Sachbeschädigung und Gewalt durch die Polizei

15. Juli 2021 Thema abonnieren
 Von 
Aitori
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Sachbeschädigung und Gewalt durch die Polizei

Hallo meine Freunde des Rechts,

Ich bedarf eures Rates.

Folgende Situation :

Mein Sohn, 15, ist in eine Schubserei verwickelt. Nichts besonders böses, hauptsächlich laut, und mehr schubsen als richtiges Prügeln. Auf jeden Fall kommt ein Streifenwagen vorbei, kurz danach ein 6pack. Personalien werden aufgenommen, alles ist noch sehr aufgeregt, die Kontrahenten werfen sich noch Dinge an den Kopf, ein Freund versucht meinen Sohn zu beruhigen. Da er noch sehr aufgeheizt ist, schubst er seinen Freund von sich, worauf der Polizist hinter ihm meinem Sohn in den Nacken greift. Mein Sohn dreht sich aus Reflex um, und entwindet sich dem Griff (erwähnt sollte werden, das er den Polizist dabei nicht angefasst oder auf ihn zugegangen ist, sondern lediglich sich der Hand entziehen wollte, welche ihn ohne Vorwarnung von hinten gepackt hat). Auf jeden Fall lag mein Sohn 2 sec darauf am Boden, 2 30 jährige austrainierte Beamte auf ihm drauf, und haben ihm Handschellen angelegt. Bei der Aktion ging sowohl Sein erst 1 Tag altes Handy, als auch seine Musikbox, welche er sich für 1 Jahr Taschengeld + Weihnachten gekauft hat (350€wert) zu bruch. Das lässt die Gewalt erahnen, mit welcher da vor gegangen wurde. Aber der lustige Teil kommt erst noch. Auf der Fahrt zum Revier wurde mein Sohn von den 2 Polizisten, welche mit ihm hinten im 6pack saßen, geschlagen, beleidigt, verspottet, und gedemütigt. Ihm wurden durch absichtlich hohes und unnötig weites verdrehen der Arme schmerzen zugefügt, während er auf dem Boden im Bus lag, und nicht etwa auf dem Sitz saß. Jetzt könnte man sagen, wer weiß ob das stimmt oder übertrieben ist. Würde ich auch. Wäre ich nicht anschließend im Revier dabei gewesen, als sie ihn, obwohl ich da war, und Sie 6x gebeten hab, mich einfach mit meinem mittlerweile total hysterischen Sohn reden zu lassen, ihn zu beruhigen und runter zu bringen, zu 4rt angesprungen haben (hab ich schon erwähnt das er 15 ist, ziemlich dürr und noch nie durch Gewalt auffällig war) ihm dabei die Luft abgedrückt haben, und auf dem Boden fixiert haben. Der Grund war übrigens, daß mein Sohn wollte, daß einer der 2 oben erwähnten Polizisten den Raum verlässt. Was ich verstehen kann. Und er nicht tat, obwohl 7 weitere beamte anwesend waren.

Das das alles auf gezielte Eskalation hinaus lief ist mir klar. Und das dieses Ergebnis, was wir jetzt haben, mit dem hysterischen Ausbruch, Wiederstand gegen die Staatsgewalt, beleidigungen auch beabsichtigt war, eben von jenem Polizisten. Wenn Sie ihn kennen würden, würden sie mich verstehen.



Meine Frage ist, was kann ich tun? Wie wehre ich mich dagegen? Wie verhinder ich eine Wiederholung? Und wen kann ich für den Schaden haftbar machen? Ich habe gelesen, daß Anzeigen gegen Polizisten mangels externer Instanz so sinnvoll sind, wie auf der Sonne Schneemänner zu bauen. Aber ich tendiere trotzdem dazu, und wenn es ist, damit nur etwas in deren akte steht. Wer weiß, vllt wiederholt sich das ja bei anderen. Leider wird es fruchtlos bleiben, denn auf der Fahrt gab es natürlich keine Zeugen.



Ich danke schon mal im voraus, falls jemand was hilfreiches weiß. Ich bin für alles dankbar.



Lg




5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Mybe2
Status:
Schüler
(276 Beiträge, 50x hilfreich)

Nüchtern betrachtet. Die alleinige Einbeziehung der Schuld der Polizei verzerrt die eigene Wahrnehmung. Man könnte über die Unverhältnismäßigkeit diskutieren, mMn zu wage. Ausgehend davon, wird niemand für den Schaden einspringen, außer man könnte die totale Unverhältnismäßigkeit beweisen, die unter Anbetracht der Tatsache, dass der Sohn Wiederstand gegen Vollstreckungsbeamte und weiter aggresives Verhalten leistete, durchaus legitim erscheint.
Was aber von Relevanz sein könnte, wäre die Fahrt von der Gefahrenstelle zum Präsidium:

Zitat (von Aitori):
Polizisten, welche mit ihm hinten im 6pack saßen, geschlagen, beleidigt, verspottet, und gedemütigt.
Teile uns alle Einzelheiten mit.

Teileditiert von Mod.: Es gibt hier weder Grund noch Anlaß für derartige Provokationen.

-- Editiert von Moderator am 15.07.2021 15:52

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#2
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30197 Beiträge, 9556x hilfreich)

Zitat (von Aitori):
Meine Frage ist, was kann ich tun?


Einen Rechtsanwalt für Ihren Sohn beauftragen, der ihn sowohl in dem gegen ihn gerichteten Strafverfahren vertritt, als auch prüfend und beratend dahingehend tätig sein kann, ob es Sinn macht Strafanzeige gegen bestimmte Beamte zu erstatten und/oder Schadensersatzansprüche geltend zu machen.

Zitat (von Aitori):
Wie wehre ich mich dagegen?


Siehe oben

Zitat (von Aitori):
Wie verhinder ich eine Wiederholung?


Nun einerseits wird einer Wiederholung desto unwahrscheinlicher, je weniger Anlass man bietet in Polizeigewahrsam genommen zu werden und andererseits lässt sich sowas nicht 100%ig verhindern. Genausowenig wie es sich 100%ig verhindern lässt, von einem Auto überfahren zu werden, o.ä.

Zitat (von Aitori):
daß Anzeigen gegen Polizisten mangels externer Instanz so sinnvoll sind, wie auf der Sonne Schneemänner zu bauen


Kommt immer drauf an. Nur sollte man -wie gesagt: siehe oben- sich wenn dann eines Anwalts bedienen, der Erfahrung auf dem Gebiet hat.

1x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Aitori
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Artikel26/Resolution217A(III)):
Teile uns alle Einzelheiten mit.


Naja, laut Aussage meines Sohnes wurde er auf der Fahrt in die Leber und an den Hals (seitlich) geschlagen, ihm die gefesselten Arme auf dem Rücken nach oben verdreht, er und seine Familie (also wir) beleidigt (Assis, Spasten etc, wobei anzumerken ist, das ich Finanzbeamter bin, und meine Frau Krankenschwester). Er würde ausgelacht, als er geweint hat, und sowas gesagt wie "bald kriegen wir dich in den knast, oder wir können es kaum erwarten, das du im knast bist". Sowas in der Art. Die Sache ist, normalerweise würde ich sowas als Übertreibung abtun, ich mein, er war sauer, da denkt man sich vielleicht auch mal was aus. Aber er hat so wehement darauf bestanden, daß ich dazu neige ihm zu glauben. Denn sonst ist er nie so. Er war total hysterisch, als ich eintraf, und alles drehte sich nur um die Fahrt, und was da vorgefallen ist. Die Prügelei vorher war vergessen. Er ließ sie auch sehr schwer beruhigen von mir, bzw hat es länger gedauert. Er war total aufgelöst und verloren, hilflos, so daß er sich nur mit schreien und beleidigen verteidigen konnte, (was natürlich nicht richtig ist, aber nur fürs Verständnis). Und immer wieder hat er von den Schlägen etc erzählt. Dutzende male. Deshalb glaube ich, daß alles wahr ist. Und ich glaube sonst sehr vorsichtig.

0x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
ChrisC
Status:
Schüler
(172 Beiträge, 90x hilfreich)

Zitat:
ein Freund versucht meinen Sohn zu beruhigen. Da er noch sehr aufgeheizt ist, schubst er seinen Freund von sich, worauf der Polizist hinter ihm meinem Sohn in den Nacken greift. Mein Sohn dreht sich aus Reflex um, und entwindet sich dem Griff (erwähnt sollte werden, das er den Polizist dabei nicht angefasst oder auf ihn zugegangen ist, sondern lediglich sich der Hand entziehen wollte, welche ihn ohne Vorwarnung von hinten gepackt hat).


Ihr Sohn hat im Beisein der Polizei eine andere Person tätlich angegriffen. Die Polizei geht dazwischen, wozu sie verpflichtet ist. Ihr Sohn wehrt sich und wird unter Kontrolle gebracht. Soweit völlig normal.

Zitat:
Naja, laut Aussage meines Sohnes wurde er auf der Fahrt in die Leber und an den Hals (seitlich) geschlagen, ihm die gefesselten Arme auf dem Rücken nach oben verdreht, er und seine Familie (also wir) beleidigt


Entsprechende Verletzungen waren erkennbar und wurden, vorzugsweise durch ein ärztliches Attest, dokumentiert?

Hatte ihr Sohn Alkohol oder Drogen konsumiert? Wurde diesbezüglich durch die Polizei etwas unternommen (Atemalkohol- oder Urintest, Blutentnahme)?

2x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30197 Beiträge, 9556x hilfreich)

Zitat (von Aitori):
Deshalb glaube ich, daß alles wahr ist. Und ich glaube sonst sehr vorsichtig.


Also, wenn Sie sonst schon "vorsichtig glauben", würde ich das an dieser Stelle auch erst mal tun. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich -wie meist- in der Mitte. Gerade auch die Geschichte mit "Familie beleidigt" ist eher unwahrscheinlich und soll m.M.n. dazu dienen Sie mit ins "Boot der Empörung" zu holen.

Oder mal aus mehr als 20 Jahren Berufserfahrung gesprochen:

Man war im Kreise seiner Freunde unterwegs und es gab Streß mit anderen Jugendlichen. Man "pumpt sich auf", Adrenalin fließt usw. Polizei kommt usw. Man macht weiter auf "harten Mann" und statt endloser Diskussionen hat die Polizei eine Situation, in der Ihr Sohn weiter aggressives Verhalten gezeigt hat, schnell und kompromisslos beendet. Das ist natürlich demütigend für einen Teenager vor seinen Freunden. Und da kommt die Berufserfahrung ins Spiel: Solche Geschichten wie sie sich dann angeblich im Polizeifahrzeug und auf der Wache abgespielt haben sollen, habe ich direkt "am Morgen danach" schon oft gehört. Das ist so eine "Ich war zwar böse, aber die anderen -also die Polizei- war noch sehr viel böser" - Reaktion. In 99% der Fälle relativiert sich das schon nach 2-3 tagen wieder ohne Weiteres - auch schon alleine durch dann neue Angaben des Betreffenden. Wenn dann Akteneinsicht da ist und man den Polizeibericht liest, relativiert es sich noch mehr.

Ich vermute mal, dass Ihrem Sohn irgendeine Straftat vorgeworfen wird? Widerstand wahrscheinlich!?

Nehmen Sie via Anwalt Akteneinsicht in der Sache und besprechen dann anhand des Akteninhalts die Sache nochmals mit Ihrem Sohn. Ich vermute, dass sich auch seine Geschichte dann -wenn er wieder "runtergefahren" ist- deutlich anders anhört, als sie sich heute anhört.

PS:

Zitat (von ChrisC):
Hatte ihr Sohn Alkohol oder Drogen konsumiert? Wurde diesbezüglich durch die Polizei etwas unternommen (Atemalkohol- oder Urintest, Blutentnahme)?


Das ist im Übrigen auch eine relevante Frage ...

-- Editiert von !!Streetworker!! am 16.07.2021 01:12

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