2 unglaubwürdige Geschichten - Fahrraddiebstahl

24. April 2010 Thema abonnieren
 Von 
the_thief
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
2 unglaubwürdige Geschichten - Fahrraddiebstahl

Meine Wenigkeit (19J.) und zwei Freunde (19 und 20 J.) waren gestern Nacht feiern. Im Morgengrauen wankten wir stark alkoholisiert zum Bahnhof. Dort Stellten wir an der Bushaltestelle fest, dass der Bus noch eine Weile auf sich warten lassen würde.

Direkt gegenüber der Bushaltestelle (ca. 15m) waren viele abgeschlossene Fahrräder. Durch den spiritus vini berauscht kamen 2 von uns auf die geniale Idee sich ein Fahrrad zu nehmen und es mitsamt des Schlosses zur Haltestelle zu tragen, um uns darauf abzustützen.

Wenig später kam die Polizei, nahm uns mit zur Nahegelegenen Wache, nahm unsere Personalien auf und befragte uns zum Tatbestand des Fahrraddiebstahls. Wir stritten natürlich ab, die Fahrräder klauen gewollt zu haben, und gaben, an, sie lediglich als Stehhilfe zweckentfremdet zu haben.

Die Polizisten (wie sicherlich auch einige von euch) dachten sich offenkundig: "Was für eine lausige Ausrede" und ließen keinen Zweifel daran, uns für Diebe zu halten.

Zugegeben: Die Geschichte mit dem Auflehnen klingt seltsam. Aber wie seltsam klingt das denn:

2 junge, gebildete, finanziell abgesicherte Männer kommen mittten auf dem Hauptbahnhof, direkt gegenüber des Polizeiprädidiums, auf die Idee 2 Fahrräder klauen zu wollen. Ihr Plan ist, die abgeschlossenen Räder mitsamt den Schlössern mit in den Bus zu nehmen. Dies führt zwar dazu, dass sie die Busfahrt über stehen müssen und die Räder den ganzen Nachhauseweg (bergauf!) tragen müssen, aber das ist ihnen egal. Auch ist es ihnen egal, dass sie ja beide Fahrräder besitzen, die die "geklauten" in Wert und Funktionalität durchaus übertreffen.

Also bitte, das klingt ja wohl auch nicht sehr plausibel.

Wie schätzt ihr den Fall ein? Zeugen des Ganzen sind 1 Taxifahrer, der uns wohl dabei beobachtet hat wie wir die Dinger über die Straße trugen, und natürlich unser Kumpel, der auch ohne Stehhilfe zurecht kam und natürich für uns aussagen würde. Der Besitzer des einen Rades wurde zufällig wenige Minuten nach dem "Diebstahl" ausfindig gemacht und holte sein Rad ab.
Wie schon gesagt waren wir nicht geständig, weil wir die Teile ja auch nicht klauen wollten.
Einen Alkoholtest haben wir verweigert (was wohl auch nicht sehr schlau war, es entstand aus der ablehnenden Haltung dem gesamten Procedere gegenüber, welches wir als ungerechtfertigt empfanden).

Meine Fragen wären nun:
- Welcher Tatbestand kann in so einem Fall vorliegen? Genügt es, die Räder schon 15m bewegt zu haben, um es zum Diebstahl werden zu lassen?
- Welche der relevanten Tatbestände werden von der Staatanwaltschaft automatisch verfolgt (falls der Anwalt Interesse daran findet), welche nur auf Ersuchen des Geschädigten?
- Ist es im Allgemeinen nicht vonnöten, einem Täter ein erkennbares Motiv nachweisen zu können?

Vielen Dank schonmal für eure Hilfe, habe leider kein Topic gefunden, die die o.g. Fragen in einem derartigen Fall thematisieren.

Grüße, der stehschwache Fahrraddieb

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10 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
guest-12301.05.2010 20:09:01
Status:
Schüler
(260 Beiträge, 109x hilfreich)

Zitat:
2 unglaubwürdige Geschichten - Fahrraddiebstahl

Klar erkannt,
Gruss aus Schilda

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"noli desperare"

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Bewährungshelfer
Status:
Lehrling
(1938 Beiträge, 362x hilfreich)

Mit ein bißchen Glück kommt ihr aus der Geschichte mit einem blauen Auge heraus.
Ich gehe davon aus, daß die Fahrräder trotzdem mehr Wert waren als 50,-€. Dann handelt es sich um Diebstahl (§ 242 StGB ), der von Amts wegen zu verfolgen ist. Es bedarf keines Strafantrages. Da Ihr das Schloß nicht aufgebrochen habt, scheidet schwerer Diebstahl (§ 243 StGB ) aus. Für einen Diebstahl ist eine Zueignungsabsicht erforderlich, d.h. ihr hättet den Vorsatz haben müssen, die Fahrräder zumindest vorübergehend in euren Besitz nehmen zu wollen. Das Beiseitetragen und draufsetzen ist aber noch keine Zueignung, da von Vornherei klar war, daß ihr die Räder nicht behalten wollt. Es bleibt eine (straflose) Gebrauchsanmaßung. Nur DAS muß euch die Staatsanwaltschaft auch glauben. Es wird also entscheidend darauf ankommen, wie ihr euch zur Sache einlaßt. Insgesamt ist allerdings aus den Gesamtumständen der Tat ersichtlich, daß eine Zueignungsabsicht zweifelhaft sein dürfte.

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"Gruß
Jens Wilke
Bewährungshelfer"

-- Editiert am 24.04.2010 12:55

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
TimeTrial
Status:
Praktikant
(900 Beiträge, 297x hilfreich)

quote:
da von Vornherei klar war, daß ihr die Räder nicht behalten wollt


Das ist von außen betrachtet ja keinesfalls so klar. Die Nummer mit dem "Abstützen" ist doch Blödsinn; zum einen kann man sich jederzeit irgendwo hinsetzen, zum anderen ist ein Fahrrad gerade im alkoholisierten Zustand nun wirklich zu wackelig zum "Abstützen".

quote:
2 junge, gebildete, finanziell abgesicherte Männer


Dem zufolge müßte man auch jeden Bankmanager im Betrugs- oder Unterschlagungsfall gleich freisprechen, weil er ja gebildet und finanziell abgesichert sei und es daher gar nicht nötig habe, sich noch etwas zu ergaunern?

quote:
Dies führt zwar dazu, dass sie die Busfahrt über stehen müssen und die Räder den ganzen Nachhauseweg (bergauf!) tragen müssen, aber das ist ihnen egal.


Das wäre es wohl jedem Dieb, wenn er dafür hinterher ein weiteres Fahrrad hat.

quote:
Auch ist es ihnen egal, dass sie ja beide Fahrräder besitzen, die die "geklauten" in Wert und Funktionalität durchaus übertreffen.


Man kann Fahrräder ja auch verkaufen. Oder man wollte noch ein weiteres für die Freundin oder für schlechtes Wetter. Das sind alles keine Argumente, die geeignet sind, Zweifel an einer Zueignungsabsicht zu wecken.

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0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
guest-12326.04.2010 16:39:28
Status:
Beginner
(98 Beiträge, 28x hilfreich)

--- editiert vom Admin

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
justice005
Status:
Unparteiischer
(9557 Beiträge, 2352x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>Es bleibt eine (straflose) Gebrauchsanmaßung. <hr size=1 noshade>


Sooo straflos ist die Gebrauchsanmaßung gar nicht, denn es heißt in § 248b StGB :

(1) Wer ein Kraftfahrzeug oder ein Fahrrad gegen den Willen des Berechtigten in Gebrauch nimmt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist.

Insgesamt schließe ich mich aber der Einschätzung an, dass im Ergebnis nicht viel dabei raus kommt. Vielleicht wird das Verfahren ganz eingestellt, im schlimmsten Fall gibt es ein paar Sozialstunden.





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"justice"

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
Laird Mortimer
Status:
Lehrling
(1065 Beiträge, 204x hilfreich)

Wenn man sich auf einem fremden Fahrrad abstützen will, warum macht man das nicht da, wo das Fahrrad steht, sondern schleppt es erst noch durch die Gegend ?



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0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
the_thief
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Erstmal vielen Dank für die Antworten, zum Glück gibt es hilfsbereite Leute wie euch die auch Ahnung von der Thematik haben und einem so - zumindest ein wenig - die Angst nehmen vor dem was jetzt kommt.

Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe hängt doch das Strafmaß von der sog. "Zueignungsabsicht" ab - müssen wir hierbei beweisen dass wir diese nicht hatten oder der Staatsanwalt dass wir sie doch hatten - oder hängt es vom "guten Glauben" des Richters ab?

quote:
Es wird also entscheidend darauf ankommen, wie ihr euch zur Sache einlaßt.

Was genau meinst du damit? Mehr als es so erzählen, wie es aus unserer Sicht war, können wir doch nicht oder?

Und liegt wirklich eine Gebrauchsanmaßung vor, denn schließlich haben wir die Räder ja nicht - jedenfalls nicht im eigentlichen Sinne - in Betrieb genommen?!

quote:
Wenn man sich auf einem fremden Fahrrad abstützen will, warum macht man das nicht da, wo das Fahrrad steht, sondern schleppt es erst noch durch die Gegend ?


Ja, ich weiß, es hört sich einfach total strange an. Aber es waren halt wirklich nur 15m und weil wir die einzigen Leute (05.30Uhr) waren, die auf den Bus gewartet haben, hatten wir Schiss dass uns der Fahrer nicht sieht und eindfach durchfährt wenn wir irgendwo anders stehen/hocken.
Betrunkenenlogik ...

Naja, wie gesagt, vielen Dank für eure Hilfe!! :)

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0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
TimeTrial
Status:
Praktikant
(900 Beiträge, 297x hilfreich)

quote:
müssen wir hierbei beweisen dass wir diese nicht hatten oder der Staatsanwalt dass wir sie doch hatten


Letzteres. Aber am Ende kommt es halt auf die Glaubwürdigkeit an. Jeder Dieb könnte ja sagen "am nächsten Tag hätte ich es schon zurückgegeben" und dann meinen, damit sei ihm eine Zueignungsabsicht nun nicht mehr nachzuweisen.

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0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
guest-12326.04.2010 16:39:28
Status:
Beginner
(98 Beiträge, 28x hilfreich)

--- editiert vom Admin

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
frankiiii
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)

Was ist denn mittlerweile bei der Sache rausgekommen? Interessiert mich einfach mal.
Auf jeden Fall imponiert mich an der Geschichte der aufmerksame Taxifahrer - egal wieviel Zueignungsabicht ihr nun hattet oder nicht.
Uns sind neulich an einem sehr belebten U-Bahnhof in HH ein Rad geklaut worden, das andere blieb beim Versuch.
Die Räder waren mit Kabelschlössern an einem Mast angeschlossen.
Da haben die Diebe das ganze Fahrrad so lange gedreht, bis das Kabelschloss gerissen ist.Das muss man sich mal vorstellen. Die müssen das Rad bestimmt 50 bis 100 Mal um die eigene Achse gedreht haben. Und das bei mindestens zwei Rädern. Denn wie gesagt: bei einem Rad hat das Schloss gehalten.
Und keiner hat was gesehen. Obwohl da auch ein Taxistand ist, an dem bestimmt die ganze Nacht eins stand.
Das nur mal so zur Zivilcourage....................

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