es die auch nicht.

Zitat (von pandero):
die Leibrente wurde sogar vor 13 Jahren gekürzt auf dann 1330€.


Es gab also eine Vertragsänderung oder wie ist das zu verstehen. Aber auch wenn ich eine Leibrente in Höhe von 3.000 DM (=1.533 €) zugrunde lege komme ich nicht auf eine Kapitalabfindung in Höhe von 80-82.000€.

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#4
 Von 
pandero
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von hh):
Es gab also eine Vertragsänderung oder wie ist das zu verstehen. Aber auch wenn ich eine Leibrente in Höhe von 3.000 DM (=1.533 €) zugrunde lege komme ich nicht auf eine Kapitalabfindung in Höhe von 80-82.000€.


Es gab eine Vertragsänderung/Kürzung nur für das Jahr 2010, die ist aber stillschweigend seitdem so weitergeführt worden. Aktuell seit 2012 erhalten sie monatlich 1330€.

So steht es im Vertrag: >>„Bei einer wesentlichen Veränderung sonstiger Verhältnisse, die für die Vereinbarung der monatlichen Zahlung maßgebend waren, ist kein Vertragsteil berechtigt, eine entsprechende Abänderung der monatlichen Zahlung zu verlangen. Die Anwendung von §323 ZPO wird ausgeschlossen." <<

Inflationsanpassung nach "Preisindex der Lebenshaltung privater Haushalte" ab 2002 steht im Übertragungsvertrag drin. Ist aber nicht berücksichtigt worden.

Wie errechnet sich eine Kapitalabfindung? Gibt es dazu eine Berechnungsformel? Lebensalter meines Vaters ist 89 J., meiner Mutter 85 J.

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#5
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47322 Beiträge, 16765x hilfreich)

Zitat (von pandero):
Lebensalter meines Vaters ist 89 J., meiner Mutter 85 J.


Die Leibrente steht aber alleine Deinem Vaster zu? Andernfalls ergibt sich ein deutlich anderes Bild.

Zitat (von pandero):
Wie errechnet sich eine Kapitalabfindung?


Statistische Restlebenserwartung laut Sterbetafel des Bundesamtes für Statistik multipliziert mit dem Jahresbetrag der Leibrente. Zu Berücksichtigen ist dann noch eine Abzinsung, die bei dem hohen Alter aber nur einen geringen Effekt hat. Die durchschnittliche Restlebenserwartung für einen 89-jährigen Mann beträgt nach der aktuellen am 23.10.2023 veröffentlichen Sterbetafel 3,87 Jahre.

Bei einer 85-jährigen Frau wären es aber 6,43 Jahre, so dass es ganz entscheidend ist, wem die Leibrente zusteht. Endet der Anspruch mit dem Tod des Mannes?

Zitat (von pandero):
Inflationsanpassung nach "Preisindex der Lebenshaltung privater Haushalte" ab 2002 steht im Übertragungsvertrag drin.


Das kann man jedenfalls für die Zukunft noch nachholen und wirkt sich natürlich auch auf die Höhe der Kapitalabfindung aus. Dann ist die Berechnung der Steuerberaterin ggf. doch korrekt.

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#6
 Von 
pandero
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von hh):
Bei einer 85-jährigen Frau wären es aber 6,43 Jahre, so dass es ganz entscheidend ist, wem die Leibrente zusteht. Endet der Anspruch mit dem Tod des Mannes?


Im Vertrag steht: >>Aufschiebend bedingt für den Fall, daß der Veräußerer vor seiner Ehefrau versterben sollte...., die Leibrente in Höhe von 60 Prozent an die Ehefrau .... auf deren Lebensdauer zu zahlen. Dadurch soll die Ehefrau einen eigenen Anspruch erhalten<<


Meine Eltern wollten mich nie mit diesen Immobilienverträgen belasten, haben die ganzen Jahre äußerst einfach und sparsam gelebt, erst jetzt im hohen Alter und der Überforderung einer Leibrentenkapitalisierung, suchen sie Hilfe.

Bisher zahlen sie keine Einkommensteuer und sind der KV der Rentner zugehörig. Daher kam die Frage auf, ob das auch bei einer Leibrenten-Ablösungssumme so bestehen bleibt. Wir haben alle keinen Steuerberater und wie oben geschrieben, deren Steuerberaterin hat sich angeblich erkundigt, kann oder will aber nichts dazu sagen.

Nun hat diese Steuerberaterin vorgeschlagen, die Grundstück-Reallast zu löschen und die Leibrenteneinmalzahlung auf ein Treuhandkonto zu zahlen und daraus monatlichen Zahlungen bis zum Tode von beiden zu leisten. Sie schreibt, damit wären die steuerlichen wie krankenversicherungsrechtlichen Auswirkungen unverändert. Aber was ist, sollten meine Eltern noch viel älter werden, darüber machen sie sich große Sorgen.

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#7
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47322 Beiträge, 16765x hilfreich)

Zitat (von pandero):
Im Vertrag steht: >>Aufschiebend bedingt für den Fall, daß der Veräußerer vor seiner Ehefrau versterben sollte...., die Leibrente in Höhe von 60 Prozent an die Ehefrau .... auf deren Lebensdauer zu zahlen. Dadurch soll die Ehefrau einen eigenen Anspruch erhalten<<


OK, dann sieht es anders aus.

Nehmen wir jetzt einmal 1.330€ aus 2010 mit Preisgleitklausel. Von 2010 bis 2022 gab es eine Preissteigerung von 25,1%. Der heutige Wert wäre also 1.664€. Daraus würde sich ein Kapitalwert alleine für den Vater in Höhe von 77.200€ ergeben. Die Frau lebt statistisch noch 2,56 Jahre länger, was weitere 30.600€ ausmacht, insgesamt also 107.800€.

Jetzt kann man noch eine Abzinsung hinzunehmen, die je nach genauem Zinssatz, der verwendet wird den Kapitalwert ganz grob um ca. 10% mindert. Dann wären wir bei ca. 97.000€. Hinzu kommt noch, dass wir ja inzwischen das Jahr 2023 haben mit einer aktuellen Inflation von ca. 4,5%. Insgesamt dürfte der Kapitalwert dann bei ganz grob 100.000€ liegen.


-- Editiert von User am 23. Oktober 2023 12:16

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#8
 Von 
pandero
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Diese Antworten haben mir schon viel geholfen. Tausend Dank, ich kenne mich steuerlich und vertragsrechtlich überhaupt nicht aus, geschweige denn mit so alten Verträgen.

Was mir auch noch Kopfschmerzen bereitet: wenn der Inflationsausgleich seit 2 Jahrzehnten nicht stattfand, ist schon eine hohe Summe zusammengekommen. Das ist doch eigentlich eine Schenkung an den Käufer. Und auch zukünftige Zahlungen ohne Inflationsausgleich wären eine Schenkung. Meine Eltern würde im Pflegefall auf Sozialhilfe angewiesen sein. Wir haben Sorge, dass Rückforderungen vom Sozialamt erfolgen.

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#9
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47322 Beiträge, 16765x hilfreich)

Zitat (von pandero):
wenn der Inflationsausgleich seit 2 Jahrzehnten nicht stattfand, ist schon eine hohe Summe zusammengekommen. Das ist doch eigentlich eine Schenkung an den Käufer.


Nach meiner Auffassung sind das keine Schenkungen.

Zitat (von pandero):
Wir haben Sorge, dass Rückforderungen vom Sozialamt erfolgen.


Die würden sich ohnehin gegen den Käufer und nicht gegen Deine Eltern richten.

Zitat (von pandero):
Wir haben alle keinen Steuerberater und wie oben geschrieben, deren Steuerberaterin hat sich angeblich erkundigt, kann oder will aber nichts dazu sagen.


Nachdem ich etwas drüber nachgedacht habe, möchte ich übrigens meine klare Aussage aus Antwort#1 zurücknehmen bzw. relativieren. Ich bin mir inzwischen unsicher, wie der Kapitalwert steuerlich und sozialversicherungsrechtlich zu behandeln ist und schließe mich damit der Steuerbraterin an.

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#10
 Von 
pandero
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)

Ich möchte mich für die Mühe und Antworten recht herzlich bedanken.

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