Mieteinnahme nicht in der Steuererklärung angegeben !

10. April 2016 Thema abonnieren
 Von 
HPauker
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 16x hilfreich)
Mieteinnahme nicht in der Steuererklärung angegeben !

Der Steuerberater meiner Mutter hat seit 12 Jahren vergessen eine Mieteinnahme einer Wohnung mit anzugeben. Meine Mutter vertraute dem Berater das er alles richtig macht. Was soll SIe jetzt tun ? Sie ist total fertig da Sie Angst hat hier richtig Ärger zu bekommen. Der Steuerberater sagte Sie solle eine Selbstanzeige machen. Was kann man in so einen Fall am besten machen ?
Bitte um Info. Vielen Dank im voraus.

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12 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(33129 Beiträge, 17348x hilfreich)

Die Selbstanzeige IST der beste Weg. Aber da muß man auch die hinterzogenen Steuern nachzahlen können, und zwar gleich - kann sie das?

Signatur:

Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).

2x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
HPauker
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 16x hilfreich)

Ja, ich denke schon. Notfalls könnte SIe ja einen Kredit aufnehmen. Fordern die dann wirklich alle 12 Jahre zurück ?
Ist eigentlich ein Steuerberater für so etwas Versichert ? Denn eigentlich hat er das verbockt.

16x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
drkabo
Status:
Weiser
(16928 Beiträge, 9426x hilfreich)


Zitat:
Ist eigentlich ein Steuerberater für so etwas Versichert ? Denn eigentlich hat er das verbockt.

Ja. Aber der der Schaden sind ja "nur" die Zinsen, nicht die Nachzahlung an sich..
Hätte der Steuerberater korrekt gearbeitet, dann hätte man die Steuern ja auch bezahlen müssen (bzw. hätte sie schon längst bezahlt). Die jetzige Nachzahlung ist also kein Schaden. Schaden sind nur die Kosten, die man jetzt zusätzlich hat, die also nicht angefallen wären, wenn der Steuerberater korrekt gearbeitet hätte,

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

2x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
reckoner
Status:
Wissender
(14023 Beiträge, 4406x hilfreich)

Hallo,

Zitat:
Der Steuerberater sagte Sie solle eine Selbstanzeige machen.
Und warum macht er das nicht für sie?

Erstens weiß er wohl besser, wie man das formuliert und was man vielleicht nicht schreibt. Und zweitens könnte er dann gleich zugeben, dass es sein Fehler war.

Zitat:
Fordern die dann wirklich alle 12 Jahre zurück ?
Die ersten Jahre könnten verjährt sein.

Zitat:
Aber der der Schaden sind ja "nur" die Zinsen, nicht die Nachzahlung an sich.
Imho nicht mal die, denn es wurden ja auch Zinsen gespart (falls es Kredite gibt) oder Zinsen vereinnahmt (falls es Kapitalanlagen gab). Oder das gesparte Geld wurde einfach ausgegeben, auch eine Art Gewinn.

Stefan

4x Hilfreiche Antwort


#6
 Von 
D_8699
Status:
Schüler
(150 Beiträge, 87x hilfreich)

Selbstanzeige ist völliger Quatsch, kein vernünftiger Mensch gibt eine Selbstanzeige ab.
Wenn ich feststelle, dass eine Steuererklärung falsch war, bin ich nach § 153 AO verpflichtet, dieses unverzüglich richtigzustellen. Ob das Finanzamt dieses dann als Selbstanzeige wertet ist eine andere Geschichte.

Wir müssen hier streng unterscheiden zwischen dem Steuerstrafrecht und der Steuerfestsetzung.
Eine wirksame Selbstanzeige verhindert die Bestrafung, sie hat nichts mit der Festsetzung der Steuer zu tun.

Für eine strafbefreiende Selbstanzeige braucht man zuerst mal eine Straftat. Eine Steuerhinterziehung liegt hier jedoch bei zutreffender Sachverhaltsdarstellung gar nicht vor. Zumindest nicht von der Mutter. Sie beauftrage einen Steuerberater, hat darauf vertraut, dass er alles richtig erklärt und hat ihm auch alle notwendigen Informationen / Verträge / Auskünfte zur Verfügung gestellt. Mangels Fachkenntnis hat sie die Fehler nicht entdeckt. Eine Steuerhinterziehung setzt Vorsatz, also Wissen und Wollen voraus. Aus Versehen kann man keine Hinterziehung begehen.

Einer Selbstanzeige bedarf es also nicht. Selbstverständlich hat sie das FA unverzüglich vollumfänglich über das Fehlen der Einnahmen zu informieren, das kann natürlich auch ein Vertreter (Steuerberater) machen.

Die spannende rage ist ja nun, für wie viele Jahre das Finanzamt noch an die Steuer auf die fehlenden Einnahmen herankommt. Die Festsetzungsverjährung beträgt bei Steuerhinterziehung 10 Jahre, bei leichtfertiger Steuerverkürzung 5 Jahre und ansonsten 4 Jahre. Daher auf keinen Fall Selbstanzeige schreiben, sonst räume ich bereits ein, mit 10 Jahren einverstanden zu sein. Meines Erachtens kann das Finanzamt hier mangels Vorsatz und Steuerhinterziehung nur 4 Jahre zurück. Die Frsitberechnung ist etwas komplex, in der Regel heißt das jedoch, dass 2010 raus ist (wenn 2010 in 2011 abgegeben wurde beginnen die 4 Jahre mit Ablauf des Jahres 2011, das ganze endete dann am 31.12.2015) Die Jahre ab 2011 sind aktuell ohne Nachweis einer Hinterziehung änderbar.

Um in die 10-jährige Verjährung zu kommen, muss das Finanzamt (!!) den Vorsatz nachweisen, was bei dem hier geschilderten Sachverhalt eher schwierig sein dürfte.

Also: Schreiben ans FA, Hinweis auf Fehler in der Erklärung und Meldung nach 153 AO, gerne auch für alle 12 Jahre. Dabei den Sachverhalt zutreffend schildern wie im Ausgangspost und Reaktion abwarten. Wenn FA für mehr Jahre Steuer haben will, Einspruch.

Und keine allzu große Angst vor Strafe und nicht bange machen lassen. Unabhängig von den 10 Jahren Verjährung der Steuer verjährt eine Tat strafrechtlich bereits nach 5 Jahren. Im Zweifel müsste darüber hinaus das FA das o.g. Schreiben und die Berichtigung nach 153 AO als Selbstanzeige werten, was ebenfalls eine Straffreiheit zur Folge hätte. Also hier nicht bange machen lassen, im Zweifel kompetente Hilfe in Anspruch nehmen. Ich denke der StB, der das verbockt hat, wird das sicher kostenlos machen, da alle verursachten Kosten aufgrund seines Fehlers im Zweifel eh von ihm zu zahlen gewesen wären. Bei nachhaltig gestörtem Vertrauen zu diesem StB oder Zweifeln an der Kompetenz, gerade im strafrechtlichen Teil, dann halt einen anderen.

4x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Yogi1
Status:
Student
(2030 Beiträge, 935x hilfreich)

Irgendwie ist das ja unglaubwürdig, dass ein Steuerberater 12 Jahre lang ein und denselben Fehler macht.
Ich kenne das von meiner Mutter, die geht mit allen Unterlagen zum Steuerberater und ab da lässt sie den machen und Fehler würden ihr nicht auffallen. Sie nimmt das alles so hin und denkt: wird schon so alles richtig sein.
Aber ich kann nicht nachvollziehen, warum ein Steuerberater 12 Jahre lang dieselbe Mieteinnahme jedes Jahr vergisst anzugeben.
Hat vielleicht doch die Mutter vergessen, was anzugeben? Sonst müsste man ja dem Steuerberater völlige Inkompetenz oder Bosheit unterstellen, wenn ihm alle Unterlagen vorlagen und er trotzdem 12 mal in Folge immer dasselbe vergessen hat anzugeben. Das eine Jahr dieses vergessen, das nächste Jahr jenes. Wär ja noch irgendwie nachvollziehbar. Aber 12 mal immer dasselbe? Schon komisch.

-- Editiert von Yogi1 am 08.06.2016 01:58

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#8
 Von 
D_8699
Status:
Schüler
(150 Beiträge, 87x hilfreich)

Hallo, nein, es ist nicht unglaubwürdig.
Es ist zwar im Grunde (aus Sicht der Mutter und einer Strafbarkeit etc.) völlig egal, warum der StB den Fehler gemacht hat, aber dennoch ist es nicht unglaubwürdig. Der StB oder seine Mitarbeiter orientieren sich oftmals (leider) am dem oder den Vorjahr(en), so dass ein einmal gemachter Fehler sich gerne mal über mehrere Jahre durchzieht, da man nicht immer den vollständigen Sachverhalt neu ermittelt. Aus welchen nicht nachvollziehbaren Gründen man irgendwann einmal zum Ergebnis kam, diese Miete nicht anzusetzen, kann dahingestellt bleiben. Im neuen Jahr orientiert man sich am Vorjahr, und wenn da die Miete nicht drin ist, kann das passieren. Auf Seiten des Finanzamtes ist es im Übrigen genauso. Auch dort wird rechnergestützt ein Vorjahresvergleich durchgeführt, aber wenn es keine nennenswerte Abweichung zum Vorjahr gibt, wird die Erklärung im Wesentlichen ungeprüft übernommen.
Daher ist der Sachvortrag im Eingang durchaus plausibel. Im Übrigen müsste das Finanzamt das Gegenteil beweisen. Einfach die Aussage zum Sachverhalt in Frage zu stellen reicht nicht.

-- Editiert von D_8699 am 08.06.2016 09:26

1x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
reckoner
Status:
Wissender
(14023 Beiträge, 4406x hilfreich)

Hallo,

Zitat:
Der StB oder seine Mitarbeiter orientieren sich oftmals (leider) am dem oder den Vorjahr(en), so dass ein einmal gemachter Fehler sich gerne mal über mehrere Jahre durchzieht, da man nicht immer den vollständigen Sachverhalt neu ermittelt.
Grundsätzlich würde ich dem zustimmen (beispielsweise wird der immer gleiche Beitrag zu einer Lebensversicherung auch immer gleich eingetragen - ohne die Zulässigkeit zu prüfen).
ABER: Hier haben wir doch gar keinen Eintrag im Vorjahr, vermutlich gar keine Anlage V. Und dann ist es absolut nicht nachvollziehbar, dass die zur Verfügung stehenden Unterlagen nicht beachtet werden. Der Bearbeiter hätte eigentlich jedes Jahr erneut fragen müssen, was das denn für eine neue Immobilie ist (war ja letztes Jahr noch nicht da).

Deinen Ausführung bezüglich Selbstanzeige kann ich aber nur zustimmen, das schlimme Wort sollte man niemals verwenden. Gerade deshalb hatte ich in #4 auch dazu geraten, den Steuerberater walten zu lassen (der weiß hoffentlich wie man unverfänglich formuliert).

Stefan

0x Hilfreiche Antwort


#11
 Von 
D_8699
Status:
Schüler
(150 Beiträge, 87x hilfreich)

@ reckoner
"Und dann ist es absolut nicht nachvollziehbar, dass die zur Verfügung stehenden Unterlagen nicht beachtet werden."
Doch, kommt häufiger vor. Irgendwann vor > 10 Jahres ist das mal durchgegangen, und dann bleibt es dabei. Wenn Mutter z.B. 3 Aktenordner mit allen möglichen und unmöglichen Unterlagen, allen Kontoauszügen etc. abgibt und sagt " Da habt ihr alles, und jetzt macht mal" dann passiert sowas. Dann werden nicht die Unterlagen gesichtet, sondern man sucht anhand der Vorjahreserklärung gezielt nach Unterlagen und Sachverhalten, die es schon mal gab. Neues (im Sinne von: gab es im Vorjahr nicht in der ESt) kann da schon mal außen vor bleiben.

"Der Bearbeiter hätte eigentlich jedes Jahr erneut fragen müssen, was das denn für eine neue Immobilie ist (war ja letztes Jahr noch nicht da)."
Hier volle Zustimmung, deshalb das "leider" in meinem Post "...orientieren sich oftmals (leider) am dem oder den Vorjahr(en)..."

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
D_8699
Status:
Schüler
(150 Beiträge, 87x hilfreich)

Zitat (von Eugenie):
der Fragesteller HPauker hat sich nicht mehr gemeldet, die Diskussion führt hier doch zu nichts!
Offensichtlich ist der Fall längst erledigt - es interessiert mich schon, was daraus geworden ist!
E.

Stimmt, wir reiten hier ein totes Pferd. Dennoch ist es vielleicht für andere interessant, die über die Suchfunktion auf Begriffe wie Selbstanzeige oder so stoßen, daher auch die etwas umfangreichere Stellungnohme weiter oben. Den leichtfertigen Umgang mit Begriffen wie Steuerhinterziehung und Empfehlungen zur Selbstanzeige kann ich nicht einfach unwidersprochen im Raum stehen lassen. Dafür ist hier manchmal zuviel fundiertes Halbwissen vermischt mit Stammtischweisheiten unterwegs.

-- Editiert von D_8699 am 08.06.2016 13:34

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