Hilfe zum Selbstschutz: Polizei gerufen wegen Beziehungsstreit bei Nachbarn

23. Februar 2024 Thema abonnieren
 Von 
Zahnloewe
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 1x hilfreich)
Hilfe zum Selbstschutz: Polizei gerufen wegen Beziehungsstreit bei Nachbarn

Guten Tag,

ich versuche es kurz zu machen: Heruntergekommener Plattenbau, Junges Paar (ca. 20) mit Baby hatte nachts Streit. Er war irgendwann alleine schluchzend im Hausflur. Später rief sie im Flur 2x „Ich rufe einen Nachbarn" (hat aber nicht konkret Hilfe eingefordert) und er „Ich bringe mich um".
Ich habe die Polizei gerufen, zwischenzeitlich waren sie wieder im Hausflur und er schleifte sie an den Haaren zurück in die Wohnung, während sie halb saß und schrie.


Ich musste der Polizei die zweite Haustür aufmachen, dabei habe ich kurz die Umstände geschildert. Ich denke, hier ist mir ein Fehler unterlaufen, weil ich sagte, dass ich das Gefühl hatte, schon mehrmals Sozialarbeiter dort gesehen zu haben. Es waren vor ein paar Monaten (beim Einzug) mehrmals einige Leute dort, die irgendwas überprüft haben und ich hatte das Gefühl, dass es Sozialarbeiter waren. Aber ob die jetzt vom Jobcenter waren oder vom Jugendamt (oder ob es überhaupt Sozialarbeiter waren) kann ich im Endeffekt nicht sagen. Ich denke, ich wollte den Polizeiruf noch etwas mehr rechtfertigen? Es wäre fairer gewesen, ich hätte das nicht gesagt. (Die Frau meinte später gegenüber der Polizei, sie habe noch nie mit dem Jugendamt zutun gehabt.)


Gegenüber der Polizei haben sie sich gegenseitig beschuldigt. Ein Küchenmesser wurde sichergestellt. Polizist hat mich befragt und da meine Version näher an der Version der Frau war, gab es 14 Tage Kontaktverbot für den Freund. Er war (spätestens) 36 Stunden später wieder in der Wohnung.

Der Polizist hat irgendwo angerufen und meinte, die Wohnung sei beengt, chaotisch, Küche verdreckt, Nachbarn hätten auch schon etwas zum Kindeswohl gesagt. Ich hatte das Gefühl, dass er vllt. etwas übertrieb, um sicherzustellen, dass das Baby wegkommt (zu dem Baby konkret hatte ich nichts gesagt). Es ist wohl noch in der Nacht abgeholt worden und seitdem weg.

Ich habe mittlerweile einen Polizeibrief bekommen („schriftliche Zeugenaussage"). „Tatvorwurf Körperverletzungen gemäß § 223 StGB ; Häusliche Gewalt"

Fragen:
Wie schützt man sich in so einer Situation am besten selbst?

- Soll ich darauf antworten? Kann man einschätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich richterlich zur Aussage gezwungen werde? Ich bin der einzige Zeuge (abgesehen von den Polizisten, die haben den Konflikt aber nicht direkt mitbekommen).

- Für deren Zeugnisverweigerungsrecht reicht es ja aus, wenn sie einfach behaupten, dass sie sich verlobt haben. Dann würde es an meiner Aussage hängen. Können die Aussagen, welche das Paar beim Polizeieinsatz gemacht haben, zurückgezogen werden?

Während der Auseinandersetzung hat sich ein Nachbar über den Lärm beschwert (ich denke, der direkte Nachbar). Generell müssten die Nachbarn, welche Wand an Wand wohnen, deutlich mehr mitbekommen haben. Von Seiten der Polizei bestand aber kein Interesse an weiteren Zeugen.

Ich befürchte, dass ich von dem Paar dafür verantwortlich gemacht werde, dass ihr Kind weg ist (evtl. steht auch fälschlicherweise im Polizeibericht, dass ich etwas zum Kindeswohl gesagt hätte) und der Mann scheint recht unberechenbar.

- Kann jemand einschätzen, wie das Procedere mit dem Baby aussieht?
- Soll ich, falls ich antworte, erwähnen, dass ich nichts Negatives zum Umgang mit dem Baby sagen kann? (Konkrete Fragen zum Baby stehen nicht im Brief)
- Bei der Befragung hat der Polizist gefragt, ob ich mir sicher sei, dass der Mann "Ich bringe mich um!" und nicht "Ich bringe dich um!" gesagt hat. Eigentlich würde ich sagen, dass ich mir sicher bin, aber in so einer Polizeibefragung hinterfragte ich es dann doch wieder. In der Befragung selbst habe ich gesagt, "So 95%", damit schien er sichtlich zufrieden. Im Nachhinein würde ich vllt. Eher 90% zu 10% sagen. Soll ich das so angeben oder nicht, weil der eine Buchstabe die Bedeutung ja doch stark verändert?


Vielen Dank.

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5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(33070 Beiträge, 17329x hilfreich)

Wer soll denn hier irgendwelche Wahrscheinlichkeiten ermitteln? Dass Sie grundsätzlich aussagen müssen, wissen Sie ja offenbar schon.

Signatur:

Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).

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#2
 Von 
Louis Cypher
Status:
Praktikant
(505 Beiträge, 183x hilfreich)

Zitat (von Zahnloewe):
Wie schützt man sich in so einer Situation am besten selbst?

- Soll ich darauf antworten? Kann man einschätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich richterlich zur Aussage gezwungen werde? Ich bin der einzige Zeuge (abgesehen von den Polizisten, die haben den Konflikt aber nicht direkt mitbekommen).


Am besten indem Sie nur das aussagen, was Sie auch tatsächlich mitbekommen haben.

Und ja, Sie müssen als Zeuge aussagen. Ein Aussageverweigerungsrecht für lediglich Nachbarn gibt es nicht.
Dann geben Sie nur das zu Protokoll, was Sie auch tatsächlich mitbekommen haben. Keine Mutmaßungen oder Meinungen. Es reicht wenn Sie aussagen, dies und das habe ich gesehen, und das habe ich dabei gehört. Danach ist das passiert, das habe ich aber nicht gesehen sondern nur gehört. So etwas in der Art.
Und wenn Sie etwas nicht mehr wissen oder sich dabei unsicher sind, sagen Sie das einfach. Auf keinen Fall etwas erfinden nur um die Frage zu beantworten.
Kein Mensch erwartet von Ihnen dass Sie ein Wortprotokoll des Geschehens liefern können.
Insoweit bleiben Sie bei der Wahrheit, fügen Sie nichts hinzu und verschweigen Sie nichts. Dann sind Sie safe.

-- Editiert von User am 27. Februar 2024 11:42

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#3
 Von 
cirius32832
Status:
Schlichter
(7518 Beiträge, 1562x hilfreich)

Erstmal ein Lob an Ihre Zivilcourage

Zitat (von Zahnloewe):
- Soll ich darauf antworten? Kann man einschätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich richterlich zur Aussage gezwungen werde? Ich bin der einzige Zeuge (abgesehen von den Polizisten, die haben den Konflikt aber nicht direkt mitbekommen).


Ja, auf jeden Fall antworten. Alles weitere wird man sehen. Auch, ob Sie als Zeuge aussagen müssen. Es kann auch sein, dass Sie geladen werden zur Verhandlung aber garnicht aufgerufen werden usw.

Signatur:

https://www.antispam-ev.de

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(121697 Beiträge, 40049x hilfreich)

Zitat (von Zahnloewe):
Wie schützt man sich in so einer Situation am besten selbst?

Wogegen denn konkret?



Zitat (von cirius32832):
Auch, ob Sie als Zeuge aussagen müssen.

Nö, das steht schon fest, das entsprechende Schreiben hat man ja schon.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
DeusExMachina
Status:
Lehrling
(1540 Beiträge, 326x hilfreich)

Zitat (von Zahnloewe):
Wie schützt man sich in so einer Situation am besten selbst?
Diese Frage verstehe ich dahingehend, wie man sich gg. etwaige Konsequenzen einer möglichen Falschaussage schützen kann. Nach den bisherigen Schilderungen ist dies m.E. der falsche Ansatz, da hier bereits keine Motivation zu einer falschen Aussage ersichtlich ist.

Zunächst einmal stelle ich fest, dass sich sowohl Zeuge (durch dessen Anruf) als auch Polizeibeamte (durch - so nehme ich an - polizeiliches Kontaktverbot zur Gefahrenabwehr sowie Information des Jugendamtes über eine mögliche Kindeswohlgefährdung) bislang offenbar vorbildlich verhalten haben. Der Zeuge steht nun (übrigens zum Wohle aller Beteiligten) in der Verantwortung, seine persönliche Wahrnehmung der Geschehnisse nach bestem Wissen zu schildern. Es bedarf dabei keiner mathematischen Akkuratesse; wenn man sich "zu 95%" sicher ist, dann ist man sich schlichtweg sehr sicher. Zudem gibt es hier doch ein paar sehr eindeutige Details, insbesondere:
Zitat (von Zahnloewe):
zwischenzeitlich waren sie wieder im Hausflur und er schleifte sie an den Haaren zurück in die Wohnung
Es ist zwar nicht Aufgabe des Zeugen, dafür zu sorgen, dass Frau und Kind langfristig in Sicherheit gebracht werden, jedoch ist seine wahrheitsgemäße Aussage nicht unerheblich, um dieses Ziel - wenn denn angezeigt - zu erreichen. Aus bescheidener Lebenserfahrung möchte ich dringend davon abraten, erhebliche Eindrücke (bspw. zugunsten des Kindsvaters) zu unterdrücken, da beim nächsten Einsatz ggf. auch der RTW dabei sein würde. Und diesen Schuh möchte sich erfahrungsgemäß kein couragierter Zeuge anziehen.

Signatur:

Wahrheit ist Verhandlungssache.

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