Wer muss Schenkungs-Steuer bezahlen?

7. November 2019 Thema abonnieren
 Von 
holwir
Status:
Frischling
(9 Beiträge, 0x hilfreich)
Wer muss Schenkungs-Steuer bezahlen?

Guten Tag,

folgender theoretischer Fall:

Harry hat groß im Lotto gewonnen.
Er ist nun Neureich.
Bernd hat dagegen wenig Geld.

Harry und Bernd sind "beste Freunde".
Zumindest waren sie das. Weil die Freundschaft ja bekanntermaßen beim Geld aufhört.

Ungefähr der folgende Dialog fand statt:
Vor 2 unabhängigen Zeugen.

Bernd: Zum Kauf der Wohnung fehlen mir leider 200.000 Euro
Harry: Dann schenke ich dir die 200.000 Euro. Damit kannst du dir dann
deinen Traum von der eigenen Wohnung erfüllen.

Harry hat Wort gehalten und Bernd die versprochenen 200.000 Euro überwiesen.
Bernd hat den Betrag dann auch komplett für den Kauf einer Eigentumswohnung verwendet.

So weit so gut.

Nun stellt sich jedoch die folgende Frage:
Wer bezahlt die anfallende "Schenkungssteuer"?

Harry und Bernd sind nicht miteinander verwandt.

Wenn man davon ausgeht, dass Bernd die Steuer von den erhaltenen 200.000 Euro
bezahlen muss, dann wären das laut "Schenkungssteuer-Rechner" 54.000 Euro Steuer.

Jedoch beruft sich Bernd darauf, dass Harry vor Zeugen ja zu ihm gesagt hat,
dass er den VOLLEN Betrag von 200.000 Euro für den Kauf der Wohnung verwenden kann/darf.
Er (Bernd) hätte schließlich eine Finanzierungslücke genau in dieser Höhne genannt.
Und Harry hätte ja gesagt, dass er ihm genau diesen Betrag schenkt. Bernd ging somit davon aus,
den vollen Betrag für den Kauf der Wohnung verwenden zu können.
Er geht also davon aus, den Betrag netto, NACH Steuern erhalten zu haben.

Damit ist Harry nun aber ganz und gar nicht einverstanden.
Er fühlt sich missverstanden.
Das hätte er so nicht gewollt.
Er will keine zusätzliche "Schenkungssteuer" bezahlen.
Er sagt, dass Bernd anfallende Steuern von den 200.000 Euro bezahlen müsse.
Er sei mehr als großzügig gewesen.
Laut Schenungssteuer-Rechner hätte Harry Bernd 277.000 Euro schenken müssen,
damit Bernd 200.000 Euro netto erhalten kann.

Fragen:
a) Muss Bernd nun 54.000 Euro Steuer bezahlen oder Harry 77.000 Euro oder gibt es eine ganz andere Lösung?
b) Kann Harry von Bernd die Rückgabe des geschenkten Betrages wegen groben Undanks verlangen?

Vielen Dank!

-- Editiert von Moderator am 08.11.2019 13:51

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2 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Cybert.
Status:
Master
(4779 Beiträge, 1156x hilfreich)

Grds. ist der Erwerber der Steuerschuldner. Allerdings kann das FA bei einer Schenkung sich auch an den Schenker wenden.

Vertragliche Abreden sind zunächst sekundär.

Signatur:

"Der Steuerspartrieb der Deutschen ist ausgeprägter als ihr Sexualtrieb."

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#2
 Von 
taxpert
Status:
Student
(2331 Beiträge, 629x hilfreich)

Steuerschuldner sind von Anfang an beide, Erwerber und auch der Schenker, §20 Abs.1 Satz 1 ErbStG.

Zitat (von §20 ErbStG):
Steuerschuldner ist der Erwerber, bei einer Schenkung auch der Schenker, ...


Sie haften dabei gesamtschuldnerisch, §44 AO, also kann sich das FA an jeden der beiden wenden und jeweils die volle Summe der anfallenden Steuern verlangen. Die Zahlung von einem von beiden wirkt auch schuldbefreiend für den anderen.

Auf die Höhe der anfallenden Steuer hat die gesamtschuldnerische Haftung keinen Einfluss!

Nur wenn im -zivilrechtlich eigentlich notwendigen- notariellen Vertrag der Schenker die Übernahme der Steuerzahlung verbindlich übernimmt, erhöht sich der steuerpflichtige Betrag, da im Innenverhältnis der Erwerber von der Zahlung befreit und damit entsprechend bereichert ist.

taxpert

Signatur:

"Yeah, I'm the taxman
and you're working for no one but me!"

The Beatles, Taxman

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