Erste Hilfe in Rechtsfragen seit 2000.
13.493 Ratgeber, 2.347.261 Forenbeiträge, 254.709 Rechtsberatungen
617.006
Registrierte
Nutzer

Fälschung staatsanwaltschaftlicher Schreiben, bald Termin beim Amtsgericht - Totale Panik

9. September 2022 Thema abonnieren
 Von 
NoJoDoBo
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Fälschung staatsanwaltschaftlicher Schreiben, bald Termin beim Amtsgericht - Totale Panik

Guten Abend liebe Community,

ich studiere Lehramt und bin im 5. Semester.

Anfang des Jahres habe ich eine totale Dummheit begangen:
Ich habe durch Zufall gelesen, dass es bei Facebook Sexualstraftätern verboten ist, einen Account zu unterhalten.
Aus irgendeiner total bescheuerten Laune heraus ist mir in den Sinn gekommen, einen alten Mitschüler, den ich nicht leiden konnte, zu ärgern.
Ich habe bei Google nach einem fotografierten Schriftstück von Justizbehörden gesucht, habe dann eins von einer bayerischen Staatsanwaltschaft gefunden.
Ich habe dann das Design dieses Briefs nachgebildet.
Ich habe da rein geschrieben, dass Herr XY im Jahr 2018 wegen Sexuellen Missbrauchs von Kindern unter dem Aktenzeichen (irgendwas) zu 3 Jahren Haft verurteilt wurde.
Dieses gefälschte Schriftstück habe ich unter Verwendung einer manipulierten E-Mail-Adresse an die Adresse geschickt, die bei Facebook für rechtliche Angelegenheiten zuständig ist.

Die Zuständigen haben wohl gemerkt, dass da was nicht richtig ist und im Mail gab es dann eine Durchsuchung bei mir.

Im Juli folgte die Anklage, man wirft mir Fälschung beweiserheblicher Daten und versuchte Datenveränderung vor.

Habe mir einen Anwalt genommen, der sich mit der Staatsanwaltschaft in Verbindung gesetzt hat, um im Hinblick auf meinen angestrebten Beruf eine Einstellung nach §153 / 153a StPO zu erwirken.
Die Staatsanwaltschaft hat sich komplett quergestellt und das kategorisch abgelehnt.

Anwalt meinte dann, wir sollten hoffen, dass da zumindest ein Strafbefehl draus wird und der unter 90 Tagessätzen bleibt.

Nun wurde es doch eine richtige Anklage.

Mein Anwalt sieht das sehr pessimistisch und meint, die Justiz wäre immer sehr hart, wenn man irgendwelche Straftaten begeht, die sie selbst betreffen.
Er meinte, ich könnte durchaus eine Freiheitsstrafe bekommen, aber wohl zur Bewährung.

Für mein Berufsziel wäre das wohl richtig großer Mist.

Verhandlung ist am 20. September beim Strafrichter.

Was meint ihr? Gibt es noch irgendwie eine Aussicht auf einen Verfahrensausgang, der keine beruflichen Nachteile für mich hätte? Kann ich irgendwas tun, um die Chancen darauf zu verbessern?
Neuer Anwalt vielleicht?

Hätte gerne ein paar Anregungen von erfahrenen Leuten hier, danke :)

Post von Polizei oder Staatsanwalt?

Kostenfreie Beratung im Strafrecht

Jetzt eine vertrauliche kostenlose Ersteinschätzung von einem erfahrenen Anwalt erhalten!

Wir antworten schnell und helfen Ihnen bei den ersten Schritten.
Kostenlose Einschätzung starten per WhatsApp anfragen



32 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Flo Ryan
Status:
Schlichter
(7485 Beiträge, 5031x hilfreich)

Ich sehe keine Chance. Das was du dir da geleistet hast, ist kein Spass und das hat auch nichts damit zu tun, dass es die Justiz betrifft.

Du hast über jemanden verbreitet, er wäre wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt, findest du das lustig? Ich nicht und das Opfer ziemlich sicher auch nicht. Wenn du deswegen Probleme mit deinem Wunschberuf bekommst, dann ist es richtig so, wenn er dir dadurch verwehrt bleibt. Deswegen gibt es ja diese Regeln. Damit jemand, der straffällig wird, diesen Beruf nicht ausüben darf.

Signatur:

Wo lagert die Post eigentlich die ganzen Briefe, die angeblich nie zugestellt worden sind?

2x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(103956 Beiträge, 37581x hilfreich)

Man hat gleich 3 große Fehler begangen ...

1. man hat gedacht das Internet sei irgendwie rechtsfrei und so schön anonym ...
Nun hat die Politik dummerweise beschlossen, das die Justiz nach all den Jahren der Ignoranz nun mit aller verfügbaren Macht das Gegenteil demonstrieren muss.
Also wird an denjenigen die erwischt werden, gerne ein Exempel statuiert. Es gibt ja nicht nur den unteren Strafrahmen, sondern - gerne vergessen - auch den oberen.

2. man hat einen Teil der Justiz für seinen "Scherz" missbraucht - da reagieren die ganz intolerant drauf.

3. Solche "Witzbolde" sind nicht gerade das was die Justiz als geeignet ansieht, um als als Vorbild für Heranwachsende im größeren Umfang zu dienen.



Zitat (von NoJoDoBo):
Kann ich irgendwas tun, um die Chancen darauf zu verbessern?

Welche Elemente der tätigen Reue hat man denn schon glaubwürdig abgearbeitet?



Zitat (von NoJoDoBo):
Neuer Anwalt vielleicht?

Ja, vielleicht.
Am besten einen der schon Erfahrung in der Szene der "Witzbolde" hat.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
CarstenF
Status:
Schüler
(260 Beiträge, 44x hilfreich)

Als "Dummheit" lässt sich das sicher nicht mehr bezeichnen.

Zitat (von NoJoDoBo):
Habe mir einen Anwalt genommen, der sich mit der Staatsanwaltschaft in Verbindung gesetzt hat, um im Hinblick auf meinen angestrebten Beruf eine Einstellung nach §153 / 153a StPO zu erwirken.


Das nenne ich mal Optimismus.


Zitat (von NoJoDoBo):

Er meinte, ich könnte durchaus eine Freiheitsstrafe bekommen, aber wohl zur Bewährung.


Da hat Sie ihr Anwalt schon mal vorgewarnt, das halte ich auch für realistisch. Eine Strafe unter 90 TS, also ohne Auswirkungen auf Ihren zukünftigen Beruf, kann es hier eigentlich nicht geben.

Zitat (von NoJoDoBo):
Mein Anwalt sieht das sehr pessimistisch und meint, die Justiz wäre immer sehr hart, wenn man irgendwelche Straftaten begeht, die sie selbst betreffen.


In diesem Fall ist das auch richtig. Sie wollten jemanden den Sie nicht mögen, sexuellen Missbrauch mit Minderjährigen "andichten" und eine daraus resultierende 3-jährige Haft.

Dabei das Ganze noch hinterrücks, so dass der Account des Betroffenen gesperrt werden sollte und er noch nicht mal gewusst hätte weshalb, er hätte sich nicht mal gegen die Vorwürfe wehren könne, sehr perfide.

Absolut nachvollziehbar, dass die Staatsanwaltschaft Ihnen einen ordentlichen Warnschuss verpassen möchte, aufgrund der Tat und des Tathergangs wird es wohl auch schwierig sein, den Richter auf seine Seite zu bringen.

Wer bei so einem "Hammer" erwischt wird, hat meist auch oft schon ähnliche Dinge gemacht bzw. sich dort "hingearbeitet", wurde eben nur nicht dabei erwischt. Hoffentlich ist das bei Ihnen nicht so. Ihr Verhalten hier bzw. die Straftat ist wirklich ganz weit abseits der Norm.

Und wenn das Ganze geklappt hätte, hätten Sie Ihn noch bei weiteren Stellen angeschwärzt? Die Fragen wird sich sicher auch die Staatsanwaltschaft stellen.

Um die Strafe werden Sie nicht herumkommen, nehmen Sie das Ganze zum Nachdenken, was Sie da eigentlich gemacht haben. Wie soll denn das Ganze auch zur besonderen charakterlichen Eignung passen, welche als Lehrer Vorrausetzung ist?

Zitat (von NoJoDoBo):
Was meint ihr? Gibt es noch irgendwie eine Aussicht auf einen Verfahrensausgang, der keine beruflichen Nachteile für mich hätte? Kann ich irgendwas tun, um die Chancen darauf zu verbessern?
Neuer Anwalt vielleicht?


Das liegt meiner Ansicht nicht am Anwalt, die Straftat ist einfach zu schwerwiegend, unter 90 TS passen hier einfach nicht. Ein Anwalt kann die Tat ja auch nicht ungeschehen machen.

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(35345 Beiträge, 13319x hilfreich)

Es stimmt mich immer nachdenklich, wenn kriminelles sehr planvolles Vorgehen als "Dummheit" bezeichnet wird. Hier hat jemand nicht spontan gehandelt, sonders sehr zielgerichtet in einer Reihe von Einzelschritten, die stufenweise umgesetzt wurden.

Bei dieser Situation davon auszugehen, dass ein Anwalt quasi als Zauberfee alles richten könne, wie kommt man denn darauf. Der Anwalt hat es versucht. Ich hätte als Staatsanwalt auch freundlich aber bestimmt den Kopf geschüttelt.

Jetzt muss man sich eben der Verhandlung stellen. Das ist nun mal so, wenn man straffällig wird. Ob man da mit dem Mitleidsfaktor noch was reißen kann, keine Ahnung. Nur eines ist klar: mit der Haltung, die man hier auch im Forum zeigt, wird das nicht funktionieren. Da sollte man seine Einlassung mit dem Anwalt vorab genau absprechen. Ach ja, ich vergaß, wir haben hier ja auch noch ein Opfer. Hat man sich da vielleicht mal entschuldigt? Und zwar richtig und nicht nur mit einem kleinen Beitrag über sie sozialen Netze, und zwar vor Anklageerhebung?

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
RrKOrtmann
Status:
Lehrling
(1184 Beiträge, 623x hilfreich)

Zitat (von NoJoDoBo):
Ich habe das Design eines Briefs einer bayerischen Staatsanwaltschaft nachgebildet.
Dieses gefälschte Schriftstück habe ich unter Verwendung einer manipulierten E-Mail-Adresse an Facebook geschickt.

man wirft mir Fälschung beweiserheblicher Daten und versuchte Datenveränderung vor.


Du wolltest über den wahren Aussteller (Dich) täuschen und den unzutreffenden Eindruck erwecken, die Briefvorlage für die von Dir davon angefertigte Kopie, welche Du per eMail an Facebook geschickt hast, stamme von der betreffenden Staatsanwaltschaft. Daneben hast Du über die Identität des eMail-Accout-Inhabers ( Dich ) getäuscht, über den Du Dich an Facebook gewendet hast.

Zitat (von NoJoDoBo):
Ich habe da rein geschrieben, dass Herr XY im Jahr 2018 wegen Sexuellen Missbrauchs von Kindern unter dem Aktenzeichen (irgendwas) zu 3 Jahren Haft verurteilt wurde.


Das ist als Verleumdung strafbar - wird allerdings nur auf Antrag des Verleumdeten verfolgt.

RK

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(35345 Beiträge, 13319x hilfreich)

Und was ist mit der Urkundenfälschung?

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Loni12
Status:
Student
(2279 Beiträge, 375x hilfreich)

Zitat (von NoJoDoBo):
Aus irgendeiner total bescheuerten Laune heraus ist mir in den Sinn gekommen, einen alten Mitschüler, den ich nicht leiden konnte, zu ärgern.

Und sie wollen Lehrer werden?
Zitat (von NoJoDoBo):
Ich habe bei Google nach einem fotografierten Schriftstück von Justizbehörden gesucht, habe dann eins von einer bayerischen Staatsanwaltschaft gefunden.

Wer kriminelle Machenschaften als Dummheit bezeichnet, hat offenbar nicht begriffen, welchen Schaden sie einer unschuldigen Person zugefügt hätten.
Man kann nur hoffen, dass ihnen der Lehrberuf verwehrt bleibt, bei soviel krimineller Energie, kann man ihnen keine Kinder anvertrauen.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(30879 Beiträge, 16551x hilfreich)

Zum Registerrecht: Unterstellen wir mal eine zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe von max. einem Jahr - die stünde zwar nur 3 Jahre im Führungszeugnis, aber 10 Jahre im Bundeszentralregister. Eine Verbeamtung können Sie für diese Zeit vergessen...

Signatur:

Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).

1x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
drkabo
Status:
Philosoph
(13828 Beiträge, 8491x hilfreich)

Ja - selbst wenn eine Geldstrafe unter 90 TS bleiben sollte, wäre zwar das Führungszeugnis weiterhin leer - aber eine Lebenszeitverbeamtung wäre für die nächsten Jahre ausgeschlossen. Denn dafür muss nicht nur das Führungszeugnis, sondern auch das BZR leer sein.
Und das BZR wäre nur bei einer Einstellung nach §153/153a leer geblieben.

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
Zuckerberg
Status:
Lehrling
(1386 Beiträge, 991x hilfreich)

Zitat:
Und was ist mit der Urkundenfälschung?
Es liegt keine vor.

Warum die Staatsanwaltschaft nicht als Verleumdung angeklagt hat, überrascht etwas. Vermutlich fehlt der Strafantrag. Vielleicht weiß der ehemalige Mitschüler auch gar nichts von seinem Glück?

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
Anami
Status:
Unbeschreiblich
(25162 Beiträge, 4789x hilfreich)

Zitat (von NoJoDoBo):
bald Termin beim Amtsgericht - Totale Panik
So richtig nach totaler Panik klingt das alles nicht und keinerlei Rückmeldung....
Nach 5 Semestern auf Lehramt kann man durchaus nochmal wechseln. Andere tun das aus weit geringeren Gründen.

btw. ...gabs nicht kürzlich was im TV, wo ein früherer Mitschüler nun Prüfer für Verbeamtung von Lehrern war ...und der Lehrer sein Abi gefälscht hatte ?
jaja... nur ein Film... und nichts mit Strafrecht...und natürlich happy end.

Signatur:

ist nur meine Meinung.

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
cirius32832
Status:
Master
(4622 Beiträge, 1132x hilfreich)

Zitat (von NoJoDoBo):
Habe mir einen Anwalt genommen, der sich mit der Staatsanwaltschaft in Verbindung gesetzt hat, um im Hinblick auf meinen angestrebten Beruf eine Einstellung nach §153 / 153a StPO zu erwirken.
Die Staatsanwaltschaft hat sich komplett quergestellt und das kategorisch abgelehnt.


Ich lese daraus keine Reue Deinerseits und nehme das Argument mal um den Spieß umzudrehen:

Würden Sie als Lehrer auch milde walten lassen, wenn Ihnen (auch wenn es eine Fälschung ist) vorgerworfen würde dass Sie sich an Schülern vergangen haben?

Zitat:
Was meint ihr? Gibt es noch irgendwie eine Aussicht auf einen Verfahrensausgang, der keine beruflichen Nachteile für mich hätte? Kann ich irgendwas tun, um die Chancen darauf zu verbessern?
Neuer Anwalt vielleicht?


Für mich haben Sie mit dieser tat die Eignung zum Lehrer verloren. Ich weiss, das meine Worte hart klingen. Ich wünsche Ihnen aber dennoch alles Gute. Nehmen Sie die Entscheidung - egal wie sie aussieht - als Lehre für Ihr weiteres Leben an

Signatur:

https://www.antispam-ev.de

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
palino
Status:
Praktikant
(722 Beiträge, 121x hilfreich)

Mein Tipp: Schauen Sie welches andere Studium für Sie in Frage kommt, dass ist so ziemlich das einzig kluge was sie jetzt noch machen können. Da werden sich wohl die Justiz und die User hier ausnahmsweise mal alle einig sein, zum Lehrer wird es nicht mehr reichen.

0x Hilfreiche Antwort

#14
 Von 
drkabo
Status:
Philosoph
(13828 Beiträge, 8491x hilfreich)

Ganz so schwarz würde ich es nicht sehen.
Im Moment ist NoJoDoBo im 5. Semester. D.h. bis Studienende ist noch etwas Zeit.

Wenn die Strafe nicht über 90 TS geht, bleibt das Führungszeugnis sauber - dann kann man normal zu Ende studieren - man muss dann nur irgendwo als Lehrer arbeiten, wo man nicht verbeamtet wird und als angestellter Lehrer arbeiten.
Wenn die Strafe über 90 TS geht, kann man ebenfalls zu Ende studieren - nur mit dem Referendariat muss man halt so lange warten, bis der Führungszeugnis-Eintrag gelöscht ist. D.h. langsamer studieren oder zwischen Ende des Studiums und Referendariat zur Überbrückung der Wartezeit bis zur Löschung etwas gescheites arbeiten. Berufspraxis aus der freien Wirtschaft war ja noch nie schädlich für Lehrer. Und nach dem Referendariat dann wieder eine Stelle für angestellte Lehrer suchen.

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

0x Hilfreiche Antwort

#15
 Von 
palino
Status:
Praktikant
(722 Beiträge, 121x hilfreich)

Stimmt, da könnte dem TE auch der Lehrermangel zu Gute kommen. In Zeiten wo man an der Bushaltestelle aufpassen muss, dass man nicht shanghaied wird, was übergezogen bekommt und in einem Klassenzimmer wieder aufwacht und jetzt Mathe machen soll, könnten Schulen durchaus darüber hinweg sehen.

Da bleibt dann nur zu hoffen, dass der TE erkennt dass diese "Dummheit" eben keine kleine Dummheit war und was daraus lernt.

0x Hilfreiche Antwort

#16
 Von 
bostonxl
Status:
Student
(2632 Beiträge, 387x hilfreich)

Zitat (von Zuckerberg):
Es liegt keine vor.
Wieso liegt keine Urkundenfälschung vor?

Zitat (von NoJoDoBo):
Ich habe bei Google nach einem fotografierten Schriftstück von Justizbehörden gesucht, habe dann eins von einer bayerischen Staatsanwaltschaft gefunden.
Ich habe dann das Design dieses Briefs nachgebildet.
Ich habe da rein geschrieben, dass Herr XY im Jahr 2018 wegen Sexuellen Missbrauchs von Kindern unter dem Aktenzeichen (irgendwas) zu 3 Jahren Haft verurteilt wurde.
Für mich eindeutig eine gefälschte Urkunde.

0x Hilfreiche Antwort

#17
 Von 
drkabo
Status:
Philosoph
(13828 Beiträge, 8491x hilfreich)

Lt. Ausgangsbeitrag wurde ein Foto einer Urkunde manipuliert und elektronisch verschickt.

Da ist zum einen fraglich ob ein Mail-Anhang überhaupt eine Urkunde ist, zum anderen ist das Bild einer Urkunde keine Urkunde. Deshalb "nur" Fälschung beweiserheblicher Daten.
(Der Tatbestand der Fälschung beweiserheblicher Daten wurde ja genau deshalb geschaffen, um Taten abzudecken, bei denen etwas manipuliert wurde, was keine Urkunde ist, aber ähnlich wichtig ist.)

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

1x Hilfreiche Antwort

#18
 Von 
reckoner
Status:
Philosoph
(12371 Beiträge, 4114x hilfreich)

Hallo,

nur ein paar Gedanken von mir, das meiste wurde ja auch schon gesagt (und ich schließe mich eigentlich allem an).

Zitat:
um im Hinblick auf meinen angestrebten Beruf eine Einstellung nach §153 / 153a StPO zu erwirken.
Der angestrebte Beruf ist für mich sogar ein Grund, die Sache in diesem Fall nicht einzustellen.
Da dachte ich spontan, dass ja sonst auch ein Drogendealer damit kommen könnte, dass er ja unbedingt Lehrer werden möchte und daher die Strafe doch bitte gering ausfallen soll. :neck:

Was ich aber strafmindernd sehe ist, dass das gefälschte Dokument nur belanglos eingesetzt wurde (ich darf das hier so sagen, vor Gericht wäre das natürlich töricht). Der Account ist dann halt gesperrt, aber keiner weiß warum, und davon geht die Welt nicht unter.
Beispielsweise wäre eine Info an den Arbeitgeber, an die Familie, die Nachbarn oder den Freundeskreis vermutlich viel einschneidender gewesen.
Am Ende ist es sicher ein Vorteil, wenn das Opfer nur einen geringen oder sogar gar keinen Schaden hatte. Als Anwalt würde ich vielleicht in diese Richtung argumentieren. Aber Vorsicht, man sollte nie zum Ausdruck bringen, dass es ja deshalb gar nicht schlimm gewesen wäre. Sondern eher, dass es einem sehr Leid tut und man froh ist, dass sich die Folgen in Grenzen hielten.
Zusatzfragen: Wurde der Account denn wirklich gesperrt? Oder hat Facebook direkt selber erkannt, dass da was nicht stimmt? Wer hat eigentlich die Anzeige erstattet?

Und was noch gar nicht angesprochen wurde ist das Motiv. Also, warum sollte gerade diese Person geschädigt werden? Wie ist die Vorgeschichte?
Wenn es etwa vergleichbare Taten in die andere Richtung gab, dann könnte sich das natürlich auch strafmildernd auswirken. Auch aus diesem Grund gibt es ja den Strafrahmen, jeder Fall ist anders.

Zitat:
Ich habe durch Zufall gelesen, dass es bei Facebook Sexualstraftätern verboten ist, einen Account zu unterhalten.
Ist das wirklich so?
Wenn ja, dann sehe ich das sehr kritisch. Private Unternehmen haben sich da nicht einzumischen, die Bestrafung ist Aufgabe des Staates (der ja auch solche Accounts untersagen könnte, genauso wie einem Sexualstraftäter bestimmte andere Dinge - etwa Berufe - verboten werden).
Klar, am Anfang finden das alle OK, da werden ja nur die ganz Bösen ausgeschlossen. Aber das geht ja weiter, und am Ende wird jeder gesperrt, der den falschen Musikgeschmack hat oder jemanden kennt der ein falsches Haarschampoo benutzt.
Real sehen wir das schon heute, in den (sozialen) Medien werden ganz gezielt politische Meinungen manipuliert (siehe z.B. die Trump-Vorfälle). Das ist sehr gefährlich.

Stefan

Signatur:

Auf einem Schiff befinden sich 26 Schafe und 10 Ziegen. Wie alt ist der Kapitän?

0x Hilfreiche Antwort

#19
 Von 
bostonxl
Status:
Student
(2632 Beiträge, 387x hilfreich)

Zitat (von drkabo):
Lt. Ausgangsbeitrag wurde ein Foto einer Urkunde manipuliert und elektronisch verschickt.

Da ist zum einen fraglich ob ein Mail-Anhang überhaupt eine Urkunde ist, zum anderen ist das Bild einer Urkunde keine Urkunde.
Lese ich anders.
Zitat (von NoJoDoBo):
Ich habe bei Google nach einem fotografierten Schriftstück von Justizbehörden gesucht, habe dann eins von einer bayerischen Staatsanwaltschaft gefunden.
Ich habe dann das Design dieses Briefs nachgebildet.
Ich habe da rein geschrieben, dass Herr XY im Jahr 2018 wegen Sexuellen Missbrauchs von Kindern unter dem Aktenzeichen (irgendwas) zu 3 Jahren Haft verurteilt wurde.
Dieses gefälschte Schriftstück habe ich unter Verwendung einer manipulierten E-Mail-Adresse an die Adresse geschickt, die bei Facebook für rechtliche Angelegenheiten zuständig ist.

0x Hilfreiche Antwort

#20
 Von 
NoJoDoBo
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Bin durch mit der deutschen Justiz. Gerechtigkeit gibt es hier nicht.
8 Monate bekommen. Zwar auf Bewährung aber trotzdem.
Selbst Pädos bekommen oft mildere Urteile.
Berufung wird eingelegt.

0x Hilfreiche Antwort

#21
 Von 
bostonxl
Status:
Student
(2632 Beiträge, 387x hilfreich)

Zitat (von NoJoDoBo):
Gerechtigkeit gibt es hier nicht.
Doch, die gibt es. Wie man an Dir sieht.

5x Hilfreiche Antwort

#22
 Von 
Garfield73
Status:
Lehrling
(1689 Beiträge, 577x hilfreich)

Zitat (von NoJoDoBo):
Bin durch mit der deutschen Justiz. Gerechtigkeit gibt es hier nicht.

Wieso?
Deine Straftat wurde doch angemessen bestraft?

Signatur:

Nachdenken ist wie googeln .... nur krasser!

2x Hilfreiche Antwort

#23
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(35345 Beiträge, 13319x hilfreich)

Offensichtlich hatte das Gericht in seiner Bewertung der Tatsache Rechnung getragen, dass wir es hier doch mit erheblicher krimineller Energie und einem äußerst planvollem Vorgehen zu tun haben. Das war kein spontanes im Suff auf dem Oktoberfest jemandem eine Watschen verpassen, von dem man sich gereizt fühlte.

Und, das Argument, andere seien viel schlimmer und würden viel weniger bekommen, das hört jeder, wirklich jeder Strafverteidiger xy mal in der Woche. Ist ein typisches Kriminellenargument. Nur, das hilft so ganz und gar nicht, wirklich nicht.

Man sollte sich den Strafrahmen bei seiner Tat anschauen, sich den leichtesten Vorfall und den schwersten vorstellen und dann sein Verhalten da irgendwo einnorden. Weiterhin berücksichtigen: Vorstrafen, Intensität der Tat (hier das äußerst planvolle Vorgehen), Auswirkungen für das Opfer, Verhalten in der Hauptverhandlung u.s.w. Mir fällt hier in diesem Fall auf, dass nicht ein einziges Wort über das Opfer verloren wurde. Ja, es gibt eines. Völlig vergessen?

wirdwerden

1x Hilfreiche Antwort

#24
 Von 
Dirrly
Status:
Lehrling
(1589 Beiträge, 454x hilfreich)

Zitat (von NoJoDoBo):
8 Monate bekommen.


Finde es etwas hoch für nicht vorbestraft, ich denke da kann man in der Berufung vielleicht noch was dran ändern, aber dafür sollte eine gewisse Einsicht und Reue vorhanden sein, das würde die Chancen erhöhen.

Wie schon dein Anwalt gesagt hat, reagieren die Justizbehörden da etwas empfindlich, wenn man die "mit reinzieht". Allerdings auch mit Recht, denn die Aufrechterhaltung des Vertrauens der Allgemeinheit in die Justiz soll ja gewahrt bleiben, so dass man solche Straftaten halt wohl etwas härter verurteilt.

0x Hilfreiche Antwort

#25
 Von 
cirius32832
Status:
Master
(4622 Beiträge, 1132x hilfreich)

Zitat (von NoJoDoBo):
Bin durch mit der deutschen Justiz. Gerechtigkeit gibt es hier nicht.


Ich hoffe, dass Sie KEIN Lehrer werden

Signatur:

https://www.antispam-ev.de

0x Hilfreiche Antwort

#26
 Von 
bostonxl
Status:
Student
(2632 Beiträge, 387x hilfreich)

Zitat (von Dirrly):
Finde es etwas hoch für nicht vorbestraft,
Finde ich nicht.
Zitat:

Strafgesetzbuch (StGB)
§ 269 Fälschung beweiserheblicher Daten

(1) Wer zur Täuschung im Rechtsverkehr beweiserhebliche Daten so speichert oder verändert, daß bei ihrer Wahrnehmung eine unechte oder verfälschte Urkunde vorliegen würde, oder derart gespeicherte oder veränderte Daten gebraucht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.
(3) § 267 Abs. 3 und 4 gilt entsprechend.

1x Hilfreiche Antwort

#27
 Von 
drkabo
Status:
Philosoph
(13828 Beiträge, 8491x hilfreich)

Zumindest ist nach dem Urteil eine Verbeamtung für die nächsten 10 Jahre ausgeschlossen.
Denn "8 Monate auf Bewährung" stehen 3 Jahre im Führungszeugnis und 10 Jahre im BZR. Und so lange das BZR nicht leer ist, wird nicht verbeamtet. (Für's Referendariat reicht meines Wissens ein leeres Führungszeugnis aus.)

Wenn es um die berufliche Zukunft geht, stellt sich die Frage, ob eine Berufung da zielführend ist.
Um die Speicherdauer im BZR auf 5 Jahre zu drücken, müsste die Strafe auf 3 Monate (oder Geldstrafe bis 90 TS) sinken - das erscheint unrealistisch.

Platt gesagt: Wenn in der Berufung die Strafe von 8 Monaten auf 5 Monate sinken sollte - was bringt das? Nichts (außer zusätzlichen Anwalts- und Gerichtskosten).

Eventuell ist es sinnvoll, die Energie in eine berufliche Neuorientierung (bzw in eine Recherche, wo man dauerhaft als angestellter Lehrer arbeiten kann) zu stecken als in eine Berufung.

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

1x Hilfreiche Antwort

#28
 Von 
Loni12
Status:
Student
(2279 Beiträge, 375x hilfreich)

Zitat (von NoJoDoBo):
Bin durch mit der deutschen Justiz. Gerechtigkeit gibt es hier nicht.

Doch, sie haben sich straffällig gemacht und nun die Quittung dafür erhalten. Die Höhe passt somit.
Zitat (von Dirrly):
Finde es etwas hoch für nicht vorbestraft, ich denke da kann man in der Berufung vielleicht noch was dran ändern,

Wir waren bei der Verhandlung nicht dabei, deshalb ist es schwer zu beurteilen ob die Strafe zu hoch ist.
An die geschädigte Person wird wohl nicht gedacht? Der TE hat viel kriminelle Energie eingesetzt um jemanden anderen zu schaden. Als Lehrer somit nicht tragbar.

0x Hilfreiche Antwort

#29
 Von 
Tick-Tack
Status:
Schüler
(196 Beiträge, 23x hilfreich)

Zitat (von NoJoDoBo):
Bin durch mit der deutschen Justiz.. Gerechtigkeit gibt es hier nicht.
Da fällt einem nichts mehr ein.

0x Hilfreiche Antwort

#30
 Von 
Dirrly
Status:
Lehrling
(1589 Beiträge, 454x hilfreich)

Zitat (von Loni12):
Wir waren bei der Verhandlung nicht dabei, deshalb ist es schwer zu beurteilen ob die Strafe zu hoch ist.


Da hast du Recht und natürlich fällt die hohe kriminelle Energie ins Gewicht und der Gedanke, dass sozusagen die Justiz und damit der Rechtsstaat für die Tatbegehung benutzt werden sollte.

Auf der anderen Seite gibt keine Vorstrafen.

Ich bekomme sehr viele Verhandlungen mit und damit ein nicht Vorbestrafter 8 Monate bekommt, da muss man in anderen Fällen schon sehr viel leisten.

Daher halt meine Überlegung. Aber ja, wir waren nicht dabei.


Zitat (von Loni12):
Als Lehrer somit nicht tragbar.


Das darf allerdings so für die Strafzumessung nicht ausschlaggebend sein. :-)

-- Editiert von User am 23. September 2022 15:50

0x Hilfreiche Antwort

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 234.717 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 30
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
96.535 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. Zzgl. 2€ Einstellgebühr pro Frage.

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen
12