Wechsel Steuerklasse wg. höherem Elterngeld

18. August 2014 Thema abonnieren
 Von 
Wietan
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 1x hilfreich)
Wechsel Steuerklasse wg. höherem Elterngeld

Hallo zusammen,

meine Frau und ich planen in naher Zukunft Nachwuchs. Aus diesem Grund informieren wir uns bereits über diverse Themen.
Unter anderen informieren wir uns auch über das Elterngeld. Allerdings ist diese ganze Steuerthematik sehr kompliziert, sodass ich für uns keine genaue Handlungsempfehlung identifizieren kann. Daher hoffe ich in diesem Forum um Hilfe.

Aktuell verdient meine Frau 2.950 EUR brutto und ich verdiene 3.300 EUR. Wir beide sind aktuell in Steuerklasse IV und ich pendle außerdem aktuell 75 km pro Strecke zur Arbeit. Wir denken allerdings darüber nach ab kommenden Oktober die Steuerklasse wie folgt zu ändern: meine Frau in III und ich in V. Dies würde ja zunächst bedeuten, dass meine Frau netto mehr bekommt und ich weniger (bekomme die Differenz allerdings mit dem Lohnsteuerjahresausgleich wieder).

Die Folge darauf ist, dass sich das Elterngeld für meine Frau erhöht.
Nachdem wir Nachwuchs bekommen, würde ich die Steuerklassen wieder in IV / IV wechseln wollen.

Nun zu meiner Frage:
Bedeutet es denn auch gleichzeitig, dass wir eine höhere Nachzahlung mit dem Lohnsteuerjahresausgleich nach der Elterngeldzeit erhalten?
Denn nach meinem Verständnis müssten doch Ehepaare gleichgestellt sein, somit müssten wir nach der Zeit des Elterngeldes die gleiche Summe erhalten, als wenn wir den Steuerklassenwechsel nicht vollziehen.


Ich sehe noch nicht den Mehrwert für einen Steuerklassenwechel. Denn durch den vorzeigen Wechsel in III / V bekommt meine Frau zunächst mehr, doch irgendwie muss sich dies doch wieder ausgleichen. Oder sehe ich dies falsch?
Wir möchten eine Nachzahlung eigentlich vermeiden.

Wie verhält sich die ganze Thematik, wenn ich ebenfalls zwei Monate zu Hause bleiben möchte (meine Frau möchte 12 Monate Eltergeld in Anspruch nehmen)?

Ich hoffe, Ihr versteht meine Frage und würde mich freuen, wenn Ihr mir mit Euren Antworten und Kommentaren weiterhelfen könntet.

Vielen Dank vorab und viele Grüße



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6 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47778 Beiträge, 16879x hilfreich)

Die Lohnsteuer, die mit Hilfe der Steuerklassen festgelegt wird, ist nur eine Steuervorauszahlung. Im Rahmen der Einkommensteuererklärung wird gar nicht mit Steuerklassen gearbeitet. Die im Einkommensteuerbescheid festgelegte Steuer ist also unabhängig von den Steuerklassen.

Wenn der Lohnsteuerabzug zu hoch war, bekommt man Steuern erstattet, wenn er zu niedrig war, muss man Steuern nachzahlen. Die Wahl ungünstiger Steuerklassen führt daher nur zu einem zinslosen Darlehen an das Finanzamt.

Wenn bei den dargestellten Einkommensverhältnissen Deine Frau die Steuerklasse III wählt und Du wählst V, dann erhält Deine Frau ein höheres Netto und Du ein (deutlich) niedrigeres. In Summe fallen die Nettogehälter aber auch niedriger aus. Das macht aber nichts, weil man die zuviel gezahlte Steuer im Rahmen der Einkommensteuererklärung erstattet bekommt.

Durch die Zuordnung der Steuerklasse III zu Deiner Frau fällt jedoch ihr Elterngeld höher aus. Das Elterngeld wird aber im Rahmen der Steuererklärung nicht wieder ausgeglichen, d.h. das höhere Elterngeld ist ein echter Vorteil.

Ehefrau, 2.950€ ohne Kirchensteuer:
Stkl. IV: netto 1879,74, LSt. 443,33 => Elterngeld 1.167
Stkl. III: netto 2129,86, LSt. 208,33 => Elterngeld 1.329

Ehemann, 3.300€ ohne Kirchensteuer:
Stkl. IV: netto 2057,16, LSt. 539,16
Stkl. V: netto 1694,67, LSt. 882,75

zusammen
Stkl. IV/IV: netto 3936,90,
Stkl. III/V: netto 3824,53,

Tatsächliche gemeinsame Steuerlast nach Steuererklärung ohne Berücksichtigung von Werbungskosten: 981,32€

Ihr habt also zunächst monatlich 112€ weniger, die Ihr aber durch die Einkommensteuererklärung erstattet bekommt. Das Elterngeld fällt dadurch um 162€ monatlich höher aus, die Ihr behalten könnt.


quote:
Wie verhält sich die ganze Thematik, wenn ich ebenfalls zwei Monate zu Hause bleiben möchte (meine Frau möchte 12 Monate Elterngeld in Anspruch nehmen)?


Dein Elterngeld fällt durch die Steuerklasse V niedriger aus, so dass der Gesamtvorteil etwas schmilzt.

quote:
Wir möchten eine Nachzahlung eigentlich vermeiden.


Wenn Deine Frau in Elternzeit ist und nicht arbeitet, solltest Du in Stkl. III gehen, auch wenn dadurch eine Nachzahlung entstehen kann. Die Nachzahlung ist ein rein psychologisches Problem. Wirtschaftlich gesehen ist es günstiger, wenn Ihr nachzahlen müsst.

Solltest Du aus irgendwelchen Gründen z.B. Krankengeld beziehen müssen oder gar arbeitslos werden, entsteht der gleiche Effekt wie beim Elterngeld.

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1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Wietan
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 1x hilfreich)

Vielen Dank für Ihre Rückmeldung.
Ganz so klar ist mir dies allerdings noch nicht.

Sie schreiben: Das Elterngeld wird im Rahmen der Steuererklärung nicht wieder ausgeglichen. Meines Wissens nach, erhält man das Eltergeld zunächst steuerfrei, mss dieses in der Steuererklärung aber angeben, so dass es auf das zu versteuernde Einkommen von mir angerechnet wird und dieses somit erhöht.

Das hätte ja folglich zum Nachteil, dass eine Steuernachzahlung höher ausfällt, wenn meine Frau in SK III geht und ich in SK V (natürlich vor der Schwangerschaft).
Wenn ich das richtig sehe, ist dies doch kein Vorteil?! Oder sehe ich dies falsch?

Wie hoch wird die Nachzahlung in etwa ausfallen?

Ich freue mich auf Eure Rückmeldung und danke schon mal im Voraus für die Unterstützung.

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1x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
reckoner
Status:
Philosoph
(13838 Beiträge, 4378x hilfreich)

Hallo,

quote:
Das hätte ja folglich zum Nachteil, dass eine Steuernachzahlung höher ausfällt,
Wenn man es genau nimmt: Ja.

Das eine ist aber die Einkommensebene, das andere nur die Steuerseite. Es ist nur logisch, dass bei mehr Einkommen auch mehr Steuern fällig werden, aber sollte man folglich auf Einkommen verzichten?

In Zahlen: Von dem Elterngeld werden maximal 42%* (bei ganz Reichen 45%) Steuern fällig, das nicht bekommene höhere Elterngeld ist aber zu 100% weg.
Deutlich gemildert wird das Ganze noch dadurch, dass Lohnersatzleistungen nur dem Progressionsvorbehalt unterliegen (sie erhöhen nur die Steuer auf das restliche Einkommen), die Leistung selbst ist hingegen steuerfrei.

*42% ich glaube, die 42% können noch nicht einmal erreicht werden, vielleicht rechne ich das mal durch(?)

Stefan

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47778 Beiträge, 16879x hilfreich)

quote:
Von dem Elterngeld werden maximal 42%* (bei ganz Reichen 45%) Steuern fällig, das nicht bekommene höhere Elterngeld ist aber zu 100% weg.


Der Progressionsvorbehalt funktioniert anders.

quote:
Das hätte ja folglich zum Nachteil, dass eine Steuernachzahlung höher ausfällt, wenn meine Frau in SK III geht und ich in SK V (natürlich vor der Schwangerschaft).
Wenn ich das richtig sehe, ist dies doch kein Vorteil?! Oder sehe ich dies falsch?


Die Argumentation ist so ähnlich, als wenn Du auf eine Gehaltserhöhung verzichten würdest, weil dadurch ja auch höhere Steuern und Sozialabgaben anfallen. Das ist zwar grundsätzlich richtig, dennoch bleibt netto mehr übrig.

quote:
Wie hoch wird die Nachzahlung in etwa ausfallen?


Gehe mal als groben Anhaltspunkt davon aus, dass 10-15% des Elterngeldes an Steuern anfallen. Das bedeutet aber nicht, dass die Nachzahlung in dieser Höhe ausfällt. Schließlich zahlt Ihr aufgrund der ungünstigen Steuerklasse monatlich ca. 100€ zuviel Steuern.

Aber Du möchtest ja nicht monatlich 150€ Elterngeld mehr haben, weil die Steuerlast dann um 20€ pro Monat höher ausfällt, wenn ich Dich richtig verstanden habe. :augenroll:

Ich mache Dir noch einen besseren Vorschlag: Stelle gar nicht erst einen Antrag auf Elterngeld, dann musst Du noch weniger Steuern zahlen :grins: und eine Nachzahlung tritt dann ganz bestimmt nicht auf.


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1x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
reckoner
Status:
Philosoph
(13838 Beiträge, 4378x hilfreich)

Hallo hh,

quote:
Der Progressionsvorbehalt funktioniert anders.
Ja, ist mir voll bewusst. Ich hatte die 42% (45%) auch nur als absolute Obergrenze genannt, mehr geht allein via Progressionsvorbehalt grundsätzlich nicht.
Wie ich am Ende noch anmerkte dürfte der wirkliche Prozentsatz deutlich darunter liegen, imho bei jedem Einkommen.
Nur mal drei Extrembeipiele:

Sonstiges Einkommen Null: Steuern durch den Progressionsvorbehalt ebenfalls Null, unabhängig wie viel Lohnersatzleistungen es sind.

Zu versteuerndes Einkommen 8.000 Euro und Progressionsvorbehalt 500.000 Euro: Der Steuersatz auf die 8.000 Euro wird von Null auf 45% erhöht (macht aber auch nur 3.600 Euro Steuern, also weniger als 1% auf alles zusammen).

Normaler Steuersatz schon 45%: Der Progressionsvorbehalt kann nichts mehr am Steuersatz ändern, ergo auch keine zusätzlichen Steuern.

Die spannende Frage ist nun, wie hoch der - indirekte - Steuersatz auf den Progressionsvorbehalt maximal werden kann.

Stefan

1x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(47778 Beiträge, 16879x hilfreich)

quote:
Die spannende Frage ist nun, wie hoch der - indirekte - Steuersatz auf den Progressionsvorbehalt maximal werden kann.


Keine Ahnung, wo das Maximum liegt. In der Gehaltsklasse des Fragestellers sind es jedenfalls 10-15%.

Interessant wird es, wenn Progressionsvorbehalt und Fünftelregelung zusammen kommen. Da gibt es dann interessante steuerlich Effekte.

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