Anzeige erstattet, Angst vor Konsequenzen - Kann ich die Anzeige zurückziehen?

29. Juli 2007 Thema abonnieren
 Von 
merkblatt
Status:
Frischling
(7 Beiträge, 2x hilfreich)
Anzeige erstattet, Angst vor Konsequenzen - Kann ich die Anzeige zurückziehen?

Hallo,
ich bin letzte Woche Opfer einer vermeintlichen Sexualstraftat geworden. Ich habe meinem Freund von dem Vorfall berichtet und er hat mich dazu gedrängt, zur Polizei zu gehen und eine Anzeige zu erstatten. Ich selbst habe dies zuvor nicht in Erwägung gezogen, da ich die Situation nicht als so gravierend eingeschätzt und der jetzt als "Täter" bezeichneten Person nicht die Schuld für die Geschehnisse geben konnte und wollte.
Mein Freund hat jedoch so lange auf mich eingeredet und mich regelrecht genervt, bis ich mit ihm zur Polizei gefahren bin und dort dann vernommen worden bin. Ich bin dann auch noch ins Krankenhaus zur Untersuchung (Spurensicherung, wie es hieß) gefahren worden. Erst auf dem Weg dorthin wurde mir gesagt, welch weitreichende Konsequenzen eine solche Anzeige habe und dass ich mich auf ein gerichtliches Verfahren einstellen müsse. Seitdem bin ich mit blanker Panik allein: Ich will nicht vor Gericht aussagen und mich auf rechtlicher Ebene mit dem Vorfall auseinandersetzen müssen (was von Anfang an mein Standpunkt war). Mir reicht es, wenn ich ihn psychisch verarbeiten kann. Daher meine Frage: Kann ich die Anzeige noch zurückziehen bzw. irgendetwas dafür tun, dass es zu einer außergerichtlichen Einigung kommt?
Vielen Dank im Voraus!

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15 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Spy
Status:
Beginner
(53 Beiträge, 0x hilfreich)

Die Anzeige läuft jetzt, ermittelt wird in jedem Fall. Selbst wenn Du die Anzeige zurück ziehst geht es weiter.
Eine Sexualstraftat fällt unter öffentliches Interesse das heisst die Staatsanwaltschaft ermittelt auf jeden Fall.

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#2
 Von 
guest-12319.11.2008 09:24:21
Status:
Lehrling
(1536 Beiträge, 182x hilfreich)

Hallo,

quote:
ich bin letzte Woche Opfer einer vermeintlichen Sexualstraftat geworden.


Wenn es eine war, hilft die Verhandlung vielleicht auch zur "Aufarbeitung".

Wenn es keine war, hhm, würde ich schon mal da wieder hingehen und die Situation erklären. Sonst wirds nur noch schlimmer!

-----------------
"Wie war das mit dem Pferd vor der Apotheke?"

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#3
 Von 
Posen
Status:
Lehrling
(1183 Beiträge, 211x hilfreich)

Diese Anzeige kann NICHT zurück gezogen werden, da es ein Offizialdelikt(?) ist und von Amts wegen das Ermittlungsverfahren weitergeführt werden muss. Natürlich ist es schwierig, das ganze vor Gericht-auch in Einzelheiten-wieder geben zu müssen. Haben Sie an professionelle Hilfe-im Rahmen eines Psycholgen-gedacht?

P.S. Ohne Ihnen zu Nahe treten zu wollen-ich möchte mich auch schon jetzt dafür in aller Form enstchuldigen-was heisst *vermeintlich*

Grüsse
A.Posen

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#4
 Von 
KleinerJurist
Status:
Lehrling
(1398 Beiträge, 260x hilfreich)

Das mit dem 'vermeintlich' stört mich auch noch...

Zitat: und dass ich mich auf ein gerichtliches Verfahren einstellen müsse

Was hast du denn erwartet? Dass die Polizisten mit ihren Schlagstöcken zum Täter fahren?

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#5
 Von 
merkblatt
Status:
Frischling
(7 Beiträge, 2x hilfreich)

Vermeintlich deswegen, weil mir von allen Seiten zugesichert wird, dass es sich um eine Straftat handelt und ich dies eben nicht so empfunden habe/ empfinde, da ich die Schuld auch auf meiner Seite sehe. Das habe ich bei meiner Vernehmung auch so gesagt.
Und ich habe natürlich nicht erwartet, dass Polizisten mit Schlagstöcken den Täter aufsuchen (ich halte diese Mutmaßung auch für unqualifiziert), aber zumindest, dass man mich _vor_ meiner Aussage über die Konsequenzen aufklärt.

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#6
 Von 
guest-12319.11.2008 09:24:21
Status:
Lehrling
(1536 Beiträge, 182x hilfreich)

@merkblatt

Kann sein, dass ich mich irre, aber ich kann mich nicht des Eindrucks erwähren, als wenn du an der "Tat" nicht unbeteiligt warst, und vor deinem Freund die Tat als Delikt dargestellt hast.

Ist schon sehr oft vorgekommen. Aber wenn an dem ist, dann kläre die Sache schnellstens auf, sonst manövrierst du dich immer mehr rein.

Wenn deine Anzeige den Tatsachen entspricht, dann wird im Rahmen eines Verfahrens schon geklärt, ob und in welcher Form es eine Straftat war.

Alles Gute!


-----------------
"Wie war das mit dem Pferd vor der Apotheke?"

-- Editiert von Apothekenpferd am 29.07.2007 19:29:57

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#7
 Von 
Posen
Status:
Lehrling
(1183 Beiträge, 211x hilfreich)

Tja, sollte es aber tatsächlich keine straftat gewesen sein, sondern-ohne Ihnen etwas zu unterstellen-ausgedacht, dann könnensie sich auf ein Verfahren wegen falscher Anschuldigung/Verdächtigung gefasst machen.
vgl. §164 StGB in verb. mit §186 , 187 StGB .

Aber keine Sorge. Das Verfahren wird alles klären.

Grüsse
A.Posen

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#8
 Von 
merkblatt
Status:
Frischling
(7 Beiträge, 2x hilfreich)

Ausgedacht?
Nein, ganz bestimmt nicht. Ich habe meinen Unwillen geäußert, und zunächst Widerstand geleistet, dann aus Angst gehandelt (ich mag das hier nicht weiter erläutern) und gehofft, dass es vorbei geht. Mir war nicht klar, dass in so einem Fall schon von sexueller Nötigung/ Vergewaltigung gesprochen wird.

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
KleinerJurist
Status:
Lehrling
(1398 Beiträge, 260x hilfreich)

Nach der ersten Schilderung sehe ich hier durchaus strafrechtlich relevantes Verhalten.

Auch ist es in so einem Fall gut, die Polizei zu informieren, wie sie es getan haben.

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(32669 Beiträge, 17204x hilfreich)

@ merkblatt,

da Sie die Sache nun angeschoben haben und nicht mehr aufhalten können, empfehle ich Ihnen, den 'Weißen Ring' zu kontaktieren. Dort werden Sie beraten und unterstützt, um mit der Situation umgehen zu können.

Gruß vom mümmel

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
merkblatt
Status:
Frischling
(7 Beiträge, 2x hilfreich)

Hallo,

ich habe jetzt den weißen Ring kontaktiert und dort hat man mir auch weitergeholfen. Dort wurde mir gesagt, dass der Staatsanwalt aufgrund meiner Aussage Anklage erhebt (oder auch nicht) und mich deswegen zu einer weiteren Aussage vorladen wird. Weiter wurde mir gesagt, dass ich nicht vor dem Täter aussagen muss (was meine größte Angst war)und generell nicht zu einer weiteren Aussage gezwungen werden kann (wobei ich das nicht ganz verstehe: Wieso jemand vorladen, der nicht aussagen muss?).
Dann ist da noch die Sache mit der Nebenklage...Ist es so, dass der Staatsanwalt auf dem Strafrecht basierend Anklage erhebt und ich auf Grundlage des Zivilrechts mit einem Anwalt als Nebenklägerin auftreten kann )aber nicht muss), bspw. um Schadensersatz zu fordern?
Kann mir jemand einen Hinweis geben, ob ich das jetzt alles richtig verstanden habe?
Grüße,
merkblatt

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
Bewährungshelfer
Status:
Lehrling
(1938 Beiträge, 362x hilfreich)

Das hast Du KOMPLETT richtig verstanden. Ergänzend sei nur noch angemerkt, daß die Nebenklage auch berechtigt ist - wie die Staatswaltschaft - Beweiserhebungen zu beantragen und einen Strafantrag zu stellen.

-----------------
"Gruß
Jens Wilke
Bewährungshelfer"

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(32669 Beiträge, 17204x hilfreich)

Hi,

daß Sie nicht aussagen müssen, ist so nicht richtig - vor Gericht müssen Sie schon aussagen, wobei man den Täter derweilen ausschließen kann.
Beim Staatsanwalt muß man erscheinen, aber nicht aussagen - das ist im Gesetz halt so geregelt.
Was die Nebenklage anbelangt, dient diese nicht der Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche, sondern Sie bzw. Ihr Anwalt haben im Prozeß eine staatsanwaltähnliche Funktion (neben dem richtigen Staatsanwalt, darum der Name). Das ist nicht unbedingt nötig - da sollten Sie noch mal mit dem 'Weißen Ring' reden, ob der einfache Auftritt als Zeuge nicht genügt oder ob Sie halt als Nebenklägerin auftreten wollen.

Gruß vom mümmel

0x Hilfreiche Antwort

#14
 Von 
Posen
Status:
Lehrling
(1183 Beiträge, 211x hilfreich)

*Beim Staatsanwalt muß man erscheinen, aber nicht aussagen *

Als Zeuge muss man beim StA aussagen.In diesem Fall würde Sie als Geschädigte wohl auch aussagen müssen.

*wobei man den Täter derweilen ausschließen kann*

Doch nur wohl unterb esonderen Umständen,Oder?

0x Hilfreiche Antwort

#15
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(32669 Beiträge, 17204x hilfreich)

Hi,

nun ja, wenn zu befürchten ist, daß in Gegenwart des Täters keine korrekte Aussage kommt, weil die Zeugin sich fürchtet - so etwa. Das muß beim Gericht beantragt werden - dafür ist ein Nebenklageanwalt ganz praktisch, aber der Zeuge/die Zeugin kann das auch selbst beantragen.
Was den Staatsanwalt anbelangt, kann ich mich auch irren - muß ich nochmal nachlesen.

Gruß vom mümmel

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