Restzahlung vergessen (Einzelhandel)

9. Oktober 2014 Thema abonnieren
 Von 
rquadrat
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 1x hilfreich)
Restzahlung vergessen (Einzelhandel)

Hallo Forum :)

Ich habe viel gesucht und nichts gefunden, hoffentlich könnt ihr mir bei meinem Problem helfen:

Frau A möchte einen Teppich kaufen, den Firma B erst in der passenden Größe bestellen muss. Sie leistet eine Anzahlung von ~25% des Kaufpreises und hinterlässt ihre persönlichen Daten und Kontaktadresse.

Nachdem Firma B sich gemeldet hat, dass die Ware abzuholen sei, fährt Frau B zu dem Laden, holt die Ware ab und fährt nach Hause. Leider ohne die Restzahlung zu leisten. Dies wird ihr erst klar, als am nächsten Tag ein Anruf von Firma B eingeht.

Firma B lässt nicht mit sich reden und will Anzeige erstatten, wegen Diebstahl. Außerdem erhält sie ein Hausverbot von einem Jahr.


So wie ich §242 StGB verstehe, setzt Diebstahl voraus, dass es von vorn herein Beabsichtigt war, die Ware nicht zu bezahlen.
Das dem nicht so ist, belegt schon die Anzahlung und das Hinterlassen einer Adresse.

Wird die Anzeige nun überhaupt von der Polizei aufgenommen/verfolgt?

Womit muss Frau A rechnen?

Was hat Frau A für Optionen?

LG r²

-- Editiert rquadrat am 09.10.2014 17:31

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10 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
iceman123mitglied
Status:
Praktikant
(504 Beiträge, 343x hilfreich)


Hallo,

Diebstahl setzt u.a. den Bruch fremden und Begründen neuen Gewahrsams gegen oder ohne den Willen des bisherigen Gewahrsamsinhaber voraus. Alleine daran scheitert es hier schon.

Jedenfalls gibt der Sachverhalt das nicht her, eher, dass sie den Teppich freiwillig erhalten hat.

Wahrscheinlich wird die Anzeige von der Polizei aufgenommen, die dann wohl erst mal ermitteln wird.

Frau A fährt zum Möbelhaus, bezahlt den Rest und gut!

Gruß
ice



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#2
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(39032 Beiträge, 14092x hilfreich)

Warum zahlt sie denn nicht einfach, wenn sie es einfach vergessen hat? Dann ist die Sache doch erledigt.

wirdwerden

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#3
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30226 Beiträge, 9531x hilfreich)

quote:
fährt Frau B zu dem Laden, holt die Ware ab und fährt nach Hause


Wie lief das "holt die Ware ab" denn genau ab?

Gab es ein Gespräch mit dem Verkäufer? Hätte der Restbetrag an der Kasse bezahlt werden müssen, aber die Kundin hat ohne zu zahlen die Kasse passiert, oder wie?

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"Bitte um Verständnis,dass ich keine Rechtsfragen per PM beantworte.Das ist nicht Sinn des Forums"

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#4
 Von 
rquadrat
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 1x hilfreich)

Es ging damit weiter, dass Frau A heute zu dem Händler gefahren ist, um den offenen Betrag zu begleichen.

Sie hat mit dem Marktleiter gesprochen und auch dieser bestand auf einer Anzeige. Er forderte außerdem 100 Euro, aufgrund einer Firmenvorschrift zum Umgang mit Ladendieben.
Zudem ein Hausverbot von einem Jahr

Um die Frage von Streetworker zu beantworten:

Die Ware wurde im Abholbereich gegen einen Abscholschein samt Quittung (der Anzahlung) ausgehändigt.

Frau A ist direkt zum Abholbereich, der über einen eigenen Eingang verfügt, und von dort nach Hause.

Im Abholbereich soll es eine Kasse geben, von der aus Frau A sogar gefilmt wurde, aber diese hat Frau A nicht wahrgenommen. Sie ist durch ein großes Tor in einen Raum mit vielen hohen Regalen zu einem Tresen an dem schon jemand wartete und gab der Person hinter dem Tresen ihren Abholschein und bekam die Ware ausgehändigt, mit der sie dann das Gelände verließ.


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#5
 Von 
justice005
Status:
Unparteiischer
(9575 Beiträge, 2359x hilfreich)

Das wichtigste ist, dass die Ware bezahlt ist.

Für einen Diebstahl braucht man Vorsatz, allerdings ist die Aussage, das Zahlen nur "vergessen" zu haben, nicht sehr glaubwürdig. Man könnte allenfalls argumentieren, dass es ein Missverständnis war und man geglaubt hat, den Betrag auch überweisen zu können. Dass Sie den vollen Betrag nunmehr sofort gezahlt haben, macht einen sehr guten Eindruck.

Ich vermute, die Staatsanwaltschaft wird daher ein Verfahren wegen Diebstahl einstellen. Die Chancen stehen jedenfalls ganz gut. Wenn Sie von der Polizei einen Anhörungsbogen kriegen, weisen Sie die unverzügliche Zahlung des vollen Kaufpreises per Quittungskopie nach und sagen Sie nur, dass es ein Missverständnis war. Dann stehen - wie gesagt - die Chancen gut, dass das Verfahren eingestellt wird.

Die 100,- Euro sind ein sogenannter pauschaler Schadensersatz. Allerdings ist die Zulässigkeit im Allgemeinen auf 50,- Euro gedeckelt, sodass man die Zahlung von 100,- Euro entsprechend kürzen könnte. Allerdings ist das aber auch ein wenig vom Wert der Ware abhängig. Je nachdem wie teuer der Teppich war, könnte der pauschale Schadensersatz von 100,- Euro möglicherweise zulässig sein. Ich würde in diesem Fall mal ausnahmsweise davon abraten, wegen der 100,- Euro einen Rechtsstreit anzufangen. Bei anderen Ladendiebstählen rate ich immer dazu, das auf keinen Fall zu zahlen, aber in diesem Fall bin ich vorsichtiger und würde eher zahlen, aufgrund des Wertes der Ware.

Gegen das Hausverbot kann man vermutlich nichts machen.

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"justice"

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#6
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(122702 Beiträge, 40167x hilfreich)

So wie sich das liest, liegen da offenbar Mängel in der internen Ablauforganisation vor.
DAS sollte aber nicht das Problem des Kunden sein?



War denn überhaupt Zahlung bei Abholung vereinbart?
Was steht in den vertraglichen Vereinbarungen?





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"Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB ."

-- Editiert Harry van Sell am 09.10.2014 20:47

1x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
justice005
Status:
Unparteiischer
(9575 Beiträge, 2359x hilfreich)

Die Fragen von Harry sind berechtigt. Allerdings ist es durchaus üblich, in einem Möbelhaus mit dem Kaufvertrag oder ähnlichem sofort an der Kasse zu bezahlen und die Möbel dann an einer anderen Stelle abzuholen. Allerdings werden die Waren üblicherweise nur dann ausgehändigt, wenn man den Nachweis der Kasse hat, dass auch bezahlt wurde.

Wie auch immer, ich vermute, dass die StA keine große daraus machen wird, wenn der Fragesteller
- am nächsten Tag sofort gezahlt hat
- bisher strafrechtlich nicht auffällig war
- er aussagt, dass die Zahlungsmodalitäten ein Missverständnis waren.



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"justice"

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#8
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30226 Beiträge, 9531x hilfreich)

Ich kenne es wie gesagt so, dass man seine angezahlte Ware bekommt und damit dann durch die Kasse geht und den Restbetrag dort zahlt.

Wenn das hier auch so vorgesehen war, wäre Diebstahl durchaus denkbar. Kommt halt auch darauf an, wie wahrnehmbar die dort vorhandene Kasse ist. Wenn sie genausogut "zu übersehen" ist, wie 20 Elefanten die des Nachts auf dem Ku'damm Polka tanzen, wird man das "nicht wahrgenommen" wohl eher als Schutzbehauptung werten.

Jedenfalls -da sind wir uns ja alle einig- wurde wengigstens im Nachhinein alles richtig gemacht. Ich könnte mir auch eine Einstellung vorstellen, allerdings eher nach §§ 153 f. als nach § 170(2) StPO .

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"Bitte um Verständnis,dass ich keine Rechtsfragen per PM beantworte.Das ist nicht Sinn des Forums"

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#9
 Von 
Paragrafenreiter
Status:
Praktikant
(771 Beiträge, 479x hilfreich)

Ich sehe hier auch den Fehler beim Händler, denn ich kenne es auch nur so, dass man den Abholschein erst erhält, wenn man bezahlt hat. Und in der Abholung sollte das auch kontrolliert werden. Wenn dir ein Mitarbeiter die Ware an der Warenausgabe rausgibt, kann man ja wohl nicht von Diebstahl sprechen.

Natürlich befreit es bei einem Fehler nicht von der Zahlungspflicht.
Bezahlen und gut ist.

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#10
 Von 
NinaONina
Status:
Lehrling
(1504 Beiträge, 1226x hilfreich)

Wenn es eine eigene Warenausgabe gibt (und man die Ware nicht nur im Laden selbst ausgehändigt bekommt), dann ist es in der Tat die Regel, daß man erst nach Zahlung abholen kann.

Denn in der Regel ist die Warenausgabe gerade nicht im Bereich hinter der Kasse.

Letztlich wird es an den konkreten Gegebenheiten vor Ort liegen, wem man was glaubt.

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