Erste Hilfe in Rechtsfragen seit 2000.
590.724
Registrierte
Nutzer

Schwere Körperverletzung - der Geschädigte ist arbeitsunfähig geschrieben?

 Von 
Toskana455
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)
Schwere Körperverletzung - der Geschädigte ist arbeitsunfähig geschrieben?

[color=black][/color]
Ich hab mal eine Frage zum Tatbestand, vermutlich schwere bzw. gefährliche Körperverletzung.
In einer Gaststätte entstand eine verbale Auseinandersetzung. In der Folge nahm einer der Beteiligten (40) einen Barhocker und schlug diesen dem anderen Beteiligten(33) ohne Vorwarnung und ohne erkennbaren Grund (Notwehr) mit der Holzsitzfläche auf den Kopf, so dass dieser sofort zu Boden ging. Daraufhin drehte der Schläger den Barhocker um und schlug auf den zu Boden liegenden weiter ein, diesmal mit den Beinen des Hockers senkrecht von oben auf ihn herab. Dieser wurde auch mehrfach getroffen und hat dabei, vor allem durch den ersten Schlag, viel Blut verloren.
Nach einigen Schlägen konnte der Täter durch den Wirt und anderen Gästen von seinem Tun abgehalten werden, wobei sich diese durch die rasende Brutalität des Schlägers ebenfalls Prellungen und blaue Flecken zuzogen.
Daraufhin flüchtete der Täter ( und wurde auch nicht mehr geschnappt an diesem Abend, obwohl er von der Polizei gesucht wurde, also konnte auch kein Alkoholtest durchgeführt werden ), während das Opfer per Krankenwagen ins Krankenhaus gefahren wurde und dort mit fast 40 Stichen am Kopf genäht wurde. Seitdem leidet er häufig unter starken Kopfschmerzen.
Da das Opfer eine Halbglatze trägt, kann man die Narben sehr gut sehen und wird sie wohl zeitlebens erkennen können.
Die Tat geschah vor ca. 4-5 Wochen, der Geschädigte, der im Übrigen selbstständig ist, ist seit dem arbeitsunfähig geschrieben.
Anzumerken bleibt, dass der Schläger mindestens einmal, vermutlich mehrmals, wegen Schlägereien etc. vorbestraft ist und erst kürzlich eine diesbezügliche Bewährungsstrafe abgelaufen ist. Zudem ist ihm vor einigen Jahren wegen Trunkenheit im Straßenverkehr der Führerschein für ca. 9 Monate entzogen worden.
Meine Frage ist also, wie wird der Fall erfahrungsgemäß juristisch bewertet werden, sprich welches Urteil kann der Beschuldigte erwarten?
Die Anklage wurde übrigens seitens der Staatsanwaltschaft erhoben und die Gerichtsverhandlung wird vor dem Landgericht stattfinden. Mehrere anwesende Zeugen haben zur Sache bei der Polizei grundsätzlich in etwa das Gleiche ausgesagt, so wie oben beschrieben.
Wie sieht die zivilrechtliche Situation aus?
Für Eure kompetenten Antwort möchte ich mich schon jetzt bedanken.



-----------------
""

Verstoß melden

Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Anklage erwarten Fall Urteil


5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(29624 Beiträge, 9127x hilfreich)

Sind Sie sicher, dass die Tat erst 4.5 Wochen her ist, und das tatsächlich bereits Anklage erhoben wurde diese bereits durch das Gericht (zum Landgericht) zugelassen ist. Das wäre näml. verdammt (um nicht zu sagen "unglaublich" ;) schnell.

Eine Anklage zum Landgericht deutet darauf hin, dass die StA beabsichtigt eine Freiheitsstrafe von mehr als 4 Jahren zu beantragen, da ansonsten kein zwingender Grund vorliegt, zum LG anzuklagen. Vermutlich(!!!) wird daher nicht unbedingt "nur" eine gef. KV angeklagt werden (zwar könnte man auch eine solche vors LG bringen, da Strafrahmen prinzipiell 6 Monate bis 10 Jahre), sondern mglw. eher ein "versuchter Totschlag". Totschlag hat einen Strafrahmen von 5 bis 15 Jahren, wobei der Versuch milder bestraft werden kann, als die vollendete Tat, §§ 23 , 49 StGB , was ggf. eine Strafrahmenverschiebung auf 2 bis 10 Jahre zur Folge hätte. Bei Anklage "(versuchter) Totschlag" wäre das LG zwingend zuständig (lt. GVG)

Oder wissen Sie sicher, dass "gefährliche Körperverletzung" angeklagt wurde?

In dem Fall käme nur die "mehr als 4 Jahre beantragen" Variante in Frage und/oder man beabsichtigt, den Angeklagten nach § 63 in einem psychiatrischem Krankenhaus (Maßregelvollzug) unterzubringen. Dafür wäre ebenfalls zwingend das Landgericht zuständig.

Näher kann man die mögl. Strafe nicht vorhersagen, da es natürlich auf die konkreten Umstände des Einzelfalls (auch Art und Höhe der Vorstrafen) und natürl. auch die Einzelheiten der jetzt in Rede stehenden Tat ankommt, die sich erst im Rahmen der Beweisaufnahme ergeben werden.

-----------------
"Bitte um Verständnis,dass ich keine Rechtsfragen per PM beantworte.Das ist nicht Sinn des Forums"

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#2
 Von 
Toskana455
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo,

also es sieht folgendermassen aus.

Die Tat liegt tatsächlich inzwischen ca. 5-6 Wochen zurück. Es ist sicher noch keine Anklage erhoben worden, das wäre tatsächlich sehr schnell.
Meine gemachten Angaben stammen von den erwähnten Zeugen, die bei der Kripo aussagen mussten.
Diese wiederum haben ihre Infos von der Kripo, dort wird vermutet, die Anklage würde wegen versuchtem Totschlag erhoben.
Ich denke mal, die Kripo hat Erfahrung und weiss, wovon sie spricht.
Inwiefern und ob überhaupt die Kripo dem Staatsanwalt Vorschläge bezüglich der Anklageerhebung machen kann, entzieht sich meiner Kenntnis.

Wie sähe die Sache denn nun aus, wenn tatsächlich Anklage wegen versuchtem Totschlag erhoben würde ?
In Anbetracht meiner Schilderung zum Tatablauf und diverser einschlägiger Vorstrafen ist das ja eigentlich vorstellbar.

-----------------
""

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#3
 Von 
Justitia81
Status:
Schüler
(316 Beiträge, 83x hilfreich)

quote:
vermutlich schwere bzw. gefährliche Körperverletzung.
quote:
Anklage würde wegen versuchtem Totschlag
quote:
vor ca. 4-5 Wochen
quote:

quote:
Die Tat liegt tatsächlich inzwischen ca. 5-6 Wochen zurück

Ich hoffe für den Geschädigten, das die anderen Zeugen etwas Glaubwürdiger sind als Sie...

-----------------
""

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#4
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(29624 Beiträge, 9127x hilfreich)

Sorry, aber ist relativ schwer was vernünftiges zu schreiben, wenn Vermutungen, "Ahnungen", Kaffeesatzleserei zunächst als Fakten dargestellt werden und sich dann erst bei Nachfrage rausstellt, was wirklich Fakt ist.

Aus:

quote:<hr size=1 noshade>Die Anklage wurde übrigens seitens der Staatsanwaltschaft erhoben und die Gerichtsverhandlung wird vor dem Landgericht stattfinden <hr size=1 noshade>


wurde dann:
quote:<hr size=1 noshade>Es ist sicher noch keine Anklage erhoben worden, das wäre tatsächlich sehr schnell. <hr size=1 noshade>


...was ja nun ein Riesen-Unterschied ist.

quote:<hr size=1 noshade>Diese wiederum haben ihre Infos von der Kripo, dort wird vermutet, die Anklage würde wegen versuchtem Totschlag erhoben. <hr size=1 noshade>


So plötzlich ?!?! Zunächst ist von gef. KV / schwerer KV die Rede und dann -nachdem ich den TB des vers. Totschlags in den Raum werfe- "wird das auch von der Kripo vermutet" ?!

Fakt ist bis hierhin jedenfalls also, dass noch (fast) gar nichts Fakt ist, bis auf das folgende:

Es läuft ein Ermittlungsverfahren wegen eines Deliktes gegen die körperliche Unversehrtheit. Das kann alles von einfacher Körperverletzung bis zum versuchten Totschlag sein.

Es steht völlig in den Sternen ob zum Amtsgericht oder Landgericht angeklagt wird, welches Delikt angeklagt wird und ob die Ankalge in der Form zugelassen wird.

quote:<hr size=1 noshade>Ich denke mal, die Kripo hat Erfahrung und weiss, wovon sie spricht.
Inwiefern und ob überhaupt die Kripo dem Staatsanwalt Vorschläge bezüglich der Anklageerhebung machen kann, entzieht sich meiner Kenntnis.
<hr size=1 noshade>


Die Kripo hat nichts weiter zu tun, als die Fakten zu sammeln und zu Papier zu bringen. Der Rest ist Sache der StA. Und in Sachen "Die Kripo weiß wovon sie redet" sollte man nicht meinen, wie oft das nicht der Fall ist, gerade wenn es um Strafrecht/Strafprozessrecht geht.

quote:<hr size=1 noshade>
.In Anbetracht meiner Schilderung zum Tatablauf und diverser einschlägiger Vorstrafen ist das ja eigentlich vorstellbar. <hr size=1 noshade>


Vorstrafen haben damit überhaupt nichts zu tun. Tatbestand X ist und bleibt Tatbestand X und wird nicht aufgrund von Vorstrafen zu Tatbestand Y.

Der "Schilderung nach" ist ebensogut "nur" eine gefährliche KV vorstellbar.

Hier sollte erst einmal das Ergebnis der Ermittlungen abgewartet werden und die Entscheidung der StA, welcher Tatbestand angeklagt wird. Dann kann man eine Einschätzung vornehmen.

Die jeweiligen Strafrahmen der Delikte hatte ich oben bereits teilweise genannt und diese sind auch dem Gesetzteswortlaut zu entnehmen:

§ 224 StGB
§ 226 StGB
§ 212 StGB iVm. § 23 StGB iVm. § 49 StGB




-----------------
"Bitte um Verständnis,dass ich keine Rechtsfragen per PM beantworte.Das ist nicht Sinn des Forums"

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#5
 Von 
Toskana455
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

ok,

besten Dank für die umfangreichen Erläuterungen.

-----------------
""

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 217.544 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 25
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
90.223 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. Zzgl. 2€ Einstellgebühr pro Frage.

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen