Diebstahl bei HIlflosen - § 243 ?

20. September 2010 Thema abonnieren
 Von 
Bewährungshelfer
Status:
Lehrling
(1938 Beiträge, 362x hilfreich)
Diebstahl bei HIlflosen - § 243 ?

Hier mal eine kleine Frage aus der Praxis (heute in der Gerichtsverhandlung):

Jemand klaut einem, der auf einer Bank liegt und seinen Rausch ausschläft, die Geldbörse aus der Hosentasche. Wie sich herausstellt, ist die Geldbörse aber leer. Ist das ein Fall für § 243 StGB ? Die gebrauchte Geldbörse war mit Sicherheit keine 50,- Wert, also geringwertig. Der Staatsanwalt war leider nur Referendar, mit dem konnte ich das nciht abschließend ausdiskutieren ;)

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"Gruß
Jens W.
Bewährungshelfer"

-- Editiert am 20.09.2010 18:49

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9 Antworten
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#1
 Von 
DoctorWho
Status:
Praktikant
(929 Beiträge, 278x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>der auf einer Bank liegt und seinen Rausch ausschläft <hr size=1 noshade>


Würde ich unter "hilflos" subsumieren. Wie sieht es denn die Kommentarliteratur?

"Geringwertig" würde jedenfalls keine Rolle spielen, da §248a StGB ausdrücklich nur auf §§242 , 246 StGB verweist, also für Fälle des §243 StGB nicht einschlägig sein kann.

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#2
 Von 
Anonymer_ist_besser
Status:
Praktikant
(956 Beiträge, 210x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>Wie sich herausstellt, ist die Geldbörse aber leer. Ist das ein Fall für § 243 StGB ? Die gebrauchte Geldbörse war mit Sicherheit keine 50,- Wert, also geringwertig <hr size=1 noshade>


Das die Geldbörse leer war und die selber keine 50 € wert sei, spielt überhaupt keine Rolle, da der Versuch bereits strafbar ist und nicht nur der Erfolg des Diebstahls.

quote:<hr size=1 noshade>Geringwertig" würde jedenfalls keine Rolle spielen, da §248a StGB ausdrücklich nur auf §§242 , 246 StGB verweist, also für Fälle des §243 StGB nicht einschlägig sein kann. <hr size=1 noshade>


Nicht ganz richtig!

Der § 243 StGB bezieht sich auf schweren Diebstahl der aber wiederum hier durch Abs. 2 aufgrund der "Geringwertigkeit" als nicht "schwer" einzustufen ist.

Ändert aber nichts an meiner ersten Antwort da, wie erwähnt, bereits der Versuch strafbar ist und es damit nicht auf den Erfolg oder die Höhe ankommt!


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"Wüßte ich alles, wäre ich Gott-so muss ich nachschlagen!"

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#3
 Von 
Bewährungshelfer
Status:
Lehrling
(1938 Beiträge, 362x hilfreich)

Aber der versuchte Diebstahl von WAS denn bitte? Einer ollen Geldbörse? Oder einer, wo noch 10,-€ drin zu finden sind? Was für Anhaltspunkte gibt es denn ohne geständige Einlassung, die darauf schließen lassen, daß eine Geringwertigkeit auszuschließen ist?

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"Gruß
Jens W.
Bewährungshelfer"

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#4
 Von 
DoctorWho
Status:
Praktikant
(929 Beiträge, 278x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>Der § 243 StGB bezieht sich auf schweren Diebstahl der aber wiederum hier durch Abs. 2 aufgrund der "Geringwertigkeit" als nicht "schwer" einzustufen ist. <hr size=1 noshade>


Ah, wie peinlich, den Abs. 2 habe ich doch glatt übersehen. :-(

quote:<hr size=1 noshade>Das die Geldbörse leer war und die selber keine 50 € wert sei, spielt überhaupt keine Rolle, da der Versuch bereits strafbar ist und nicht nur der Erfolg des Diebstahls. <hr size=1 noshade>


Das verstehe ich nicht. Der versuchte Diebstahl einer geringwertigen Sache soll somit höher bestrafbar sein als der erfolgreiche Diebstahl einer geringwertigen Sache? Und wieso? Weil der Dieb beim Versuch noch nicht weiß, daß die Sache geringwertig ist?

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#5
 Von 
micha60
Status:
Praktikant
(597 Beiträge, 147x hilfreich)

Puuuhhh...

Der Diebstahl am Portemonnaie ist vollendet. Pech für den Täter, dass es leer war...

§ 243 II StGB schließt einen schweren Fall nur dann aus, wenn sich die Tat auf eine geringwertige Sache bezieht, also wenn es von vornherein darum ging, nichts anderes als geringwertige Sachen wegzunehmen. Wer eine Geldbörse stiehlt in der Hoffnung, dabei reich zu werden, hat ja gerade nicht die Absicht, alles an Bargeld, was über 50,00 € hinausgeht, am Tatort zurückzulassen, und kommt deshalb auch nicht in den Genuss dieser Vorschrift. Das sollte einem eigentlich auch ein Referendar erklären können...

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#6
 Von 
Onlyly
Status:
Schüler
(169 Beiträge, 42x hilfreich)

Vllt wollte er ja nur das schöne Portemonnaie ohne Inhalt klauen?
:D

Aber mal Spaß beiseite

quote:<hr size=1 noshade>§ 243 II StGB schließt einen schweren Fall nur dann aus, wenn sich die Tat auf eine geringwertige Sache bezieht, also wenn es von vornherein darum ging, nichts anderes als geringwertige Sachen wegzunehmen. Wer eine Geldbörse stiehlt in der Hoffnung, dabei reich zu werden, hat ja gerade nicht die Absicht, alles an Bargeld, was über 50,00 € hinausgeht, am Tatort zurückzulassen, und kommt deshalb auch nicht in den Genuss dieser Vorschrift. Das sollte einem eigentlich auch ein Referendar erklären können... <hr size=1 noshade>


!!

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0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Bewährungshelfer
Status:
Lehrling
(1938 Beiträge, 362x hilfreich)

Vielen Dank. Das hat meinen Wissensdurst erst mal befriedigt ;)

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"Gruß
Jens W.
Bewährungshelfer"

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#8
 Von 
Anonymer_ist_besser
Status:
Praktikant
(956 Beiträge, 210x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>Aber der versuchte Diebstahl von WAS denn bitte? Einer ollen Geldbörse? Oder einer, wo noch 10,-€ drin zu finden sind? <hr size=1 noshade>


Na von der Geldbörse. Und nochmal; bei dem Straftatbestand des Diebstahls kommt es NICHT auf den Taterfolg und auch NICHT auf die Höhe des gestohlenen Gutes an !

Selbst wenn es nur 5 ct wären oder eben eine leere Geldbörse ist der TB durch den Versuch erfüllt. Ansonsten könnte man ja alles versuchen zu klauen und nachher sagen "hat ja nicht geklappt" oder "war ja doch nix wert".

quote:<hr size=1 noshade>Was für Anhaltspunkte gibt es denn ohne geständige Einlassung, die darauf schließen lassen, daß eine Geringwertigkeit auszuschließen ist? <hr size=1 noshade>


Wenn diese ausbleibt, eben nur de Aussage des Opfers. Die Glaubwürdigkeit prüft dann der Richter.

quote:<hr size=1 noshade>Das verstehe ich nicht. Der versuchte Diebstahl einer geringwertigen Sache soll somit höher bestrafbar sein als der erfolgreiche Diebstahl einer geringwertigen Sache? Und wieso? Weil der Dieb beim Versuch noch nicht weiß, daß die Sache geringwertig ist? <hr size=1 noshade>


Du bringst da m.E. etwas durcheinander. Das was du geschrieben hast, ist ein und das selbe!

erfolgreiche Diebstahl einer geringwertigen Sache = Diebstahl = Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe

versuchte Diebstahl einer geringwertigen Sache = (versuchter) Diebstahl = Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe

Angenommen, in der Geldbörse wären 1.000 € gewesen, dann wäre es ein "besonders schwerer Diebstahl" der dann mit einer Mindeststrafe von 3 Mon bis 10 Jahren bestraft würde.

Zitat:
Der Diebstahl am Portemonnaie ist vollendet. Pech für den Täter, dass es leer war...


Pech wäre es auch beim Versuch gewesen.

Zitat:
§ 243 II StGB schließt einen schweren Fall nur dann aus, wenn sich die Tat auf eine geringwertige Sache bezieht, also wenn es von vornherein darum ging, nichts anderes als geringwertige Sachen wegzunehmen.


Nein. Von vorneherein ist da nicht die Rede. Der Täter kann ja eben nicht wissen ob das Opfer nun 2€ oder 1000€ dabei hat.

Zitat:
Wer eine Geldbörse stiehlt in der Hoffnung, dabei reich zu werden, hat ja gerade nicht die Absicht, alles an Bargeld, was über 50,00 € hinausgeht, am Tatort zurückzulassen, und kommt deshalb auch nicht in den Genuss dieser Vorschrift. Das sollte einem eigentlich auch ein Referendar erklären können...


Nochmal nein.
Auch wenn der Täter z.B. sieht, dass das Opfer in eine Bank geht, dieses sich dann auf die Bank legt, er ihm dann die Geldbörse klaut in der Hoffnung diese sei randvoll obwohl dann doch nur 10€ Inhalt, ist der "besonders schwere Diebstahl" zu verneinen.

Es kommt nicht auf die Absicht an viel oder wenig zu klauen, vielmehr hat der Täter entweder Glück oder Pech ..... wie beim "Nichterwischt werden" so auch beim "erwischt werden".






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"Wüßte ich alles, wäre ich Gott-so muss ich nachschlagen!"

-- Editiert am 21.09.2010 19:47

0x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
Tiger123
Status:
Praktikant
(998 Beiträge, 573x hilfreich)

quote:
quote:
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der auf einer Bank liegt und seinen Rausch ausschläft
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Würde ich unter "hilflos" subsumieren. Wie sieht es denn die Kommentarliteratur?


Kurz gesagt:
Trunkenheit: ja
(natürlicher) Schlaf: nein

Würde ich so verstehen, bei einem obdachlosen der jeden Tag auf dieser Bank schläft und diesmal vorher noch 2 Bier getrunken hat -> eher nein
Bei jemanden der soviel getrunken hat das er nicht mehr Heim gekommen ist und auf der Bank zusammengebrochen ist, eindeutig ja.

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