Unbeschränkte Steuerpflicht auf Antrag ... Ablauf?

22. April 2024 Thema abonnieren
 Von 
StefanHAM
Status:
Schüler
(488 Beiträge, 133x hilfreich)
Unbeschränkte Steuerpflicht auf Antrag ... Ablauf?

Hallo in die Runde ...!

Kann mir jemand verraten wie genau der Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht abläuft?
Mal angenommen ein Arbeitnehmer wandert aus, hält aber seine Stelle in Deutschland.
Nun möchte der Arbeitnehmer unbeschränkt steuerpflichtig auf Antrag sein.
Wie ist der Ablauf?

Ab der Abmeldung ist der Arbeitnehmer ja offiziell beschränkt steuerpflichtig, wenn ich das richtig verstanden habe. Wenn alle entsprechenden Bedingungen erfüllt sind besteht die Möglichkeit auf Antrag unbeschränkt steuerpflichtig zu bleiben.

Wie und wo muss der Arbeitnehmer den Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht stellen?
Einfach bei irgendeinem Finanzamt? Oder bei dem, bei dem der Arbeitnehmer zuletzt war?

Muss zwingend eine neue Anschrift im Ausland bekannt gegeben werden oder reicht eine Postanschrift in Deutschland, unter der das Finanzamt einen erreicht?

Wenn sich der Arbeitnehmer heute abmeldet, muss der Antrag dann zwingend heute gestellt werden, damit der Arbeitnehmer weiterhin in der bisherigen Steuerklasse versteuert wird? Kann ein Antrag auch rückwirkend erfolgen ... also der Arbeitnehmer meldet sich heute in Deutschland ab, stellt aber erst in zwei Wochen den Antrag, rückwirkend gültig ab "morgen" = Tag der Abmeldung. Geht das?

Wer kennt sich aus und mag antworten?

Viele Grüße aus Hamburg
Stefan

Haben Sie sich versteuert?

Haben Sie sich versteuert?

Ein erfahrener Anwalt im Steuerrecht gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Ein erfahrener Anwalt im Steuerrecht gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Kostenlose Einschätzung starten Kostenlose Einschätzung starten



11 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(48090 Beiträge, 16987x hilfreich)

Zitat (von StefanHAM):
Wie und wo muss der Arbeitnehmer den Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht stellen?

Durch Abgabe der Anlage WA-ESt im Rahmen der Steuererklärung oder durch Abgabe des "Antrages auf Behandlung als unbeschränkt einkommensteuerpflichtiger Arbeitnehmer nach § 1 Abs. 3, § 1a EStG für 20__"

Zitat (von StefanHAM):
Einfach bei irgendeinem Finanzamt?

Nein, bei dem Finanzamt, das auch für seinen AG zuständig ist.

Zitat (von StefanHAM):
Muss zwingend eine neue Anschrift im Ausland bekannt gegeben werden

Was spricht dagegen, die ausländische Anschrift bekanntzugeben?

Zitat (von StefanHAM):
Wenn sich der Arbeitnehmer heute abmeldet, muss der Antrag dann zwingend heute gestellt werden, damit der Arbeitnehmer weiterhin in der bisherigen Steuerklasse versteuert wird?

Wenn er die Steuerklasse 3 behalten will, dann muss der Antrag noch im gleichen Monat der Abmeldung gestellt werden.

Zitat (von StefanHAM):
Kann ein Antrag auch rückwirkend erfolgen

Nur im Rahmen der Steuererklärung

Zitat (von StefanHAM):
also der Arbeitnehmer meldet sich heute in Deutschland ab, stellt aber erst in zwei Wochen den Antrag, rückwirkend gültig ab "morgen" = Tag der Abmeldung. Geht das?

Die Steuerklasse kann nur für die Zukunft geändert werden.

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
StefanHAM
Status:
Schüler
(488 Beiträge, 133x hilfreich)

Vielen Dank für die Infos und die schnelle Antwort.

Kurze Rückfrage: angenommen jemand meldet sich am 28. aus Deutschland ab und ruft am 29. beim Finanzamt an, ist dann davon auszugehen, dass sich die Steuerklasse zum 1. dann ändert, weil zu kurzfristig?

Wenn ein Arbeitnehmer in Steuerklasse 1 ist, würde er ohne den Antrag dann in 6 gehen?

Und nochmal zur Frage ... wenn ein Arbeitnehmer in Klasse 1 ist und sich am 28. aus Deutschland abmeldet, würde er dann eventuell den Folgemonat in 6 sein, aber ab Antragstellung dann wieder in 1 sein oder wie funktioniert das dann?

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
taxpert
Status:
Student
(2448 Beiträge, 649x hilfreich)

Zitat (von §38b EStG):
(1) 1Für die Durchführung des Lohnsteuerabzugs werden Arbeitnehmer in Steuerklassen eingereiht. 2Dabei gilt Folgendes:

1.
In die Steuerklasse I gehören Arbeitnehmer, die

a) ...
oder

b) beschränkt einkommensteuerpflichtig sind;


taxpert

Signatur:

"Yeah, I'm the taxman
and you're working for no one but me!"

The Beatles, Taxman

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
StefanHAM
Status:
Schüler
(488 Beiträge, 133x hilfreich)

@ taxpert ... das verstehe ich nicht. Wenn dem so wäre, wieso sollte ein Arbeitnehmer, der eh in 1 ist, sich als unbeschränkt steuerpflichtig auf Auftrag einstufen lassen, wenn er auch ohne diesen Antrag eh weiter in 1 wäre?

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(48090 Beiträge, 16987x hilfreich)

Zitat (von StefanHAM):
Wenn dem so wäre, wieso sollte ein Arbeitnehmer, der eh in 1 ist, sich als unbeschränkt steuerpflichtig auf Auftrag einstufen lassen,

Im Hinblick auf die Steuerklassenwahl kann sich der Steuerpflichtige diesen Antrag tatsächlich sparen. Nach § 50 Abs. 2 Satz 1 EStG ist die Steuer mit dem Lohnsteuerabzug in Steuerklasse 1 auch abgegolten. Im Zusammenhang mit der Steuerklassenwahl macht ein solcher Antrag nur dann Sinn, wenn man sich in die Steuerklasse 2 oder 3 einordnen lassen will.

Wenn der Steuerpflichtige also keine Werbungskosten usw. geltend machen möchte und daher keine Steuererklärung abgeben muss, kann er sich die Anträge somit sparen.

Sollte der Steuerpflichtige jedoch Werbungskosten usw. geltend machen wollen, so muss er in dem Zusammenhang auch die unbeschränkte Steuerpflicht beantragen. Es reicht dann aber, wenn er das im Rahmen der Steuererklärung macht.

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
StefanHAM
Status:
Schüler
(488 Beiträge, 133x hilfreich)

OK, verstehe. Habe ich es richtig verstanden, dass man also auch nach Abmeldung aus Deutschland weiterhin in 1 bleibt, wenn man das Arbeitsverhältnis unverändert fort führt? Ich bin dann offiziell beschränkt und nicht mehr unbeschränkt steuerpflichtig, aber an der Steuerklasse und somit an den Abzügen ändert sich also nichts?

Ich muss gestehen, ich war mir eigentlich sicher, dass ich dann in 6 oder was das war rutsche ... meine eine Kollegin hat das mal erzählt. Aber dem ist nicht so?

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(48090 Beiträge, 16987x hilfreich)

Zitat (von StefanHAM):
Habe ich es richtig verstanden, dass man also auch nach Abmeldung aus Deutschland weiterhin in 1 bleibt, wenn man das Arbeitsverhältnis unverändert fort führt?

Ja

Zitat (von StefanHAM):
Ich bin dann offiziell beschränkt und nicht mehr unbeschränkt steuerpflichtig, aber an der Steuerklasse und somit an den Abzügen ändert sich also nichts?

Richtig

Als Ergänzung:
Die Antworten gelten für den Fall, dass die Arbeit weiterhin in Deutschland ausgeübt wird, man also täglich zur Arbeit über die Grenze pendelt. In Verbindung mit Home-Office o.ä. wird das Ganze komplizierter.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
StefanHAM
Status:
Schüler
(488 Beiträge, 133x hilfreich)

Wenn man so oder so unverändert in der Steuerklasse bleibt, dann scheint es ja nicht allzu wichtig zu sein, dass der Antrag möglichst zeitnah zur Abmeldung erfolgt. Wenn man sich sagen wir am 30. April abmeldet, kann der Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht dann also auch erst im Juni oder Dezember oder gar erst zur Abgabe der Steuererklärung erfolgen, dann aber rückwirkend ab dem 1. Mai, damit man ununterbrochen unbeschränkt steuerpflichtig war?

Gibt es vom Finanzamt eine Rückmeldung zum Antrag? Also eine Rückantwort mit der Info, dass der Antrag bewilligt wurde und man ab dem x.x. unbeschränkt steuerpflichtig auf Antrag ist? Oder erfährt man über die Anerkennung/Ablehnung des Antrags erst bei der nächsten Steuererklärung? Was ja spät wäre, weil man die beschränkt ja nicht machen müsste ...

Und letzte Frage: die persönliche Steuer ID ... bleibt die? Kann im Antrag also die aktuelle Steuer ID eingetragen werden? Die Steuernummer dürfte sich dadurch, dass ein neues Finanzamt zuständig sein wird, ja demnach ändern, richtig?

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(48090 Beiträge, 16987x hilfreich)

Zitat (von StefanHAM):
Wenn man so oder so unverändert in der Steuerklasse bleibt, dann scheint es ja nicht allzu wichtig zu sein, dass der Antrag möglichst zeitnah zur Abmeldung erfolgt. Wenn man sich sagen wir am 30. April abmeldet, kann der Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht dann also auch erst im Juni oder Dezember oder gar erst zur Abgabe der Steuererklärung erfolgen, dann aber rückwirkend ab dem 1. Mai, damit man ununterbrochen unbeschränkt steuerpflichtig war?

Wenn man sowieso in Steuerklasse 1 ist, dann ist das nicht wichtig.

Es reicht dann der Antrag im Rahmen der Steuererklärung.

Zitat (von StefanHAM):
Was ja spät wäre, weil man die beschränkt ja nicht machen müsste ...

Die unbeschränkte muss man auch nicht machen.

Zitat (von StefanHAM):
die persönliche Steuer ID ... bleibt die?

Ja

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
StefanHAM
Status:
Schüler
(488 Beiträge, 133x hilfreich)

Sorry wenn ich so drauf rumreite, aber ich finde die Frage wichtig ... angenommen ein Arbeitnehmer meldet sich zum Monatsende ab ... das Arbeitsverhältnis läuft völlig unverändert weiter, nur der deutsche Wohnsitz besteht nicht mehr. Nochmal: sowohl die Steuerklasse und somit auch die entsprechenden Abzüge in selbiger bleiben unverändert? Selbst dann wenn sich der Arbeitnehmer nirgends bei irgendeinem Finanzamt meldet?

Kann der Arbeitnehmer dann also irgendwann im Laufe des Jahres den Antrag auf Behandlung als unbeschränkt einkommensteuerpflichtiger Arbeitnehmer stellen, rückwirkend ab dem Tag, wo er sich in Deutschland abgemeldet hat?

Dass zwischen Abmeldung und dem Antrag möglichst wenig Zeit liegt spielt also keine Rolle, wenn ich alles bereits Genannte hier richtig deute !?

Was würde also passieren wenn sich ein Arbeitnehmer einfach aus Deutschland abmeldet, ab dann beschränkt steuerpflichtig bei dem Finanzamt des Arbeitgebers ist, das Finanzamt aber nicht aktiv kontaktiert wurde? Das FA wüsste also nicht wo der Arbeitnehmer nun wohnt. Egal?

Wenn das stimmt, was ich bisher gehört habe, dann kann man den Antrag in Deutschland einreichen und den vom Ausland zu bestätigenden Teil auch nachreichen. In Anlehnung an die Frage hier oben ... macht es Sinn den Antrag schonmal in Deutschland einzureichen oder ist es völlig ausreichend und ohne Nachteile wenn man das erst dann macht, wenn das Ausland das Formular bestätigt hat? Das könnte also Monate später oder ggf. sogar erst beim Einreichen der Steuererklärung sein. Wenn ich wüsste, dass ein Arbeitnehmer sich am 30. April aus Deutschland abmeldet, dann beschränkt ist, dann aber im Dezember den Antrag auf unbeschränkt einreicht und rückwirkend ab dem 1. Mai dann als unbeschränkt eingestuft würde, dann könnte ich mir die Frage selber beantworten. Aber ich habe noch nicht verstanden - oder überlesen - ob das rückwirkend geht.

Im Prinzip interessiert mich nur was unmittelbar nach Abmeldung aus Deutschland zu tun wäre um keinerlei Nachteile zu erleiden!

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(48090 Beiträge, 16987x hilfreich)

Zitat (von StefanHAM):
Nochmal: sowohl die Steuerklasse und somit auch die entsprechenden Abzüge in selbiger bleiben unverändert? Selbst dann wenn sich der Arbeitnehmer nirgends bei irgendeinem Finanzamt meldet?

Richtig

Zitat (von StefanHAM):
Kann der Arbeitnehmer dann also irgendwann im Laufe des Jahres den Antrag auf Behandlung als unbeschränkt einkommensteuerpflichtiger Arbeitnehmer stellen, rückwirkend ab dem Tag, wo er sich in Deutschland abgemeldet hat?

Warum sollte er das tun?

Zitat (von StefanHAM):
Was würde also passieren wenn sich ein Arbeitnehmer einfach aus Deutschland abmeldet, ab dann beschränkt steuerpflichtig bei dem Finanzamt des Arbeitgebers ist, das Finanzamt aber nicht aktiv kontaktiert wurde? Das FA wüsste also nicht wo der Arbeitnehmer nun wohnt. Egal?

Richtig

Zitat (von StefanHAM):
Das könnte also Monate später oder ggf. sogar erst beim Einreichen der Steuererklärung sein.

Den Antrag stellt man in Deinem Fall im Rahmen der Steuererklärung durch zusätzliche Abgabe der Anlage WA-ESt. Warum sollte man davor bereits einen Antrag stellen?

0x Hilfreiche Antwort

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 273.291 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 30
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
110.341 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. zzgl. 5€ Einstellgebühr pro Frage.

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen