Studiumskosten mit Verlustvortrag -- sonstige EInnahmen als Student

21. März 2008 Thema abonnieren
 Von 
andrew_vd
Status:
Schüler
(209 Beiträge, 48x hilfreich)
Studiumskosten mit Verlustvortrag -- sonstige EInnahmen als Student

Salü,

man kann ja nun die Studienkosten zumindest bis 2003 mittels Antrag auf Feststellung des verbleibenden Verlustvortrages als Werbungskosten geltend machen
(cf. http://www.gomopa.net/Finanzforum/Steuerberatung-und-Steueroptimierung/Steuererklaerung-fuer-zurueckliegende-Jahre.html).

Jetzt angenommen, ein Student hätte im Jahr 2003 Studienkosten von EUR 3000,-
gehabt.

Kann er die nun komplett als Verlustvortrag feststellen lassen oder wird dieser Betrag vermindert um

- (nicht steuerpflichtige) Nebenjobeinkünfte in 2003,
- BAföG-Zuschussanteil in 2003,
- Stipendien in 2003,
- Eltern-Unterstützung in 2003,
- Zinsen in 2003,

wenn alles zusammen unter der Steuerpflichtgrenze war?


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8 Antworten
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#1
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47291 Beiträge, 16755x hilfreich)

Die Frage ist doch inzwischen hinfällig. Eine Steuererklärung 2003 kann der Student ohnehin nicht meh abgeben. Das hätte er spätestens 2007 machen müssen.

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#2
 Von 
andrew_vd
Status:
Schüler
(209 Beiträge, 48x hilfreich)

Naja, so eindeutig hinfällig ist sie nicht, wenn man den Artikel hinter dem von mir angegebenen Link durchliest.

Der Antrag auf Feststellung des verbleibenden Verlustvortrages kann jedenfalls bis zu sieben Jahre rückwirkend gestellt werden, also problemlos für die Jahre ab 2001.

"Alternative: Antrag auf Verlustfeststellung für die Jahre ab 2001
Auch wenn im Fall der Antragsveranlagung eine Steuererklärung nur bis zu 4 Jahre und nicht bis zu 7 Jahre rückwirkend abgegeben werden kann, so kann aber dennoch ein Antrag auf nachträgliche Verlustfeststellung für bis zu 7 Jahre rückwirkend gestellt werden. [...]

TIPP: Da nun die Zweijahresfrist für die Antragsveranlagung weggefallen ist, können Arbeitnehmer, Pensionäre und Betriebsrentner - und ganz besonders ehemalige Studenten(!) - jetzt einen Antrag auf nachträgliche Verlustfeststellung für bis zu 7 Jahren rückwirkend stellen. Bis Ende 2008 ist also ein Antrag für die Jahre 2001 bis 2003 möglich. Bis 2003 werden nämlich Studienkosten als Werbungskosten berücksichtigt, was ab 2004 nach geltender Gesetzeslage nicht mehr zulässig sein soll [...]

Machen Sie in der Anlage N Ihre damaligen Studienkosten als Werbungskosten geltend, auch wenn Sie keine Einnahmen hatten. Das Finanzamt stellt dann die negativen Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit fest, und dokumentiert den Verlustvorrat in einem "Verlustfeststellungsbescheid" zwecks Verrechnung in den Folgejahren.
Auf diese Weise retten Sie Ihren Verlust hinüber ins erste Berufsjahr -
und bekommen dann eine schöne Steuererstattung
"

(www.gomopa.net )

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#3
 Von 
Concoo
Status:
Frischling
(10 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo Andrew,

ungeachtet der verfahrensrechtlichen Diskussion von oben (ich teile die Ansicht in dem von Dir zitierten Artikel) bestimmt sich die Höhe des vortragsfähigen Verlusts nur nach dem Gesamtbetrag der Einkünfte.

Um diesen zu ermitteln, muss man all seine steuerpflichtigen(!) Einkünfte zusammenrechnen (= Summe der Einkünfte) und um bestimmte - vorliegend wohl nicht anwendbare Beträge (u. a. Altersentlastungsbetrag) - kürzen (= Gesamtbetrag der Einkünfte). Elternunterhalt, Bafög und Stipendium sind nicht steuerpflichtig, die Zinsen fallen unter den Tisch, sofern diese nicht damalige Werbungskosten-Pauschale und Sparerfreibetrag übersteigen (hierzu hätte man dann für einen Studenten aber doch signifikanteres Kapitalvermögen haben müssen). Es bleiben nur Ausgaben übrig (sofern die Qualifizierung der Nebenjobeinkünfte als steuerfrei korrekt ist!!!), die vorbehaltlich als Werbungskosten bei Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit erklärt werden. Da nichts hiermit zu verrechnen ist, laufen die ungekürzt in den negativen Gesamtbetrag der Einkünfte. Das FA schickt dann einen Bescheid über die gesonderte Feststellung des vortragsfähigen Verlustes zur Einkommensteuer per 31.12.2003.

Das ganze lohnt sich aber nur, wenn man ihn verwerten kann! Angenommen, man hat in 2004 Einkünfte erzielt, die zwar unter dem Grundfreibetrag waren, aber steuerpflichtig sind (und somit mit dem vorgetragenen Verlust zu verrechnen sind), dann wird der Verlust innerhalb des Grundfreibetrag ohne Steuerauswirkung verbraucht und die ganze Maßnahme wäre umsonst gewesen ...

MfG
Concoo

-- Editiert von Concoo am 22.03.2008 20:00:49

-- Editiert von Concoo am 22.03.2008 20:02:48

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#4
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47291 Beiträge, 16755x hilfreich)

Der Wegfall der 2-Jahresfrist für Antragsveranlagungen gilt nur für Zeiträume ab 2005.

Eine Pflichtveranlagung liegt nicht vor, da es sich um Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit handelt.

-- Editiert von hh am 22.03.2008 20:06:08

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#5
 Von 
Concoo
Status:
Frischling
(10 Beiträge, 0x hilfreich)

Lieber hh!

Verlustfeststellung hat rein gar nix mit Antragsveranlagung zu tun (seit 2006 - vor dem Hintergrund des BFH-Urteils vom 01.03.2006 - hat sich die steuerrechtliche Literatur hiermit umfassend auseinander gesetzt!).

Aber auch, dass die Antragsveranlagung nur für offene Veranlagungen ab 2005 gelten sollte, ist nicht zutreffend. Tatsächlich ist die Möglichkeit zur Veranlagung auch für alle Fälle eröffnet, über die bei Verkündung des JStG 2008 nicht bestandskräftig entschieden war, (§ 52 (55j) EStG).

Man kann seine Verlustfeststellung für 2003 - ohne Berücksichtigung der Antragsveranlagung - m. E. bis zum 31.12.2010 vornehmen lassen (§ 10d Abs. 4 Satz 6 EStG , §§ 169 , 170 AO ).

Ich lasse mich aber gerne widerlegen!

Gruß
Concoo




-- Editiert von Concoo am 22.03.2008 20:31:06

-- Editiert von Concoo am 22.03.2008 20:31:59

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#6
 Von 
andrew_vd
Status:
Schüler
(209 Beiträge, 48x hilfreich)

Vielen Dank erstmal @Concoo (+ natürlich auch hh)

Angenommen die Studienkosten seien 2001-2003 entstanden. Steuerpflichtige Einnahmen lägen in diesen Jahren nicht vor.

2004-2005 kein steuerpflichtiges Einkommen (also alles zusammen unter dem Grundfreibetrag).

Für 2006 läge ein rechtskräftiger Steuerbescheid vor, Einkommen in diesem Jahr deutlich über dem Grundfreibetrag,

für 2007 würde die Erklärung in Kürze abgegeben, Einkommen nochmal deutlich über dem von 2006,

1 - dann würde sich dieser Aufwand doch lohnen?
2 - würden dann die festgestellten Verluste mit 2007-Einkommen verrechnet (das wäre günstiger, da höherer Steuersatz, also höhere Ersparnis!), oder würde nochmal der 2006er Steuerbescheid >aufgebrochen< und die Verluste von dem Einkommen abgezogen?

Das Wichtigste: >Einkünfte erzielt, die zwar unter dem Grundfreibetrag waren, aber steuerpflichtig sind < <== was genau bedeutet das? Was wäre ein Beispiel für solche Einkünfte?

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Concoo
Status:
Frischling
(10 Beiträge, 0x hilfreich)

Die Crux an der Sache ist, dass die bis zum 31.12.2003 kumulierten Verluste sofort verbraucht werden, sobald „Verrechnungssubstrat“ vorhanden ist, und zwar zwingend (§ 10d Abs. 1 EStG ). Ein Wahlrecht – was zur Beeinflussung der Steuerprogression sicherlich interessant wäre – besteht insoweit nicht.

Um das Ganze etwas plastischer zu machen, folgender Fall:

Verlust 2001: 2000 €
Verlust 2002: 2000 €
Verlust 2003: 3000 €
Kumuliert 2003: 7000 €

Per 31.12.2003 gesondert festzustellender Verlustvortrag zur Einkommensteuer: 7000 €

In 2004 hat man jetzt steuerpflichtige (aber unter dem Grundfreibetrag von 7.664 € liegende) Einkünfte von 7500 €.

Du reichst Deine Einkommensteuererklärung 2004 ein (hierzu bist Du verpflichtet, weil im vorangegangenen Veranlagungszeitraum ein Verlust festgestellt worden ist). Das Finanzamt ermittelt jetzt Deine Besteuerungsgrundlagen (isoliert betrachtet und vereinfacht dargestellt) wie folgt:

Summe der Einkünfte / Gesamtbetrag der Einkünfte 7.500 €
./. Verlustvortrag 2003 ./. 7.000 €
----------------------------------------
zu verst. Einkommen 2004 500 €
----------------------------------------
----------------------------------------

Die Verluste verbrauchen sich hier steuerneutral bzw. ohne Auswirkung innerhalb des Grundfreibetrags. Das wollte ich zum Ausdruck bringen.

Fazit: Die Mühe lohnt nur, wenn man die Verluste über 2004 und 2005 bis nach 2006 retten kann.

Wenn dies klappt, dann wird der Steuerbescheid 2006 gem. § 175 AO geändert, weil der Verlustfeststellungsbescheid 2005 ein Grundlagenbescheid für den Einkommensteuerbescheid 2006 darstellt. In diesem Fall würdest Du dann nachträglich für das Veranlagungsjahr eine entsprechende Mehrerstattung erhalten.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
andrew_vd
Status:
Schüler
(209 Beiträge, 48x hilfreich)

OK vielen Dank.

Noch etwas weitergesponnen:

also BAföG etc. mal außen vor, angenommen der Student hätte 2004 (stpfl.) Einkünfte i.H.v. EUR 2000,- (unter dem Grundfreibetrag).

Dann würde sich das mit dem 2003er kumulierten Verlust verrechnen (ungünstig für den Ex-Studenten).

ABER: 2004 habe er genauso studiert, also sind die >üblichen< Studiumskosten entstanden.

Nur ist es im Moment noch höchstrichterlich nicht geklärt, ob man die genauso wie bis 2003 als Werbungskosten behandeln kann.

Angenommen, er wird aufgefordert, seine 2004er Erklärung einzureichen. Kann er dann neben den Einkünften (EUR 2000,-) auch die Studiumskosten für 2004 als Werbungskosten gegenrechnen? Wenn die auch (min.) 2000,- waren, dann neutralisiert sich das ja und er kann den 2003er kumulierten Verlust weiter in die Zukunft tragen.
Oder kann er irgendwie sagen, dass er mit der 2004er Erklärung wartet, bis diese höchstrichterliche Klärung erfolgt ist?

Sonst ist ja der, der nebenher etwas arbeitet, wieder mal der Dumme!

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