Anhörungsbogen - Werden meine Daten an den Täter weitergegeben?

16. März 2013 Thema abonnieren
 Von 
Bremen1978
Status:
Frischling
(17 Beiträge, 0x hilfreich)
Anhörungsbogen - Werden meine Daten an den Täter weitergegeben?

Hallo zusammen,

ich habe als Opfer einer Straftat einen Anhörungsbogen von der Polizei bekommen. Werden meine Daten (Name, Adresse, Beruf etc) oder Teile davon an den Täter weitergegeben?

Vielen Dank im Voraus!

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14 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(33150 Beiträge, 17355x hilfreich)

Ja. Einerseits kann er über einen Anwalt Einsicht in die Ermittlungsakte nehmen, und andererseits werden Sie irgendwann als Zeuge in der Anklageschrift stehen, und zwar mitsamt der Adresse.

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" Lebenslänglich sind NICHT 25 Jahre!"

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#2
 Von 
Bremen1978
Status:
Frischling
(17 Beiträge, 0x hilfreich)

Vielen Dank für die schnelle Antwort!
Das heißt, nicht nur der Anwalt hat Einsicht, sondern der Täter direkt? Auch wenn die begründete Angst besteht, dass er mir noch einmal etwas tun könnte; also bei mir zu Hause?
Und kann man in der Anklageschrift die Adresse weglassen bzw. beispielsweise durch meine Dienstanschrift ersetzen?

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#3
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(33150 Beiträge, 17355x hilfreich)

Die Einsicht hat der Anwalt - der darf die Akte aber schlicht kopieren und die Kopien seinem Mandanten geben. Mit der zweiten Frage bin ich überfragt - bei Polizisten wird das wohl grundsätzlich so gehandhabt ("zu laden über den Polizeipräsidenten in Musterstadt"), ansonsten eher nicht.

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" Lebenslänglich sind NICHT 25 Jahre!"

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#4
 Von 
Bremen1978
Status:
Frischling
(17 Beiträge, 0x hilfreich)

Das ist jetzt vielleicht eine Frage, die schwer zu beantworten ist, aber wird das "in der Regel" so gemacht? Also kopiert ein Anwalt eines gewalttätigen Mannes (schon öfter wegen Gewaltdelikten aufgefallen) meine Adresse und gibt sie weiter?

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#5
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(33150 Beiträge, 17355x hilfreich)

Ich bin kein Anwalt. Aber warum sollte er nicht - er hat die Interessen seines Mandanten zu vertreten und sonst keine. Das würde schon komisch klingen, wenn er sagen würde: "Den Teil der Akte habe ich geschwärzt, denn bei Ihnen weiß man ja nie..." By the way - woher wissen Sie, daß er schon öfer wegen Gewaltdelikten aufgefallen ist? Das können Sie eigentlich nicht wissen, wenn Sie ihn nicht ohnehin kennen.

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" Lebenslänglich sind NICHT 25 Jahre!"

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#6
 Von 
Bremen1978
Status:
Frischling
(17 Beiträge, 0x hilfreich)

Die Straftat ist während meiner Arbeitszeit passiert (ich bin Sozialarbeiterin und während der Beratung angegriffen worden). Als die Polizei kam, war er noch in der Nähe, wurde durchsucht, es wurden Personalien festgestellt etc. Als die Polizei mich zum Auto begleitete sagte der Polizist wortwörtlich "den Wichser kenne ich, der sitzt jede Woche bei uns auf der Wache, weil der immer Frauen schlägt". Zudem ist er Ex-Klient einer Kollegin, die ähnliches berichtete.

Da, das kann ich auch wieder verstehen, dass der Anwalt dann die Interessen seines Mandanten vertritt. Allerdings überlege ich mir natürlich jetzt, die Anzeige zurück zu ziehen (wenn das überhaupt noch möglich ist).

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#7
 Von 
Rechtsmacher
Status:
Lehrling
(1528 Beiträge, 355x hilfreich)

quote:
Allerdings überlege ich mir natürlich jetzt, die Anzeige zurück zu ziehen (wenn das überhaupt noch möglich ist).


Das können Sie machen, die Frage ist aber ob das zurückziehen des Strafantrages überhaupt es bringt, da die StA diesen durch das öffentliche Interesse ersetzten kann. Sofern es sich nicht ohnehin um ein Offizialdelikt handelt.

Den Rest haben die Vorredner bereits zutreffend dargestellt. Im übrigen ist es höchst selten das Täter vor der Verhandlung das Opfer einschüchtern möchten, schon allein weil dies i.d.R. direkt in die U-Haft führt.

Wenn Sie ernste bedenken haben sollten Sie sich mit der Zeugenberatungsstelle des zuständigen Amtsgerichtes haben. Vielleicht besteht die Möglichkeit Ihnen einen RA als Zeugenbestand beizuordnen. Das halte ich im vorliegen Verfahren aber nicht für erforderlich. Bei Ihrem Job sollten sie sich da ein dickeres Fell zulegen, denn mit solchen Herrschaften werden sie es wohl noch öfters zu tun haben.

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"MFG
Rechtsmacher PvDE-Mitte

Wer Rechtschreibfehler findet kann Sie behalten. "

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#8
 Von 
Bremen1978
Status:
Frischling
(17 Beiträge, 0x hilfreich)

quote:
Bei Ihrem Job sollten sie sich da ein dickeres Fell zulegen, denn mit solchen Herrschaften werden sie es wohl noch öfters zu tun haben.
Auch wenn das nichts mit meiner eigentlichen Frage zu tun hat und ich mich für meine Sorge, dass der Täter meine Adresse bekommt, auch eigentlich nicht rechtfertigen muss: Ich arbeite seit fast 20 Jahren mit Suchtkranken und bin etliche Male angegriffen worden, das gehört leider dazu. Um alleine (und ohne polizeiliche Hilfe im Anschluss) mehr als 30 Minuten einem Gewalttäter ausgesetzt zu sein, kann jedoch kein Fell dick genug sein.

Trotzdem vielen Dank für Ihre Antwort. Es ist gut zu wissen, dass es aus der Erfahrung heraus eher selten ist, dass Täter weiterhin versuchen, Opfer einzuschüchtern.
Er hatte vor einigen Wochen noch bei einem anderen Träger (nutzt an anderen Tagen die gleichen Räumlichkeiten) angerufen und dort den Mitarbeitern gedroht. Deswegen habe ich einfach die Sorge, dass er mich zu Hause aufsuchen könnte und könnte sicher besser schlafen, wenn es eine Möglichkeit gäbe, meine Adresse vor ihm geheim zu halten bzw meine Dienstadresse angeben zu können.

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#9
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30226 Beiträge, 9531x hilfreich)

Tach Kollegin,

ich bin Sozialarbeiter in der Straffälligen- und Haftentlassenenhilfe.

Also: Bei Gericht können Sie durchaus mit dem Richter reden, dass Ihre Privatanschrift nicht in der öffentl. Hauptverhandlung genannt wird. Dann müßten Sie Kontakt mir der Staatsanwaltschaft aufnehmen und versuchen zu erreichen, dass auch in die Anklageschrift die Dienstanschrift kommt (zu laden über...). Gehen tut das, wenn man will. Was die Akte und den Anwalt (wenn er überhaupt einen hat) angeht, sind Anwälte (als Organe der Rechtspflege) durchaus gehalten, Straftaten nicht zu forcieren, d.h. wenn der Anwalt selbst die Besorgnis hegt, dass sein Mandant die Kenntnis der Adresse mißbrauchen könnte, ist er gehalten sie ihm zu verschweigen (zumal sie für die Verteidigung als solches keine Rolle spielt)

Weiterhin ist es so, wie geschildert, dass in den meisten Fällen die Täter Ruhe geben, wenn die Sache gerichtlich erledigt ist. Und Sie haben ja ansonsten keine Verbindung zu dem Mann.

Letztlich wäre es ja auch so, dass er -würde er unbedingt Ihre Privatanschrift herausbekommen wollen- sich nur an Ihre Fersen nach Dienstschluß heften müßte.

Worum ging es denn bei der Attacke (wenn ich Fragen darf)?

-----------------
"Bitte um Verständnis,dass ich keine Rechtsfragen per PM beantworte.Das ist nicht Sinn des Forums"



-- Editiert !!Streetworker!! am 17.03.2013 00:00

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#10
 Von 
Bremen1978
Status:
Frischling
(17 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo Kollege und auch an Sie vielen Dank für die Antwort!
Ich denke, ich werde diesen Weg dann wohl einschlagen, falls es überhaupt zu einer Verhandlung kommt, dann hab ich Ruhe und bin auf der sicheren Seite.

quote:
Worum ging es denn bei der Attacke (wenn ich Fragen darf)?

Eigentlich war ich zufällig "zur falschen Zeit am falschen Ort". Ich habe für die Beratung einmal wöchentlich die Räumlichkeiten einer anderen Organisation nutzen dürfen, da ich für meinen Träger - neben meiner Tätigkeit in unserer Hauptstelle - eine Sprechstunde in einem Problemviertel anbiete. Ich war also wie immer alleine dort und an den anderen Tagen sind die Kollegen des anderen Trägers dort. Eigentlich wollte er zu diesen Kollegen, kam aber zufällig am falschen Tag und naja, ihm zu erklären, dass ich nichts mit dem anderen Träger zu tun habe, hat nicht mehr funktioniert, dazu war er schon zu sehr in Rage..

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
wastl
Status:
Richter
(8350 Beiträge, 1495x hilfreich)

Zur Anschrift des Zeugen:
In der Anklageschrift steht nicht mehr die vollständige Anschrift, seit § 200 StPO dahingehend geändert wurde, dass es der Angabe der vollständigen Anschrift nicht bedarf. Es genügt also der Wohnort.
Bei Zeugen, die aufgrund ihrer dienstlichen Tätigkeit Zeuge sind, also auch hier, wird üblicherweise die Dienststelle angegeben.

In der Hauptverhandlung kann nach dem Wohn- oder Dienstort (also nicht nach der Anschrift) gefragt werden.

Ein Verteidiger bekommt die Akten und gibt sie üblicherweise an seinen Mandanten in Kopie weiter. Allerdings hat er als Organ der Rechtspflege zu prüfen, ob der auch die Weitergabe von Adressen verantworten kann. Er ist eben nicht nur eine Kopierstelle für den Mandanten, sondern muss eben ggf. wirklich einen teilgeschwärzten Auszug weitergeben.

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30226 Beiträge, 9531x hilfreich)

Dann hat sich das Problem mit der Anklageschrift ja auch schon von selbst gelöst.

quote:
naja, ihm zu erklären, dass ich nichts mit dem anderen Träger zu tun habe, hat nicht mehr funktioniert, dazu war er schon zu sehr in Rage..


Mittlerweile wird er das ja geschnallt haben ;) Insofern hat ja kein persönl. Problem mit Ihnen direkt und daher wird es auch keine "Racheakte" o.ä. geben (aller Erfahrung nach)

Mit wollte übrigens in gut 15 Jahren in der (zuerst) Drogenhilfe und dann Straffälligen- und Haftentlassenenhilfe nur 1 einziges Mal ein Klient an den Kragen. Der war aber auch gleich dummerweise 1,5 Köpfe größer als ich und hatte so zieml. das selbe "Kampfgewicht". Letztendlich ist ihm mein Pfefferspray aber nicht so gut bekommen ;) ;) (immer griffbereit im Schreibtisch - eigentl. für, bzw. gegen die Hunde der Klienten gedacht, falls die mal ausflippen)

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"Bitte um Verständnis,dass ich keine Rechtsfragen per PM beantworte.Das ist nicht Sinn des Forums"

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
Bremen1978
Status:
Frischling
(17 Beiträge, 0x hilfreich)

quote:
Mittlerweile wird er das ja geschnallt haben
Insofern hat ja kein persönl. Problem mit Ihnen direkt und daher wird es auch keine "Racheakte" o.ä. geben (aller Erfahrung nach)

Leider ist es hier anscheinend nicht so :-/

Ich habe inzwischen mit einem Freund meines Chefs sprechen können (Oberstaatsanwalt) sowie mit einem Anwalt. Beide haben übereinstimmend gesagt, dass ich meine Dienstadresse angeben kann; aber auch, dass der Täter oder sein Anwalt über das Einwohnermeldeamt (in der Praxis auch ohne Angabe von Gründen) meine Adresse bekommen kann. Laut beiden ist das Gang und Gäbe, also sollte ich beim Meldeamt eine Auskunftssperre beantragen.

Danke für alle Antworten!

0x Hilfreiche Antwort

#14
 Von 
Toll!
Status:
Lehrling
(1138 Beiträge, 1371x hilfreich)

Welcher Verteidiger macht sich die Mühe, um beim Meldeamt die Adresse eines (gefährdeten) Zeugen zu erfragen? Möglich ist das, aber die Adresse sollte in den meisten Fällen für die Verteidigung nicht erforderlich sein.

Die Ermittlungsakten fangen mit einer umfangreichen Datensammlung an. Wenn es Ihnen gelingt, da die private Anschrift zu vermeiden, sollten Sie eigentlich auf der sicheren Seite sein.

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