Frage zur Anklageschrift Diebstahl

9. April 2016 Thema abonnieren
 Von 
hosep
Status:
Frischling
(8 Beiträge, 0x hilfreich)
Frage zur Anklageschrift Diebstahl

Hallo Leute,

ich habe letztes Jahr im April in einem Supermarkt gestohlen. Vorrangig Lebensmittel im Wert von 42 Euro. Da ich nach dem Erwischen etwas Gegenwehr gezeigt habe, wurde ein Ermittlungsverfahren wegen räuberischen Diebstahl nach §252 StGB gegen mich eingeleitet.
Gestern, nach genau einem Jahr nach der Tat, bekam ich die Anklageschrift meines zuständigen Amtsgerichts zugestellt. Dabei bemerkte ich, dass ich jetzt wegen Diebstahl nach §242 StGB angeklagt bin. Ist das normal, dass die Ermittlungen im Vorverfahren und die Anklage jetzt etwas voneinander abweichen?

Desweiteren steht im Anschreiben der Satz:
"Falls Sie die Vornahme einzelner Beweiserhebungen vor der Entscheidung über die Eröffnung des Hauptverfahrens beantragen oder Einwendungen gegen die Eröffnung des Hauptverfahrens vorbringen wollen, werden Sie aufgefordert, dies binnen 2 Wochen nach Zustellung dieses Schreibens zu erklären."

Wie kann ich den Teil mit "Vornahme einzelner Beweiserhebungen vor der Entscheidung über die Eröffnung des Hauptverfahrens" verstehen und was können denn mögliche Einwände sein ein Hauptverfahren zu eröffnen?

Da ich Ersttäter und jetzt "nur" wegen einfachen Diebstahl angeklagt bin, sowie der Warenwert unter 50 Euro beträgt, besteht unter diesen Umständen die Wahrscheinlichkeit, dass das Verfahren eingestellt werden kann? Bzw. wie kann ich dem evt. entgegenwirken? Habe zwar auch einen Anwalt, den ich Montag auch anrufen werde, aber manchmal denke ich er will unbedingt, dass es zur Hauptverhandlung kommt. Zumindest meinte er bis jetzt immer, dass wir da nicht drum rum kommen werden und es keine Alternative gibt?! Deshalb würde ich mir hier gern noch eine zweite Meinung einholen.

Vielleicht hat jemand ein paar Antworten parat, ein schönes WE wünsche ich Euch! hosep

Notfall oder generelle Fragen?

Notfall oder generelle Fragen?

Ein erfahrener Anwalt gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Ein erfahrener Anwalt gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Kostenlose Einschätzung starten Kostenlose Einschätzung starten



5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38163 Beiträge, 13932x hilfreich)

Nun ja, wie die Bewertung ganz am Anfang des Ermittlungsverfahrens aussieht, und dann am Ende, ist doch logisch, dass die voneinander abweichen können, die beiden Bewertungen. Und, der räuberische Diebstahl ist ja noch nicht vom Tisch. Es kann während der Hauptverhandlung der schlichte Hinweis kommen, dass auch eine Verurteilung wegen räuberischen Diebstahls in Betracht kommt. Offensichtlich ist der Fall grenzwertig, und die Staatsanwaltschaft hat sich erst einmal damit begnügt, den einfachen Diebstahl anzuklagen. Hätte die Staatsanwaltschaft einstellen wollen, so wäre das im Vorfeld geschehen. Da ein räuberischer Diebstahl noch im Raume steht, dieser aber einer Einstellung nicht zugängig ist, kam es eben zur Anklage.

wirdwerden

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Rechtschreibung
Status:
Lehrling
(1107 Beiträge, 1206x hilfreich)

Zitat:
Und, der räuberische Diebstahl ist ja noch nicht vom Tisch.
Doch.

Zitat:
Ist das normal, dass die Ermittlungen im Vorverfahren und die Anklage jetzt etwas voneinander abweichen?[/quoteSie wollten froh darüber sein.

Zitat:
was können denn mögliche Einwände sein ein Hauptverfahren zu eröffnen?
Beispielsweise könnten Sie zwischenzeitlich verstorben sein oder während des angeklagten Tatzeitraums im Koma gelegen haben. Oder die Anklage stützt sich maßgeblich auf ein Gutachten, dass von einem befangenen Sachverständigen und entgegen wissenschaftlicher Standards erstellt wurde. Oder aber der zum Vorwurf gemachte Sachverhalt ist offensichtlich nicht strafbar.
Bei Ihnen aber ist es ganz offensichtlich so, dass Sie sich strafbar gemacht haben und einer Hauptverhandlungs nichts entgegen steht. Daher können Sie diesen Abschnitt ignorieren.

Zitat:
Da ich Ersttäter und jetzt "nur" wegen einfachen Diebstahl angeklagt bin, sowie der Warenwert unter 50 Euro beträgt, besteht unter diesen Umständen die Wahrscheinlichkeit, dass das Verfahren eingestellt werden kann?
Die Möglichkeit besteht. Das müssten aber sowohl Staatsanwaltschaft als auch Gericht so wollen. Danach sieht es bisher nicht aus. Das wundert auch nicht so wahnsinnig. Zum einen sind 42€ doch recht happig, deutet der Diebstahl von Lebensmitteln auf finanzielle Probleme und damit längerfristige Tatmotive am Rande zur Gewerblichkeit hin und schließlich sind Sie anscheinend nur haarscharf am räuberischen Diebstahl vorbeigeschrammt.

Zitat:
Habe zwar auch einen Anwalt, den ich Montag auch anrufen werde, aber manchmal denke ich er will unbedingt, dass es zur Hauptverhandlung kommt.
Zunächst bin ich der Meinung, dass man zumindest für den "wirklich einfachen" Ladendiebstahl keinen Anwalt braucht und dessen Honorar mehr kostet als die maximal einsparbare Geldstrafe. Allerdings stand hier anscheinend ja der Raubvorwurf im Raum und dessen Streichung könnte breits der Verdienst des Anwalts gewesen sein. Das kann hier keiner beurteilen. Ebenso kann hier keine beurteilen, ob die Hauptverhandlung wirklich nicht zu vermeiden ist. Beziehungsweise ob sie nicht zu vermeiden gewesen wäre. Wenn der Anwalt bei dieser Einschätzung noch von einem Raub ausging, dann verwundert diese Einschätzung auch nicht weiter. Und auch jetzt wo der Raub formal weggefallen ist, weicht Ihr Fall ja doch noch immer vom "einfachen" Ladendiebstahl ab. Auch wenn es nicht für das formal schwere Delikt gereicht hat, kann sowas bei der Strafzumessung noch immer eine Rolle spielen.

Der Einstellung kann man durch entsprechende Verteidigungsschrift entgegenwirken. Dort kann man diese aber nur "anregen", um nicht zu sagen darum bitten. Ob der Anwalt das gemacht hat oder warum er das gegebenenfalls nicht gemacht hat, kann hier wiederum niemand wissen. Möglicherweise wurde auch durch genau so eine Verteidigungsschrift der Raubvorwurf gestrichen.

Hilfreich sind für eine Einstellung in der Regel das Zeigen von Reue,ein frühzeitiges Geständnis und die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht wieder vor kommt. Das sieht bei Ihnen nunmal alles nicht so super aus, wenn ich ganz grob Ihre alten Threads überfliege.

Da die dort von Ihnen gemachte Schilderung durchaus aber einen räuberischen Diebstahl annehmen lässt, haben Sie meiner Meinung nach erstmal wenig Grund sich zu beschweren, keinen sich aufdrängenden Verdachtsgrund gegen die Kompetenz des Anwalts und noch immer Grund genug nur mit Anwalt in die Hauptverhandlung zu gehen.

-- Editiert von Rechtschreibung am 09.04.2016 12:34

1x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(32715 Beiträge, 17216x hilfreich)

manchmal denke ich er will unbedingt, dass es zur Hauptverhandlung kommt. Nö. Die Staatsanwaltschaft will das - darum hat sie Anklage erhoben. Und auf eine Anklage folgt in 99 % der Fälle eine Hauptverhandlung - irgendwelche stichhaltigen Einwände sind weit und breit nicht zu sehen.

Signatur:

Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(38163 Beiträge, 13932x hilfreich)

Nein, der räuberische Diebstahl ist nicht vom Tisch, der Sachverhalt ist derzeit nur anders bewertet worden. Diese Bewertung kann mit simplem Hinweis eben ausgehebelt werden. Das sieht in der Regel so aus, dass der Berufsrichter freundlich sagt (so in etwa): "es erfolgt an die Staatsanwaltschaft und den Angeklagten der Hinweis, dass auch eine Verurteilung wegen räuberischen Diebstahls in Betracht kommt. Ist beabsichtigt, Stellung zu nehmen?" Das passiert doch ständig. Manchmal bedarf es eben einer Hauptverhandlung, um die Wahrheit zu erarbeiten. Z.B., weil die Zeugen nicht zur Polizei kommen, keine Aussage machen. Bei Gericht müssen sie dann.

wirdwerden

1x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
drkabo
Status:
Weiser
(16315 Beiträge, 9238x hilfreich)


Zitat:
Ist das normal, dass die Ermittlungen im Vorverfahren und die Anklage jetzt etwas voneinander abweichen?

Kommt zumindest häufiger vor.
Wie aber schon erwähnt, kann sich das in der Hauptverhandlung nochmal ändern, und der §252 StGB wieder auftauchen.
Sowas kommt zwar nicht ganz so häufig vor, ist aber grundsätzlich möglich.

Zitat:
Wie kann ich den Teil mit "Vornahme einzelner Beweiserhebungen vor der Entscheidung über die Eröffnung des Hauptverfahrens" verstehen

Wenn Sie noch irgendwelche Zeugen haben, die bislang nicht von der Polizei befragt wurden, aber gerne noch eine Aussage machen wollen, dann sollten Sie das dem Gericht jetzt mitteilen. Oder für irgendeine Tatsache noch ein Gutachten nötig ist, was bislang nicht beauftragt wurde. (Wenn Sie z.B. auf Schuldunfähigkeit wegen Geisteskrankheit hinauswollen, sollten Sie dem Gericht mitteilen, dass ein psychologisches Gutachten eingeholt werden soll.)

Zitat:
und was können denn mögliche Einwände sein ein Hauptverfahren zu eröffnen

Im Prinzip nur sogannte Verfahrenshindernisse, z.B. "Angeklagter verstorben" oder "Tat verjährt".
Einwände, die sich auf Schuld oder Unschuld beziehen, werden dann im Hauptverfahren geklärt. Die Verfahrenseröffnung kann man damit nicht verhindern.

Zitat:
Da ich Ersttäter und jetzt "nur" wegen einfachen Diebstahl angeklagt bin, sowie der Warenwert unter 50 Euro beträgt, besteht unter diesen Umständen die Wahrscheinlichkeit, dass das Verfahren eingestellt werden kann?

Möglich, aber unwahrscheinlich.
Hätte die Staatsanwaltschaft einstellen wollen, hätte sie sich nicht die Mühe gemacht, eine Anklageschrift zu schreiben, sondern einfach eingestellt.

Zitat:
Habe zwar auch einen Anwalt, den ich Montag auch anrufen werde, aber manchmal denke ich er will unbedingt, dass es zur Hauptverhandlung kommt. Zumindest meinte er bis jetzt immer, dass wir da nicht drum rum kommen werden und es keine Alternative gibt?!

Der Anwalt weiß halt, dass sich eine Hauptverhandlung nicht realistisch verhindern lässt, wenn es schon eine Anklageschrift gibt.

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

1x Hilfreiche Antwort

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 264.937 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 30
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
107.194 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. zzgl. 5€ Einstellgebühr pro Frage.

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen