Betrug - Fototasche

1. Oktober 2004 Thema abonnieren
 Von 
hering
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)
Betrug - Fototasche

Meine Freundin und ich haben bei Rossmann Foto-Negative vertauscht und somit nur eine von zwei Fototaschen bezahlt. Dies erfüllt den Tatbestand des Betrugs. Wert der nicht bezahlten Fototasche belief sich auf ca. 6,- Euro.
Welche Strafe?

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19 Antworten
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#1
 Von 
JuR
Status:
Unparteiischer
(9878 Beiträge, 1430x hilfreich)

Guten Tag,

Strafprognosen können generell nicht gemacht werden, da diese von zu vielen Faktoren abhängt, die hier nicht berücksichtigt werden können.

Möglich sind hier eine geringe Geldstrafe, aber auch eine Einstellung des Verfahrens. Bei Jugendrecht auch Sozialstunden.


Mit freundlichen Grüßen,

- J. Roenner -


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#2
 Von 
Klagdichreich
Status:
Bachelor
(3126 Beiträge, 482x hilfreich)

Wie meinst Du das mit dem Vertauschen? Habt Ihr die Fotos von zwei Hüllen alle zusammen in eine getan? Oder wie?
Wenns so wäre, dann würde das unter den Tatbestand des Diebstahls fallen.
Dann würdet ihr eventuell eine Gebühr an Rossman zahlen müssen (vielleicht so 50 Euro), Hausverbot bekommen und ein Strafverfahren würde auf jeden Fall gegen Euch eingeleitet werden. Es kommt dann eine Vorladung zur Polizei, der Ihr nicht nachkommen müßt. Das ganze geht dann an den Staatsanwalt und wird aller Voraussicht nach wegen Geringfügigkeit eingestellt.
Nochmal solltet Ihr sowas aber nicht probieren - dann wirds teuer.
Wieso Ihr einen an der Waffel haben sollt, erschließt sich mir jedoch auch nicht. Wahrscheinlich ist dem Shortie gerade sehr langweilig.

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"Wer sündigt, schläft nicht!"

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#3
 Von 
ikarus02
Status:
Master
(4412 Beiträge, 1086x hilfreich)

Das ist nicht Diebstahl, sondern sogar Betrug.

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"behandle jeden so, wie du selbst behandelt werden möchtest."

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#4
 Von 
Klagdichreich
Status:
Bachelor
(3126 Beiträge, 482x hilfreich)

Ob er die Fotos nun in die Jackentasche tut oder in die falsche Fotohülle bleibt sich letztlich gleich, deswegen bleibt es Diebstahl (vorsätzliches sichaneignen einer fremden Sache). Auf welcher rechtlichen Grundlage sollte es denn "Betrug" sein?

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"Wer sündigt, schläft nicht!"

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#5
 Von 
DanielB
Status:
Bachelor
(3291 Beiträge, 410x hilfreich)

Betrug ist es wenn durch eine Täuschung einen Vermögensvorteil herbeigeführt wird . Das könnte man hier durchaus als Betrug sehen, andererseits ist die Bezahlung durch Verstecken einzusparen normalerweise Diebstahl. Was am Ende daraus wird, entscheidet wohl der Staatsanwalt.

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#6
 Von 
Klagdichreich
Status:
Bachelor
(3126 Beiträge, 482x hilfreich)

Diebstahl stellt doch immer eine Täuschung dar oder sehe ich das falsch?
Ich denke, hier ist halt nur statt der Jackentasche die Fotohülle als Medium verwendet worden.

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#7
 Von 
DanielB
Status:
Bachelor
(3291 Beiträge, 410x hilfreich)

Es gibt doch einen Unterschied:
Die Ware in der Jackentasche ist dort, um eine Straftat (den Diebstahl) zu verbergen. Das Verbergen bewirkt zwar im Endeffekt einen Vermögensvorteil, aber das Ziel liegt hier wohl eher darin, die Straftat geheimzuhalten. Ich denke von einer Täuschung kann man hier auch nicht sprechen, denn der Dieb macht ja nicht absichtlich den Eindruck, leere Taschen zu haben, sondern hofft nur darauf, dass niemand merkt das er es nicht hat.

Die zusätzlichen Fotos in der Hülle dagegen könnte man meiner Ansicht nach als Betrug sehen, denn hier wird ja versucht, an der Kasse den Eindruck zu erwecken, man hätte weniger Fotos, als man wirklich hat mit dem Ziel einen Vermögensvorteil (die Einsparung) zu erzielen.

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#8
 Von 
Klagdichreich
Status:
Bachelor
(3126 Beiträge, 482x hilfreich)

Ich sehe da jetzt keinen großen Unterschied. Ob nun weniger Fotos (nämlich gar keine) oder weniger in der Fotohülle...

Vielleicht kann ja nochmal der Herr Rönner seine Meinung schreiben?

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"Wer sündigt, schläft nicht!"

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#9
 Von 
JuR
Status:
Unparteiischer
(9878 Beiträge, 1430x hilfreich)

Guten Tag "KlagDichReich",

ein Diebstahl liegt hier nicht vor. Denn für einen Diebstahl ist es nötig, dass die Sache dem Eigentümer auf Dauer entwendet wird. Dieses ist nicht der Fall.

Hier wird das Opfer vielmehr mit Hilfe einer Täuschung zu einer Vermögensverfügung gebracht. Dieses ist dann als Betrug zu qualifizieren.

Bei einem Betrug wird direkt bei dem Opfer ein Irrtum erregt, der zu einer Vermögensverfügung führt. Bei einem Diebstahl liegt zwar auch eine gewisse Täuschung vor, diese ist jedoch nicht identisch mit der Täuschung beim Betrug. Bei dem Diebstahl in dem Fall, den Sie angesprochen haben, ist eher das Prinzip der Gewahrsamsenklave einschlägig.


Mit freundlichen Grüßen,

- J. Roenner -


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#10
 Von 
ikarus02
Status:
Master
(4412 Beiträge, 1086x hilfreich)

Richtig, so wie ich es oben gemeint habe. Ein weiteres Beispiel: Stecke ich eine Flasche Schampus ohne zu bezahlen in meine Tasche, dann ist es Diebstahl. Löse ich aber das Scanner-Etikett einer billigen Fusel-Flasche und klebe es auf eine Flasche Dom Perignon, dann ist es Betrug und wird strenger geahndet.
Gruß an alle Ehrlichen.

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"behandle jeden so, wie du selbst behandelt werden möchtest."

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#11
 Von 
Klagdichreich
Status:
Bachelor
(3126 Beiträge, 482x hilfreich)

Vielen Dank Herr Rönner,
ich sehe allerdings gerade, daß ich Mist geschrieben habe. Ich wollte schreiben, daß es keinen Unterschied macht, "ob nun weniger Fotos (nämlich gar keine) in der Jackentasche oder in der Fotohülle vorgetäuscht werden."

Sie schrieben: "Denn für einen Diebstahl ist es nötig, dass die Sache dem Eigentümer auf Dauer entwendet wird. Dieses ist nicht der Fall."
Vielleicht habe ich ja den Sachverhalt falsch verstanden aber ich dachte, die (bereits entwickelten) Negative wurden allesamt in eine Fototasche gesteckt um dann nur diese eine Hülle zu bezahlen. Damit wurden sie dem Eigentümer aber doch dauerhaft entwendet. ??

Wenn ich jetzt die Negative - statt in die falsche Fotohülle - bspw in ein Buch stecken würde, um dieses dann zu kaufen, wäre es dann auch Betrug und kein Diebstahl?

Für mich ist hier immernoch lediglich das Medium, welches sich zum Verstecken eignet, ein anderes, als halt die Jackentasche. Tschuldigung, wenn ich so stur bin.


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"Wer sündigt, schläft nicht!"

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#12
 Von 
JuR
Status:
Unparteiischer
(9878 Beiträge, 1430x hilfreich)

Hallo "KlagDichReich",

ich glaube, es kam hier zu einigen Mißverständnissen, wie der Sachverhalt auszulegen ist. Egal, welche Variante nun einschlägig ist, behandeln wir doch beide.

Im Maßgeblichen geht es hier um die Abgrenzung zwischen einem Trickdiebstahl und einem Sachbetrug.

Nehmen wir also beide Varianten:

(1) Der Täter nimmt die Negative von 2 Filmen, und packt diese zusammen in eine Fototasche.

Hier wird eine Täuschung hervorgerufen, die dann dazu führt, dass nur für einen Film bezahlt wird, also eine Vermögensverfügung gemacht wird, im Sinne eines auf die wirtschaftlichen Güter einwirkendes Verhaltens. In diesem Fall handelt es sich um einen Betrug.

(2) Der Täter nimmt die Fotos, die bereits entwickelt wurden, aus der zweiten Fototasche und packt diese in eine.

Hier ist die Abgrenzung schwierig.

Hier handelt es sich um einen Diebstahl. Denn für einen Diebstahl ist es vonnöten, dass ein Gewahrsamsbruch durch den Täter vorgenommen wird.

Zu beachten ist in dieser Konstellation, dass die Fototasche keine Gewahrsamsenklave darstellt, wie die eigene zB Jackentasche. Grund dafür ist, dass der Ladeninhaber immer noch Zugriff auf die Fototasche hat.

Der Gewahrsamsbruch ist somit abzulehnen während des Aufenthaltes im Geschäft.

Der Diebstahl ist ein Fremdschädigungsdelikt. Der Betrug hingegen ein Selbstschädigungsdelikt.

Nach Passieren der Kasse haben wir einen Gewahrsamsbruch. Das durch Täuschung bewirkte Verhalten der arglosen Kassiererin hat dem Täter nur die Möglichkeit verschafft, die Sache im Wege des Gewahrsamsbruchs an sich zu bringen. Denn hier ist die Kassiererin nicht mit einer Gewahrsamsübertragung einverstanden. Desweiteren ist ihr diese Übertragung nicht bewusst. Somit liegt hier eine Fremdschädigung vor.

Es handelt sich hier um einen Trickdiebstahl.


Gern geschehen. Ich freue mich über juristische Diskussionen. Die anderen bestimmt auch.


Mit freundlichen Grüßen,

- J. Roenner -




-- Editiert von BOBO am 05.10.2004 21:15:43

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#13
 Von 
Klagdichreich
Status:
Bachelor
(3126 Beiträge, 482x hilfreich)

Vielen Dank für diese ausführliche Antwort. Offensichtlich waren Sie der Ansicht (wie vielleicht auch andere hier), daß die Negative vor dem Entwickeln zusammen in eine Fototasche gesteckt wurden. Dann würde ich zwar verstehen, wieso Betrug und nicht Diebstahl vorliegt, jedoch macht diese Handlung mE gar keinen Sinn, da die Fotos letztlich eh nach Stückzahl und nicht nach Anzahl der Fototaschen bezahlt werden.
Ich war davon ausgegangen, daß mit "Negative" die bereits entwickelten Streifen nicht in Form von Fotos sondern als Diafilm o.ä. (ok - ist genaugenommen auch kein Negativ) gemeint waren.
Also - es wäre nett, wenn der Ur-Poster sich nochmal dazu äußern könnte.

Eine Frage hätte ich aber doch noch: Was ist mit Selbstschädigungsdelikt bei Betrug gemeint? Ich will mir doch nicht selbst schaden???

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"Wer sündigt, schläft nicht!"

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#14
 Von 
JuR
Status:
Unparteiischer
(9878 Beiträge, 1430x hilfreich)

Hallo "KlagDichReich",

mit Selbstschädigungsdelikt meint man, dass beim Betrug der Verfügende und Geschädigte im Regelfall identisch sind, was aber nicht zwingend sein muss. Es kann auch zu Lasten Dritter gehen, wen diesem die Verfügung zurechenbar ist.

Der Getäuschte bewirkt somit selbst den schädigenden Erfolg als "Werkzeug" des Täters (eben aufgrund der Täuschung).



Mit freundlichen Grüßen,

- J. Roenner -


0x Hilfreiche Antwort

#15
 Von 
Klagdichreich
Status:
Bachelor
(3126 Beiträge, 482x hilfreich)

Er schlägt sich also mit seinen eigenen Waffen?

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"Wer sündigt, schläft nicht!"

0x Hilfreiche Antwort

#16
 Von 
JuR
Status:
Unparteiischer
(9878 Beiträge, 1430x hilfreich)

Wie meinen Sie das?
Bitte erläutern Sie.


Mit freundlichen Grüßen,

- J. Roenner -




-- Editiert von BOBO am 06.10.2004 15:31:39

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#17
 Von 
Klagdichreich
Status:
Bachelor
(3126 Beiträge, 482x hilfreich)

Ich meinte, er wird mit seinen eigenen Waffen geschlagen.
Also die Waffe des Geschädigten ist in dem Fall die Fotohülle auf der der Preis steht. Oder so. Langsam verlier ich hier doch den Überblick. Aber ich glaube nun schon, in etwa das Prinzip der Selbstschädigung verstanden zu haben. Dankeschön.

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"Wer sündigt, schläft nicht!"

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#18
 Von 
JuR
Status:
Unparteiischer
(9878 Beiträge, 1430x hilfreich)

Hallo "KlagDichReich",

Selbstschädigung meint, dass wenn man Sie täuscht, dass Sie sich mit einer Handlung selbst schädigen.

So zB. dass wenn Ihnen der Täter vortäuscht, dass er von der Polizei ist und Geld für irgendeinen Grund von Ihnen haben will und Sie es ihm geben. Dann haben Sie sich aufgrund der Täuschung selbst geschädigt, weil Sie das Geld ja selbst weggegeben haben (=Vermögensverfügung).

Ja, leider ist die Juristerei manchmal etwas kompliziert. Glauben Sie mir, darunter leider auch wir Juristen :) Aber naja. Ich hoffe, ich konnte Ihnen das Prinzip näherbringen.


Mit freundlichen Grüßen,

- J. Roenner -


0x Hilfreiche Antwort

#19
 Von 
Klagdichreich
Status:
Bachelor
(3126 Beiträge, 482x hilfreich)

Ja - nun hab ichs endlich kapiert. Vielen Dank und schönes WE.

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"Wer sündigt, schläft nicht!"

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