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Körperverletzung - Welche Strafe?

23.2.2021 Thema abonnieren
 Von 
naym389
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)
Körperverletzung - Welche Strafe?

Hallo,
ich und mein Freund hatten einen Streit.
Ich war sehr wütend und haben Ihn stark gekniffen worauf er mich auf meine Schulter schlug und nach mir trat. Ich schlug ihn ebenfalls auf seine Schulter und trat Ihm ins Gesicht, sodass erstmal nichts sehen konnte. Er war ziemlich betrunken und rastete danach aus sodass er anfing auf mich einzuschlagen und mir die Nase brach.
Ich hab die Polizei angerufen, worauf er das Haus verlassen hat.
Ich wurde ins Krankenhaus begleitet und von der Polizei aufgefordert Strafantrag zu stellen. Ich lehnte dies ab da wir uns immerhin gegenseitig verletzt haben.
Er hat die Vorladung zu seiner Aussage abgelehnt. Nun 5 Monate später kam ein Brief in dem steht das es zur einer Hauptverhandlung kommt weil ein „besonderes öffentliches Interesse besteht". Ich hatte bei meiner Vernehmung ausdrücklich gesagt das ich Ihn zu erst verletzt habe und nicht möchte das er dafür bestraft wird.
Welche Strafe kann nun auf Ihn zu kommen? Zur Info er ist nicht vorbestraft und ist 20 Jahre alt.


-- Editiert von naym389 am 23.02.2021 23:12

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13 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Zuckerberg
Status:
Praktikant
(548 Beiträge, 653x hilfreich)

Geldstrafe in Abhängigkeit von seinem Einkommen. Wobei auch Jugendstrafrecht angewendet werden könnte. Daher schwer zu sagen. Dass (vermutlich) beim Jugendrichter angeklagt wurde, sagt darüber noch nichts aus.

Eine andere Frage ist, ob wirklich schon feststeht, dass es zur Hauptverhandlung kommt. Dazu hätte der Freund schon vorher eine Anklageschrift erhalten sollen. Wird vielleicht erst die Hauptverhandlung beantragt?

Hat jemals jemand von Ihnen schriftliche Angaben gemacht? Oder überhaupt noch Angaben gemacht, nachdem Sie damals im Krankenhaus waren?

Meiner Meinung nach hat der Freund gewisse Chancen, da freigesprochen zu werden. Das hängt davon ab, was Sie der Polizei ganz genau mitgeteilt hatten (oder wie sich das jetzt darstellt). Und davon, was Sie jetzt aussagen würden. Nicht unbedingt ist "ich habe angefangen ihn zu kneifen" die für den Freund günstigste Aussage. Die für ihn günstigste Aussage könnte vielmehr eine gar nicht erfolgende Aussage sein. Das ist etwas problematisch, da Sie eigentlich zur Aussage verpflichtet sind. Eine Ausnahme davon wäre hier schwierig aus dem Hut zu zaubern, auch wenn ich zwei "gewagte" Ideen hätte.

Die Ideallösung besteht vielleicht darin, dass Sie sich anwaltlich beraten lassen. Ich würde durchaus meinen, dass Sie dieses Problem (wenn Sie mit ihren Aussagen sehr vorsichtig sind) vielleicht auch alleine lösen könnten. Es kann aber auch gut sein, dass Sie sich dort verplappern werden (bzw. den Sachverhalt zwar zutreffend, aber ungünstig darstellen). Hier im Forum kann Ihnen niemand dazu weitere Hinweise geben, da es sehr darauf ankommen könnte, was schon in der Akte steht.

Der Anwalt wäre natürlich teuer. Theretisch könnten Sie (bzw. der Freund) auch ohne Anwalt da reingehen.

Das mit dem "besonderen öffentlichen Interesse" überrascht nicht so sehr. Damit kann der Fall angeklagt werden, auch wenn Sie selber das nicht wollen. Manche Staatsanwälte machen das standardmäßig, wenn es um "häusliche Gewalt" und/oder einen Knochenbruch geht.

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#2
 Von 
naym389
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Zuckerberg):
Geldstrafe in Abhängigkeit von seinem Einkommen. Wobei auch Jugendstrafrecht angewendet werden könnte. Daher schwer zu sagen. Dass (vermutlich) beim Jugendrichter angeklagt wurde, sagt darüber noch nichts aus.

Eine andere Frage ist, ob wirklich schon feststeht, dass es zur Hauptverhandlung kommt. Dazu hätte der Freund schon vorher eine Anklageschrift erhalten sollen. Wird vielleicht erst die Hauptverhandlung beantragt?

Hat jemals jemand von Ihnen schriftliche Angaben gemacht? Oder überhaupt noch Angaben gemacht, nachdem Sie damals im Krankenhaus waren?

Meiner Meinung nach hat der Freund gewisse Chancen, da freigesprochen zu werden. Das hängt davon ab, was Sie der Polizei ganz genau mitgeteilt hatten (oder wie sich das jetzt darstellt). Und davon, was Sie jetzt aussagen würden. Nicht unbedingt ist "ich habe angefangen ihn zu kneifen" die für den Freund günstigste Aussage. Die für ihn günstigste Aussage könnte vielmehr eine gar nicht erfolgende Aussage sein. Das ist etwas problematisch, da Sie eigentlich zur Aussage verpflichtet sind. Eine Ausnahme davon wäre hier schwierig aus dem Hut zu zaubern, auch wenn ich zwei "gewagte" Ideen hätte.

Die Ideallösung besteht vielleicht darin, dass Sie sich anwaltlich beraten lassen. Ich würde durchaus meinen, dass Sie dieses Problem (wenn Sie mit ihren Aussagen sehr vorsichtig sind) vielleicht auch alleine lösen könnten. Es kann aber auch gut sein, dass Sie sich dort verplappern werden (bzw. den Sachverhalt zwar zutreffend, aber ungünstig darstellen). Hier im Forum kann Ihnen niemand dazu weitere Hinweise geben, da es sehr darauf ankommen könnte, was schon in der Akte steht.

Der Anwalt wäre natürlich teuer. Theretisch könnten Sie (bzw. der Freund) auch ohne Anwalt da reingehen.

Das mit dem "besonderen öffentlichen Interesse" überrascht nicht so sehr. Damit kann der Fall angeklagt werden, auch wenn Sie selber das nicht wollen. Manche Staatsanwälte machen das standardmäßig, wenn es um "häusliche Gewalt" und/oder einen Knochenbruch geht.

Hallo, danke erstmal für die ausführliche Antwort.
Er hat eine Anklageschrift erhalten in der steht „Es wird beantragt das Hauptverfahren zu eröffnen und Termin zur Hauptverhandlung vor dem ** anzuberaumen.
Ich habe bei meiner Vorladung Angaben gemacht und zwar genau so wie es wirklich war. Das aufgrund eines Streites ich Ihn gekniffen habe, dann ins Gesicht getreten habe usw..
In diesem Schreiben stehen übrigens als Beweismittel Zeugen, darunter ich, ein Freund von Ihm und die Polizisten die an dem Tag mich ins Krankenhaus begleitet haben. Bedeutet das die dort stehenden Zeugen bei der Hauptverhandlung auch aussagen müssen?

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#3
 Von 
Zuckerberg
Status:
Praktikant
(548 Beiträge, 653x hilfreich)

Zitat:
Ich lehnte dies ab da wir uns immerhin gegenseitig verletzt haben.

Zitat:
Ich hatte bei meiner Vernehmung ausdrücklich gesagt das ich Ihn zu erst verletzt habe und nicht möchte das er dafür bestraft wird.
Das Problem ist, dass keiner dieser Gründe einer Bestrafung zwingend entgegen steht. Insbesondere ergibt sich selbst aus Ihrem anfänglichen Kneifen nicht unbedingt eine Notwehrsituation. Nicht eine solche, die es gerechtfertigt hätte, Ihnen die Nase zu brechen.

Will man vor Gericht auf Notwehr hinaus, muss das dynamische Geschehen am Tattag entsprechend dargestellt werden. Dabei kann es auf Feinheiten ankommen. SIe haben die Justiz bisher nicht von einer Notwehr überzeugen können (sonst wäre nicht angeklagt worden) und können das vermutlich auch weiterhin nicht. Ein Anwalt aber velleicht doch.

Übrigens ist im Falle einer Verurteilung vielleicht damit zu rechnen, dass auch Kosten im Zusammenhang mit Ihrer Verletzung (Nasenbruch) durch den Mann zu bezahlen sind. Auch vor diesem Hintergrund ist das Geld in einen Anwalt vielleicht gut investiert.

Zitat:
Er hat die Vorladung zu seiner Aussage abgelehnt.
Und sich auch nicht schriftlich geäußert? Im Nachhinein betrachtet war das eine Möglichkeit, auf eine Einstellung hinzuwirken.

Zitat:
Ich habe bei meiner Vorladung Angaben gemacht und zwar genau so wie es wirklich war.
Dass trotzdem Anklage erhoben wurde, zeigt dann immerhin, in welche Richtung das ganze gehen dürfte: Die Staatsanwaltschaft hat sich von Ihrer Aussage nicht abhalten lassen, den Mann anzuklagen. Das Gericht könnte es ähnlich sehen und sich nicht davon abhalten lassen, den Mann zu verurteilen.

Zitat:
Bedeutet das die dort stehenden Zeugen bei der Hauptverhandlung auch aussagen müssen?
Vereinfacht gesagt: Ja. Am Ende entscheidet das Gericht, welche Zeugen es wirklich hören möchte. ABer die Zeugen haben grundsätzlich eine Aussagepflicht.

Zitat:
In diesem Schreiben stehen übrigens als Beweismittel Zeugen, darunter ich, ein Freund von Ihm und die Polizisten die an dem Tag mich ins Krankenhaus begleitet haben.
Allein die Tatsache, dass hier jetzt noch ein Dritter (ein Freund von ihm) auftaucht, zeigt, dass man in einem Forum die Situation unmöglich so umfassend erfassen kann, wie es erforderlich wäre. Nur ein Anwalt kann nach Akteneinsicht sagen, was hier am besten zu tun ist.

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#4
 Von 
naym389
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Zuckerberg):
Zitat:
Ich lehnte dies ab da wir uns immerhin gegenseitig verletzt haben.

Zitat:
Ich hatte bei meiner Vernehmung ausdrücklich gesagt das ich Ihn zu erst verletzt habe und nicht möchte das er dafür bestraft wird.
Das Problem ist, dass keiner dieser Gründe einer Bestrafung zwingend entgegen steht. Insbesondere ergibt sich selbst aus Ihrem anfänglichen Kneifen nicht unbedingt eine Notwehrsituation. Nicht eine solche, die es gerechtfertigt hätte, Ihnen die Nase zu brechen.

Will man vor Gericht auf Notwehr hinaus, muss das dynamische Geschehen am Tattag entsprechend dargestellt werden. Dabei kann es auf Feinheiten ankommen. SIe haben die Justiz bisher nicht von einer Notwehr überzeugen können (sonst wäre nicht angeklagt worden) und können das vermutlich auch weiterhin nicht. Ein Anwalt aber velleicht doch.

Übrigens ist im Falle einer Verurteilung vielleicht damit zu rechnen, dass auch Kosten im Zusammenhang mit Ihrer Verletzung (Nasenbruch) durch den Mann zu bezahlen sind. Auch vor diesem Hintergrund ist das Geld in einen Anwalt vielleicht gut investiert.

Zitat:
Er hat die Vorladung zu seiner Aussage abgelehnt.
Und sich auch nicht schriftlich geäußert? Im Nachhinein betrachtet war das eine Möglichkeit, auf eine Einstellung hinzuwirken.

Zitat:
Ich habe bei meiner Vorladung Angaben gemacht und zwar genau so wie es wirklich war.
Dass trotzdem Anklage erhoben wurde, zeigt dann immerhin, in welche Richtung das ganze gehen dürfte: Die Staatsanwaltschaft hat sich von Ihrer Aussage nicht abhalten lassen, den Mann anzuklagen. Das Gericht könnte es ähnlich sehen und sich nicht davon abhalten lassen, den Mann zu verurteilen.

Zitat:
Bedeutet das die dort stehenden Zeugen bei der Hauptverhandlung auch aussagen müssen?
Vereinfacht gesagt: Ja. Am Ende entscheidet das Gericht, welche Zeugen es wirklich hören möchte. ABer die Zeugen haben grundsätzlich eine Aussagepflicht.

Zitat:
In diesem Schreiben stehen übrigens als Beweismittel Zeugen, darunter ich, ein Freund von Ihm und die Polizisten die an dem Tag mich ins Krankenhaus begleitet haben.
Allein die Tatsache, dass hier jetzt noch ein Dritter (ein Freund von ihm) auftaucht, zeigt, dass man in einem Forum die Situation unmöglich so umfassend erfassen kann, wie es erforderlich wäre. Nur ein Anwalt kann nach Akteneinsicht sagen, was hier am besten zu tun ist.

Okay, er wird sich wohl einen Anwalt nehmen. Im Falle einer Verurteilungen, Sie schrieben bereits das eine Geldstrafe denkbar wäre. Ist eine Haftstrafe oder Sozialstunden in diesem Fall eher unwahrscheinlich?
Kann der Arbeitgeber im Falle einer Verurteilungen informiert werden?

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#5
 Von 
drkabo
Status:
Philosoph
(12149 Beiträge, 8014x hilfreich)

Haftstrafe dürfte ausgeschlossen sein, wenn es keine erheblichen Vorbelastungen gibt.

Sozialstunden sind die Universalwaffe des Jugendrechts. Es ist unklar, ob Jugendrecht Anwendung findet. Bei "20 Jahre" ist sowohl Jugendrecht als auch Erwachsenenrecht möglich.

Es gibt Regelungen, worüber der Arbeitgeber informiert wird (MitStra) - das trifft aber im wesentlichen dann zu, wenn man im öffentlichen Dienst arbeitet. Aber selbst dann findet das nur statt, wenn die Staatsanwaltschaft weiß, wo man arbeitet. Wenn man denen das nicht gerade selbst auf die Nase bindet, macht sich die Staatanwaltschaft normalerweise keine Mühe, den Arbeitgeber herauszufinden.

Signatur:Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.
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#6
 Von 
naym389
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von drkabo):
Haftstrafe dürfte ausgeschlossen sein, wenn es keine erheblichen Vorbelastungen gibt.

Sozialstunden sind die Universalwaffe des Jugendrechts. Es ist unklar, ob Jugendrecht Anwendung findet. Bei "20 Jahre" ist sowohl Jugendrecht als auch Erwachsenenrecht möglich.

Es gibt Regelungen, worüber der Arbeitgeber informiert wird (MitStra) - das trifft aber im wesentlichen dann zu, wenn man im öffentlichen Dienst arbeitet. Aber selbst dann findet das nur statt, wenn die Staatsanwaltschaft weiß, wo man arbeitet. Wenn man denen das nicht gerade selbst auf die Nase bindet, macht sich die Staatanwaltschaft normalerweise keine Mühe, den Arbeitgeber herauszufinden.

Danke erstmal für die Antwort.
In dem schreiben steht er hat eine Frist von 2 Wochen "die Vornahme einzelner Beweiserhebungen vor der Entscheidung über die Eröffnung des Hauptverfahrens beantragen oder Einwendungen gegen die Eröffnung des Hauptverfahrens vorbringen. Wenn Sie die Vernehmung von Zeugen beantragen, müssen Sie die Tatsachen angeben, über die jeder einzelne Zeuge vernommen werden soll."

Bedeutet das er könnte sich in einem schreiben dazu äußern um evtl. zu verhindern das, das Hauptverfahren überhaupt eröffnet wird?
Kann er mich als Zeuge angeben damit ich nochmal ausdrücklich klarstellen kann das diese Körperverletzung beidseitig stattgefunden hat und anfangs von mir ausging? - oder ist das irrelevant weil ich als Zeuge ohnehin schon als Beweismittel in dem Schreiben angegeben wurde?

Sie sagen eine Haftstrafe dürfte ausgeschlossen sein, wenn es keine erheblichen Vorbelastungen gibt?
Er hatte zwar ein paar Anzeigen, für die er aber nie verurteilt wurde und diese immer eingestellt wurden.
Kann so etwas auch gegen Ihn verwendet werden?

Außerdem steht in den schreiben er wird angeklagt "eine andere Person körperlich misshandelt und an der Gesundheit geschädigt zu haben"
Vergehen, strafbar gemäß §§ 223 Abs. 1, 230 StGB, 1, 105 JGG
Bedeutet 105 JGG das bei einer Hauptverhandlung das Jugendstrafrecht angewendet wird?

Gruß

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#7
 Von 
Dirrly
Status:
Praktikant
(651 Beiträge, 262x hilfreich)

Zitat (von naym389):
edeutet 105 JGG das bei einer Hauptverhandlung das Jugendstrafrecht angewendet wird?

Es bedeutet, dass das Verfahren - wie es auch richtig ist - vor einem Jugendrichter stattfinden wird.

Ob im Falle einer Verurteilung dann Jugendstrafrecht oder Erwachsenenstrafrecht angewendet wird, entscheidet sich erst durch die Hauptverhandlung.


Zitat (von naym389):
Er hatte zwar ein paar Anzeigen, für die er aber nie verurteilt wurde und diese immer eingestellt wurden.
Kann so etwas auch gegen Ihn verwendet werden?


Auch eingestellte Taten können im Strafmaß berücksichtigt werden. Zumindest je nach Vorschrift nach der sie eingestellt wurden.


Zitat:
Bedeutet das er könnte sich in einem schreiben dazu äußern um evtl. zu verhindern das, das Hauptverfahren überhaupt eröffnet wird?


Theoretisch ja, aber dass ihm das gelingt bezweifle ich.

Damit die Eröffnung abgelehnt wird, müsste das Gericht zur Auffassung gebracht werden, dass er der vorgeworfenen Straftat nicht mehr hinreichend verdächtig erscheint.

Natürlich kann er dich nochmal als Zeugin benennen, aber das bist du ja bereits.


-- Editiert von Dirrly am 24.02.2021 13:30

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#8
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(28973 Beiträge, 15778x hilfreich)

Auch eingestellte Taten können im Strafmaß berücksichtigt werden. Zumindest je nach Vorschrift nach der sie eingestellt wurden. So ist es - in der Verhandlung wird der Erziehungsregisterauszug des Angeklagten verlesen werden, in dem eingestellte Verfahren registriert sind, soweit die Einstellung wegen Geringfügigkeit erfolgt ist.

Signatur:Bei nur einer Ratte im Zimmer handelt es sich nicht um einen Reisemangel ( Amtsgericht Köln).
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#9
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(28826 Beiträge, 8709x hilfreich)

Zitat (von Zuckerberg):
Wobei auch Jugendstrafrecht angewendet werden könnte. Daher schwer zu sagen. Dass (vermutlich) beim Jugendrichter angeklagt wurde, sagt darüber noch nichts aus.

Nicht nur vermutlich. Bei zur Tatzeit Heranwachsenden wird immer zum Jugendgericht angeklagt, welches dann entsprechend über Jugend- oder Erwachsenenrecht entscheidet (siehe Beitrag von Dirrly)

Zitat (von naym389):
Bedeutet das er könnte sich in einem schreiben dazu äußern um evtl. zu verhindern das, das Hauptverfahren überhaupt eröffnet wird?

Auch da hat Dirrly schon das Wesentliche geschrieben. Diese "Erklärungsmöglichkeit" nach § 201, Abs. 1, Satz 1 StPO dient nicht dazu, quasi noch mal das zu wiederholen, was man bereits im Ermittlungsverfahren gesagt hat (oder was detailliertes nachzuschieben, das man dort nicht gesagt hat) und auch nicht dazu Zeugen zu benennen, die ohnehin schon als Zeuge aufgeführt sind. Im geschilderten Fall ist nichts ersichtlich was dort noch vorzubringen wäre und erst recht nichts, was das Potenzial hätte die Eröffnung des Hauptverfahrens zu verhindern. Von daher sollte man es unterlassen, irgendwelche " unnützen Pamphlete" ans Gericht zu senden, denn das nervt (das Gericht) einfach nur.



Zitat (von naym389):
das eine Geldstrafe denkbar wäre. Ist eine Haftstrafe oder Sozialstunden in diesem Fall eher unwahrscheinlich?


Eine Geldstrafe kann es nur geben, wenn durch das Jugendgericht Erwachsenenrecht angewendet wird. Im Jugendrecht selbst gibt es keine Geldstrafen (allenfalls Geldauflagen).

Eine Haftstrafe (also eine Jugend-Freiheits-Strafe) mit oder ohne Bewährung sehe ich der Schilderung nach auch erst mal nicht. Wobei es ggf. auch auf Anzahl, Art und Güte der bisherigen Verfahrenseinstellungen ankommt. Davon abhängig wäre evtl. auch Jugendarrest (das ist keine Freiheitsstrafe im rechtlichen Sinne) denkbar. Mögliche Dauer: 2 Tage (1 Wochenende) bis zu 4 Wochen. Im Übrigen ist theo. alles möglich, was (hauptsächlich) die §§ 10 und 15 JGG so hergeben. Immer davon ausgehend, dass am Ende Jugendrecht zur Anwendung kommt, was ja -wie erklärt- noch offen ist.

Zitat (von Zuckerberg):
Übrigens ist im Falle einer Verurteilung vielleicht damit zu rechnen, dass auch Kosten im Zusammenhang mit Ihrer Verletzung (Nasenbruch) durch den Mann zu bezahlen sind.


Richtig. Deine Krankenversicherung kann sich die Kosten Deiner Behandlung von ihm zurückholen. Bei jugendrechtlichen Verurteilungen sehen die Versicherungen zwar auch manchmal davon ab, aber die Wahrscheinlichkeit ist schon recht hoch (also die, dass sie das Geld wollen) und liegt alleine im Ermessen der Versicherung. Das Jugendgericht als solches hat damit nichts zu tun.

-- Editiert von !!Streetworker!! am 24.02.2021 13:58

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#10
 Von 
spatenklopper
Status:
Richter
(8420 Beiträge, 3688x hilfreich)

Irgendwas stimmt doch an der Geschichte nicht, oder es fehlt ein gewichtiger Teil.
Mich wundert hier ein wenig, dass der Freund angeklagt wurde, aber nicht der TE.

Zitat (von Zuckerberg):
Insbesondere ergibt sich selbst aus Ihrem anfänglichen Kneifen nicht unbedingt eine Notwehrsituation. Nicht eine solche, die es gerechtfertigt hätte, Ihnen die Nase zu brechen.

Das Kneifen nicht, aber bitte berücksichtigen, dass der TE, bevor er die Nase gebrochen bekam, dem "Freund" auf die Schulter schlug und ins Gesicht trat.
Der Nasenbeinbruch erfolgte nach dem Tritt ins Gesicht des Freundes durch den TE!


-- Editiert von spatenklopper am 24.02.2021 15:00

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#11
 Von 
Dirrly
Status:
Praktikant
(651 Beiträge, 262x hilfreich)

Da wir nicht dabei waren und nur die knappe Schilderung haben, ist es wohl eher "im Nebel stochern", hier eindeutige Situationen rauslesen zu wollen.

Zitat (von spatenklopper):
Der Nasenbeinbruch erfolgte nach dem Tritt ins Gesicht des Freundes durch den TE

Das ist richtig, aber auch das rechtfertigt nicht unbedingt eine Notwehrsituation.

Man könnte aus der Schilderung "Tritt ins Gesicht" - "Er sieht erst mal nichts." - "Dann rastet er aus." durchaus einen gewissen zeitlichen "Abstand" rauslesen, so dass beim Ausrasten der Angriff bereits abgeschlossen war und auch dass er durch das Ausrasten einen erneuten Angriff abwehren/verhindern wollte, müsste man - ohne dass es einen Hinweis darauf gibt - reininterpretieren.

Für mich liest sich das nicht wie eine Notwehrsituation. Denn Notwehr heißt ja nicht "Sie hat mich getreten, jetzt darf ich sie vermöbeln.". ^^

Aber wie gesagt, wir wissen es nicht (sicher).


-- Editiert von Dirrly am 24.02.2021 15:15

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#12
 Von 
spatenklopper
Status:
Richter
(8420 Beiträge, 3688x hilfreich)

Zitat (von Dirrly):
durchaus einen gewissen zeitlichen "Abstand"

Da bin ich bei Dir.

Zitat (von Dirrly):
Für mich liest sich das nicht wie eine Notwehrsituation.

Für mich auch nicht, es mag im vorherigen Beitrag falsch rübergekommen sein.

Zitat (von Dirrly):
Denn Notwehr heißt ja nicht "Sie hat mich getreten, jetzt darf ich sie vermöbeln.". ^^

Man muss aber ebenfalls nicht auf den nächsten Tritt warten. ;)
Mit dem richtigen Anwalt könnte man da durchaus auf Putativnotwehr argumentieren.

Aber eben alles Nebelkerzen....

Was ich aber eben nicht verstehe ist, weshalb nur der Freund angeklagt wurde, aber nicht der ursprüngliche Angreifer, der sich in den Gesprächen mit der Polizei auch noch selbst belastet hat.

-- Editiert von spatenklopper am 24.02.2021 15:27

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#13
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(28826 Beiträge, 8709x hilfreich)

Zitat (von spatenklopper):
Mich wundert hier ein wenig, dass der Freund angeklagt wurde, aber nicht der TE.

Mich nicht:

Zitat:
Ich hab die Polizei angerufen, worauf er das Haus verlassen hat.
Ich wurde ins Krankenhaus begleitet und von der Polizei aufgefordert Strafantrag zu stellen. Ich lehnte dies ab da wir uns immerhin gegenseitig verletzt haben.
Er hat die Vorladung zu seiner Aussage abgelehnt.

Der TE wurde offenbar von Beginn an im Ermittlungsverfahren als Geschädigter geführt, der Freund als Beschuldigter. Der Freund hat versäumt im Ermittlungsverfahren Dinge vorzutragen, die ihn (ggf.) entlastet hätten und gleichzeitig geeignet gewesen wären, einen Anfangsverdacht gegen den TE zu begründen, so dass (ggf.) auch gegen ihn ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden wäre. Da das offenbar nicht der Fall war, war der TE (jedenfalls bisher) nie Beschuldigter und somit konnte auch keine Anklage gegen ihn erhoben werden. Gemäß dieses Verfahrensablaufes war hinsichtlich Anklageerhebung ausschließlich bzgl. des Freundes zu entscheiden.

Was nicht ist, kann ja aber noch werden ... ;)

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