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Ladendiebstahl - Fangprämie

 Von 
Thomas9994444
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 1x hilfreich)
Ladendiebstahl - Fangprämie

Hi,

ich habe einem Kumpel versprochen, ein wenig für ihn in einem Fall von Ladendiebstahl zu recherchieren, da er kein Internet hat.

Folgender Sachverhalt:

Er hat in einem Supermarkt einen Artikel im Wert von 99 Cent (bitte kein Kommentar )-; ) mitgehen lassen und wurde dabei erwischt. (Er ist 15 und strafrechtlich bis jetzt noch nicht in Erscheinung getreten)

Er wurde ins Büro des Detektives gebracht, wo seine Personalien,... aufgenommen wurden. Zur Überprüfung seiner Identität wurden seine Eltern beordert, die ihn dann auch abholen sollten.

Im besagten Supermarkt hängen einige Schilder mit etwa folgender Aufschrift: "Jeder Diebstahl wird angezeigt. Außerdem wird eine Gebühr in Höhe von 50,- € erhoben."

Ihm wurde nun aber gesagt, dass er 80,- € zu bezahlen hätte, da die Gebühr erhöht wurde (steht nicht auf den Schildern!).
Als er das Argument vorbrachte, dass auf den Schildern "50,- €" steht, berief der zuständige Bearbeiter sich auf ein Urteil vom Oktober 2003, welches die Gebührenerhöhung rechtfertigt.

Ich habe ausführlich recherchiert, aber kein besagtes Urteil gefunden. Das einzige, was ich gefunden habe ist, dass die Gebühr (Fangprämie) zwischen 25€ und 50€ sein darf. :(

Weiß zu diesem Thema jemand einen Rat?
Schonmal vielen Dank

Thomas und "Mr. Unbekannt"

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
50 Eltern Euro Fangprämie


16 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(25898 Beiträge, 7249x hilfreich)

Prinziepiell sind 50,-€ pauschal von der Rechtssprechung "abgesgnet" (OLG Zweibrücken u.a).

Im Einzelfall können auch höhere Forderungen ersatzpflichtig sein. Diese müßten dann jedoch begründet werden.

Auch ich kenne kein Urteil aus 2003, daß eine pauschale Erhebung von 80,-€ rechtfertigt. (falls der gute Mann im Laden ein einzelnes AG Urteil, in dem ein Ladendieb mal zu 80,-€ verdonnert wurde meint, ist er damit auf dem Holzweg, wenn er meint, er könnte das jetzt auf jeden Fall anwenden).

Wenn auch die Schilder im Laden auf 50,-€ lauten, würde ich auch nicht mehr zahlen.

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"Gruß, Bob
(Sozialarbeiter, Straffälligen-/Drogenhilfe)"

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#2
 Von 
JuR
Status:
Unparteiischer
(9884 Beiträge, 1333x hilfreich)

Guten Abend,

ich kann mich hier anschliessen hinsichtlich der Fangprämie von €50 und der nötigen Begründung zur Erhebung von höheren Fangprämien. Dieses ist jedoch keinesfalls als zwingende Grenze anzunehmen.


Mit freundlichen Grüßen,

- J. Roenner -


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#3
 Von 
Thomas9994444
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 1x hilfreich)

Hi, vielen Dank erstmal.

Kann mir dazu jemand ein Urteil nennen (er muss ja etwas vorzuweisen haben)

Gruß
Thomas

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#4
 Von 
JuR
Status:
Unparteiischer
(9884 Beiträge, 1333x hilfreich)

Hallo Thomas,

hier ein aktuelles Urteil:

AG Dülmen
2001-07-12
3 C 271/01

Zahlt ein Ladeninhaber seinen Mitarbeitern eine Fangprämie für das Stellen eines Ladendiebes, so kann er das Geld von dem Dieb zurückverlangen. Dies gilt auch dann, wenn der Kunde bloß vergessen hat, die Waren zu zahlen.

Der Geschädigte könne nach Ansicht des Gerichts alle Kosten ersetzt verlangen, die durch die konkrete Diebstahlshandlung verursacht wurden. Hierzu zählen auch die Abwicklungskosten, sowie eine übliche Fangprämie.


Mit freundlichen Grüßen,

- J. Roenner -


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#5
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(25898 Beiträge, 7249x hilfreich)

BGH, 1969-02-28, II ZR 154/67 , NJW 1969, 1109 ).

Das sind schon recht alte BGH Entscheidungen, die aber immer noch von diversen Gerichten zitiert werden. Die dort genannten 50,- DM sind mitlerweile auf 50,-€ angehoben (u.a. bestätigt vom OLG Zweibrücken)

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"Gruß, Bob
(Sozialarbeiter, Straffälligen-/Drogenhilfe)"

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#6
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(25898 Beiträge, 7249x hilfreich)

Hier hab ich noch eines vom LG Hamburg, bestätigt in der Revision vom Hanseatischen OLG Hamburg:

Die Beklagte wurde in der SB-Lebensmittelabteilung einer Filiale der Klägerin von dem Verkäufer G. beobachtet, als sie Lebensmittel in ihre Handtasche und nicht in den Einkaufswagen legte. An der Kasse bezahlte sie nur die im Einkaufswagen liegenden Waren. Nach Verlassen des Geschäfts wurde sie von G. gestellt. Die von ihr entwendeten Lebensmittel hatten einen Ladenpreis von insgesamt 12,72 DM ( EURO 5,50 )
Die Klägerin erstattete gegen die Beklagte Strafanzeige, jedoch ist das Strafverfahren wegen Ablaufs der Verjährungsfrist eingestellt worden.
Die Klägerin verlangte von der Beklagten Erstattung einer Fangprämie von 550 DM (281,21 EURO), die sie ihren Angestellten vor der Tat für jeden von ihnen ertappten Ladendieb versprochen und an G. ausgezahlt hat. Ferner begehrt sie für die Schadensbearbeitung weitere 550 DM ( 281,21 EURO ) , nämlich Erstattung der Personalkosten von 545 DM ( 278,65 EURO ) und der allgemeinen Bürokosten für Papier, Porto und Telefon von 5 DM ( 2,56 EURO ).
Das Landgericht hat die Klage ganz abgewiesen. Auf die Berufung der Klägerin hat das Oberlandesgericht ihr einen Teil der Fangprämie in Höhe von 50 DM ( 25,56 EURO ) zugesprochen, im übrigen aber die Berufung zurückgewiesen.




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"Gruß, Bob
(Sozialarbeiter, Straffälligen-/Drogenhilfe)"

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#7
 Von 
Thomas9994444
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 1x hilfreich)

Danke erstmal...

Noch was: Wie sieht es mit der Schild-Sache aus? Wenn auf dem Schild 50,- steht ?

Gruß
Thomas

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#8
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(25898 Beiträge, 7249x hilfreich)

Das kommt noch hinzu:

Auf den Schildern steht ja, daß man die ausgelobte Prämie mit Betreten des Ladens anerkennt. Das muß im Umkehrschluß natürl. auch für den Ladenbesitzer gelten. (Es sei denn auf dem Schild steht auch, daß im Einzelfall höhere Forderungen möglich sind)

Ich würde wie folgt vorgehen:

Zahlen Sie dem Ladenbesitzer die 50,-€, weisen auf die zitierten Urteile hin (oder sagen Sie, sie hätten rechtlichen Rat in der Angelegenheit eingeholt), und sagen Sie, daß er sie verklagen muß, wenn er die anderen 30,- € haben will. Das Prozessrisiko, die Kosten (wenn er verliert, bleibt er darauf hängen, vorlegen muß er sie so oder so), und der Zeitaufwand werden ihn garantiert davon abhalten ---> meine Erfahrung

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"Gruß, Bob
(Sozialarbeiter, Straffälligen-/Drogenhilfe)"

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#9
 Von 
Thomas9994444
Status:
Frischling
(4 Beiträge, 1x hilfreich)

danke... werd´s mal weiterleiten...

Gruß
Thomas

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#10
 Von 
Macgyver
Status:
Frischling
(20 Beiträge, 0x hilfreich)

Also wenn es nach mir ging, bekäme jeder Ladendieb eine Strafe von 2000 Euro und ein Foto in die Zeitung. Das sind Verluste in Milliardenhöhe die diese "Schmarotzer" verursachen !!!

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#11
 Von 
MichiM
Status:
Lehrling
(1706 Beiträge, 135x hilfreich)

@ Macgyver
Bleib mal auf dem Teppich.
Wo leben wir denn? In Amerika, wo durchaus utopische Strafen verhängt werden?

Würde auch lieber für jeden nicht erfüllten "Kaufvertrag" mit zig-tausend Euro abgelten, wenn z.B. ein def. Teil nicht reparabel ist, ein "Ersatzgerät" nicht geliefert werden kann und stattdessen nur der kaufpreis erstattet wird. Da bekomme ich schliesslich noch nichteinmal die Fahrtkosten erstattet.

Aber Träum du mal schön weiter...

Gruss
MichiM

-----------------
"Wer nicht arbeitet, macht keine Fehler.
Und wer keine Fehler macht, wird befördert ;) "

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#12
 Von 
GünterS
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)

Interessant ist auch die Frage in welchem Umfang die Eltern eines minderjährigen Kindes/Jugenlichen diese Fangpämie zahlen müssen (nach meiner Ansicht sind sie nicht dazu verpflichtet). Der Einzelhandel versucht immer wieder Eltern hierbei unter Druck zu setzen.


-----------------
"GS"

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#13
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(25898 Beiträge, 7249x hilfreich)

Sind sie auch nicht. Ist ein "alter Hut". Adressat der Forderung ist der Minderjährige selber, soweit min. 7 Jahre alt.

-----------------
"<small>da mihi factum, dabo tibi ius-iura novit curia
Gruß,Bob(SozArb. Straffälligen-/Drogenhilfe)"

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#14
 Von 
Mahnman
Status:
Junior-Partner
(5984 Beiträge, 1275x hilfreich)

Wi emüsste man die Kohle von dem eigentlich einforder? Eigentlich müsste doch ein Mahnbescheid erstellt werden (Nach Zahlungsaufforderung) mit dem Jugendlichen als Antragsgegner und den Eltern als gesetzlichen Vertretern. Oder täusch ich mich da?

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#15
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(25898 Beiträge, 7249x hilfreich)

Ja, ich denke schon.

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"<small>da mihi factum, dabo tibi ius-iura novit curia
Gruß,Bob(SozArb. Straffälligen-/Drogenhilfe)"

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#16
 Von 
bangor
Status:
Frischling
(31 Beiträge, 4x hilfreich)

Mich würde interessieren, ob er die "Fangprämie" vor Ort schon bezahlt hat. Das geht aus seinem Posting nicht eindeutig hervor.
Da es in der Branche auch unseriöse Kaufhausdetektive gibt, würde ich mich zunächst bei der Geschäftsleitung informieren, wie hoch der Betrag tatsächlich ist.
Es wäre immerhin möglich, dass der Detektiv sich an diesem Tag mal eben 30.-Euro verdient hat. ;-))

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