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Frage zur berufung. Fiktiv

 Von 
Jonas057
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)
Frage zur berufung. Fiktiv

Hallo,

Mal ein fiktiver Fall.

Name erfunden...

Hans ist vor Gericht. Wird 2017 zu 7 Monaten auf bewährung verurteilt.

Grund: er wurde zu 7 Monaten auf bewährung verurteilt, wegen betruges. Wert 500€

Staatsanwaltschaft hat neue Straftaten zur Kenntnis genommen, und vor dem Amtsgericht anklageschrift gestellt.

Hier stellt die Staatsanwaltschaft Anklage wegen Gewerblichen Betruges.

In der AnklageSchrift stehen 4 fälle aus dem Jahr 2016 in Höhe von 350€ und 3 Anklagen aus dem Jahr 2017 nach der Verurteilung in Höhe von 280€

Sein Pflichtverteidiger macht ihn keine hoffnung und sagt Hans müsste zu 80% mit 1.6 Jahren ohne Bewährung rechnen.

Hans kommt das zu hoch vor, und Hans hat das Gefühl das der Pflichtverteidiger gezielt vom Gericht ausgesucht wurde, und hat das Gefühl das der Pflichtverteidiger nicht wirklich auf ihm eingeht.

Besteht die Möglichkeit in der Berufung, einen neuen pflichtverteidiger zu bestellen?

Was haltet ihr generell davon, was Strafmaß angeht?

Hans hat ne Freundin, Hans hat einen Sohn 4 Monate Alt, sie Wohnen zusammen. Hans und seine Freundin hatten vor zu Heiraten. Hans hat ein super Familienreiches umfeld . Was Hans zur Sozialprognose fehlt ist ein Job, wonach er mit hoher Anstrengung sucht. Bisher aber kein Erfolg hat, da er weder eine ausbildund und nur einen Förderschulabschluss hat.

Hans hat seit 9 Monaten keine Straftat mehr begangen, und will er auch nicht seitdem seine Freundin ihm gesagt hatte das sie Schwanger ist. Hans bereut das alles so sehr. Und würde alles rückgängig machen.

Er hat auch große Angst alles zu verlieren wie Freundin, Kind und Familie.

VG

-- Editiert von Jonas057 am 05.06.2020 03:14

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Strafmaß Berufung Pflichtverteidiger Freundin


10 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Dirrly
Status:
Praktikant
(889 Beiträge, 320x hilfreich)

Was waren denn die Tatzeitpunkte der Verurteilung im Jahr 2017?

Und wie sieht es mit Vorstrafen vor der Verurteilung 2017 aus?

Wenn "Hans" seit 9 Monaten keine Straftaten mehr begangen hat (und wir jetzt 2020 haben), heißt das es gibt weitere Fälle aus den Jahren 2018 und 2019? Gibt's da weitere Anzeigen / Anklagen?


Ich denke mal, dass sehr schlimm bei der ganzen Sache wiegt, dass kurz nach der Verurteilung im Jahr 2017 und damit innerhalb der Bewährungszeit neue Straftaten begangen wurden und das zeigt, dass eine Verurteilung zu Bewährung wenig Eindruck macht scheinbar. Ein fehlender Job ist für die Sozialprognose auch nicht unbedingt förderlich, da ja gerade Betrugsstraftaten oft aus Geldmangel begangen werden.

Ich weiß zwar nicht wie dein Pflichtverteidiger auf das Strafmaß von 1 Jahr 6 Monate kommt und wie zuverlässig das ist, aber grundsätzlich wird er nicht so falsch liegen, dass eine Strafe ohne Bewährung durchaus wahrscheinlich ist. Evt. müssten auch zwei getrennte Strafen ausgesprochen werden (wegen Gesamtstrafenbildung).

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#2
 Von 
Jonas057
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Dirrly):
Was waren denn die Tatzeitpunkte der Verurteilung im Jahr 2017?

Und wie sieht es mit Vorstrafen vor der Verurteilung 2017 aus?

Wenn "Hans" seit 9 Monaten keine Straftaten mehr begangen hat (und wir jetzt 2020 haben), heißt das es gibt weitere Fälle aus den Jahren 2018 und 2019? Gibt's da weitere Anzeigen / Anklagen?


Ich denke mal, dass sehr schlimm bei der ganzen Sache wiegt, dass kurz nach der Verurteilung im Jahr 2017 und damit innerhalb der Bewährungszeit neue Straftaten begangen wurden und das zeigt, dass eine Verurteilung zu Bewährung wenig Eindruck macht scheinbar. Ein fehlender Job ist für die Sozialprognose auch nicht unbedingt förderlich, da ja gerade Betrugsstraftaten oft aus Geldmangel begangen werden.

Ich weiß zwar nicht wie dein Pflichtverteidiger auf das Strafmaß von 1 Jahr 6 Monate kommt und wie zuverlässig das ist, aber grundsätzlich wird er nicht so falsch liegen, dass eine Strafe ohne Bewährung durchaus wahrscheinlich ist. Evt. müssten auch zwei getrennte Strafen ausgesprochen werden (wegen Gesamtstrafenbildung).



Wir gehen jetzt davon aus das die Gerichtsverhandlung erst noch ansteht. Weiter also nichts da ist.

Es gab im Jahr 2010- 2012 auch Straftaten des Betruges, da wurde Hans zu 2x Geldstrafen per strafbefehl verurteilt.

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#3
 Von 
Dirrly
Status:
Praktikant
(889 Beiträge, 320x hilfreich)

Es kommt ja am Ende auf die Sozialprognose an.

Der Pflichtverteidiger sagt vielleicht nicht was der Angkelagte hören mag, aber er kennt den Fall und alle Daten und er hat Erfahrung, wie die Gerichte in der Region so entscheiden.

WENN "Hans" also was tun will, dann soll er sich bemühen um einen Job evt. unter Zuhilfenahme von Arbeitsamt / Jobcenter UND schauen was er in Richtung Schadenswiedergutmachung leisten kann. Selbst wenn es nur geringe Raten sind oder Vereinbarungen mit den Geschädigten, dass er die Schuld anerkennt, aber derzeit nicht leistungsfähig ist. Alles in diese Richtung dürfte positiv sein.

-- Editiert von Dirrly am 05.06.2020 10:54

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#4
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(29677 Beiträge, 9153x hilfreich)

Zitat (von Jonas057):
Hans kommt das zu hoch vor,


Rechnen wir doch mal:

7 Monate sind offen (da sind noch die Taten aus 2016 per Gesamtstrafenbildung einzubeziehen)

Die 3 Fälle aus 2017 gewerbsmäßig = Mindeststrafe: 7 Monate.

Da sind wir also schon ohne die Gesamtstrafenbildung bei mind. 14 Monaten (incl. Bewährungswiderruf)

Dazu dann halt noch die 2016er Taten und die Tatsache, dass es bei den 2017er Taten sicherlich nicht bei der absoluten Mindeststrafe bleibt, wäre man mit 18 Monaten noch billig weggekommen.

Wenn man mal davon ausgeht, dass pro 2016er Tat die alte Strafe um je 1 Monat erhöht wird (also insg. 4 Monate) sind wir bei einer Gesamtstrafe von 11 Monaten plus für die 2017er Taten geschätzt mind. 9 Monate, würde ich mal mit ab 20 Monaten aufwärts rechnen, alles in allem.

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#5
 Von 
Jonas057
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Hans wurde vom Pflichtverteiger angeraten seine Freundin und das Kind mitzubringen zur Verhandlung, da die Richter/in vielleicht dann ein milderes Urteil sprechen.

Und er meinte auch, daß Hans jetzt schnell bis zur verhandlung noch wiedergutmachung in Form von rückzahlung an den geschädigten leisten sollte.

Bringt das alles viel oder eher wenig was?

Pflichtverteidiger meint, das wenn Hans 1.6 Jahre ca bekomme, würde er bei guter Führung nach 1 Jahr schon wieder draußen sein.

Ist das auch korrekt?

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#6
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(29782 Beiträge, 16160x hilfreich)

Bringt das alles viel oder eher wenig was? Wie das auf den konkreten Richter wirkt, kann man mangels hellseherischer Fähigkeiten nicht vorhersagen. Es könnte aber durchaus was bringen. Zurückzahlen muß Hans das Geld außerdem sowieso früher oder später - da kann er auch gleich damit anfangen...

Pflichtverteidiger meint, das wenn Hans 1.6 Jahre ca bekomme, würde er bei guter Führung nach 1 Jahr schon wieder draußen sein. Das nennt sich Zwei-Drittel-Entlassung und kommt in der Tat recht oft vor. Die letzten 6 Monate hat Hans dann allerdings wiederum auf Bewährung...

Signatur:

Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).

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#7
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(29677 Beiträge, 9153x hilfreich)

Schadenswiedergutmachung bis zur Verhandlung bringt so gut wie immer was. Ob der Richter sich von Frau und Kind beeindrucken lässt, sei dahingestellt.

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#8
 Von 
Jonas057
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Hans hat vor jetzt erstmal die neuen Strafen 280€ zurück an die geschädigten zu zahlen. Der Pflichtverteidiger meint das ist egal was ich zuerst Zahle. Wichtig ist das der oder die Richter sehen das er gewillt ist den Schaden wieder gutzumachen.

Was denkt ihr sollte Hans tun. Die neuen strafen die in der Bewährungszeit passiert sind umgehend zurückzuzahlen oder ist das wirklich egal?

Hans denkt über berufung nach.

Würde ihm da ein erneuter pflichtverteidiger zustehen?

Bis das Berufungsverfahren läuft hätte Hans so zumindest alle geschädigten ihr Geld zurück gezahlt, würde das das Urteil das Landgericht vielleicht milder stimmen und das Strafmaß senken? Oder denkt Hans falsch?

Hätte Hans überhaupt das recht berufung einzulegen, wenn ja mit welcher Begründung?


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#9
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(29782 Beiträge, 16160x hilfreich)

Bis das Berufungsverfahren läuft hätte Hans so zumindest alle geschädigten ihr Geld zurück gezahlt, würde das das Urteil das Landgericht vielleicht milder stimmen und das Strafmaß senken? Oder denkt Hans falsch? Nö, das könnte klappen.

Hätte Hans überhaupt das recht berufung einzulegen Klar doch.

wenn ja mit welcher Begründung? Sie erwarten jetzt nicht ernsthaft, dass Ihnen jemand eine Begründung vorformuliert?

Signatur:

Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).

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#10
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(29677 Beiträge, 9153x hilfreich)

Zitat (von Jonas057):
Hätte Hans überhaupt das recht berufung einzulegen, wenn ja mit welcher Begründung?


Für das Rechtsmittel der Berufung braucht es keine Begründung. Es reicht aus dass einem die Strafe nicht gefällt.

Zitat (von Jonas057):
Würde ihm da ein erneuter pflichtverteidiger zustehen?


"Erneut" ja, aber kein "neuer". Die Bestellung des bisherigen wirkt in der Berufung fort.

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