Nach Provokation zugeschlagen

6. Juni 2023 Thema abonnieren
 Von 
go635852-71
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Nach Provokation zugeschlagen

Hallo
Gestern ist mir folgendes passiert:
Meine Mutter war bei mir auf der Arbeit zu Besuch und als sie das Geschäft verließ ist sie leider etwas unachtsam auf den Fussgängerweg gelaufen.
Ein Radfahrer kam angeschossen und prallte gegen Sie. Sowohl Radfahrer als auch meine Mutter sind zu Boden gestürzt. Ich bin schnell zu ihr gerannt um ihr aufzuhelfen da steigt der Typ auf sein Rad und schreit "pass doch auf du dumme F***e"..
Daraufhin bin ich zu ihm gerannt und habe seinen Sattel festgehalten da er mittlerweile wieder auf dem Rad war und abhauen wollte. Er versuchte mich abzuwimmeln da er gecheckt hatte dass ich der Sohn bin und ihn zur Rede stellen wollte.
In der Hektik haben ich ihn dann sein Fahrrad zur Seite gedrückt so dass er seitlich auf den Boden gekippt ist.
Ich meinte zu ihm das er gefälligst aufpassen soll wen er eine "F***e" nennt und als Radfahrer auch nicht volle Kanne über den Gehweg schiesen kann.
Er ist dann auf mich zugelaufen und schubste mich nach hinten und sagte ich soll meine F**sse halten.
Im Affekt habe ich nur noch Schwarz gesehen und zugeschlagen also ihm einen Faustschlag gegen die Kinnlade verpasst ‍♂
Daraufhin ist er gestürzt und blieb auf dem Boden liegen mit der Hand vorm Gesicht.
Passanten haben sich schlichtend vor mir gestellt und die Sache entschärft. Ich blieb danach auch ruhig und hab den Radfahrer auch wieder hochgeholfen und mich entschuldigt.
Innerhalb 5 Minuten kam die Polizei und nahm mich dann zur Gesa mit und ich hatte 9 Std lang das ganze Programm mit Fingerabdrücke, Fotos, DNA Speichelabgabe usw..
Ich hatte den Polizisten versucht zu erklären dass der Radfahrer mich zuvor provoziert und meine Mutter beleidigt / umgefahren hatte aber das war denen völlig egal.
Als ich entlassen wurde sagte mir ein Polizist dass auf mich eine Anzeige wegen schwerer Körperverletzung zukommen wird und ich mir einen Anwalt aufsuchen soll.
Ich will nicht rechtfertigen was ich gemacht habe, aber der Typ ist auch nicht ganz unschuldig oder?
Mit welchem Strafmaß muss ich rechnen?
Ich bin nicht vorbestraft und hatte zuvor auch nie irgendwelche Gewalttaten gehabt. Ist es strafmildernd vor Gericht wenn ich sage wie der Typ mich provoziert hatte?
Ehrlich gesagt wollte ich ja nicht zuschlagen aber da er mich zuvor nach hinten geschubst hatte und nochmals beleidigend war ist mir einfach eine Sicherung durchgebrannt. Ausserdem hatte er Sekunden davor meine Mutter umgefahren und sie als "dumme F***e" bezeichnet.
Danke im Vorraus an jedem der mir weiterhilft.









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11 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118359 Beiträge, 39556x hilfreich)

Zitat (von go635852-71):
Er ist dann auf mich zugelaufen und schubste mich nach hinten und sagte ich soll meine F**sse halten.

Angriff ...



Zitat (von go635852-71):
Im Affekt habe ich nur noch Schwarz gesehen und zugeschlagen also ihm einen Faustschlag gegen die Kinnlade verpasst ‍♂

Notwehr / Affekthandlung ...



Zitat (von go635852-71):
ich mir einen Anwalt aufsuchen soll.

Dem Rat sollte man folgen.
Fachanwalt für Strafrecht wäre empfehlenswert.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#2
 Von 
go635852-71
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Der Polizist meinte eine Nortwehrhandlung sei nicht gegeben..
Ich hätte ihn ja zuvor vom seinem Fahrrad gekippt und somit hätte er in Notwehr gehandelt als er mich gegen die Brust zurückschubste.
Generell fand ich es ziemlich ungerecht wie die Polizei alleinige Partei für den Radfahrer ergriff und mich wie einen Schwerstkriminellen in Handschellen zur Gesa brachte und den ganzen Kram durchgezogen hatte.
Ich musste Schuhe und Gürtel ausziehen und mein Handy durfte ich auch nicht mitnehmen.

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#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118359 Beiträge, 39556x hilfreich)

Zitat (von go635852-71):
Der Polizist meinte eine Nortwehrhandlung sei nicht gegeben..

Deshalb ja auch mein Rat da Fachleute mit Ahnung einzuschalten statt Laien zu fragen.


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

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#4
 Von 
Demonio
Status:
Bachelor
(3559 Beiträge, 968x hilfreich)

Anwalt ist vielleicht tatsächlich nicht die schlechteste Idee. Kostet aber natürlich auch einiges Geld.

Die Berufung auf Notwehr wäre eine mögliche Verteidigungsstrategie. Ob sie auch sinnvoll wäre, müsste der Anwalt beurteilen können, nachdem er Akteneinsicht hatte. Aufgrund der Sachverhaltsschilderung tendiere ich aber eher, wie auch schon der Polizist, zu einem "Nein".

Möglicherweise könnte es sinnvoller sein sich auf das Jedermannsrecht gem. § 127 StPO zu berufen. Sofern Deine Mutter bei dem Unfall verletzt wurde, könnte sich der Radfahrer der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht haben. Zudem wollte er sich unerlaubt vom Unfallort entfernen (ugs: eine Unfallflucht begehen). Eine solche Flucht darf man unterbinden. Ob sich allerdings Dein Faustschlag noch im Rahmen des Erlaubten befand, ist fraglich. Das zu Überprüfen sollte man dann doch eher einem Juristen überlassen. Ein Anwalt könnte dann aber zumindest auf die Einstellung des Verfahrens, ggf. gegen Geldauflage, hinwirken. Nur, kostenlos wird das kein Anwalt machen.

Zitat (von go635852-71):
Als ich entlassen wurde sagte mir ein Polizist dass auf mich eine Anzeige wegen schwerer Körperverletzung zukommen wird und ich mir einen Anwalt aufsuchen soll.
Hat er wirklich von "schwerer Körperveletzung" gesprochen? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.

0x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
eh1960
Status:
Senior-Partner
(6190 Beiträge, 1482x hilfreich)

Zitat (von go635852-71):
Meine Mutter war bei mir auf der Arbeit zu Besuch und als sie das Geschäft verließ ist sie leider etwas unachtsam auf den Fussgängerweg gelaufen.
Ein Radfahrer kam angeschossen und prallte gegen Sie.

Das heißt: die Mutter wurde auf dem Gehweg von einem Radfahrer angefahren - der dort überhaupt nicht fahren darf?

Äußerungen der Polizei zu Umfang und Grenzen der Notwehr kann man getrost ignorieren, die verlaufen sich da regelmäßig.
Man sollte aber trotzdem einen Rechtsanwalt aufsuchen, sinnvollerweise einen für Strafrecht.

Es gibt im übrigen den §33 StGB: Überschreitet der Täter die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken, so wird er nicht bestraft.

Und es gibt den §127 StPO, der jedermann berechtigt, einen auf frischer Tat Ertappten zwecks Feststellung der Personalien festzuhalten, notfalls auch mit Gewalt:
"Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen."

Der Radfahrer hat sich hier der Beleidigung und vermutlich auch der fahrlässigen Körperverletzung strafbar gemacht, und man durfte ihn also festzuhalten versuchen. Mit dem Versuch, weiterzufahren, hat er außerdem den Tatbestand des Unerlaubten Entfernens vom Unfallort erfüllt (auch als "Fahrerflucht" oder "Unfallflucht" bekannt. Der betrifft nämlich alle Unfälle im Straßenverkehr - auch Radfahrer, Fußgänger und alle anderen Verkehrsteilnehmer können diesen Tatbestand erfüllen.

Aber das klärt man dann mit dem Anwalt - es gibt so einige Optionen, den Radfahrer zur Verantwortung zu ziehen.

Signatur:

Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".

0x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
eh1960
Status:
Senior-Partner
(6190 Beiträge, 1482x hilfreich)

Zitat (von Demonio):
Zitat (von go635852-71):
Als ich entlassen wurde sagte mir ein Polizist dass auf mich eine Anzeige wegen schwerer Körperverletzung zukommen wird und ich mir einen Anwalt aufsuchen soll.

Hat er wirklich von "schwerer Körperveletzung" gesprochen? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.

Die Strafrechts-Kenntnisse mancher Polizisten sind wirklich gruselig.

Hier kommt gemäß der Beschreibung im EP weder gefährliche noch geschweige denn schwere Körperverletzung in Frage, sondern nur einfache.
Die aber durchaus durch Notwehr gedeckt sein kann.
Aber wie gesagt: ab zum Anwalt.

Signatur:

Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".

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#7
 Von 
Demonio
Status:
Bachelor
(3559 Beiträge, 968x hilfreich)

Zitat (von eh1960):
Die Strafrechts-Kenntnisse mancher Polizisten sind wirklich gruselig.
Polizisten sind keine Juristen, und müssen daher auch, was Gesetze angeht, nicht allwisssend sein. Aber sie werden schon in verschiedenen Rechtsgebieten, u.a. auch bzgl. des StGB, geschult. Daher gehe ich schon davon aus, dass jeder deutsche Polizist nach Ende seiner Ausbildung die Unterschiede zwischen einer fahrlässigen, einer einfachen (vorsätzlichen), einer gefährlichen und einer schweren KV kennt.

Zitat (von eh1960):
Hier kommt gemäß der Beschreibung im EP weder gefährliche noch geschweige denn schwere Körperverletzung in Frage, sondern nur einfache.
Das sehe ich auch so. Dennoch könnte ich mir vorstellen, dass der Polizist zunächst einmal von einer gefährlichen KV ausgegangen ist, und das dem TE so gesagt hat, und nun die gefährliche KV nach dem Stille-Post-Prinzip in eine schwere KV mutierte.

Wenn der Polizist von einer gefährlichen KV ausging, dann kann das imho zwei Gründe haben: Entweder differiert die uns vorliegende Sachverhaltsschilderung von (vorläufigen) Erkenntnissen der Polizei, oder die Polizei geht erst einmal vom schlimmsten anzunehmenden Tatbestand aus, der später noch zu einer einfachen KV herabgestuft wird.

Das habe ich erst kürzlich selbst miterlebt, dass nach einer (meiner Meinung nach) gefährlichen KV die Polizei die Ermittlungen wegen eines versuchten Tötungsdeliktes aufgenommen hat.

Zitat (von eh1960):
Die aber durchaus durch Notwehr gedeckt sein kann.
Ja, kann sie unter Umständen. Ich sehe hier anhand der Sachverhaltsschilderung die Grenzen der Notwehr aber möglicherweise bereits als überschritten an. Daher ja auch von mir der Hinweis auf § 127 StPO.

Aber grundsätzlich sind wir ja gleicher Meinung. Zumindest gibt es keine großen Differenzen.

0x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(118359 Beiträge, 39556x hilfreich)

Zitat (von Demonio):
Daher gehe ich schon davon aus, dass jeder deutsche Polizist nach Ende seiner Ausbildung die Unterschiede zwischen einer fahrlässigen, einer einfachen (vorsätzlichen), einer gefährlichen und einer schweren KV kennt.

Es scheint mir, die Realität weicht von dem Optimismus je nach Region mehr oder weniger ab ... insbesondere beim Nachwuchs ...


Signatur:

Meine persönliche Meinung/Interpretation!
Im übrigen verweise ich auf § 675 Abs. 2 BGB

0x Hilfreiche Antwort


#10
 Von 
drkabo
Status:
Weiser
(16237 Beiträge, 9207x hilfreich)

Wie man es dreht und wendet: Es wird auf Details ankommen, darauf was der Radfahrer und vor allem was die Passanten (als neutrale Zeugen) aussagen.
Nach der Schilderung des Fragestellers sind die Aussichten, aus der Sache halbwegs unbeschadet herauszukommen zumindest vorhanden.
Ich gehe aber mal davon aus, dass die Schilderung des Radfahrers anders aussieht und die der Zeugen evtl. noch wieder anders.
Die Justiz wird alle Seiten anhören und dann entscheiden.

Signatur:

Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.

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#11
 Von 
Zuckerberg
Status:
Lehrling
(1909 Beiträge, 1138x hilfreich)

Zitat:
Generell fand ich es ziemlich ungerecht wie die Polizei alleinige Partei für den Radfahrer ergriff und mich wie einen Schwerstkriminellen in Handschellen zur Gesa brachte und den ganzen Kram durchgezogen hatte.
Es waren auch nun allein Sie, der zugeschlagen hat. Wem sonst hätte man da Handschellen anegen sollen? Ihrer Mutter?

Zitat:
In der Hektik haben ich ihn dann sein Fahrrad zur Seite gedrückt so dass er seitlich auf den Boden gekippt ist. Ich meinte zu ihm das er gefälligst aufpassen soll wen er eine "F***e" nennt und als Radfahrer auch nicht volle Kanne über den Gehweg schiesen kann.
Das könnte bereits die erste (vorsätzliche) Körperverletzung in diesem ganzen Geschehen und zugleich ein rechtswidriger Angriff sein. Und das könnte (für Sie nachteilhafte) Auswirkungen auf die juristische Bewertung des weiteren Geschehens haben.

Zitat:
Es gibt im übrigen den §33 StGB: Überschreitet der Täter die Grenzen der Notwehr aus Verwirrung, Furcht oder Schrecken, so wird er nicht bestraft.
Den § 33 StGB kann man hier vergessen.

Zitat:
Und es gibt den § 127 StPO, der jedermann berechtigt, einen auf frischer Tat Ertappten zwecks Feststellung der Personalien festzuhalten, notfalls auch mit Gewalt:
Mit Gewalt? Ja, so wie jedes Festhalten zwangsläufig ein gewisses Maß an Gewalt verlangt. Aber ein Festhalten verlangt grundsätzlich nicht, dass man jemanden samt Rad zu Boden schubst oder ihm einen Schlag ins Gesicht verpasst. Ob § 127 StPO hier besonders weit hilft, sei mal dahingestellt. Ein weniger gewaltaffiner Mensch hätte den Radfahrer vielleicht zunächst aufgefordert, stehen zu bleiben und sich auszuweisen. Das hat der Threadersteller aber anscheinend weder getan noch gewollt. Nach eigenen Angaben wollte er den Radfahrer vielmehr "zur Rede stellen". Was auch immer das beeuten mag: Die Verfolgung dieser Absicht ist möglicherweise nicht mehr von § 127 StPO gedeckt.

Zitat:
Versuch, weiterzufahren
Von diesem Versuch müsste man die Justiz erst einmal überzeugen.

Zitat:
Tatbestand des Unerlaubten Entfernens vom Unfallort
Einen Unfallort gibt es nur dort, wo es einen Unfall gibt. Ein Unfall verlangt einen nicht nur unerheblichen Sach- oder Personenschaden. Gab es diesen hier? Der Threadersteller erwähnt keinen.

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