Strafbefehl wegen blöder Sache, aber wirklich lächerlich

12. September 2021 Thema abonnieren
 Von 
KeyBreakerUL
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
Strafbefehl wegen blöder Sache, aber wirklich lächerlich

Habe einen Strafbefehl über 60 Tagessätze wegen einer dummen Sache bekommen, die aber eigentlich lächerlich ist.
Bin vor knapp 4 Monaten bei einem Freund zu Besuch gewesen. Ich hatte Urlaub, er nicht. Also war ich tagsüber allein in der Wohnung. Bin an einem der Tage kurz aus der Wohnung gewesen um mir was zu essen zu kaufen und als ich rein wollte, ist mir im Schloss der Schlüssel abgebrochen. War ein altes Schloss das klemmte und ich habe es mit Gewalt versucht und nunja. Knack.
Da ich Angst hatte einen Schlüsseldienst zahlen zu müssen bin ich in das nächstliegende Geschäft und habe mir ein paar Werkzeuge geliehen. Kumpel natürlich auch informiert per Whatsapp.
War dann im Treppenhaus und habe mit den geliehenen Werkzeugen an der Tür rumgemacht. Irgendwann kam ein anderer Bewohner die Treppe runter, hat mich gesehen, aber nichts gesagt. Ich bin im Haus nicht bekannt, war erst 2x da.
Nunja wie das so ist tauchte 10 Minuten später die Polizei auf. Einbruchsverdacht!
Habe die Sachlage erklärt, wurde aber mitgenommen, weil ich nicht nachweisen konnte, dass ich da wohne.
Anruf bei Kumpel von der Polizeiwache brachte dann Klärung.
So weit, so gut.
Um den Schlüsseldienst sind wir dann allerdings nicht rumgekommen.
Bin im Moment am Streiten ob ich das zahlen muss, da das Schloss in schlechtem Zustand war.
Aber das ist nicht das Problem.
Habe jetzt letzten Freitag einen Strafbefehl bekommen mit dem Tatvorwurf "Vortäuschen einer Straftat".
Mir wird darin vorgeworfen, mittelbar einen Einbruch vorgetäuscht zu haben, der zu einer Alarmierung der Polizei und Ermittlungshandlungen geführt habe.
Höhe 60 Tagessätze. Habe ne Vorstrafe wegen Diebstahls in mehreren Fällen aus 2019, damals 90 Tagessätze.
Aber mal die Frage an euch: Das ist doch kein Vortäuschen einer Straftat????? Ich habe da ja nicht in Täuschungsabsicht an dem Schloss rumgemacht sondern wollte in die Wohnung!? Und mir den Schlüsseldienst sparen.
Okay, im Strafbefehl steht ich hätte billigend in Kauf genommen, dass Nachbarn von einem Einbruch ausgehen und die Polizei alarmieren. Aber das ist doch Quatsch?! Der andere Bewohner hätte mich doch fragen können? Er ist ja nur an mir mit komischem Blick vorbeigegangen. Verstehe das nicht.
Soll ich auf eine Hauptverhandlung verstehen? Bestehen da gute Aussichten? Kumpel ist ja Zeuge und gegebenenfalls der Schlüsseldienst.
Bitte um Antworten, danke :)

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3 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30226 Beiträge, 9515x hilfreich)

Zitat (von KeyBreakerUL):
Okay, im Strafbefehl steht ich hätte billigend in Kauf genommen, dass Nachbarn von einem Einbruch ausgehen und die Polizei alarmieren. Aber das ist doch Quatsch?!


Nö, Quatsch ist das grds. nicht. Aber auch bedingter Vorsatz muss bewiesen sein, bzw. zur Überzeugung des Gerichts feststehen.

Zitat (von KeyBreakerUL):
Der andere Bewohner hätte mich doch fragen können?


Du hättest die Sache auch aktiv aufklären können.

Was hast Du denn bei der polizeilichen Anhörung als Beschuldigter ausgesagt?
Was hat der Zeuge (Nachbar) genau ausgesagt?

Zitat:
Soll ich auf eine Hauptverhandlung verstehen?


"Bestehen" ... meinst Du wahrscheinlich. Das kannst Du nur selbst entscheiden.

Zitat:
Bestehen da gute Aussichten?


Ohne Aktenkenntnis kann man da wenig zu sagen. Mglw. ja / mglw. nein.

Zitat (von KeyBreakerUL):
Kumpel ist ja Zeuge


Allenfalls dafür, dass es kein "echter" Einbruch war. Dass Du nicht billigend in Kauf genommen hast, einen vorzutäuschen, kann er kein Zeuge sein.

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
KeyBreakerUL
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Aber meine Handlung war ja nicht auf das Täuschen ausgelegt.
Geht es nicht darum, beim Vorsatz?
Ziel meiner Handlung war es, in die Wohnung zu kommen und die hohen Kosten für den Schlüsseldienst zu sparen.
Und nicht Ermittlungshandlungen auszulösen. Überhaupt nicht.

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
Zuckerberg
Status:
Lehrling
(1909 Beiträge, 1138x hilfreich)

Zitat:
Aber meine Handlung war ja nicht auf das Täuschen ausgelegt.
Geht es nicht darum, beim Vorsatz?
Nein, leider nicht. Im strafrechtlichen Sinne bedeutet "Vorsatz" nicht immer "Absicht". Es ist also nicht allein entscheidend, worauf Sie hinaus waren.

Was für Vorsatz in diesem Fall schon ausreichen kann, können Sie in dem Strafbefehl nachlesen.

Es reicht aus, wenn Sie (1.) diesen Verlauf der Geschehnisse für ernsthaft möglich gehalten haben und (2.) diesen Ausgang auch "billigend in Kauf genommen" haben.

Über das Vorliegen von beidem entscheidet am Ende ein Richter. Ärgerlicherweise besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass dies genau der Richter sein wird, der schon den Strafbefehl (möglicherweise aber zu dem Zeitpunkt noch zu unkritisch und bedenkenlos) abgesegnet hat.

Problemtaisch wird genau das sein, was Sie sich selber jetzt auch fragen: Was versteht man eigentlich unter "billigen in Kauf nehmen"? Bei der Beantwortung dieser Frage sind Sie am Ende mehr oder weniger gefangen in der Hand des Richters, der über den Fall zu entscheiden hat. Das kann so ausgehen und das kann so ausgehen. Damit die Entscheidung hierüber im Zweifelsfall eher zu Ihren Gunsten ausfällt, wäre es besser, wenn Sie sich nicht selber zu der Sache äußern, sondern das einen Strafverteidiger überlassen. Natürlich kommt es auch darauf an, was Sie bisher schon ausgesagt haben (siehe unten).

Zitat:
Soll ich auf eine Hauptverhandlung verstehen?
Wäre ich persönlich betroffen (für Sie kann das also anders aussehen), würde ich das tatsächlich tun. Ich wäre mir bezüglich meinem eigenen Fall aber auch sicher, dass ich das alles einigermaßen "geschickt" darstellen kann. Und mir ginge es dabei in erster Linie "ums Prinzip" und gar nicht so sehr darum, ob das auch wirklich ratsam ist.

Wenn es um mich und mein eigenes Führungszeugnis ginge, würde ich aber auch schon genau deshalb den Einspruch einlegen. Die Diebstahlserie steht nämlich aktuell noch nicht im Führungszeugnis. Mit dieser zweiten Strafe wäre das dann aber der Fall.

Lassen Sie sich bei einem Strafverteidiger beraten! Die kosten dafür (das dürften einige Hundert Euro werden) tragen Sie mit zeimlicher SIcherheit am Ende selbst. Das wäre es mir aber trotzdem wert.

Ziel sollte sein (was aber kein Selbstläufer werden wird), das alles noch irgendwie einstellen zu lassen.

Zitat:
Was hast Du denn bei der polizeilichen Anhörung als Beschuldigter ausgesagt?
Was hat der Zeuge (Nachbar) genau ausgesagt?
Diese sehr berechtigten Fragen haben Sie leider noch nicht beantwortet. Die Antworten darauf könnten aber viel darüber aussagen, wie hoch hier die Chancen sind, dass das alles doch noch eingestellt wird. Denn ebenso wie der ganze Fall etwas kurios ist, ist es auch etwas kurios, dass die Staatsanwaltschaft hierauf tatsächlich mit einem Strafbefehl reagiert hat.

Zitat:
Du hättest die Sache auch aktiv aufklären können.
Der Verstoß gegen diese "Ausklärungspflicht" wäre womöglich aber nur als Unterlassen strafbar. Anders dann, wenn der Threadersteller den Zeugen schon von weitem bemerkt (oder zumindest für möglich gehalten) hat und munter weiter (also aktiv) geschraubt und gehämmert hätte. Hat er den Zeugen hingegen schon bemerkt (Vorsatz), als der Zeuge das Geschehen bereits beobachtet hat, dann war es ja sowieso schon zu spät und man kann dem Threadersteller nur noch vorwerfen, dass er es (jetzt vorsätzlich) unterlassen hat, den Zeugen aufzuklären.

Witziger Fall.

0x Hilfreiche Antwort

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