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Körperverletzung,Schmerzensgeld,Zivilklage?

9. November 2005 Thema abonnieren
 Von 
EineMama
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)
Körperverletzung,Schmerzensgeld,Zivilklage?

Hallo an Alle Leser;

suche gute Ratschläge zu folgendem Vorfall:

Meine Tochter(17-in Ausbildung)wurde von einer 19Jährigen(in Ausbildung) zusammengeschlagen, die leicht betrunken und aggressiv war.Vorausgegangen war ein Gespräch der Beiden das zunächst ganz normal verlief in dessen Verlauf die 19Jährige jedoch plötzlich laut und aggressiv wurde und ohne Vorwarnung auf meine Tochter losging. Der erste Schlag ging an die Stirn, daraufhin ging meine Tochter benommen zu Boden und erinnert sich nur noch daran, dass sie geschlagen und getreten wurde und lediglich versucht hat die Attacken abzuwehren und sich zu schützen. Zeugen die hinzukamen eilten ihr zu Hilfe und rißen die Schlägerin von ihr weg. Anschließend brachten sie meine Tochter ins Krankenhaus zur Erstversorgung wo eine Kopfplatzwunde genäht und verbunden wurde,die weitere Behandlung übernahm dann der Hausarzt.
Wir haben sofort Anzeige wegen Körperverletzung erstattet und Strafantrag gestellt.In Kürze habe ich einen Termin beim Anwalt, weil ich eine Klage anstrebe und Schmerzensgeld fordere.
Meiner Meinung nach soll dieser schreckliche Vorfall nicht ungestraft bleiben und eine Entschädigung angestrebt werden.

Die festgestellten und attestierten Verletzungen waren:
-Kopfplatzwunde parietal
-Thoraxprellung
-Kieferschmerzen (Prellung)
-Oberschenkelprellung mit Hämatom
-Knieprellung mit Hämatom
-multiple Kratzer im Gesicht
-abdominale Schmerzen

AU 4 Tage.

Zeugen berichten, dass die Schlägerin keinerlei Reue zeigte sondern angab, meine Tochter solle froh sein dass wer dazwischenging weil sie sie am liebsten totgeschlagen hätte.

Meine Frage:

Wird etwas gegen die Schlägerin unternommen werden?
Mit welcher Strafe wird sie zu rechnen haben?
Hat es Sinn auf Schmerzensgeld zu klagen und in welcher geschätzten Höhe könnte dieses ausfallen?
Wie gross ist die Gefahr, auf den entstehenden Anwaltskosten etc. sitzen zu bleiben im Falle einer Zivilklage?

NIEMAND schlägt mein Kind ungestraft krankenhausreif aber wir können es uns leider auch nicht leisten, noch zusätzlich finanziellen Schaden durch diesen Vorfall zu erleiden.

Anmerkung: Meine Tochter ist mit uns rechtschutzversichert, der Schaden wurde bereits gemeldet.

Ich hoffe sehr auf einige Antworten, die mir ein wenig Auskunft darüber geben, was uns erwarten könnte.

Besten Dank im Voraus!


Eine entsetzte Mama

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13 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
JuR
Status:
Unparteiischer
(9878 Beiträge, 1412x hilfreich)

Guten Tag,

die Schadensersatzansprüche erfassen alle Schäden, die das Opfer durch den Täter erlitten hat. Darunter fallen z.B. Krankenhauskosten, Rechtsanwaltskosten usw. In der Regel wird die Rechtsschutzversicherung die Kosten für den Rechtsanwalt übernehmen. Es werden dem klagenden Opfer somit die Rechtsanwaltskosten nicht auferlegt.

Die Schmerzensgeldansprüche werden anhand der Richtlinie einer speziellen Tabelle ermittelt. Denkbar ist eine Höhe von über EUR 2000,-. Die genaue Höhe ist jedoch von dem genauen Verletzungsgrad und dem jeweiligen Gericht abhängig.

Die Staatsanwaltschaft und die Polizei werden den Sachverhalt ermitteln. Danach wird die Staatsanwaltschaft Anklage erheben, laut Ihrem Sachverhalt wegen gefährlicher Körperverletzung, wenn hinreichende Tatsachen und/oder Indizien auf eine Strafbarkeit des Täters hinweisen. Je nach Vorstrafen, Schuld und Tatbestandsverwirklichung des Täters, angewandtem Recht (Erwachsenenstrafrecht oder Jugendstrafrecht) wird das Gericht eine Strafe verhängen. In diesem Prozess wird das Opfer als Zeuge geladen, ebenso wie die anderen Personen, die etwas zur Sachverhaltsaufklärung beitragen können. Das Gericht kann auch finanzielle Wiedergutmachung dem Täter auferlegen, welche an das Opfer zu zahlen ist.


Mit freundlichen Grüßen,

- Roenner -




-- Editiert von cand. jur. Hr. J. Roenner am 10.11.2005 00:14:41

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
JuR
Status:
Unparteiischer
(9878 Beiträge, 1412x hilfreich)

Nachtrag - Berichtigung:

Im ersten Absatz meines Beitrages [10.11.2005 00:08:00] muss folgendes hinzugefügt werden: 'Ankläger ist die Staatsanwaltschaft. Das Opfer kann jedoch als Nebenkläger auftreten.'

Im ersten Absatz im letzten Satz [...]...klagenden Opfer...[...] muss das Wort 'klagenden' gestrichen werden.


Mit freundlichen Grüßen,

- Roenner -




-- Editiert von cand. jur. Hr. J. Roenner am 10.11.2005 00:47:45

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
EineMama
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Herzlichen Dank für diese schnelle,umfangreiche und mutmachende Antwort!!!!

Mit freundlichen Grüßen

Eine Mama

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
JuR
Status:
Unparteiischer
(9878 Beiträge, 1412x hilfreich)

Gern geschehen.

Bei weiteren Fragen melden Sie sich hier einfach nochmal.


Mit freundlichen Grüßen,

- Roenner -


0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
Dumbele
Status:
Schüler
(427 Beiträge, 113x hilfreich)

@mama

der Weiße Ring kann helfen...sie mein Beitrag zu Ihrer Frage in anderem Körperverletzungsfall

@hr Roenner

habe mal gehört, dass bei Jugendlichen Straftätern die Nebenklage nicht möglich ist. Stimmt das oder ist das Stammtischphilosophie. Danke

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
JuR
Status:
Unparteiischer
(9878 Beiträge, 1412x hilfreich)

Hallo Dumbele,

im Jugendstrafrecht ist die Nebenklage unzulässig. Anders im Erwachsenenstrafrecht.


Mit freundlichen Grüßen,

- Roenner -


0x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
JuR
Status:
Unparteiischer
(9878 Beiträge, 1412x hilfreich)

Wenn wir es jedoch ganz genau nehmen, müssen wir nochmals im Jugendstrafrecht differenzieren. Hierbei ist sogleich darauf hinzuweisen, daß gegen Heranwachsende beschleunigtes Verfahren, Privat- und Nebenklage zulässig sind, denn in § 109 Abs. 1 JGG wird auf die Ausschlußvorschrift der §§ 79 und 80 JGG gerade nicht Bezug genommen.


Mit freundlichen Grüßen,

- Roenner -




-- Editiert von cand. jur. Hr. J. Roenner am 10.11.2005 11:31:40

1x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
guest-12324.02.2012 19:24:05
Status:
Beginner
(105 Beiträge, 60x hilfreich)

Hallo Mama,
ich kann Dir nur sagen, erwarte nicht zuviel von unseren Gerichten. Mein Sohn war 7 Jahre alt als er von einem 33 jährigen Mann auf dem Fußballplatz verprügelt wurde. Wegen einen angeblichen Fouls an seinem 10 Jahre alten Sohn.
Der Mann gab meinen Sohn mehrere Ohrfeigen, packte ihn an seinem Hals und schüttelte ihn, schlug seinen Kopf mehrmals gegen eine Betonwand. Mein Sohn war 4 Tage im Krankenhaus.Geschwollenes Gesicht, Druckstellen am Hals, eine Platzwunde am Hinterkopf die genäht werden musste, mehrere Beulen am Kopf und eine schwere Gehirnerschütterung. Wir haben Anzeige erstattet und einen Anwalt hinzugezogen. Nach 7 Monaten war die Verhandlung. Seine Strafe:
15 Tagessätze a 25 € und 400€ Schmerzensgeld an meinen Sohn. Gut, Anwalts und Gerichtskosten sowie die Krankenhausbehandlung musste er auch zahlen, aber Geld hat er mehr wie genug, auch wenn er offiziel nicht viel verdient.
Was mein Sohn durchgemacht hat kann sich kaum einer vorstellen. Er ist noch heute, 22 Monate nach dieser Tat, regelmässig beim Kinderpsychologen.
Wenn einem meiner KInder nochmal sowas passieren würde, wärre meine Reaktion eine andere. Auch wenn ich bis zu dieser Verhandlung immer an unsere Gerichte geglaubt habe und Selbstjustiz unmöglich fand, eine Anzeige würde ich nicht mehr machen. Uns hatten damals viele Menschen ihre Hilfe angeboten um dem Kerl zu zeigen wie es ist wenn man verprügelt wird. Wir waren aber überzeugt das ein Gericht diesen Kerl bestraft.
Also mach Dir nicht zu viele Hoffnung auf ein gerechtes Urteil.
Deiner Tochter alles Gute,
Nicole

1x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
nwg100
Status:
Praktikant
(522 Beiträge, 88x hilfreich)

Guten Abend Nicole,

ich habe Ihre Geschichte gelesen und mir steigt die Galle hoch.

Wie mir scheint haben Sie auch das Vertrauen in unseren Rechtsstaat verloren, was auf mich genauso zutrifft.

In manchen Fällen, muss bei Dunkelheit auch mal anderst und unkonventionell eine angemessene Reaktion-hart und energisch gezeigt werden.
Anzeigen würde ich auch heute nie wieder erstatten, da meine Glaube an die Justiz längst im Nirvana veschwunden ist.

Ich kann Ihre Wut und Auffregung sehr gut vestehen.

Bitte grüßen Sie mir Ihren Sohn und handeln nach sorgfältiger Abwägung ( ich hoffe es kommt nie mehr dazu ) zukünftig anderst.

Viele Grüße
nwg100

0x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
EineMama
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

DANKE an Alle, die sich die Mühe machten, zu meiner Anfrage einen Beitrag zu leisten; tut sehr gut zu lesen, dass man nicht allein ist mit solchen Problemen und jeder Ratschlag oder Erfahrungswert ist wertvoll für mich!

@Nicole: Schrecklicher Sachverhalt,kein Wunder wenn man in solchen Fällen den Glauben an die Justiz verliert und das Gefühl am liebsten "Selbstjustiz" rechtsprechen zu lassen kenn ich und meine Tochter jetzt auch, dürfte aber nach wie vor in keinem Fall der richtige Weg sein. Irgendwie traurig diese Welt....
Besten Dank für die guten Wünsche und auch für Deinen Sohn und der ganzen betroffenen Familie die besten Wünsche, ich hoffe die Zeit heilt Wunden!!

`Mama

0x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
EineMama
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo an Alle,

jetzt bin ich noch entsetzter!!!

Noch bevor unser Anwalt Akteneinsicht gewährt bekam, hat der Staatsanwalt eine Entscheidung gefällt:

"Von der Verfolgung habe ich mit Verfügung vom 19.01.06 gemäß §45 Abs.2 Jugendgerichtsgesetz abgesehen.
Begründung:
Erzieherische Maßnahmen wurden bereits auf Weisung der Staatsanwaltschaft durch das Jugendamt getroffen. Die Beschuldigte ist bereits hinreichend beeindruckt durch die Entdeckung der Tat und die erfolgte polizeil.Vernehmung.Die Staatsanwaltschaft geht davon aus,dass weitere Maßnahmen,insbesondere eine Ahndung durch den Jugendrichter, in diesem Falle nicht nötig sind und sieht deshalb ausnahmsweise von einer Strafverfolgung ab.Bei erneuter, vor allem einschlägiger Straffälligkeit ist eine solche Behandlung nicht mehr zu erwarten und es muß mit der Erhebung der öffentl.Klage gerechnet werden."

So der exakte Wortlaut des Herrn Staatsanwaltes...

Ich bin erschüttert und meine Tochter ist entsetzt darüber, dass die erheblichen Verletzungen und Schmerzen die ihr mutwillig zugeführt wurden, völlig ungestraft bleiben.

Für Stellungnahmen wäre ich "SEHR" dankbar, vielleicht hilft es mir durch andere Sichtweisen diese Entscheidung zu verstehen.

Besten Dank im Voraus

0x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30191 Beiträge, 9424x hilfreich)

Naja, es kommt drauf an, was für 'erzieherische Maßnahmen' getroffen wurden. Sollten dies 'soziale Arbeitsstunden' sein, wäre auch bei Erhebung der öffentlichen Klage und einer gerichtlichen Hauptverhandlung wohl nicht mehr rausgekommen. So wurden die Stunden (wenn es denn welche sind) halt per anderer Vorschrift verhängt. Im Ergebnis macht das keinen Unterschied.

Die zivilrechtliche Seite (Schmerzensgeld) ist davon i.Ü. unberührt. Das hat Ihnen aber sicher ihr Anwalt schon gesagt.

-----------------
"<small>da mihi factum, dabo tibi ius-iura novit curia
Gruß,Bob(SozArb. Straffälligen-/Drogenhilfe)"

0x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
EineMama
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 0x hilfreich)

Lieber Bob,

ich danke Ihnen für die schnelle Stellungnahme. Ihr Beitrag hat mir sehr geholfen und das Gefühl genommen, dass die Schlägerin offensichtlich ohne Strafe davongekommen ist.
Von unserem Anwalt habe ich noch nichts gehört, er wollte sich melden sobald er etwas in Erfahrung gebracht hat. Das Schreiben von der Staatsanwaltschaft habe ich sofort an ihn weitergeleitet, weil er davon noch keine Kenntnis hatte.

Wir werden also wieder abwarten...

Liebe Grüße

"eineMama"

0x Hilfreiche Antwort

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