§242 Stgb , ladendiebstahl von sonstigem Gut

29. Januar 2013 Thema abonnieren
 Von 
guest-12306.05.2013 09:21:53
Status:
Frischling
(11 Beiträge, 9x hilfreich)
§242 Stgb , ladendiebstahl von sonstigem Gut

Guten Tag zusammen.
Mir wird fälschlicherweise ein Diebstahl zu Last gelegt den ich nicht begangen habe.
Die Situation war wie folgt: Ich bin mit einem Kollegen in den Saturn und habe dort eine Packung AA Batterien in meine Tasche gesteckt und wurde dann aufgrund einer Vermutung seitens des Detektivs in "Gewahrsam" genommen. Polizei wurde gerufen und in den raum gebracht in dem ich mich befunden habe.
Leider habe ich aufgrund von Alkoholmissbrauch keine leise Ahnung was vorgefallen ist.
Fakt ist jedoch dass ich die Batterien erstens nicht klauen wollte und mich noch in dem Geschäft befunden habe bevor mir der Ladendiebstahl zur Last gelegt wurde.
Kann ich somit des Ladendiebstahls bezichtigt werden oder wie sieht das aus?
Leider weiß ich auch nicht mehr was in dem raum mit der Polizei passiert ist und meinem Kollegen wurde verweigert mich zu begleiten.
Jetzt habe ich eine Vorladung bekommen und zwar mit dem Zweck der Beschuldigten-Vernehmung(was ich absolut nicht nachvollziehen kann).
Mein Kollege sagte bereits er würde für mich aussagen wenn es was nützt.
Würde es was nützen und womit muss ich jetzt rechnen?

Ich bin für jede Hilfestellung dankbar!

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11 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30226 Beiträge, 9530x hilfreich)

quote:
Kann ich somit des Ladendiebstahls bezichtigt werden oder wie sieht das aus?


Ja, so sieht das aus. Wenn Sie die Batterien in die Jacken-/Hosentasche gesteckt haben, haben Sie sie -juristisch gesprochen- in eine sogenannte "Gewahrsamsenklave" verbracht (die genaue Erklärung dieses Begriffes können Sie googlen). Und in diesem Fällen kann der Diebstahl bereits als vollendet ( als begangen ) gewertet werden, auch wenn man sich noch im Laden vor der Kasse befindet.

quote:
Mein Kollege sagte bereits er würde für mich aussagen wenn es was nützt.


Ihr Kollege sollte vorsichtig sein, sich nicht wegen versuchter Strafvereitelung strafbar zu machen. Er soll nicht "für Sie" aussagen, was "Ihnen nützt", sondern wenn dann die Wahrheit. Am Ende wird er näml. sonst ggf. härter bestraft als Sie.

Da Sie selbst nicht mehr wissen, was sich abgespielt hat und was Sie ggü. der Polizei evtl. an Ort und Stelle schon angegeben haben, können wir hier das natürlich auch nicht wissen.

Aber wenn Sie noch wissen, dass Sie die Dinger in der Jacken- oder Hosentasche hatten, wird man den Diebstahl aus den oben genannten Gründen als erfüllt ansehen. Und die Aussage des Dedektivs ist ja auch noch da.

Von daher ist es hier wahrscheinlich das schlaueste "kleine Btrötchen zu backen", ein Geständnis abzulegen und um eine milde Strafe, bzw. ggf. um eine Einstellung wegen Geringfügigkeit (evtl. gegen Zahlung einer kleinen Geldauflage) zu bitten.

Wie sieht es denn mit Vorstrafen aus?



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"Bitte um Verständnis,dass ich keine Rechtsfragen per PM beantworte.Das ist nicht Sinn des Forums"

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
guest-12306.05.2013 09:21:53
Status:
Frischling
(11 Beiträge, 9x hilfreich)

Vorstrafen habe ich keine und der Kollege würde natürlich auch wahrheitsgetreu aussagen. Uns war beiden nicht bewusst, dass das einstecken in die Tasche bereits den Tatbestand des Ladendiebstahls erfüllt.
Ich wollte die Batterien ja kaufen und sie an der Kasse bezahlen aber soweit ist es ja leider nicht gekommen.
Ich bedanke mich für die rasche Antwort !!Streetworker!!

Auch hat mich der Laden Saturn nicht angeschrieben bzgl. Hausverbot oder einer etwaigen Geldforderung. Ich gehe davon aus, dass diese noch kommen kann?
Besten Gruß

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P.s. zusätzlich kommt noch eine psychiche Krankheit meinerseits dazu. Dann kann ich doch auch auf verminderte Schuldfähigkeit plädieren oder?
Und auf meinem erweiterten Führungszeugnis dürfte von dem Zwischenfall auch nichts auftauchen oder?


-- Editiert cheff66 am 29.01.2013 21:53

1x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
JuR
Status:
Unparteiischer
(9878 Beiträge, 1432x hilfreich)


Hallo cheff66,

I.
Natürlich gehört auch Vorsatz und die Absicht sich oder einem Dritten die Sache rechtswidrig zuzueignen dazu, um zu einer Strafbarkeit wegen Diebstahls (§ 242 StGB ) zu gelangen.

Problematisch könnte jedoch die glaubhafte Beweisführung sein, dass diese subjektiven Voraussetzungen bei Tatbegehung nicht vorgelegen haben sollen.

II.
Zu Ihrer allgemeinen Information lesen Sie bitte zudem hier bei 123recht.net den Artikel "Der Diebstahl und seine Konsequenzen". Dieser wird Sie umfassend informieren. Dort finden Sie auch Antworten auf Ihre Fragen bezüglich des Hausverbotes, bezüglich möglicher zivilrechtlicher Forderungen und zu Eintragungen in Ihre Register.

III.
Ob psychische Krankheiten zu verminderter Schuldfähigkeit führen können, muss im Einzelfall festgestellt werden und kann pauschal mithin nicht beantwortet werden.

-- Editiert JuR am 29.01.2013 23:33

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30226 Beiträge, 9530x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade> Uns war beiden nicht bewusst, dass das einstecken in die Tasche bereits den Tatbestand des Ladendiebstahls erfüllt.
Ich wollte die Batterien ja kaufen und sie an der Kasse bezahlen aber soweit ist es ja leider nicht gekommen. <hr size=1 noshade>


Ja, wie der Kollege Rönner schon ganz richtig ausführte, bedarf es auch in diesen Fällen natürl. des Vorsatzes, die Sachen nicht bezahlen zu wollen. Es ist aber in der Praxis, wie er ebenfalls sagte, oftmals so, dass die Gerichte die Angabe: "Ich hätte die Sachen an der Kasse schon wieder hervorgeholt und gezahlt" als bloße Schutzbehauptung gewertet wird.

Es ist ja auch unbekannt, was der Dedektiv in seinen Strafantrag schreibt und v.a. was Sie selbst bereits ggü. den Polizisten angegeben haben, so dass sich schlecht eine Prognose hinsichlich des Ausgangs der Sache treffen läßt. Es kommt jetzt darauf an, was nach Abschluß des Ermittlungsverfahrens passiert, also wie die Staatsanwaltschaft beabsichtigt weiter zu handeln. Da Sie nicht strafrechtlich vorbelastet sind und es sich auch nur um einen sehr geringen Warenwert handelt, sind die Chancen, dass das Verfahren nach § 153, Abs. 1 StPO (wegen geringer Schuld und mangelndem öffentlichen Interesse an der Strafverfolgung) bereits durch die StA eingestellt wird (es also nicht zu einer Verhandlung kommt) nicht allzu schlecht. Die nächst "schlechtere Stufe" wäre eine Einstellung nach § 153a, Abs. 1 StPO . Das ist im Prinzip das selbe, nur dass die Einstellung in dem Fall an die Zahlung einer -meist kleinen- Geldauflage (meist an irgendeine gemeinnützige Einrichtung) geknüpft wird. Mit beiden Varianten würden Sie nach Lage der Dinge wohl ganz gut fahren, zumal sie in beiden Fällen nicht als "verurteilt" gelten, somit auch weiterhin "nicht vorbestraft" wären. Es bleibt nun abzuwarten wie die StA hinsichtlich des weiteren Fortgangs entscheidet. Ein von Reue getragenes Geständnis, bzw. zumindest die von Reue getragene und der StA mitgeteilte Einsicht, dass es ein Fehler war, die Batterien einzustecken (Zahlabsicht hin oder her) könnte die Bereitschaft der StA die Sache einzustellen durchaus noch weiter forcieren.

Und lesen Sie mal den verlinketen Artikel vom Kollegen Rönner. Dort ist alles enthalten, was man zum/über den Ladendiebstahl und die mögl. "Fortgangs-Alternativen" wissen muß...

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"Bitte um Verständnis,dass ich keine Rechtsfragen per PM beantworte.Das ist nicht Sinn des Forums"

1x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38831 Beiträge, 14065x hilfreich)

Ich find es schon spannend, dass jemand genau weiss, dass er die Batterien bezahlen wollte (offensichtlich hat er seinem Kumpel gesagt, dass er die Batterien zahlen wolle und nur "so" einstecke, ja wie lebensfremd ist das denn) und sich aber an das, was eine Sekunde später passierte, alkoholbedingt nicht mehr erinnern kann.

Flache Bälle spielen!

wirdwerden

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1x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
guest-12306.05.2013 09:21:53
Status:
Frischling
(11 Beiträge, 9x hilfreich)

@ JuR und !!Streetworker!!
Danke für die Antwort.
Ich habe heute mit dem Beamten gesprochen, da ich den Termin der Vorladung verschieben musste.
Dieser hat mir angeboten mir ein Anhörungsschreiben zu schicken. Diese Angebot habe ich angenommen.
Nun habe ich doch einen leisen Zweifel ob es nicht vielleicht doch besser gewesen wäre persönlich vorzusprechen um eventuelle Informationen der Polizei bezüglich der Tat zu erfahren.
Was raten Sie mir?

@wirdwerden
Nunja ich hab ja genug geld dabei gehabt und mit meinem Kollegen geprochen die batterien zu kaufen. Das sagte er mir. Ich slebst kann mich weder an das eine noch das andere erinnern.
Fakt ist dass ich von meinem Kollegen getrennt wurde und er mir so im Nachhinein nicht sagen konnte was in dem Detektiv raum passiert ist.



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1x Hilfreiche Antwort


#8
 Von 
wastl
Status:
Richter
(8350 Beiträge, 1493x hilfreich)

und sich aber an das, was eine Sekunde später passierte, alkoholbedingt nicht mehr erinnern kann.
Das ist mir auch aufgefallen. Wird aber oft vorgebracht. An alles ist Erinnerung da, nur nicht an die paar Minuten der Straftat.

Es ist auch nicht so, dass Vernehmungen bei der Polizei dazu da sind, den Beschuldigten zu informieren.

Der Diebstahl war in dem Moment vollendet, in dem die Batterien in der Tasche waren. Vorsatz war da, denn es reicht der natürliche Handlungsvorsatz, die Dinger einzustecken. Die Frage ist wohl, ob auch die Zueignungsabsicht vorliegt. Wenn so eine Einlassung eines Beschuldigten kommt ("Ich habe sie eingesteckt, wollte sie aber nicht klaue, kann mich aber auch nicht daran erinnern") ist das für eine Einstellung eher nicht so toll.
Das wird noch weniger toll, wenn einer mit einer psychischen Erkrankung kommt, die ihn anscheinend zum klauen antreibt.

Mit sowas reden Sie sich um Kopf und Kragen. Dann bekommen Sie aus dem Stand einen Strafbefehl mit 30 Tagessätzen.

Wir reden hier doch nicht von Schwerkriminalität, sondern von einer Bagatelle, die bei einem auch nur annähernd vernünftigen Verhalten des Beschuldigten gem. § 153 StPO , also wegen Geringfügigkeit, eingestellt wird.
Also wäre es gescheiter, dieses Drumherum-Gerede zu lassen.
Insofern ist die schriftliche Anhörung besser, weil nicht die Gefahr besteht, der Polizei irgendwas zu erzählen, was nicht so gescheit wäre. Papier ist geduldiger.

1x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
guest-12306.05.2013 09:21:53
Status:
Frischling
(11 Beiträge, 9x hilfreich)

Hallo.
Ich habe jetzt eineN Brief von der Staatsanwaltschaft bekommen. Das steht drin ich soll die Auflage zugunsten der Staatskasse in Höhe von 50euro leisten.

Meine Frage ist nun folgende:
Ist es möglich dieser Auflage irgendwie zu entegehen oder bin ich verpflichtet diese Auflage zu leisten?
Viele Grüße,
cheff66

1x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
wastl
Status:
Richter
(8350 Beiträge, 1493x hilfreich)

Sie sind nicht verpflichtet, die 50 € zu bezahlen. Aber in dem Schreiben wird ja auch stehen, was im Falle der Nicht-Zahlung passiert, nämlich eine Anklageerhebung.
Mit 50 € sind Sie extrem gut bedient.
Immerhin macht sich offenbar einer die Mühe, ein Verfahren gem. § 153a einstellen zu wollen, obwohl Ihr Einverständnis noch gar nicht vorliegt.
Es kann nur teurer werden.

1x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
guest-12306.05.2013 09:21:53
Status:
Frischling
(11 Beiträge, 9x hilfreich)

Hallo wastl,
sowas ähnliches habe ich mir schon gedacht!
Danke dir für die rasche antwort.
ich werde dann morgen mal die auflage bezahlen.
Ein Lob an die Mitglieder dieses Forums!
cheff66

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