Falschaussage - Konsequenzen

15. September 2010 Thema abonnieren
 Von 
ropa
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)
Falschaussage - Konsequenzen

Ich habe da mal eine theretische Frage.

Nehmen wir an, ein Mann und eine Frau haben eine langjährige Beziehung.
Aus dem Blickwinkel der Frau ist es die große Liebe mit Perspektive, für den Mann lediglich ein sexuelles Verhältnis. Darüber läßt er sie jedoch geflissentlich im Unklaren. Um sie nicht zu verlieren, spielt er ihr die große Liebe vor.
Seine seltene Anwesenheit begründet er mit seiner übergroßen beruflichen Belastung.

Die Beiden treffen sich ca. 12 x im Jahr - in der Regel in ihrer Wohnung, haben sadomasochistischen Sex miteinander, bei dem er sie fesselt, schlägt, erniedrigt.
Diese sexuellen Handlungen finden im gegenseitigen Einvernehmen statt.

Nun findet sie heraus, dass er sie betrügt. Sie erfährt, dass er mehrere parallele sexuelle Verhältnisse hat.
Sie stellt ihn zur Rede, es kommt zum Streit. Er verläßt ihre Wohnung, beide haben den eindruck, dass dies das Ende der Beziehung ist.

Sie ist zutiefst getroffen. Will ihn, der sie über Jahre schändlich betrogen und hintergangen hat, nicht so einfach davon kommen lassen.
Sein Verhalten ihr gegenüber ist zwar schändlich, jedoch nicht strafwürdig zu bewerten.
Sie will ihn aber bestrafen. Deshalb erfindet sie eine Vergewaltigung. Sie fügt sich selbst Wunden zu und geht zur Polizei.

In der Folge der Anzeige wird er in Untersuchungshaft genommen.
Er muss satte 6 Monate in Untersuchungshaft verbringen.

Dann kommt es zum Prozess.
Sie bricht erst jetzt unter dem Druck des Prozesses zusammen und schildert die volle Wahrheit und begründet ihr Handeln, wie oben beschrieben.

Mit welchen Konsequenzen hat si nun zu rechnen.
Man könnte lapidar und laienhaft nach dem Auge-um-Auge-Prinzip fordern: er hat 6 Monate im Gefängnis verbracht, soll sie es ebenfalls.

Realistisch ist aber eher...???

Vermutlich eine Strafe mit Bewährung..?
Hat er Schadensersatz-Ansprüche gegen sie?
Wenn ja, in welcher Höhe?
Wird sie möglicherweise finaziell ruiniert?

Oder wird der Umstand, dass der Prozess sehr Öffentlichkeit stattfand dazu führen, dass man zum Ergebnis kommt: Diese Falschaussage wird ihr nun ewig anhaften - sie ist dadurch bereits genug bestraft?

Fragen über Fragen...

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10 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38124 Beiträge, 13926x hilfreich)

So, ich fang mal an.
Sie wird nicht von irgend jemandem finanziell ruiniert. Wenn sie ruiniert wird, dann hat sie sich selbst ruiniert.

Für die erlittene U-Haft bekommt das Opfer zunächst einmal Entschädigung nach dem Strafrechtsentschädigungsgesetz. Die ist allerdings nicht so prickelnd.

Natürlich kann er darüber hinaus Schadensersatz fordern. Für den Verlust seines Arbeitsplatzes und vieles mehr. Auch Schmerzensgeld.

Dann wird sich vermutlich auch noch das Bundesland an sie wenden, um die STREG-Zahlungen wieder zu bekommen, denn ohne ihre Falschaussage wären die ja nicht zustande gekommen.

Natürlich wird sie bestraft. Warum auch nicht? Ob mit Bewährung oder ohne, das ist eine ganz andere Frage. Mit was ist sie denn genug bestraft? Was soll dieses aufrechnen? Geht doch gar nicht, wäre moralisch verwerflich. Wie ist erst der Betroffene bestraft worden? Vielleicht mal darüber nachdenken, wer hier Täter und wer hier Opfer ist.

wirdwerden

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#2
 Von 
guest-12307.12.2010 09:31:39
Status:
Lehrling
(1193 Beiträge, 924x hilfreich)

--- editiert vom Admin

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#3
 Von 
DoctorWho
Status:
Praktikant
(929 Beiträge, 278x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>Er muss satte 6 Monate in Untersuchungshaft verbringen. <hr size=1 noshade>


Sind denn Wiederholungs-, Verdunkelungs- und/oder Fluchtgefahr so hoch gewesen? Ansonsten kommt so lange U-Haft ja überhaupt nicht in Frage.

quote:<hr size=1 noshade>Man könnte lapidar und laienhaft nach dem Auge-um-Auge-Prinzip fordern: er hat 6 Monate im Gefängnis verbracht, soll sie es ebenfalls. <hr size=1 noshade>


Das Problem ist ja nur, daß ihre Tat schwerer wiegt. Sonst könnte man ja mit derselben Logik sagen "hätte er gar nicht in U-Haft gemußt, wäre sie auch nicht zu bestrafen".

Wir haben einen astreinen §164 StGB , der einen Strafrahmen bis 5 Jahre vorsieht. In Anbetracht der Schwere des falschen Vorwurfs und der eingetretenen Konsequenzen könnte ich mir durchaus vorstellen, daß auch bei einem Ersttäter keine Bewährungsstrafe verhängt wird. Man könnte hier durchaus bei 1-2 Jahren landen.

quote:<hr size=1 noshade>Diese Falschaussage wird ihr nun ewig anhaften <hr size=1 noshade>


Der Vergewaltigungsvorwurf dem Opfer auch. Vermutlich sogar noch intensiver.

quote:<hr size=1 noshade>Wird sie möglicherweise finaziell ruiniert? <hr size=1 noshade>


Da die Schadensersatzforderungen erheblich sein dürften (alleine die finanziellen Folgen der beruflichen Konsequenzen für das Opfer - Gehalt für 6 Monate plus die Zeit bis zum Finden eines vergleichbar bezahlten Jobs), müßte sie wohl schon sehr wohlhabend sein, um nicht an der Pfändungsgrenze zu landen.

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#4
 Von 
DoctorWho
Status:
Praktikant
(929 Beiträge, 278x hilfreich)

quote:
Fall Kachelmann


Na, wenn es das war... Hatte ich gar nicht auf dem Schirm gehabt. ;)

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#5
 Von 
ropa
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Falsch LiloWanders, ich will nicht "den Fall Kachelmann zu Ende bringen".

In meinem einleitenden Satz schreibe ich es auch ausdrücklich: Eine Theoretische Frage.

Ich gehe ja einfach davon aus, dass die Kachelmann-Aussagen der Wahrheit entsprechen.
Ich hätte den Fall auch umgekehrt, unter der Annahme, dass die "Opfer-Aussagen stimmen, beschreiben können.

So fand ich es jedoch spannender.

Dabei habe ich insbesondere auch auf die bereits erfolgten, "informellen" "Strafen" abgehoben.

In dem Sinne: Die Beteiligten sind alleine durch die hohe Aufmerksamkeit in den Medien und die Ausbreitung von sexuellen Vorlieben bzw. den Aufbau von Beziehungen auf Lügengeschichten (Kachelmann) auf Dauer nachhaltig "bestraft".


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#6
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38124 Beiträge, 13926x hilfreich)

Ich brauche hier keinen Beschäftigungstherpeuten, der dann noch Ferndiagnosen stellt.

wirdwerden

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0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
DoctorWho
Status:
Praktikant
(929 Beiträge, 278x hilfreich)

quote:
Die Beteiligten sind alleine durch die hohe Aufmerksamkeit in den Medien und die Ausbreitung von sexuellen Vorlieben bzw. den Aufbau von Beziehungen auf Lügengeschichten (Kachelmann) auf Dauer nachhaltig "bestraft".


Das (mutmaßliche) Vergewaltigungsopfer wäre doch - wenn ihre Aussage gelogen wäre - nicht "öffentlich nachhaltig bestraft", denn ihre Identität wird vermutlich überhaupt nicht landesweit bekannt werden. Sie ist immerhin nicht prominent.

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0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30226 Beiträge, 9514x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>Die Beteiligten sind alleine durch die hohe Aufmerksamkeit in den Medien und die Ausbreitung von sexuellen Vorlieben bzw. den Aufbau von Beziehungen auf Lügengeschichten (Kachelmann) auf Dauer nachhaltig "bestraft". <hr size=1 noshade>


Es ging ja nur Kachelmann selbst durch die Medien, die Dame keineswegs. Und bei K ist das a) Teil oder vma. Folge seines Promistatus' und b) hat er die Medien selbst auch benutzt. Stattdessen hätte er sich auch bedeckt halten können und versuchen, die Berichterstattung über den Fall -soweit das in Hinblick auf die Pressefreiheit möglich gewesen wäre- einzudemmen.

Die Dame ist ja bis heute für die Öffentlichkeit unbekannt, wo also ist sie "bestraft". Sie hat -wenn man den o.g. Sachverhalt als Tatsache zugrunde legt- nicht nur einen § 164 StGB begangen, sondern auch eine 6 Monate andauernde Freiheitsberaubung in mittelbarer Täterschaft. Dafür gehört sie bestraft. Dummheit oder Naivität in einer Beziehung/Affäre ist kein Strafmilderungsgrund und erst recht nicht "anrechenbar".

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"Bitte um Verständnis,dass ich keine Rechtsfragen per PM beantworte.Das ist nicht Sinn des Forums"

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#9
 Von 
Anonymer_ist_besser
Status:
Praktikant
(956 Beiträge, 210x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>Die Dame ist ja bis heute für die Öffentlichkeit unbekannt <hr size=1 noshade>


Na nicht so ganz, der Prozess ist ja nicht "nicht öffentlich".

Zitat:
und versuchen, die Berichterstattung über den Fall -soweit das in Hinblick auf die Pressefreiheit möglich gewesen wäre- einzudemmen.


Ausserdem bleibt ihm nach einer Verurteilung der Dame wg § 164 noch der § 165 StGB :

"Ist die Tat nach § 164 öffentlich [..] begangen und wird ihretwegen auf Strafe erkannt, so ist auf Antrag des Verletzten anzuordnen, daß die Verurteilung wegen falscher Verdächtigung auf Verlangen öffentlich bekanntgemacht wird."



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"Wüßte ich alles, wäre ich Gott-so muss ich nachschlagen!"

-- Editiert am 15.09.2010 17:41

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
DoctorWho
Status:
Praktikant
(929 Beiträge, 278x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>Na nicht so ganz, der Prozess ist ja nicht "nicht öffentlich". <hr size=1 noshade>


Hast du ihren Namen und ihr Foto in der BILD gesehen? Daß eine Handvoll Leute in den Verhandlungssaal gehen können, bedeutet ja noch keine "Brandmarkung in der Öffentlichkeit". Im übrigen müßte jemand, der eine so schwere Beschuldigung fälschlich erhebt, damit schon leben, ansonsten sollte er das halt einfach nicht tun.

quote:<hr size=1 noshade>Ausserdem bleibt ihm nach einer Verurteilung der Dame wg § 164 noch der § 165 StGB <hr size=1 noshade>


Nur wenn die Frau die Vorwürfe auch vorsätzlich öffentlich erhoben hat. Wenn das ganze nur durch eine Indiskretion der StA herauskam, kann ja die Frau nichts dafür.

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