Was macht der Steuerberater eigentlich?

30. Dezember 2025 Thema abonnieren
 Von 
erik12345
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)
Was macht der Steuerberater eigentlich?

Ich diskutiere mit meiner Frau, wei wir unsere Steuererklärung künftig machen bzw. machen lassen. Dazu gibt es ja einiges zu sagen und zu fragen:
ERSTENS: Viele Dinge werden von der EDV des Finanzamts automatisch erledigt, indem man etwa Daten von der Rentenversicherungsanstalt abgleicht. Auch schon bei den Renten gibt es ja eine Kasuistik mit verschiedenen Fällen und Ausnahmen, es ist mir klar, dass damit kein Mensch denkend befasst ist. Also, diese komplizierten Sachen geschehen schon automatisch beim Finanzamt, und ich kann das nicht kontrollieren. Der Steuerberater wohl auch nicht.. Sachbearbeiter beim Steuerberater können das ja auch nicht alles wissen, die Kasuistik des Steuerrechts ist nicht zu überschauen.
ZWEITENS: Wir hatten in den Letzten Jahren über 1000 Euro für den Steuerberater bezahlt. Man möchte meinen, dass dafür jemand beim Steuerberater einen Tag lang sich mit unseren Steuer-Dossiers beschäftigt. Das ist aber gewiss nicht so, was ich mir an allen 5 Fingern abzählen kann. Wahrscheinlich läuft es so, dass eine Steuerfachkraft im Regelfall die Sache in angestrebt einer Stunde über die Bühne bringt. Von welchem welchem Expertenwissen der Steuerkanzlei soll ich denn da profitieren, für meine über 1000 Euro?
DRITTENS: Wenn ich über den zweiten Punkt meditiere frage ich mich, welche Expertensoftware Steuerberater denn zur Verfügung haben, wenn die Kanzlei in kurzer Zeit meine Steuerlast minimieren will? Kann ich als Laie auch an so eine Software kommen?

Vielen Dank im Voraus
Erik




8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
spatenklopper
Status:
Philosoph
(13681 Beiträge, 4862x hilfreich)

Es ist eine Mischung aus lustig und traurig....

Zitat (von erik12345):
Also, diese komplizierten Sachen geschehen schon automatisch beim Finanzamt

Ja, nur sind die "komplizierten" automatisierten Sachen in der Regel genau die, bei denen das Finanzamt nicht zu Gunsten des Steuerschuldners rechnen.
Zitat (von erik12345):
...und ich kann das nicht kontrollieren.

Wenn man die Steuerthematik versteht, könnte man das auch selbst kontrollieren.

Und nun kommen wir, denke ich zum entscheidenden Punkt ->
Zitat (von erik12345):
Der Steuerberater wohl auch nicht.. Sachbearbeiter beim Steuerberater können das ja auch nicht alles wissen, die Kasuistik des Steuerrechts ist nicht zu überschauen.

Sagst Du das auch über einen Dachdecker, der Dir neue Pfannen auf das Dach legen soll?
"Es gibt so viele verschiedene Pfannen, der kann das nicht wissen."

Kleiner Hinweis, es ist dessen Beruf das zu wissen und es zu können.
Kann der Dachdecker keine Pfannen auf das Dach legen, ist er schlecht, es können 1000 andere.
Weiß der Steuerberater in Steuersachen nicht bescheid, ist er ebenfalls schlecht, es wissen 1000 andere.

Zitat (von erik12345):
Kann ich als Laie auch an so eine Software kommen?

Ohne steuerrechtliches Wissen, würde sie ebenso wenig bringen, wie der Motor Deines Autos in Einzelteilen.

Zitat (von erik12345):
Wir hatten in den Letzten Jahren über 1000 Euro für den Steuerberater bezahlt.

Wenn man selbst keine Ahnung hat, sollte die erste Frage wohl sein, wieviel man durch diese Investition gespart hat.

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#2
 Von 
taxpert
Status:
Student
(2734 Beiträge, 763x hilfreich)

Zitat (von erik12345):
Wir hatten in den Letzten Jahren über 1000 Euro für den Steuerberater bezahlt. Man möchte meinen, dass dafür jemand beim Steuerberater einen Tag lang sich mit unseren Steuer-Dossiers beschäftigt.
Die Rechnung des StB richtet sich nach der Vergütungsordnung für Steuerberater (StBVV). Das bedeutet, die ESt-Erklärung für jemanden der ein zu versteuerndes Einkommen von 1 Mio € hat, ist beim selben Aufwand deutlich teurer, als wenn das zu versteuernde Einkommen nur 80.000 € beträgt.

Zitat (von erik12345):
Wahrscheinlich läuft es so, dass eine Steuerfachkraft im Regelfall die Sache in angestrebt einer Stunde über die Bühne bringt.
Ja, das ist bei Stpfl., die ausschließlich Überschusseinkünfte (Rente, nichtselbständiege Arbeit, V+V, KapVerm) generieren der Normalfall.

Zitat (von erik12345):
Auch schon bei den Renten gibt es ja eine Kasuistik mit verschiedenen Fällen und Ausnahmen, es ist mir klar, dass damit kein Mensch denkend befasst ist. Also, diese komplizierten Sachen geschehen schon automatisch beim Finanzamt
Hä?

Zitat (von erik12345):
Von welchem welchem Expertenwissen der Steuerkanzlei soll ich denn da profitieren, für meine über 1000 Euro?
Bei den Überschusseinkünften ist der "Beratungsbedarf" äußerst gering, weil es praktisch keinen Gestaltungsspielraum gibt. Beraten kann man übrigens nur im Voraus! Bei der Erstellung der Steuererklärung sind alle relevanten Sachverhalte bereits verwirklicht und man kann nur steuerlich würdigen!

Wenn Dir die 1.000 € zuviel sind, dann werde Mitglied in einem Lohnsteuerhilfeverein.

Zitat (von erik12345):
welche Expertensoftware Steuerberater denn zur Verfügung haben, wenn die Kanzlei in kurzer Zeit meine Steuerlast minimieren will? Kann ich als Laie auch an so eine Software kommen?
Kauf Dir eine handelsübliche Steuersoftware! Die macht genau das, was beim StB oder beim Lohnsteuerhilfeverein auch passiert: die fragt bestimmte Sachen ab ("Wie sind sie zur Arbeit gekommen?"; "Haben Sie ein häusliches Arbeitszimmer genutzt?", "Haben Sie haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen in Anspruch genommen?", usw), trägt das entsprechend im Programm ein und übermittelt Sie per Elster-Schnittstelle an das FA.

taxpert

Signatur:

"Yeah, I'm the taxman
and you're working for no one but me!"

The Beatles, Taxman

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#3
 Von 
reckoner
Status:
Wissender
(14953 Beiträge, 4574x hilfreich)

Hallo,

Zitat:
Also, diese komplizierten Sachen geschehen schon automatisch beim Finanzamt, und ich kann das nicht kontrollieren. Der Steuerberater wohl auch nicht..
Doch, das kannst du kontrollieren, und der Steuerberater erst recht.

Zitat:
Sachbearbeiter beim Steuerberater können das ja auch nicht alles wissen, die Kasuistik des Steuerrechts ist nicht zu überschauen.
Da hast du zunehmend recht. Heutzutage werden sogar viele Erklärungen automatisch vom Computer erledigt (das merkt man, wenn der Bescheid nach 2 oder 3 Wochen eintrudelt).

Zitat:
Wir hatten in den Letzten Jahren über 1000 Euro für den Steuerberater bezahlt. Man möchte meinen, dass dafür jemand beim Steuerberater einen Tag lang sich mit unseren Steuer-Dossiers beschäftigt.
Wurde ja schon angesprochen, Steuerberater werden nicht direkt nach Leistung bezahlt. Und leider auch nicht nach Mehrwert, also ein gewisser Anteil davon was er mehr herausholt (so ähnlich wie manche Anwälte in den USA ihr Geld verdienen). Fände ich nicht schlecht, vielleicht noch mit einer Grundvergütung unterlegt, damit er nicht für Null arbeiten muss, aber so ist es eben nicht.
Daher lohnt sich ein Steuerberater in Standardfällen eher nicht. Alternativen sind Lohnsteuerhilfevereine, Steuersoftware (gibt es gerade bei Aldi im Angebot), oder man macht alles alleine. Ich persönlich komme mit MeinElster sehr gut klar, und das ist völlig gratis.

Zitat:
Von welchem welchem Expertenwissen der Steuerkanzlei soll ich denn da profitieren, für meine über 1000 Euro?
Naja, ein entscheidendes Kreuz an einer bestimmten Stelle, und ihr zahlt vielleicht 2.000 Euro weniger Steuern. Man weiß es nicht.

Und nur mal was aktuelles als Beispiel: Ein Steuerzahler hat jahrelang keine Werbungskosten angegeben, weil er deutlich unter der Pauschale lag (soweit alles richtig). Bei der anstehenden Steuererklärung würde ihn ein Steuerberater aber (hoffentlich) expliziet fragen, ob er nicht einer Gewerkschaft angehört. Die Beiträge dazu sind nämlich jetzt zusätzlich zur Pauschale absetzbar.
Ein Steuerberater weiß das (sollte er zumindest), und eine gute Software fragt das vielleicht auch gesondert ab. Wer hingegen alles alleine macht, der muss sich informieren, oder die ein oder andere Steuererleichterung geht an ihm vorbei.

Grundsätzlich rate ich aber trotzdem dazu, es mal alleine zu probieren (gerade als Rentner, das sind in der Regel ganz einfache Fälle). Ich denke, ein guter Weg ist, die Erklärung vom letzten Mal nachzustellen. Kommt man dann auf das gleiche Ergebnis, dann hat man es vermutlich einigermaßen verstanden, und kann die richtige Erklärung in Angriff nehmen.
Zu Gesetzesänderung (wie etwa die Gewerkschaftsbeiträge) kann man in Zeitungen oder im Internet Berichte und Listen finden. Und oft erhält man von der betreffenden Stelle (etwa den Gewerkschaften) gute Hinweise, man sollte auch Kundenzeitschriften und ähnliches von Banken, Versicherungen u.s.w. lesen.

Stefan

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#4
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(42863 Beiträge, 14794x hilfreich)

Die Frage ist doch, was zu erklären ist. Wenn wir eine Standartsituation haben, kann man die Erklärung auch allein machen. Wenn es komplizierter wird, ist ein Steuerberater einzuschalten. Hilfreich ist insoweit doch die letzte vom Steuererklärer vorbereitete Steuererklärung. Wenn die von dem abweicht, was ohnehin dem FA übermittelt wird, muss man halt schauen, ob die Abweichungen so erheblich sind, dass der Fachmann sinnvoll ist.

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Blutswente
Status:
Schüler
(243 Beiträge, 34x hilfreich)

Zitat (von erik12345):
Kann ich als Laie auch an so eine Software kommen?


Wozu?

Ein ELSTER-Zugang und ELSTER nimmt wesentliche Plausibilitätsprüfungen selbst vor.
(Jedenfalls innerhalb eines Formulars.)

Das einzige, was bei einem Steuerberater sicher ist, ist seine Rechnung.

Eine nicht ganz perfekte Steuererklärung ist ja nicht weiter schlimm.

Deshalb mein Rat: Finger weg von Steuerberaterinnen. :wink:



-- Editiert von Moderator am 31. Dezember 2025 14:21

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(42863 Beiträge, 14794x hilfreich)

Na ja, wenn einer der Partner selbständig ist, z.b. Abschreibungen oder Rückstellungen oder sonstige Faktoren zu berücksichtigen sind, dann kann es durchaus sinnvoll sein, einen Steuerberater zu mandatieren.

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Chrominanz
Status:
Praktikant
(749 Beiträge, 77x hilfreich)

Zitat (von erik12345):
Viele Dinge werden von der EDV des Finanzamts automatisch erledigt,

Vilee Dinge werden auch falsch erledigt. Ganz automatisch.


Zitat (von erik12345):
ich kann das nicht kontrollieren

Können ginge hätte man passende Wissen.


Zitat (von erik12345):
Der Steuerberater wohl auch nicht

Dann sollte dieser dringenst den Beruf wechseln.


Zitat (von erik12345):
Sachbearbeiter beim Steuerberater können das ja auch nicht alles wissen

Wissen ist *Wissen wo es steht*.


Zitat (von erik12345):
die Kasuistik des Steuerrechts ist nicht zu überschauen.

Es mag unbedarften Laien so erscheinen.
Deshalb sind Experten existent.


Zitat (von erik12345):
Von welchem welchem Expertenwissen der Steuerkanzlei soll ich denn da profitieren, für meine über 1000 Euro?

Die 1000 EUR sind nicht für das *Expertenwissen* sie decken das Gesamtpaket *Steuererklärung fertigen und übermitteln* ab.
Weitere fachliche Beratung von Experten verursacht auch weitere Kosten.


Zitat (von erik12345):
frage ich mich, welche Expertensoftware Steuerberater denn zur Verfügung haben, wenn die Kanzlei in kurzer Zeit meine Steuerlast minimieren will?

Es ist nicht nur Software.
Auch Literatur und Bildung kommen hinzu.

Steuerlast minimieren ist meist keine Sache *kurzer Zeit* sondern erfodert strategische Entscheidung über Jahre/Jahrzehnte im vorraus.


Zitat (von erik12345):
Kann ich als Laie auch an so eine Software kommen?

Eventuell.
Einige Software wird auch nur an Befuge gegebn.
Die Lizenzgebühren liegen so das man sich für einen Monat solcher Software 5-10 Jahre eine Steuererklärung vom Steuerberater gönnen kann.


Zitat (von Blutswente):
Eine nicht ganz perfekte Steuererklärung ist ja nicht weiter schlimm

Dachten Hoeneß und Schubeck und viele andere auch. Die Folgen solchen Nonsens sind bekannt.


Zitat (von Blutswente):
Deshalb mein Rat: Finger weg von Steuerberaterinnen

Und noch Frauenfeindlichkeit.
Verwunderlich was hier alles schreiben darf.

Signatur:

Meine Meinung gebildet auf Basis von Erfahrung und Recherche.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Chrominanz
Status:
Praktikant
(749 Beiträge, 77x hilfreich)

Zitat (von erik12345):
Viele Dinge werden von der EDV des Finanzamts automatisch erledigt,

Vilee Dinge werden auch falsch erledigt. Ganz automatisch.


Zitat (von erik12345):
ich kann das nicht kontrollieren

Können ginge hätte man passende Wissen.


Zitat (von erik12345):
Der Steuerberater wohl auch nicht

Dann sollte dieser dringenst den Beruf wechseln.


Zitat (von erik12345):
Sachbearbeiter beim Steuerberater können das ja auch nicht alles wissen

Wissen ist *Wissen wo es steht*.


Zitat (von erik12345):
die Kasuistik des Steuerrechts ist nicht zu überschauen.

Es mag unbedarften Laien so erscheinen.
Deshalb sind Experten existent.


Zitat (von erik12345):
Von welchem welchem Expertenwissen der Steuerkanzlei soll ich denn da profitieren, für meine über 1000 Euro?

Die 1000 EUR sind nicht für das *Expertenwissen* sie decken das Gesamtpaket *Steuererklärung fertigen und übermitteln* ab.
Weitere fachliche Beratung von Experten verursacht auch weitere Kosten.


Zitat (von erik12345):
frage ich mich, welche Expertensoftware Steuerberater denn zur Verfügung haben, wenn die Kanzlei in kurzer Zeit meine Steuerlast minimieren will?

Es ist nicht nur Software.
Auch Literatur und Bildung kommen hinzu.

Steuerlast minimieren ist meist keine Sache *kurzer Zeit* sondern erfodert strategische Entscheidung über Jahre/Jahrzehnte im vorraus.


Zitat (von erik12345):
Kann ich als Laie auch an so eine Software kommen?

Eventuell.
Einige Software wird auch nur an Befuge gegebn.
Die Lizenzgebühren liegen so das man sich für einen Monat solcher Software 5-10 Jahre eine Steuererklärung vom Steuerberater gönnen kann.


Zitat (von Blutswente):
Eine nicht ganz perfekte Steuererklärung ist ja nicht weiter schlimm

Dachten Hoeneß und Schubeck und viele andere auch. Die Folgen solchen Nonsens sind bekannt.


Zitat (von Blutswente):
Deshalb mein Rat: Finger weg von Steuerberaterinnen

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