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Wieviel ist denn jetzt Einkommensteuer frei?

 Von 
nooob
Status:
Beginner
(75 Beiträge, 38x hilfreich)
Wieviel ist denn jetzt Einkommensteuer frei?

Hallo,

bin gerade am überlegen, ob das so sein kann.

Bei einem verheirateten Paar gibt es doch einen Einkommensgrenze, bis zu welcher keine Einkommensteuer gezahlt werden muss, bzw. zurückgezahlt wird(ca 15000€/Jahr). Richitg?

Wie kann es dann sein, dass bei einem Angestellten (Steuerklasse 3) bis zu einem Monatseinkommen von ca 1700€ keine Einkommesteuer einbehalten wird? Das sind ja deutlich mehr wie 15000€ im jahr!

wie kann das sein?

Also könnte der Fall eintreten, dass Ehemann 18000€ verdient hat ohne Steuern zu zahlen und Ehefrau 6000€ verdient hat und 800€ Steuern gezahlt hat. Das wären dann 24000€ Verdienst (Brutto) bei nur 800€ Lohnsteuer.

Was habe ich falsch verstanden?

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Einkommensteuer Steuerklasse Werbungskosten


7 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(38905 Beiträge, 13943x hilfreich)

Der Grundfreibetrag beträgt für verheirateten Alleinverdiener 15.328€ pro Jahr.

Hinzu kommt aber noch ein Werbungskostenpauschbetrag von 920€ pro Jahr und ein Sonderausgabenpauschbetrag von 72€.

Außerdem gibt es noch die Vorsorgepauschale. Diese besteht aus 24% (für 2006) des AN-Anteils zur gesetzlichen Rentenversicherung. Das sind bei 18.000€ Jahresgehalt 421€. Hinzu kommen 11% des Arbeitslohnes, höchstens jedoch 1.500€. Das sind noch einmal 1.500€.

Zusdammen ergibt das 15.328€ + 920€ + 72€ + 421€ + 1500€ = 18.241€.

Es ist also korrekt, dass bei einem Bruttoeinkommen von 18.000€ in Steuerklasse III keine Einkommensteuer anfällt.

Bei dem genannten Beispiel ist es zwar richtig, dass die Ehefrau bei einem Einkommen von 6.000€ in Steuerklasse V etwa 762€ Lohnsteuer im Jahr zahlen muss.

Bei einer gemeinsamen Veranlagung im Rahmen einer Einkommensteuererklärung fällt bei einem Gesamtbruttogehalt von 24.000€ und 2 Verdienern nur eine Einkommensteuer von ca. 310€ im Jahr an. Die genaue Zahl hängt von der Höhe des Krankenversicherungsbeitrages ab.

Durch die Abgabe einer Einkommensteuererklärung kann man also eine Erstattung von 452€ erhalten. Daneben ist man bei der Steuerklassenkombination III/V sowieso verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben (§ 46 Abs. 2 Nr. 3a EStG ), wenn ein Ehegatte auf Steuerklasse V auch tatsächlich gearbeitet hat.

Sollten noch weitere Werbungskosten oder Sonderausgaben hinzukommen, kann die Erstattung auch noch höher ausfallen. Das gilt z.B., wenn der Arbeitsweg bei einer 5-Tage-Woche länger als 13km ist.

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#2
 Von 
nooob
Status:
Beginner
(75 Beiträge, 38x hilfreich)

Vielen Dank für die ausführliche Erklärung!

Zu zwei sachen hätte ich noch ne Frage

Zitat Tao:

Sollten noch weitere Werbungskosten oder Sonderausgaben hinzukommen, kann die Erstattung auch noch höher ausfallen. Das gilt z.B., wenn der Arbeitsweg bei einer 5-Tage-Woche länger als 13km ist.

Zitat ende

Gilt das nur für den Arbeitnehmer der Lohnsteuer gezahlt hat, oder ist das bei gemeinsamer Abrechung egal? Kann der, der seine steuerfreien 18000€ verdient hat seinen Arbeitsweg, zugusten des Ehepartners ohne Arbeitsweg, angeben.

Gilt dann Luftlinie, oder die tatsächliche Strecke, welche die Stadtbahn zurücklegt?

Zitat Tao:

Hinzu kommt aber noch ein Werbungskostenpauschbetrag von 920€ pro Jahr und ein Sonderausgabenpauschbetrag von 72€.

Außerdem gibt es noch die Vorsorgepauschale. Diese besteht aus 24% (für 2006) des AN-Anteils zur gesetzlichen Rentenversicherung. Das sind bei 18.000€ Jahresgehalt 421€. Hinzu kommen 11% des Arbeitslohnes, höchstens jedoch 1.500€. Das sind noch einmal 1.500€.

Zitat ende

schafft diese Berechnung auch das Finanzamt, oder mus ich das selbst bei der Steuererklärung ausrechenen und mit angeben? Nicht dass es dann doch heißt: "Bitte 500€ nachzahlen!"

viele Grüße und Danke für die Hilfe

nooob

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#3
 Von 
nooob
Status:
Beginner
(75 Beiträge, 38x hilfreich)

uups, "Tao" ist ja gar nicht dein Name, das ist ja nur der Status. Sorry

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#4
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(38905 Beiträge, 13943x hilfreich)

Bei einer gemeinsamen Veranlagung ist egal, wer den langen Weg zur Arbeit hat. Dazu braucht er den Arbeitsweg nicht zugunsten des anderen angeben. Das führt trotzdem zu einer Steuerersparnis, da die gezahlten Steuern in einen Topf geworfen werden.

Wichtig ist, dass der einzelne über den Werbungskostenpauschbetrag kommt.

14km x 230 Tage x 0,30€ = 966€
Werbungskostenpauschbetrag: 920€

Es zählt die einfache Entfernung und zwar die kürzeste Straßenverbindung.

Zusätzlich kann man in einer Steuererklärung bei den Werbungskosten noch 16€ für die Kontoführung und 102€ pauschal für Arbeitskleidung und Reinigung ansetzen. Das wird eigentlich immer auch ohne Belege anerkannt.

Die genannten Pauschbeträge werden automatisch eingerechnet und müssen noch nicht einmal beantragt werden. Eine Nachzahlung kann also bei den genannten Einkommensverhältnissen nicht auftreten. Du kannst es Dir sogar sparen, die zwei Seiten mit den Fragen nach den Werbungskosten überhaupt auszufüllen, wenn Du Dir sicher bist, dass dabei der Pauschbetrag von 920€ nicht überschritten wird. Das gilt sinngemäß auch für die Sonderausgaben.

Bei dem genannten Einkommensverhältnissen ist für jeden zusätzlichen Euro in etwa der Eingangssteuersatz von 15% maßgebend.

Für jeden Euro, der über die Pauschbeträge hinaus als Werbungskosten oder Sonderausgaben angesetzt werden kann, bekommt Ihr also ca. 0,15€ Steuererstattung. Allerdings kann man nicht mehr erstattet bekommen, als man gezahlt hat.

Wenn man also bei dem Beispiel bleibt, dass der Arbeitsweg 14km lang ist und für Arbeitskleidung und Kontoführung zusammen weitere 118€ angesetzt werden, dann entstehen Werbungskosten von 1084€. Das liegt 164€ über dem Pauschbetrag und führt zu einer zusätzlichen Steuererstattung von ca. 25€.


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#5
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(38905 Beiträge, 13943x hilfreich)

Geht man übrigens davon aus, dass der Mann 1.700€ butto verdient, also 20.400€ pro Jahr, dann ergibt sich eine Einkommensteuer 522€, also nur eine Erstattung von 240€.

Auch die 20.400€ brutto sind in Steuerklasse III noch komplett steuerfrei, da hier noch durch eine weitere komplizierte Regelung, die ich nicht weiter erklären möchte, eine höhere Vorsorgepauschale zustande kommt.

Wenn man jetzt das Gehalt des Mannes immer weiter erhöht und das gehalt der Frau gleich bleibt, dann erkennt man schon, dass ab einem gewissen Punkt auch eine Steuernachzahlung möglich ist.

Die in den bisherigen Antworten gemachten Zahlenangaben zur Höhe der Steuer beziehen sich also immer nur auf den konkreten Einzelfall.


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#6
 Von 
nooob
Status:
Beginner
(75 Beiträge, 38x hilfreich)

Vielen Dank für die ausführlichen Informationene...

...Eine kleinigkeit noch.

Oben steht:
__________________________
Bei einer gemeinsamen Veranlagung im Rahmen einer Einkommensteuererklärung fällt bei einem Gesamtbruttogehalt von 24.000€ und 2 Verdienern nur eine Einkommensteuer von ca. 310€ im Jahr an. Die genaue Zahl hängt von der Höhe des Krankenversicherungsbeitrages ab.
____________________________

Gibt es da einen einfachen Zusammenhang, wie ich das überschöagsmäßig selbst berechnen kann? Damit ich weiß, wie es bei 20000 aussieht und wann man in den Bereich einer Nachzahlung kommt.

Ist es Bei 22000€ Gesamtverdienst egal, wie die zustande kommen ? Mann 11000 Frau 11000, oder Mann 15000 Frau 7000....

grüße

nooob

-- Editiert von nooob am 04.02.2006 10:19:19

-- Editiert von nooob am 04.02.2006 10:30:14

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#7
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(38905 Beiträge, 13943x hilfreich)

Den einfachen Zusammenhang gibt es leider nicht, aber folgenden Tipp kann ich Dir geben:

Suche einen Gehaltsrechner, z.B. bei www.nettogehalt.de,

Gebe die Hälfte des gemeinsamen Einkommens als Bruttoeinkommen an und gebe als Steuerklasse die Stkl. I an. Wenn Du das Jahreseinkommen eingibst, dann muss als Zeitraum ebenfalls Jahr gewählt werden.

Die Steuer, die dann angezeigt wird, verdoppelst Du. Das ist dann die gesmate Jahressteuer.

Wer welchen Anteil am Jahreseinkommen hat, spielt keine Rolle. Es ist aber ein Unterschied, ob nur ein Ehegatte arbeitet, oder beide.

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