ARD Tatort: Mord oder Totschlag?

19. November 2018 Thema abonnieren
 Von 
guest-12304.02.2022 23:25:13
Status:
Schüler
(161 Beiträge, 29x hilfreich)
ARD Tatort: Mord oder Totschlag?

Gestern, Sonntag auf ARD
Das Hamburger Viertel Neugraben leider unter einer Einbruchserie, die Anwohner sind schockiert. Anwohner A, legaler Waffenbesitzer, plant, sich zu wehren. Er bereitet sich auf einen Einbruch perekt vor. Als es passiert erwischt er den Täter T, der sich sofort ergibt und die Hände hoch nimmt. A erschießt ihn eiskalt und legt ihm eine Pistolenattrape in die Hand, damit es klar nach Notwehr aussieht.

Sind Mordmerkmale erfüllt? Ich finde Heimtücke komisch, denn schließlich ist A eingebrochen.

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7 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Droitteur
Status:
Lehrling
(1592 Beiträge, 404x hilfreich)

Man wird darüber trefflich streiten können.

Im Moment herrscht noch vor, Heimtücke durch die Ausnutzung von Wehrlosigkeit zu definieren, welche gerade aus der Arglosigkeit des Getöten resultieren muss. Bezüglich der Arglosigkeit wiederum kann man grob zwischen dem faktischen (war der Getötete nun tatsächlich arglos?), und dem normativen (durfte der Getötete zB angesichts seines eigenen Verhaltens überhaupt arglos sein?) unterscheiden.

Anscheinend werden dazu sogar von den verschiedenen Strafsenaten des BGH verschiedene Ansichten vertreten.

Sowohl bei der faktischen Betrachtung (welche die ältere/"bisherige" ist) als auch bei der normativen (welche eben gerade erst aufkommt und mitunter zu Ansichten führt, die gar keinen Argwohn mehr erfordern) kann man zu verschiedenen Ergebnissen kommen. Wichtig erscheint mir aber zu bemerken, dass auch ein Einbrecher durchaus arglos sein kann und dass aber auch bei normativer Betrachtung nicht in jedem Fall feststeht, dass ein Einbrecher geradezu mit tödlicher Gegenwehr rechnen muss ("nicht arglos sein durfte"), aber der eine oder andere wird das sicher bejahen. Manche Stimmen gehen wie gesagt bereits dazu über, auf den Argwohn als Kriterium zu verzichten und stellen nur noch darauf ab, inwieweit der Getötete selbst für die Tötung verantwortlich ist ,und ggf auch darauf, inwieweit eine Notwehrlage, ggf auch nur zum Teil, vorlag.

Fachlich weiterführend ist vllt folgender Fall von Interesse:
https://www.jurion.de/urteile/bgh/2003-02-12/1-str-403_02/

(aus dem Link: "Mordmerkmal der Heimtücke bei Tötung des Erpressers durch den Erpressten; Arglosigkeit des Erpressers gegenüber einem wehrenden Gegenangriff des Erpressten")

Wie gesagt sind aber nicht einmal die verschiedenen Strafsenate einig; das muss man im Hinterkopf haben, um nicht fälschlich diese Ansicht als BGH-Meinung schlechthin zu bezeichnen.

Zudem dürfte gerade der Tatort-Fall in verschiedenen Punkten ganz entscheidend vom zitierten BGH-Fall abweichen.

-- Editiert von Droitteur am 19.11.2018 13:16

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#2
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38099 Beiträge, 13920x hilfreich)

Ich erinnere mich an einen Hamburger Fall, da hat ein Rentner jemanden von hinten erschossen, das ganze wurde trotzdem als Notwehrsituation eingestuft. War für mich nicht so ganz nachvollziehbar, aber trotzdem muss man da wohl viele Faktoren berücksichtigen. Und sich den Einzelfall ganz genau angucken.

wirdwerden

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#3
 Von 
Droitteur
Status:
Lehrling
(1592 Beiträge, 404x hilfreich)

Ebenfalls ein brühmter Fall, wenn man sich generell/aus Neugier mit der Problematik beschäftigen möchte, ist der aus England: https://en.wikipedia.org/wiki/Tony_Martin_%28farmer%29

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#4
 Von 
Tiger123
Status:
Praktikant
(998 Beiträge, 573x hilfreich)

Ohne den Tatort zu kennen müsste man wohl auch auf die "niederen Beweggründe" schauen. Selbstjustiz, Rache,..?

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#5
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38099 Beiträge, 13920x hilfreich)

Notwehr? Niemand muss sich überfallen lassen.

wirdwerden

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#6
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(31467 Beiträge, 5567x hilfreich)

Zitat (von cfunke):
ARD Tatort:
Selten genug verraten diese Filme mal, was ein Gericht später entscheidet.
Zitat (von cfunke):
Er bereitet sich auf einen Einbruch perekt vor.
Wieso perfekt? Woran konnte man das erkennen?
Zitat (von cfunke):
A erschießt ihn eiskalt und legt ihm eine Pistolenattrape in die Hand
Ob A das eiskalt gemacht hat? Ob A dem T die Plastikwumme in die Hand gelegt hat? Könnte es auch der Bruder B gewesen sein? Der Dieter mit den kruden Ideen ?

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#7
 Von 
Droitteur
Status:
Lehrling
(1592 Beiträge, 404x hilfreich)

In den hier thematisierten Situationen dürfte es regelmäßig an der Erforderlichkeit der konkreten Abwehrhandlung mangeln. Aber es wird durchaus diskutiert, inwiefern Notwehrlagen - auch partielle - Einfluss auf das Heimtückemerkmal haben können.

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