Unterhalt:volljähriges Kind nicht voll absetzbar?

7. April 2011 Thema abonnieren
 Von 
julieann
Status:
Schüler
(150 Beiträge, 17x hilfreich)
Unterhalt:volljähriges Kind nicht voll absetzbar?

Hallo!

Habe eine Frage, bin mir nicht sicher, ob ich in diesem Unterforum richtig bin:
Kann jemand folgendes beantworten?
Eltern zahlen Unterhalt für ein volljähriges Kind, dieses ist selbst verheiratet und hat ein eigenes Kind, befindet sich noch im Studium (Erstausbildung). Diesen Unterhalt machen sie nun bei der Steuererklärung geltend. Das Finanzamt erkennt aber nur 1/3 des Unterhalts an, da (so die Begründung) der Unterhalt nicht nur dem Kind, sondern auch den beiden anderen Personen des Haushalts zu Gute käme. Wo ist da die Logik?
Die Eltern des Ehemannes (dieses volljährigen Kindes) zahlen an ihn (ebenfalls in Erstausbildung) ja auch Unterhalt, dieser wird jedoch voll anerkannt (anderes Finanzamt ist zuständig). Nur von dem Unterhalt, den EIN Elternpaar leistet, könnten 3 Personen ja gar nicht leben?

Wie kann da die Logik sein?

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11 Antworten
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#1
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47313 Beiträge, 16762x hilfreich)

Dann lege doch Einspruch ein. Sollte Deinem Finanzamt nicht bekannt sein, dass der Unterhalt des Ehegatten Deines Kindes von dessen Eltern gezahlt wird, dann wäre die Einordnung doch korrekt.

Es liegt an Dir, im Rahmen eines Einspruches darulegen, dass die Auffassungd des Finanzamtes nicht richtig ist, sondern dass der von Dir gezahlten utnerhalt alleine Deinem Kind zugute kommt.

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#2
 Von 
julieann
Status:
Schüler
(150 Beiträge, 17x hilfreich)

In dieser Konstellation bin ich das Kind und es geht um meine Eltern ;)

Genau das haben meine Eltern ja getan, es wurde Einspruch eingelegt und daraufhin kam diese Begründung. Meine Mutter hat mit dem entsprechenden Bearbeiter gesprochen und diesem dargelegt, dass ja der Unterhalt für meinen Ehegatten von dessen Eltern selbst getragen wird und von ihrem Unterhalt ja auch keine 3 Personen leben können.
Aber das Finanzamt beharrt auf dieser Ansicht.
Und davon abgesehen noch meine Frage: Für meine Tochter rechnen sie ja auch 1/3 "ab". Wir können zwar darlegen, dass mein Mann selbst unterstützt wird, aber meine Tochter bekommt natürlich keinen Unterhalt.
Darf das Finanzamt dafür etwa abziehen??

Wenn ich ganz allein leben würde, dürften sie alles absetzen und wegen meiner Tochter nicht?

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1x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47313 Beiträge, 16762x hilfreich)

Ob für Deine Tochter etwas abgezogen werden darf, kann ich nicht abschließend beantworten. Den Abzug für den Ehegatten ist nach meiner Einschätzung jedoch nicht zulässig.

Ich denke, dass prinzipiell ein Abzug für Deine Tochter zulässig wäre, jedoch nicht in der vom Finanzamt durchgeführten Höhe. Nach meiner Einschätzung müsste das Finanzamt berücksichtigen, dass der Kindesunterhalt auch vom anderen Elternteil getragen wird, dass er z.T. duch Kindergeld finanziert wird und dass er nicht so hoch ist, wie der Unterhalt für Erwachsene. Im ergebnis würde sich wohl nur ein geringfügiger Abzug ergeben.

Wenn das bereits eine Einspruchsentscheidung war, dann müssten Deine Eltern jetzt vor dem Finanzgericht klagen. Dafür würde ich jedoch die Inanspruchnahme fachlicher Unterstützung empfehlen, d.h. die Einschaltung eines Steuerberaters oder eines Fachanwaltes für Steuerrecht.

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-- Editiert am 07.04.2011 12:46

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#4
 Von 
Becksgold
Status:
Praktikant
(629 Beiträge, 346x hilfreich)

Da habt ihr leider wohl sehr schlechte Karten

"RZ 19 Werden Personen unterhalten, die in einem gemeinsamen Haushalt oder am selben Ort leben, sind die insgesamt nachgewiesenen bzw. glaubhaft gemachten Aufwendungen einheitlich nach Köpfen aufzuteilen, auch soweit unterhaltene Personen nicht zu den zum Abzug berechtigenden Unterhaltsempfängern (Rz. 2) gehören ( BFH-Urteile vom 12.11.1993, BStBl 1994 II S. 731 und vom 19.06.2002, BStBl 2002 II S. 753)."



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#5
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47313 Beiträge, 16762x hilfreich)

Ich habe mir die beiden Urteile angeschaut und bin der Auffassung, dass sie sachlich anders gelagerte Fälle betreffen. Speziell hatten die jeweiligen Angehörigen keine eigenen anderen Einkünfte, auch keine Einkünfte aus Unterhaltszahlungen.

Ich bleibe daher bei meiner schon dargestellten Einschätzung und würde eine Klage empfehlen.

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#6
 Von 
eh es te geh
Status:
Schüler
(250 Beiträge, 143x hilfreich)

Es sieht wohl so aus, dass die Eltern jedes studierenden Kindes 1/3 ihrer Unterhaltsaufwendungen nach § 33a EStG geltend machen können.

Die unterstützten Personen leben in einem gemeinsamen Haushalt. Aufteilung des Unterhaltes nach Köpfen, wohl auch, wenn ein Kopf noch sehr klein ist.

Für den kleinen Kopf gibt es aber Kindergeld. § 33a Abs. 1 Satz 4 EStG .

Die Großeltern sind nur für ihr eigenes Kind unterhaltsverpflichtet, für das unterhaltsberechtigete Enkelkind hat ja "eine andere Person" Anspruch auf Kindergeld.

Hier noch ein interessantes Urteil. Da lebt das Kind mit Ehemann und den Enkelkindern (für die gibt es kein Kindergeld) zwar im Ausland, aber die Entscheidung ist übertragbar. Hier werden auch die von "Becksgold" genannten Urteile zitiert. Siehe: (FG Neustadt v. 05.10.2010 - 1 K 1577/10 )
http://www3.justiz.rlp.de/rechtspr/DisplayUrteil.asp?rowguid={C90A3105-AB91-4B51-B45C-13BC0F638D2B}

Beachten sollte man auch zwei BMF-Schreiben vom 07.06.2010 zum Thema.

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"Ein Blick in`s Gesetz, spart viel dummes Geschwätz!"

-- Editiert am 09.04.2011 14:50

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#7
 Von 
eh es te geh
Status:
Schüler
(250 Beiträge, 143x hilfreich)

Meine zuletzt geäußerte Meinung hatte ich aus Sicht des § 33a I, Satz 1 EStG getätigt, dabei aber den Satz 3 außer acht gelassen.

Wie schon geschrieben, sind die Unterhaltszahlungen nach Köpfen der unterstützten Hausgemeinschaft (3 Personen) aufzuteilen. Aus Sicht der Schwiegereltern ist der Schwiegersohn, die Schwiegertochter nicht unterhaltsberechtigt. Nur das eigene Kind und das Enkelkind sind unterhaltsberechtigt. Somit wären also für die Großeltern jeweils 2/3 ihrer Unterhaltszahlungen abzugsfähig. Da aber für den dem Enkelkind zuzurechnenden Unterhaltsanteil von 1/3 ja Kindergeld gewährt wird, scheidet dieses eine Drittel als zu berücksichtigende Unterhaltszahlung aus (Satz 4). Somit verbleiben jeweils 1/3 der gezahlten Unterhaltsleistungen als abzugsfähige Unterstützungen. Soweit meine bisherige Berechnung.

In Bezug auf den/die Schwiegersohn/-tochter ist zu prüfen, ob Satz 3 zutreffend ist. Würden die Kinder Sozialhilfe beantragen, würde diese um die gezahlten Unterhaltsbeiträge der Eltern und Schwiegereltern gekürzt werden. Die Folge: beide Großelternfamilien haben jeweils Anspruch, maximal 2/3 ihrer Zahlungen im Rahmen des Höchstbetrages des § 33a I, Satz 1 EStG absetzen zu können. Satz 7 ist zu berücksichtigen, falls der Höchstbetrag von 8.004 Euro pro Person insgesamt überschritten wird.

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"Ein Blick in`s Gesetz, spart viel dummes Geschwätz!"

-- Editiert am 10.04.2011 22:12

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#8
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47313 Beiträge, 16762x hilfreich)

In allen zitierten Urteilen hatten die übrigen Mitglieder des haushaltes kein eigenes Einkommen und erhielten auch keine Unterhaltszahlungen von dritter Seite.

Die Urteile sind daher nach meiner Auffassung nicht auf den konkreten Fall übertragbar.

Der § 33a Abs. 1 Satz 3 EStG ist hier doch gar nicht relevant. Sozialleistungen eines Kindes, Enkels oder Schwiegerkindes werden doch in keinem Fall mit Rücksicht auf das Einkommen der Eltern gekürzt.

In allen zitierten Urteilen findet sich übrigens der Tenor, dass Unterhaltszahlungen in dem Umfang anerkannt werden, wie sie dem Unterhaltsberechtigten tatsächlich zufließen. Im konkreten Fall fließen dem Schwiegerkind auch indirekt keine Unterhaltsleitungen zu, da es sich aus den Zahlungen der eigenen Eltern selbst unterhalten kann.

Die zitierten BMF-Schreiben führen auch nicht weiter, da sie sich mit der konkreten Fallgestaltung gar nicht auseinandersetzen. Das gilt auch für die Rz 19 aus dem BMF-Schreiben IV C 4 - S 2285/07/0006, denn darin wird von "unterhaltenen Personen" geschrieben, was voraussetzt, dass die dem Haushalt angehörigen Personen sich nicht durch anderweitig bezogene Unterhaltsleistungen selbst unterhalten können.

Ich bekräftige daher erneut meine Auffassung, dass ich die Aufteilung der Unterhaltsleistungen auf 1/3 für jeden Haushaltsangehörigen für die konkrete Fragestellung für nicht korrekt halte und würde erneut den Klageweg empfeheln.

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#9
 Von 
eh es te geh
Status:
Schüler
(250 Beiträge, 143x hilfreich)


@hh

Du hast recht. Mein Beispiel, der Bereich der Sozialhilfe, scheidet aus den Betrachtungen aus, weil wg. der Erwerbsfähigkeit der Studenten, kein Anspruch auf Sozialhilfe besteht. Sie könnten ja ihr Studium aufgeben und arbeiten gehen.

Es gibt, man will ja studieren, den Anspruch auf öffentliche Mittel des BAFÖG, der sicherlich auch gekürzt wird, wg. des Unterhaltes, den die Eltern geleistet haben. Dann wäre der Satz 3 des 33a zu beachten. Folge, 2/3...





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1x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
ihef
Status:
Beginner
(100 Beiträge, 55x hilfreich)

Hallo,

Mein Fragestellung hat "halb" mit diesem Thema zu tun. Aber einen neuen Thread wollte ich nicht extra eröffnen.

Person X ist 24 und in den Jahren 2009,2008 und vorher war sie/er in Ausbildung bzw. Schule.
Während dieser Zeit fügten die Eltern bei ihrer Steuererklärung (Einkommenssteuererklärung) immer ein Formularblatt mit den Angaben zum Kind (Werbungskosten : zum Ausbildungsbetrieb fahren etc.) aus... 2010 beendete Person X seine Ausbildung, war dann kurz arbeitlos, arbeite 6 Tage bei einer Leihfirma, hörte dort auf und macht seit Beginn des Schuljahres 2010/2011 die Fachhochschulreife.

Muss Person X nun selber eine Steuererklärung für das Jahr 2010 durchführen ? Wie geht das ? 2010 entstanden ihm durch Fahrt zum Ausbildungsbetrieb (50 km), grafikfähiger Taschenrechner etc. hohe Werbungskosten... Aber er hat ja nur für die 6 Tage Einkommenssteuer gezahlt ??!!
Oder können diese die Eltern, wie in den Jahren zuvor, weiterhin bei ihrer beifügen ??

Falls Person X eine eigenständige Steuererklärung durchführen muss... Wo ? Beim Finanzamt des Landkreises, wo er den Wohnsitz hat oder die Firma (Leiharbeitsfirma) ihren Sitz ? Danke für Antworten...

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-- Editiert am 11.04.2011 16:56

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#11
 Von 
guest-12317.05.2011 21:04:02
Status:
Schüler
(397 Beiträge, 119x hilfreich)

Haben sie die Werbungskosten des Kindes steuermindernd bei den Eltern ausgewirkt? Kann ich mir nicht vorstellen.
Eine Anlage KIND müssen die Eltern aber ausfüllen, wenn sie Kindergeld erhalten haben.

Hat das Kind 2010 Arbeitslosengeld bezogen? Wenn ja, muss es eine Steuererklärung abgeben. Die Zuständigkeit des Finanzamtes richtet sich nach dem Wohnsitz.
Es können auch andere Gründe vorliegen, warum das Kind zur Abgabe verpflichtet sein kann.
Hatte das Kind einen Steuerabzug kann eine Erklärung Sinn machen, um sie erstattet zu erhalten.

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