Falschgeld - Statistikinterpretation, Strafbarkeit

14. September 2014 Thema abonnieren
 Von 
guest-12317.10.2015 19:17:58
Status:
Frischling
(17 Beiträge, 6x hilfreich)
Falschgeld - Statistikinterpretation, Strafbarkeit

Guten Abend,

meine Frage ist rein interessenbasiert aus dem Gespräch mit einem Kollegen entstanden.

Hintergrund: Man darf kein Falschgeld in Umlauf bringen. Man muss sich also über die Echtheit jeder Banknote (soweit eben möglich) vergewissern. Wenn man das nicht tut und auch unwissentlich mit einem "falschen Fuffi" zahlt, macht man sich strafbar.

Ist das korrekt? Meinem laienhaften Verständnis nach, verstehe ich zwar, dass man sich formal strafbar gemacht hat. Meine Frage: Zieht diese Fahrlässigkeit bereits automatisch eine Anzeige nach sich? Und reicht diese Fahrlässigkeit dann auch, dass es im Endeffekt zu einer Bestrafung kommt oder muss für diese eine bewusste Absicht dahinter nachgewiesen sein?


Im Zusammenhang damit habe ich nach Statistiken gesucht. Ich fand folgenden Angaben:

2011 wurden rund 54.000 falsche Euro-Banknoten angehalten. Die polizeilich registrierten Falschgelddelikte lagen bei ca. 34.000. Es wurden ca. 1.500 Beschuldigte ermittelt.

(http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=0CCMQFjAA&url=http%3A%2F%2Fwww.bka.de%2Fnn_241002%2FSharedDocs%2FDownloads%2FDE%2FPresse%2FPressearchiv%2FPresse__2012%2Fpm120827__BundeslagebildFalschgeld2011%2CtemplateId%3Draw%2Cproperty%3DpublicationFile.pdf%2Fpm120827_BundeslagebildFalschgeld2011.pdf&ei=V5QVVIfrCYf-ygOAi4LYCw&usg=AFQjCNEgslWsUIC2crMC_TS2s8rYiLdf1Q&bvm=bv.75097201,d.bGQ )

Ich würde das so verstehen: Von den 54.000 Banknoten, die "gefunden" wurden, wurden 34.000 der Polizei gemeldet und in diesen 34.000 Fällen wurden aber "nur" 1.500 Bestrafungen ausgesprochen.

Oder wie versteht man diese Zahlen?

Ich bedanke mich sehr im Voraus,
Grüße

-- Editiert CuriousMe am 14.09.2014 15:22

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6 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(33120 Beiträge, 17345x hilfreich)

in diesen 34.000 Fällen wurden aber "nur" 1.500 Bestrafungen ausgesprochen. Das ist falsch - da war von "Beschuldigten" die Rede. Ein Beschuldigter gilt zum Glück nicht automatisch als Verurteilter - dafür muß er erstmal verurteilt werden. Und fahrlässiges Inverkehrbringen von Falschgeld ist keineswegs strafbar - fahrlässiges Handeln ist nur strafbar, wenn das ausdrücklich so normiert ist (§ 15 StGB ). Schauen Sie mal ins StGB, achter Abschnitt - da steht kein Wort von Fahrlässigkeit.

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" Lebenslänglich sind NICHT 25 Jahre!"

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#2
 Von 
guest-12317.10.2015 19:17:58
Status:
Frischling
(17 Beiträge, 6x hilfreich)

Danke für diesen Input! Ich werde mich mal entsprechend in den §§ einlesen.
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Fährlässigkeit in diesem Fall strafbar sein könnte, wenn man es tatsächlich nicht gemerkt hat... da mein Kollege aber so felsenfest überzeugt war, hat mich das doch etwas verwirrt.

Zur Statistik: Dann sind diese 1.500 Fälle die Anzeigen die gestellt wurden, wobei unklar ist, wieviele davon tatsächlich zu einer Verurteilung führten?

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#3
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(33120 Beiträge, 17345x hilfreich)

Dann sind diese 1.500 Fälle die Anzeigen die gestellt wurden, wobei unklar ist, wieviele davon tatsächlich zu einer Verurteilung führten? Genau. In polizeilichen Statistiken findet man immer nur Leute mit Anfangsverdacht - wieviele am Ende verurteilt werden, findet sich nur in den Justizstatistiken. Und auch die kann man nicht einfach miteinenander vergleichen - wenn ich 2013 als Falschgeldverdächtiger in die Polizeistatistik komme und dann 2014 in die Verurteiltenstatistik, verzerrt das halt die statistische Wahrnehmung.
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Fährlässigkeit in diesem Fall strafbar sein könnte, wenn man es tatsächlich nicht gemerkt hat... Und da hatten Sie recht. Ich kannte mal jemand, der gewann 500 Euro in 10 50-Euro-Scheinen auf der Pferderennbahn und zahlte sie per Automat auf sein Konto ein. Er wurde tatsächlich angeklagt, weil es unwahrscheinlich sei, daß man so viele falsche Scheine gleichzeitig bekäme. Vor Gericht sagte ein Polizist des entsprechenden Dezernats aus, das sei auf einer Pferderennbahn keienswegs unwahrscheinlich. Er wurde freigesprochen, seinen Schaden aber hat ihm keiner ersetzt. Und natürlich war er in der Tatverdächtigenstatistik des betreffenden Jahres verzeichnet...

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" Lebenslänglich sind NICHT 25 Jahre!"

-- Editiert muemmel am 14.09.2014 16:15

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#4
 Von 
spatenklopper
Status:
Gelehrter
(10899 Beiträge, 4246x hilfreich)

quote:
Er wurde freigesprochen, seinen Schaden aber hat ihm keiner ersetzt.


Nicht mal die Rennbahn?

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#5
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(33120 Beiträge, 17345x hilfreich)

Nein, auch die nicht.

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" Lebenslänglich sind NICHT 25 Jahre!"

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#6
 Von 
NinaONina
Status:
Lehrling
(1504 Beiträge, 1226x hilfreich)

quote:
Man muss sich also über die Echtheit jeder Banknote (soweit eben möglich) vergewissern.


Nein, muß man nicht. Nur wenn man begründeten Anlaß zu der Vermutung hat, man könnte evtl. Falschgeld besitzen, wäre eine Inverkehrbringung ohne Prüfung billigende Inkaufnahme, also Eventualvorsatz, und damit strafbar.

quote:
Nicht mal die Rennbahn?


Hätte sie aber wohl müssen, wenn das nachweisbar wäre. Eine Schuld von 500 EUR kann man nun mal nicht mit Falschgeld wirksam erlöschen lassen, und eine Annahme an Erfüllungs Statt liegt hier auch nicht vor.

Das Problem hier dürfte sein, daß der Betreffende nicht nachweisen konnte, gerade diese 500 EUR von der Rennbahn zu haben. Es reichte "nur" aus, begründeten Zweifel an der Schuld zu wecken (dafür ist die Anforderungshöhe nun mal geringer als für den tatsächlichen Nachweis der Herkunft des Geldes).

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