Unterstzützungsleistungen an die Eltern

27. Juli 2007 Thema abonnieren
 Von 
Nikitaaa
Status:
Frischling
(42 Beiträge, 8x hilfreich)
Unterstzützungsleistungen an die Eltern

Hallo liebe Steuerzahler,

ich suche Rat in folgender Situation (es geht um Unterstützungsleistungen an die eigenen Eltern bzw. einen Elternteil):

Zwei volljährige Schwestern, Martina und Sabine, wohnen bei ihren Eltern. Martina befindet sich in der Ausbildung (€ 500 brutto), Sabine arbeitet (€ 1300 brutto). Der Familienvater ist schwerbehindert (Grad der Behinderung laut Schwerbehindertenausweis 70% --- nicht pflegebedürftig) und hat kein eigenes Einkommen. Die Mutter arbeitet und hat Steuerklasse III (1750 brutto).

Das Gesetz besagt folgendes: „Leben die Unterhaltsberechtigten (hier der Vater) in Ihrem Haushalt in Deutschland, geht das Finanzamt davon aus, dass Aufwendungen in Höhe des Unterhaltshöchstbetrages ( € 7.680,- /Jahr, € 640,- /Monat) angefallen sind. Sie brauchen dann keine Kosten nachzuweisen.“

Fragen:
1. Kann Sabine den Unterhaltshöchstbetrag von der Lohnsteuer absetzen, obwohl sie selbst ein relativ geringes Netto- Einkommen hat? Wenn nicht, dann weiter zur Frage 2.
2. Muss Sabine die Unterstützungsleistungen, die niedriger als € 7.680,- angefallen sind, nachweisen? Oder gilt hier die gleiche Regelung wie die oben erwähnte?

Das wäre die eine Geschichte. Im Infoblatt vom Versorgungsamt lese ich folgendes:
„Wenn Sie Ihre verheirateten, in einer Haushaltsgemeinschaft zusammenlebenden Eltern unterstützen, werden die abzugsfähigen Unterhaltsaufwendungen für beide Elternteile gemeinsam ermittelt: Zunächst werden die eigenen Einkünfte und Bezüge beider unterstützter Ehepartner getrennt ermittelt. Dann werden diese Einkünfte und Bezüge zusammengerechnet. Sind diese Einkünfte und Bezüge höher als der verdoppelte Anrechnungsfreibetrag , wird der übersteigende Betrag auf den verdoppelten Unterhaltshöchstbetrag angerechnet.“
Ich habe wirklich Schwierigkeiten, den letzten Satz zu verstehen. Was ist da konkret gemeint? Kann mir das vielleicht jemand an einem Rechenbeispiel kurz erklären?

Ich glaube ich habe euch mit Fragen überschüttet. Sorry! Aber das ist sehr wichtig für meine Familie zu wissen, wo wir etwas Geld noch sparen könnten.

Liebe Grüße
Nikita

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12 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Becksgold
Status:
Praktikant
(629 Beiträge, 346x hilfreich)

1. Sabine kann die Unterhaltsleistungen grundsätzlich abziehen. Allerdings beschränkt in der Höhe. Es gibt die sogenannte Opfergrenze, diese besagt, die Leistungen müssen in einem gesunden Verhältnis stehen zum eigenen Einkommen.

Berechnung geht ungefähr so:

Einkommen 12x1300=15600
abzügl. WK 920
abzügl. SA 2037
macht 12643
geteilt durch 500 25%
25% von 12643 3160
dies ist das Maximum

2. Der Höchstbetrag gilt ebenfalls grundsätzlich als erfüllt. Allerdings reduziert diesen die Opfergrenze.

3. Der Doppelte Anrechnungsbetrag ist 624 x 2 = 1248. Das Einkommen der Eltern erscheint mir allerdings als viel zu hoch. Überschlägig kommt da nichts raus.

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#2
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47243 Beiträge, 16733x hilfreich)

Der Anrechnungsfreibetrag beträgt 624€ jährlich, für beide Eltern zusammen also 1.248€ jährlich.

Das Einkommen der Mutter beträgt ca. 1.380€ netto, also 16.560€ im Jahr netto.

Die den Anrechnungsbetrag übersteigenden Einkünfte betragen daher 15.312€ (16560-1248). Diese Einkünfte werden vom doppelten Unterhaltshöchstbetrag in Höhe von 15.360€ (2*7680) abgezogen.

Die Tochter Martina kann also 48€ für das gesamte Jahr als Unterhaltszahlung an ihre Eltern geltend machen, wenn ich das Nettogehalt richtig geschätzt habe. Wenn die Mutter in einer sehr günstigen Krankenkasse versichert ist, dann dürfte dieser Betrag auf 0€ sinken. Bei einer teuren Krankenkasse kann er auch etwas höher sein.

Bei der Geltendmachung von 48€ wird das Finanzamt wohl keine Nachweise fordern. Es kann aber sein, dass Martina vom Finanzamt darauf verwiesen wird, dass ihr eigenes Einkommen unterhalb des Selbstbehaltes liegt und somit keine gesetzliche Unterhaltsverpflichtung vorliegt.

Das Vorliegen einer gesetzlichen Unterhaltsverpflichtung ist aber Voraussetzung für die Geltendmachung von Unterhaltszahlungen als außergewöhnliche Belastung.

Ein Sparmodell ist das daher nicht, da für Euch eine jährliche Einsparung von nur ca. 10€ dabei herauskommt.

Die Geltendmachung des Behindertenpauschbetrages, auf den Dein Vater einen Anspruch hat, dürfte aber die Steuerlast Deiner Eltern auf 0€ drücken.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
oerdiz.
Status:
Praktikant
(564 Beiträge, 133x hilfreich)

Man benötigt hier zuerst mal den Unterhaltszeitraum. Wenn diese das gesamte Jahr war, dann benötigt man die Lohnsteuerbescheinigungsdaten der Ehefrau.

Grob gerechnet komme ich bei 1750 € Brutto im Monat auf 21.000 € Einnahmen im Jahr.

Von diese 21.000 € werden abgezogen:

Werbungskosten (mindestens Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 €
Sozialversicherungsbeträge Arbeitnehmeranteile ca. 4420 €
Ob Steuern auch abgezogen werden müssen, da liegt z. Z. ein Verfahren beim BFH.
Die Einkünfte betragen also ca. 15.660 €

15.660 €
- 1.248 €
= 14.412 €

15.360 € (Höchstbeträge 2 x 7680 €)
abzgl. 14.412 €

= 948 €

Der Höchstbetrag würde 948 € betragen.

Jedoch sind die Eltern nicht bedürftig. Schon von daher scheidet ein Abzug aus, auch wenn die Berechnung allein einen Abzug möglich machen würde.

Weiterin wäre auch das Vermögen der Eltern zu betrachten. Siehe hierzu die folgende Richtlinie:

http://195.243.173.120/persoline/servlet/ContentResult?query=QryRangeDetail&requestid=byioid&queryparam.po_content.ioid=915943

http://www.bfh.simons-moll.de/bfh_1992/XX920245.HTM

Weiterhin können ein Abzug auch schon dehalb ausscheiden, wenn die Kinder im Haus der Eltern wohnen. Hier hat der BFH einmal angesprochen, dass hier evtl. keine Unterhaltszahlungen vorliegen sondern die Zahlungen als Nutzungsentgelt für das Wohnen im Haus der Eltern anzusehen sind.

Außerdem haben die Eltern hier bei Weitem mehr Einkünfte als Andere bspw. Rentner. Es wäre ein Unding, wenn hier irgendjemand Unterstützungszahlungen ansetzen könnte.


-- Editiert von oerdiz1 am 28.07.2007 16:20:27

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#4
 Von 
Nikitaaa
Status:
Frischling
(42 Beiträge, 8x hilfreich)

Vielen Dank an alle für die ausführlichen Antworten!
Es wird also in diesem Fall nichts bringen, die Unterstützungszahlungen vorm Finanzamt geltend zu machen.

Wie funktioniert das mit dem Behindertenpauschbetrag, den hh in seinem Beitrag angesprochen hat? Der Vater hat keine Lohnsteuerkarte.

Liebe Grüsse
Nikita

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47243 Beiträge, 16733x hilfreich)

Der Behindertenpauschbetrag kann dann über die Abgabe einer Steuererklärung durch Deine Mutter geltend gemacht werden.

Natürlich kann Deine Mutter dann nicht mehr Steuern zurück erhalten, als sie gezahlt hat.

Die Steuererklärung kann noch für 2005 und 2006 abgegeben werden.

@oerdiz
Warum die Eltern nicht bedürftig sein sollen, leuchtet mir nicht so ganz ein. Im rechtlichen Sinn sind sie mindestens gerade an der Grenze zur Bedürftigkeit. Nach Deiner Rechnung sind sie auf jeden Fall bedürftig.

Für Rentner, die weniger haben, gilt das natürlich ganz genau so.

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
oerdiz.
Status:
Praktikant
(564 Beiträge, 133x hilfreich)

Bedürftig ist man erst dann, wenn man die Sozialhilfesätze erreicht hat, das sind 345 € für den Haushaltsvorstand und etwas weniger für den Ehegatten.

Hier hat man über 1300 € netto. Glauben Sie mir, ich weiß zufällig, dass zahlreiche Kleinfamilien und junge Leute von wesentlich weniger leben müssen.

Selbst ein Obersekretär (z. B. beim Finanzamt) erhält als Pensionär kaum mehr als die Leute hier im fiktiven Fall.

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#7
 Von 
Mortinghale
Status:
Master
(4957 Beiträge, 466x hilfreich)

Das es jemand bis zu seiner Pensionierung nur zum Obersekretär gebracht hat, ist aber auch arg fiktiv, nicht ?

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
oerdiz.
Status:
Praktikant
(564 Beiträge, 133x hilfreich)

Sowas kommt öfter vor als man denkt. Wer sich mit Disziplinarverfahren rumschlägt oder erst spät in den Dienst eingetreten ist, der kann gut nur den Obersekretär mit A 7 erreichen.

In Hessen hat man kürzlich Waldarbeiter vom Forst umgeschult und als Steuersekretär im Finanzamt eingesetzt. Das weiß ich zufällig, weil mir das jemand erzählt hat, der dort in den Prüfungsausschüssen sitzt. Und da sind Leute weit über 40 Jahre, die nun mit A 6 anfangen.

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47243 Beiträge, 16733x hilfreich)

Bedürftig ist man erst dann, wenn man die Sozialhilfesätze erreicht hat, das sind 345 € für den Haushaltsvorstand und etwas weniger für den Ehegatten.

Das ist in Bezug auf Sozialhilfe oder ALG II richtig, wobei noch Miete und Heizung hinzukommen. Für eine Einzelperson kommt man dann je nach Wohnort schnell sogar auf einen Betrag von mehr als 640€, wie ihn der § 33a EStG vorsieht.

Steuerrechtlich (§ 33a Abs. 1 EStG ) gilt jemand als bedürftig, der 640€+52€ Freibetrag, also der weniger als 692€ im Monat hat. Für zwei Personen gilt der doppelte Betrag.

Natürlich gilten nach dieser Definition sehr viel mehr Menschen als bedürftig im Vergleich zur Definition bei der Sozialhilfe oder ALG II.

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
Nikitaaa
Status:
Frischling
(42 Beiträge, 8x hilfreich)

Der Vater ist schwerbehindert und hat kein eigenes Einkommen.

Zitat von hh:
"Der Behindertenpauschbetrag kann dann über die Abgabe einer Steuererklärung durch Deine Mutter geltend gemacht werden."

Eine Frage an hh:

Hallo hh,
Sie haben mir mit Ihren Beiträgen schon sehr viel geholfen, aber ich wüsste noch gern, wie meine Mutter ihre Steuererklärung ausfüllen soll, um den Behindertenpauschbetrag geltend zu machen. Wo genau muss sie eingetragen, dass der Vater schwerbehindert ist und dass sie den Pauschbetrag in Anspruch nehmen will (welche Zeilen)? Zusammenveranlagung oder getrennt?

Wir kommen wegen dieser "Kleinigkeiten" mit dem Ausfüllen der Lohnsteuererklärung meiner Mutter nicht mehr weiter...
Vielen Dank, falls Sie die Zeit finden, diese Fragen kurz zu beantworten!

MfG
Nikita

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
nataly
Status:
Lehrling
(1238 Beiträge, 610x hilfreich)

"Wo genau muss sie eingetragen, dass der Vater schwerbehindert ist und dass sie den Pauschbetrag in Anspruch nehmen will (welche Zeilen)? Zusammenveranlagung oder getrennt?"

Auf Seite 4 des Mantelbogens unter der Überschrift "Außergewöhnliche Belastungen", Zeilen 91 und 92. Diese Angaben beziehen sich auf das Formular für 2006.
Zusammenveranlagung. Es reicht aus, die Zeilen auszufüllen, der Pauschbetrag wird dann "automatisch" gewährt. Eine Kopie des Schwerbehindertenausweises oder des Bescheides muss beigefügt werden.
Auf Grund einer Gesetzesänderung im "Jahressteuergesetz 2008" kann eine Einkommensteuererklärung auch noch für 2003 und 2004 abgegeben werden, allerdings nur bis zur Verkündung des Jahressteuergesetzes 2008 im Bundesgesetzblatt. Müsste also sofort gemacht werden.

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
Nikitaaa
Status:
Frischling
(42 Beiträge, 8x hilfreich)

Nataly, vielen herzlichen Dank!


MfG
Nikita

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