Anklageschrift- und jetzt?

18. April 2007 Thema abonnieren
 Von 
despairedkid
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 1x hilfreich)
Anklageschrift- und jetzt?

Wie ich bereits in diesem Forum berichtet habe, wurde ich wegen Diebstahls angezeigt. Einmal am 19. Januar 2007 und das zweite Mal war gleich 10 Tage darauf am 29. Januar 2007. Ich wurde bereits zu den beiden Taten vernommen und habe heute eine Anklageschrift übersandt bekommen. Da ich mich jedoch nicht unbedingt in diesem Gebiet auskenne und auch nicht unbedingt ganz clever bin, habe ich dies Anklageschrift nicht so wirklich verstanden. Meine Mutter zu fragen wäre mir unangenehm: Seit dem Vorfall ist unser Verhältnis leicht angespannt.
Ich zieitere einfach mal was in diesem Brief steht und anschließend stelle ich meine Frage zu.
"Sehr geehrte Frau ****
in der Strafsache gegen Sie
wegen Diebstahls
erhalten Sie anliegend eine Anklageschrift übersandt.
Sie können innerhalb einer Woche die Vornahme einzelner Beweiserhebungen vor der Entscheidung über die Eröffnung des Hauptverfahrens beantragen oder Einwendungen gegen die Eröffnung des Hauptverfahrens vorbringen. Wenn Sie die Vernehmung von Zeugen beantragen, müssen Sie die Tatsachen angeben, über die jeder einzelne Zeuge vernommen werden soll. [...]"

Mich interessiert nun folgendes: Wie ich aus diesem Text entnommen habe, ist das Hauptverfahren noch nicht eröffnet worden. Kann das Hauptverfahren auch ohne jede Einwendung meinerseits nicht(!) eröffnet werden? Besteht da eventuell irgendeine Chance für mich?

Nach dieser Information folgt nun die "richtige" Anklagrschrift. Zuerst wurden die Angeklagten aufgelistet (Meine Wenigkeit, meine Schwester & eine Freundin von uns beiden).
"[...] werden angeklagt,
als strafrechtlich verantwortliche Jugendliche,
in ****
im Januar 2007

Die Angeschuldigte "Vorname Nachname" (ich) und "Vorname2 Nachname2" (meine Schwester) jweils durch 2 Straftaten
Die Angeschuldigte "Nachname3" (unsere Freundin) durch 1 Straftat

fremde bewegliche Sachen enem anderen in der Absicht weggenommen zu haben, die Sachen sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wobei im Fall laufende Nr. 2 der Anklage geringwertige Sachen gestohlen wurden und alle drei Angschuldigten im Fall laufende Nr. 3 der Anklage gemienschaftlich handelten,

indem

1. die Angeschuldigte "Vorname Nachname" (ich) am 19.01.2007 gegen 17:00 Uhr bei der Firma "Name der Frima und Anschrift" Damenoberbekleidung im Gesamtwert von 58,60 Eure entwendete,

2. die Angeschuldigte "Vorname2 Nachname2" (meine Schwester) ca. am 22.01.2007 bei "Name einer anderen Firma" Schmuck im Gesamtwert von 9,85 Euro entwendete,

3. am 29.01.2007 gegen 16:45 Uhr die Angeschuldigte "Vorname" (ich) und "Vormane2" (meine Schwester) im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit der Angeschuldigten "Nachname3" (unsere Freudnin) in der "Name einer wiedrum anderen Firma und Anschrift" diverse Süßigkeiten und Kosmetika im Gesamtwert von 50,52 Euro stahlen.

Vergehen, strafbar nach §§ 242 , 248a , 25 . Abs. 2, 53 StGB , §§ 1 , 3 JGG .

Strafanträge sind gestellt worden (Bl. 6, 44, 48, 52 d.A.).

An der Strafverfolgung besteht das besondere öffentliche Interesse. "

Dann folgten Zeugen und weiter ging es:

"Es wird beantragt,
das Hauptverfahren vor dem Amtsgericht "Stadt in der ic wohne" -Jugendrichte-
zu eröffnen."

Das ist nun die genaue Beschreibung von den Taten. Da ich anscheinend (ohne meines Wissens) gleich gegen mehrere Gesetze verstoßen habe, habe ich das Gefühl nun nicht mehr wirklich ohne Aussage vor dem Gericht davon zu kommen. Welche Strafen würden mich erwarten? Und welche Strafen würde meine Schwester kriegen? Ist der wirklih insgesamte Warenwert von 118,97 Euro wirklich so hoch, dass es tatsächlich noch zu einem Hauptverfahren kommen kann?

Ich danke schon mal im Voraus für Eure antworten!

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41 Antworten
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#1
 Von 
C.Konert
Status:
Praktikant
(663 Beiträge, 92x hilfreich)

Das Gericht eröffnet das Hauptverfahren dann, wenn es zu der Überzeugung kommt, dass ein hinreichender Tatverdacht vorliegt, das bedeutet, dass eine Verurteilung wahrscheinlicher ist als ein Freispruch.
Ihnen ist Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden, das ist eine Ausprägung des Rechtes auf rechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG ).
Wenn Sie von diesem Recht kein Gebrauch machen entscheidet das Gericht trotzdem, die werden nicht ewigkeiten auf ihre Stellungnahme warten. Wenn das Gericht allerdings zu der Überzeugung kommt, dass kein hinreichender Tatverdacht vorliegt, dann wird es auch ohne Ihre Stellungnahme die Eröffnung des Hauptverfahrens ablehnen.
Allerdings sehe ich hier kaum Chancen, dass hinreichender Tatverdacht verneint wird, die Staatsanwaltschaft wird wohl ausreichend Beweismittel haben.

Um ein Erscheinen vor Gericht werden Sie wohl kaum herumkommen.

Zur möglichen Strafe: Da Sie wohl nach Jugendrecht verurteilt werden wird es je nach Vorbelastungen zu einigen Sozialstunden, oder ein kurzer Arrest, mehr sollte das wohl nicht bringen.

Ihnen wird auch nicht vorgeworfen verschiedene Gesetze gebrochen zu haben:

§ 242 ist der Diebstahl
§ 248 a bedeutet, dass es sich einmal um Sachen mit einem Wert von weniger als 50 € gehandelt haben, und somit ist ein Strafantrag erforderlich (in dem Fall aber eher irrelevant, da die Sta das öffentliche Interesse bejaht hat)
§ 25 Abs. 2 bedeutet, dass mittäterschaftlich gehandelt wurde
§ 53 gibt die Tatmehrheit an, es wurden also wie von Ihnen auch gesagt mehrere Taten verübt
§ 1 JGG bedeutet, dass Jugendstrafrecht angewandt wird
§ 3 JGG bedeutet, dass die Sta Sie für strafrechtlich verantwortlich hält.

So, ich hoffe ich habe nun alles richtig auf die Reihe gekriegt ansonsten möge mich einer der Kollegen korrigieren.

-----------------
"stud.iur Hr. C.Konert
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg"

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#2
 Von 
justice005
Status:
Unparteiischer
(9575 Beiträge, 2359x hilfreich)

Ich schließe mich den Ausführungen des Kollegen vollumfänglich an.

Dass jetzt schon die Anklage da ist, überrascht mich. Offensichtlich wird bei Ihnen in der Gegend sehr zügig gearbeitet, was ich sehr positiv finde.

Die Einwendungen gegen die Eröffnung des Hauptverfahrens sind nur theoretischer Natur und haben nur dann Aussciht auf Erfolg, wenn die Staatsanwaltschaft offenkundig zu unrecht angeklagt hat (fehlende Strafbarkeit der angeklagten Tat, Verjährung, Angeklagter noch nicht strafmündig etc.) Das alles ist bei Ihnen wohl nicht der Fall. Daher werden Sie um die Hauptverhandlung nicht drum herum kommen.

Ich tippe auf 20-30 Sozialstunden als Strafe.

Gruß Justice

PS.: Ich habe grade den alten Thread nachgelesen. Es ist bemerkenswert, daß die Teilnehmer im Forum, die solche Taten gerne als Kinderkram bezeichnen und eine Anklage ausgeschlossen haben, mal wieder eines besseren belehrt wurden.

*duckundwech* ;)




-- Editiert von justice005 am 18.04.2007 18:46:20

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#3
 Von 
despairedkid
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 1x hilfreich)

Ich danke sehr für die ausführlichen Antworten!

Was mich noch interessiert: Wie läuft das im Gericht ab? Ich wurde bereits zweimal vernommen, habe also nichts hinzuzufügen. Was wollen sie (also das Gericht) mit meiner Anwesenheit dort anfangen? Mir wäre es lieber, sie würden einfach sagen welche Strafe ich kriege.
Ich weiß auch, dass ich vor Gericht nichts sagen muss. Wäre das zu meinem Vor- oder Nachteil? Der Polizist hat mir nur gesagt, dass ich bei der Vernehmung besser etwas sage, aber wie das beim Gericht ist, davon habe ich keine Ahnung!

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#4
 Von 
C.Konert
Status:
Praktikant
(663 Beiträge, 92x hilfreich)

Das mag sein, dass Sie vor Gericht nicht erscheinen mögen, aber in Deutschland ist es üblich, das in Anwesenheit des Angeklagten verhandelt wird, und gerade bei Jugendlichen halte ich das für sehr Sinnvoll.

Das Verfahren beginnt mit dem Aufruf zur Sache (bei Ihnen unter Ausschuss der Öffentlichkeit). Dann werden zunächst Ihre Personalien festgestellt, und danach verliest der Sitzungsvertreter der Sta die Anklageschrift, und danach erhalten Sie Gelegenheit zur Stellungnahme. Sie müssen vor Gericht nicht aussagen, aber ein Geständniss und eine Entschuldigung wirken in jedem Fall strafmildernd.

Danach werden die Zeugen vernommen, danach stellt der Staatsanwalt seinen Antrag, danach Ihr Anwalt , so Sie einen haben und danach haben Sie das letzte Wort.

Danach verkündet der Richter das Urteil, begründet es und belehrt Sie noch über die Rechtsmittel.

-----------------
"stud.iur Hr. C.Konert
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg"

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#5
 Von 
justice005
Status:
Unparteiischer
(9575 Beiträge, 2359x hilfreich)

Zuerst werden vor Gericht nocheinmal ihre Personalien überprüft. Danach ließt der Staatsanwalt die Anklage vor. Sie können dann dazu was sagen oder eben nicht. Wenn Sie aber bei der Polizei die Tat bereits eingeräumt haben, ist es am besten, das geständnis nochmal zu wiederholen und Ihr bedauern über die ganze sache zum Ausdruck zu bringen. Schweigen ist in Ihrem Fall nicht so gut, da ja die Taten eh eingeräumt wurden. Sie sollten also versuchen, einen positiven Eindruck von sich zu vermitteln.

Wenn die ganze Tat (von allen Angeklagten) gestanden wird, kann auch wohl auf die zeugen verzichtet werden. Es kann aber sein, daß der Richter sie trotzdem noch befragen will.

Wenn dann alles geklärt ist, wird die beweisaufnahme geschlossen und der Staatsanwalt hält ein Plädoyer, das mit einem Antrag bzgl der Strafe endet.

Dann haben Sie (und die anderen) das letzte Wort und können abschließend noch etwas sagen (z.B. ein Bedauern und die Bitte um milde Strafe)

Danach wird die Verhandlung kurz unterbrochen. Wenn es dann weitergeht (nach 5 minuten) wird das Urteil verkündet und kurz begründet.

Sie haben dann eine Woche Zeit, gegen das Urteil Berufung oder Revision einzulegen.

Gruß Justice

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#6
 Von 
despairedkid
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 1x hilfreich)

Ich habe da (immer noch) eine Frage: Bei meiner Anklage besteht öffentliches Interesse. Bedeutet das, dass eventuell Personen bei der Verhandlung anwesend sein werden die gar nichts mit der Tat zu tun haben? So praktisch als "Zuschauer", wie diese Leute, die bei den Gerichtsshows in den hinteren Bänken sitzen?
Gibts da nicht noch sowas wie "Täterschutz" (also so eine Art Gegenteil zum Opferschutz)?

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#7
 Von 
guest123-1542
Status:
Bachelor
(3084 Beiträge, 577x hilfreich)

Das öffentliche Interesse hat mit dem Interesse der Öffentlichkeit nichts zu tun.
Öffentliches Interesse bedeutet z.B., daß die Staatsanwaltschaft das Vergehen auch dann verfolgt, wenn der Geschädigte seinen Strafantrag zurücknimmt.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
C.Konert
Status:
Praktikant
(663 Beiträge, 92x hilfreich)

Außer den Verfahrensbeteiligten (Gericht, Zeugen, Sta, Anwalt, Jugendgerichtshelfe und Urkundsbeamter) sollte keiner da sein, da Jugendsachen nicht öffentlich sind.

Anders ist das nach Erwachsenemstrafrecht, da darf in der Regel jeder als Zuhörer im Saal sein.

-----------------
"stud.iur Hr. C.Konert
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg"

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#9
 Von 
despairedkid
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 1x hilfreich)

Es war hier noch die Rede von "Arrest" statt den 20-30 Sozialstunden.
Was darf ich den erwarten, wenn ich ein solchen Arrest bekomme? Ist das besser oder schlechter als die Sozialstunden?
Und nochmal zu den Sozialstunden: Ist das sowas wie Laub fegen oder in einem Obdachlosenheim Suppe austeilen usw.?

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#10
 Von 
guest123-1156
Status:
Lehrling
(1818 Beiträge, 509x hilfreich)

--- editiert vom Admin

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#11
 Von 
C.Konert
Status:
Praktikant
(663 Beiträge, 92x hilfreich)

So könnten Sozialstunden aussehen, ja.

Bei einem Freizeitarrest verbringt man meines wissens einen Nachmittag in der Haftanstalt. Da geht man dann nach der Schule hin und verbringt dort seinen Nachmittag in der Zelle und geht Abends wieder heim. Das sollte aber bei einem anfänglichen Geständniss und keinen Vorstrafen nicht passieren.

-----------------
"stud.iur Hr. C.Konert
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg"

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#12
 Von 
justice005
Status:
Unparteiischer
(9575 Beiträge, 2359x hilfreich)

Ich tippe auch auf 20-30 Sozialstunden.

Ein Arrest -egal ob Freizeit- oder Wochenendarrest - ist unwahrscheinlich.

Gruß Justice

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(33133 Beiträge, 17349x hilfreich)

@ C.Konert,

der Name Freizeitarrest irritiert: Damit ist Wochendendarrest gemeint, Samstag früh bis Montag früh - wo man halt Freizeit hätte, wenn man nicht im Arrest säße. Alles andere heißt Dauerarrest (eine Woche bis vier Wochen).

Gruß vom mümmel

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#14
 Von 
despairedkid
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 1x hilfreich)

Danke für die zahlreichen Antworten!

Heute habe ich einen Brief von der Jugendgerichtshilfe erhalten. In dem war die Rede, ich solle zu einem persönlichen Gespräch kommen. allerdings müsste eine Erziehungberichtger (also meine Mutter) dabei sein. Jedoch ist es mir nicht ganz Geheuer vor ihr meine persönliche Situation zu schildern. Kann ich eventuell auch ohne meiner Mutter an dem Gespräch teilnehmen? Und wird diese Jugendgerichtshilfe vor allen Anwesenden im Gericht darüber erzählen, oder wie läuft das?

Und nochmal zu den zu erwartenden Konsequensen: Werde ich, zusätzlich zu den Erziehungsmaßnahmen, noch vorbestraft? Wird dieser Fall auch in meinem Führungszeugnis stehen?

0x Hilfreiche Antwort

#15
 Von 
justice005
Status:
Unparteiischer
(9575 Beiträge, 2359x hilfreich)

Die Mutter muß zunächst mal mit. Ggf kann sie dann während des Gesprächs draußen warten.

Die Jugendgerichtshilfe wird natürlich in der Hauptverhandlung darüber berichten, dazu ist sie ja da. Da die Verhandlung in Jugendsachen aber nicht öffentlich ist, hören nur die Leute zu, die es auch etwas angeht. Die Zuhörerzahl ist also begrenzt.

nach einem Urteil gelten Sie nicht als vorbestraft. das Führungszeugnis bleibt sauber.



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#16
 Von 
despairedkid
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 1x hilfreich)

Sie sprachen davon, dass in dem Hauptverfahren darüber berichtet wird, es also nur Leute hören werden, die auch mit dem Fall zu tun haben. Hat meine Mutter, da sie ja schließlich die Erziehungsberechtigte ist, so gesehen dann auch mit dem Fal zu tun?

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#17
 Von 
justice005
Status:
Unparteiischer
(9575 Beiträge, 2359x hilfreich)

Ja, sie ist berechtigt, während der ganzen Verhandlung anwesend zu sein. Aber sie ist dazu nicht verpflichtet. Sie kann es sich also aussuchen.

0x Hilfreiche Antwort

#18
 Von 
despairedkid
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 1x hilfreich)

Na dann versuch ich sie davon zu überzeugen zu Hause zu bleiben...

Dann danke nochmal für die Antworten.
Hab zur Zeit auch keine weiteren Fragen mehr.

0x Hilfreiche Antwort

#19
 Von 
despairedkid
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 1x hilfreich)

Guten Tag allerseits!

Mir sind da doch noch ein paar Fragen eingefallen:
Wenn ich an diesem Gespräch mit der Jugendgerichtshilfe teilnehme, was beeindruckt da mehr: etwas emotionaler werden oder doch eher "professionell" (also mehr oder weniger)? Denn eigentlich habe ich nicht so recht Lust Gefühle zu zeigen und möchte schlicht die Mittellosigkeit als Begründung meiner Tat nehmen und dann auch am liebsten sofort gehen. Aber ich habe irgendwie so einen Verdacht, dass sie da extreme Schuldgefühle mit Tränen sehen wollen, um mir gegenüber Sympathie, Mitleid oder Sonstiges zu entwickeln.

0x Hilfreiche Antwort

#20
 Von 
justice005
Status:
Unparteiischer
(9575 Beiträge, 2359x hilfreich)

Da Du jünger als 18 bist, wird bei Dir ohnehin Jugendstrafrecht angewendet. Die jugendgerichtshilfe ist also nicht ganz so wichtig für Dein Verfahren. Die Jugendgerichtshilfe interessiert sich für die familiären Verhältnisse, Hobbies, Freizeitbeschäftigungen und so weiter. Die wollen einfach ein gesamtbild von Dir haben. Über diese Eindrücke wird dann das Gericht informiert.

Sei einfach Du selbst, da kann man nichts falsch machen.

Gruß Justice

0x Hilfreiche Antwort

#21
 Von 
despairedkid
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 1x hilfreich)

Hm. Aber das Gespräch abzusagen, obwohl es nicht ganz so wichtig ist, wäre trotzdem keine so gute Idee, oder?

0x Hilfreiche Antwort

#22
 Von 
justice005
Status:
Unparteiischer
(9575 Beiträge, 2359x hilfreich)

Nein. Dann sagt die Jugendgerichtshilfe in der Hauptverhandlung, daß die Angeklagte nicht zum Gespräch erschienen ist und das macht keinen guten Eindruck. Also geh hin und beantworte die Fragen, die dir gestellt werden. das ist nicht so wild.

0x Hilfreiche Antwort

#23
 Von 
despairedkid
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 1x hilfreich)

So, ich war am Donnerstag da. Verlief eigentlich recht gut, nur dass ich mich aus Scham nicht zur Tat äußern wollten. Der Herr, der uns (also meine Schwester und mich) angehört hatte, meinte, dass wenn wir vor Gericht uns nicht dazu äußern würden würden Zeugen aufgerufen werden und das kostet dann was.
Nun ist meine Frage: Wie soll ich vor Gericht mich dann zur Tat äußern? Also soll ich so wie bei der Vernehmung so anfangen, dass ich mich verabredet habe, wir in der Stadt bummeln waren etc.? Oder soll ich gleich anfangen mit "Ich bin schuldig, es tut mir Leid" etc.? Weil ich weiß jetzt wirklich nicht wie ich die Sache dann angehen soll.
Und nochmal zu den Kosten: wieviel würde es denn kosten, so ungefähr?

Danke schon mal für die Antworten!

0x Hilfreiche Antwort

#24
 Von 
C.Konert
Status:
Praktikant
(663 Beiträge, 92x hilfreich)

Also zu den Kosten: In der Regel sieht der Richter gem. § 74 JGG davon ab die Verfahrenskosten aufzuerlegen (was Sinnvoll ist, ein Gerichtsverfahren kostet soviel, dass ein Schüler da sehr lange dran zu zahlen hätte).

Ansonsten ist die Reihenfolge in der Du dich äußerst (zuerst entschuldigen, oder am Ende der Einlassung entschuldigen) egal. Wichtig wäre meiner Ansicht nur, dass man sich selbst äußert und das Geschehen nicht erst von Zeugen aufgedeckt werden muss, das würde auch positiv auf die Strafzumessung wirken.

-----------------
"stud.iur Hr. C.Konert
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg"

0x Hilfreiche Antwort

#25
 Von 
justice005
Status:
Unparteiischer
(9575 Beiträge, 2359x hilfreich)

So ist es ! Kann mich nur anschließen.


0x Hilfreiche Antwort

#26
 Von 
despairedkid
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 1x hilfreich)

Ah ja.
Und wie stehts mit dem Grund? Muss ich den auch, mehr oder weniger, sofort angeben oder kann ich das nach Belieben weglassen? Oder wirkt sich das auch eventuell positiv auf die Strafzumessung aus?

0x Hilfreiche Antwort

#27
 Von 
justice005
Status:
Unparteiischer
(9575 Beiträge, 2359x hilfreich)

Die Einlassung ist selten ein Monolog, sondern eher ein Frage-Antwort-Spiel.

Wenn Sie also zuerst mit dem Satz beginnen: 'Ja, das was in der Anklage steht, ist richtig', dann wird der Richter schon nachfragen nach dem warum und wieso. Man kann also keine Reihenfolge festlegen, es sei denn, sie bereiten eine Erklärung vor uns rattern die runter. das ist aber eher unüblich, zumindest bei den Amtsgerichtsverfahren.

0x Hilfreiche Antwort

#28
 Von 
despairedkid
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 1x hilfreich)

So, ich hab da noch ein Frage: werden Vertreter von H&M und Kaufhof da sein, sodass ich mich bei denen direkt entschuldigen kann? Oder kommen sie in der Regel nicht zu solchen Anlässen (da es ja wahrscheinlich ganz schön viele Diebstähle bei denen gibt)?

0x Hilfreiche Antwort

#29
 Von 
justice005
Status:
Unparteiischer
(9575 Beiträge, 2359x hilfreich)

Vertreter des kaufhauses werden nur dann da sein, wenn sie als zeugen geladen worden sind. Aus reiner Neugier gucken die sich die Verhandlung nicht an.

0x Hilfreiche Antwort

#30
 Von 
despairedkid
Status:
Frischling
(25 Beiträge, 1x hilfreich)

Noch eine wichtige Frage:
Ich muss um 12:00h im Gericht erscheinen. Das ist also während der Schulzeit, d.h. ich brauch eine Entschuldigung für mein Fehlen. Gibt es dafür vom Gericht so etwas wie eine Bescheinigung o.ä.? Bei meiner Schwester ist es sogar besonders schlimm, da sie um diese Zeit eigentlich eine Arbeit schreiben müsste. Wenn man während einer Arbeit fehlt gilt nur ein ärztliches Attest, sonst gibt's eine glatte 6. Würde die Schule den Gerichtstermin dennoch als wichtig genug empfinden, sodass meine Schwester die Möglichkeit erhält die Arbeit nachzuschreiben?

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