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Trotz Bewährung Straftat begangen - Wie handeln ?

 Von 
tella198
Status:
Frischling
(43 Beiträge, 3x hilfreich)
Trotz Bewährung Straftat begangen - Wie handeln ?

Hallo,

folgendes (sehr kompliziertes) Beispiel.

Person A hat eine Bewährungsstrafe von 24 Monaten auf 4 Jahre wegen Betrugs erhalten. Diese Strafe hat er aufgrund von Betrügerein, um seine Spielsucht zu befriedigen. Diese Strafe erhielt er sogar während er sich in der JVA aufgehalten hat (6 monatiger Bewährungswiderruf weil er eine Suchttherapie nicht angetreten hat).

Wieder auf freiem Fuß mit vollem Elan einen Neuanfang zu starten und alle Bewährungsauflagen einzuhalten zieht die Person A in ein neues Umfeld, steht in ständigem Kontakt mit seinem Bewährungshelfer, kümmert sich eigenstänbdig um die zu absolvierenden Sozialstunden und um einen Platz in einer stationären Suchtklinik um seine Sucht zu bekämpfen. Der Therapiebeginn soll in ca. 4-6 Wochen sein, je nachdem wie schnell die Krankenkasse dies genehmigt (ist in der Bearbeitung).

Nun hat A einen Rückfall und verspielt wieder eine Menge Geld und beginnt wieder mit dem alten Mist. Für einen Aussenstehenden und rückblickend für A selber absolut hirnrissig, jedoch hat die Sucht ihn leider absolut im Griff und lässt ihn nicht klar denken (scheinbar).

Um bei den Fakten zu bleiben: A hat wieder betrogen und das Geld verspielt.

Nun stellt sich A die Frage, wie er auch nur ansatzweise den Schaden begrenzen kann. Neue Anzeigen stehen ins Haus und somit wohl auch der direkte Weg wieder in die JVA für eine lange lange Zeit ? Soll er sich selber anzeigen bei der Polizei in seinem neuen Wohnort und alles einräumen ? Soll der den betrogenen Käufern reinen Wein einschenken und darum bitten keine Anzeige zu machen und irgendwie versuchen den Schaden zu regulieren ? Soll er seinen Bewährungshelfer aufsuchen und ihm von der Sache erzählen ? Was wäre nun der erste und wichtigste Schritt ? Eigentlich hat er kein Geld für einen Anwalt und weiß nicht so recht, was nun zu tun ist.

Die Angst vor einem langjährigem Aufenthalt in der JVA ist riesengroß und nach dem ersten schrecklichen Aufenthalt hat er sich soviel vorgenommen besser zu machen. Die Sucht zerstört leider alles und bald sollte die Therapie beginnen.

Kann es passieren, dass die Polizei schon morgen vor der Tür steht und ihn in U-Haft nimmt, weil er ja eine Geschichte hat ? Oder steht wieder ein langwieriges Prozedere bevor, so dass er evtl. die Therapie antreten kann, denn nur die würde wohl wirklich helfen, auch wenn er sich eine Gefängnisstrafe ja hart erarbeitet hat.

Mit einem juristischen rat würdet ihr A wirklich helfen. Am liebsten würde er umgehend zu einem Anwalt gehen und die Sache komplett erzählen, aber wie bezahlen ?

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14 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
tella198
Status:
Frischling
(43 Beiträge, 3x hilfreich)

Hat irgendjemand einen Rat wie A vorgehen sollte ?

Besteht die Gefahr, dass er noch vor Therapiebeginn verhaftet werden könnte ?

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#2
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(30129 Beiträge, 16292x hilfreich)

Natürlich besteht die Gefahr - der Fluchtanreiz ist ja bei 24 Monaten plus x recht groß. Und einen Pflichtverteidiger dürfte es erst ab der Anklageerhebung oder ab der Verhaftung geben. By the way kann der die Fakten auch nicht aus der Welt schaffen: Rückfall offensichtlich bereits nach sehr kurzer Zeit. Wie lange ist denn die Verurteilung her?

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#3
 Von 
tella198
Status:
Frischling
(43 Beiträge, 3x hilfreich)

Hallo,

die Verurteilung war Anfang Juni, also wirklich noch nicht sehr lange her. Der Rückfall in die Spielsucht hat zu der erneuten Straftat geführt.

Das hört sich dann ja weniger gut an, auch wenn es nur verständlich ist. Kann A irgendwas tun, um deutlich zu machen, dass kein Fluchtgefahr besteht ?

Wäre es eher normal, dass eine Verhaftung bevorsteht oder was wären die nächsten Schritte ? Würde er wieder Post von der Polizei bzgl. Anhörung bekommen ?



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#4
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(34051 Beiträge, 13057x hilfreich)

Geht ja nicht nur um die Fluchtgefahr, sondern auch um die Wiederholungsgefahr. Wenn ich das richtig verstehe, war da eine Freiheitsstrafe von einigen Monaten verhängt worden. Dann war er Bewährungsversager. Dann weitere Freiheitsstafe. Wieder Bewährungsversager. Wie soll man jetzt die Allgemeinheit vor dem Täter schützen?

wirdwerden

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#5
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(30129 Beiträge, 16292x hilfreich)

@ wirdwerden,

stimmt, § 263 steht im Katalog der Straftaten, wo eine U-Haft wegen Wierholungsgefahr zulässig ist.

@ TE,

von der Polizei käme in der Tat der Anhörungsbogen bzw. die Vorladung bezüglich der neuen Taten. Der Widerruf der Bewährung wird erst nach der Verurteilung für die neuen Taten beantragt. Fluchtgefahr wird gemeinhin durch festen Wohnsitz, Arbeit und Familie ausgeräumt. Außer dem festen Wohnsitz liegt hier nichts davon vor, nehme ich an? Und die erwähnte Wiederholungsgefahr läßt sich schon gar nicht ausräumen. Ob es hier aber nun zu einer Verhaftung kommt, ist reine Spekulation. Sie wollten wissen, OB das möglich ist, und die Antwort ist JA.

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#6
 Von 
tella198
Status:
Frischling
(43 Beiträge, 3x hilfreich)

Bewährungsversager, weil er eine Auflage (Therapie machen) nicht eingehalten hat. Nun ist er wieder straffällig geworden, richtig.

Also ist es sogar eher wahrscheinlich, dass es eine Anklage mit vorheriger Verhaftung gibt und nicht den "normalen" Ablauf ? Und er in U-Haft geht ?

Sollte er denn nun irgendwelche Schritte einleiten oder ist das Kind so in den Brunn gefallen, dass er nur abwarten und es über sich ergehen lassen kann, was denn auch kommen mag ?

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#7
 Von 
tella198
Status:
Frischling
(43 Beiträge, 3x hilfreich)

Naja A wohnt mit seiner Partnerin zusammen und Arbeit eben derzeit nur in Form von Sozialstunden, die er ableistet, bzw. eben die Vorbereitung auf die Therapie. Soll er seinem Bewährungshelfer davon berichten ?!

Es wäre eben für Ihn (und eigentlich auch für die Allgemeinheit= das Beste wenn A diese Therapie machen würde/könnte, da diese wohl sehr viel mehr bringen würde. Aber er hat es sich ja scheinbar selbst eingebrockt.

A fragt sich eben in erster Linie, was er nun tun kann. Auch wenn ihm bewusst ist, was begangen hat und das er drüber hätte nachdenken sollen. Leider vernebelt eine solche Krankheit jegliche Sinne, auch wenn mir bewusst ist, dass das für sehr viele Menschen unvorstellbar ist.

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#8
 Von 
tella198
Status:
Frischling
(43 Beiträge, 3x hilfreich)

Ich habe eben noch diesen Abschnitt im Netz gefunden:

"Allerdings muss durch die Betrugstaten auch eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Rechtsordnung eingetreten sein. Die Delikte kämen also nur als Anlasstat und damit als Voraussetzung für den Haftgrund in Betracht, wenn deren Unrechtsgehalt in der oberen Hälfte der mittelschweren Straftaten anzusetzen ist, also einen Überdurchschnittlichen Schweregrad oder Unrechtsgehalt aufweisen."

Was kann ich unter oberer Hälfte, bzw. einer mittelschweren Straftat verstehen ? Es handelt sich um 6 Betrugsdelikte zwischen 200 und 600 Euro, die er begangen hat im Monat September... Dies könnte wahrscheinlich auch aufgrund seiner Vorstrafen bereits dazuzählen ?

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#9
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(34051 Beiträge, 13057x hilfreich)

die Rückfallgeschwindigkeit ist ja schon gewaltig. Ist aus dem Gericht raus und hat weiter gemacht. Chance, die ich sehe: sofort die Schulden, wie auch immer, regulieren. 400 € Job annehmen, was auch immer. Am Wochenende schuften, bis zum umfallen.

Im übrigen: die Allgemeinheit wäre wesentlich mehr geschützt, wenn er schon vorher hätte einsitzen müssen. Oder wenn er sofort aus dem Verkehr gezogen würde.

wirdwerden

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#10
 Von 
wastl
Status:
Richter
(8331 Beiträge, 1465x hilfreich)

Ob nun aufgrund der neuen Anzeigen, die ins Haus stehen, ein Haftbefehl erlassen wird, kann hier keiner wissen. Wenn ein fester Wohnsitz vorhanden ist, drängt sich das jedenfalls nicht ohne weiteres auf.
A muss nun mit einer weiteren Freiheitsstrafe und dem Widerruf rechnen. Wenn er überhaupt etwas machen will kann er nur den Schaden wieder gut machen soweit es eben möglich ist und endlich diese Therapie machen.

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#11
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30008 Beiträge, 9297x hilfreich)

quote:
Soll der den betrogenen Käufern reinen Wein einschenken und darum bitten keine Anzeige zu machen und irgendwie versuchen den Schaden zu regulieren ?


Wenn das noch zu bewerkstelligen wäre, wäre es natürlich das Beste. Wo keine Anzeige, da auch keine Verurteilung und kein Widerruf. Aber ob das noch zu bewerkstelligen ist, oder ob die Leute nicht vielmehr schon Anzeige erstattet haben, steht auf einem anderen Blatt.

Ansonsten sind die nüchternen Fakte ja diese:

Bewährung bekommen
versagt (Therapie nicht angetreten)
Im Vollzug wieder Bewährung bekommen
wieder versagt (neue Straftaten)

Ich sehe da -um es nett zu sagen- "wenig Raum" für ein 3. Mal Bewährung, wobei es sich ja sogar um eine Parallelbewährung zu Urteil 2 handeln würde.

Und was die Therapie angeht: Therapie ist gut, schön und wichtig. Aber eine Garantie, dass man nicht wieder zockt und keine Straftaten mehr begeht, ist es nicht. Das wissen auch die Richter. Meine Erfahrung ist, dass Beschuldigte/Angeklagte viel zu oft viel zu viel Hoffnung in eine anstehende Therapie setzen, juristisch gesehen. Bei Ersttätern, bzw. erstmals zu Freiheitsstrafe verurteilten, macht sowas noch etwas Eindruck. Ab einem bestimmten Punkt ruft aber dieses "Aber ich mache doch jetzt bald Therapie" nur noch ein "Gähnen" bei den Richern hervor.

Sobald die Sache "offiziell" ist, also Anzeige erstattet wurde, sollten Sie sich dringend um einen Anwalt kümmern. Da 2 Jahre Bewährungswiderruf ins Haus stehen, kann der Anwalt sich als Pflichtverteidiger beiordnen lassen.

Und Sie sollten sich -ganz ehrlich gesagt- mit dem Widerruf der 24 Monate + X neue Monate für die neuen Taten "anfreunden". Falls Sie -wider Erwarten- doch noch mal darum herumkommen, wäre die Freude umso größer... Aber die Chance ist minimal.

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"Bitte um Verständnis,dass ich keine Rechtsfragen per PM beantworte.Das ist nicht Sinn des Forums"

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#12
 Von 
tella198
Status:
Frischling
(43 Beiträge, 3x hilfreich)

Vielen Dank für die Rückmeldungen.

Das Wichtigste wäre zunächst zu verhindern, dass eine U Haft kommt. A wird diesbezüglich einen Anwalt vor Ort konsultieren in der Hoffnung, dass es nicht zu
Spät ist.

A hat sich mit dem Widerruf bereits 'angefreundet', möchte nur alles daran setzen vorher die Therapie zu machen. Und die Angst, dass die Polizei jede Sekunde vor der Tür steht ist groß. Wahrscheinlich wurde letzte Woche eine Anzeige gemacht. Geht das so schnell dann ? Würde der Bewahrungshelfer kontaktiert werden von der Polizei ?

Gruß

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#13
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(30008 Beiträge, 9297x hilfreich)

quote:
A wird diesbezüglich einen Anwalt vor Ort konsultieren in der Hoffnung, dass es nicht zu
Spät ist.


Ohne Geld?? Also gleich der nächste Betrug?

U-Haft kommt oder kommt nicht. Da kann auch kein Anwalt -groß- was dran machen. Den Haftgrund der Verdunkelungsgefahr könnte man durch ein komplettes Geständnis umgehen. Fluchtgefahr ist auch nicht unbedingt zu besorgen, wenn es einen festen Wohnsitz gibt, und sich bisher immer allen Verhandlungen gestellt wurde. Bliebe evrl. Wiederholungsgefahr.

quote:

Geht das so schnell dann ?


U-Haft wird, wenn dann, von der Staatsanwaltschaft beantragt, dh. diese muß erst mal Kenntnis von der Sache haben. Wie schnell das geht, kann man nicht wissen. Wenn die Polizei Ihre Wohnung durchsuchen möchte, wird die StA im Rahmen des Antrags auf einen Durchsuchungsbeschluß schnell Kenntins erhalten. Wenn das Verfahren "normal" läuft, bekommt sie die Akte erst nach Abschluß der Ermittlungen.



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"Bitte um Verständnis,dass ich keine Rechtsfragen per PM beantworte.Das ist nicht Sinn des Forums"

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#14
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(34051 Beiträge, 13057x hilfreich)

Bei Betrug und umfangreichen Ermittlungen bekommt der Staatsanwalt als Herr des Ermittlungsverfahrens die Akte nicht erst am Ende der Ermittlungen, sondern durchaus auch zwischendurch. Oder die Opfer erstatten gleich Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft. Dann ist das Teil gleich dort und der Staatsanwalt kann überlegen, was er tut.

Vielleicht wäre es sinnvoll, das Geld, was in den Anwalt investiert werden soll, zur Schadensregulierung zu nutzen? Nur mal so als Idee. So eine Aktion könnte vielleicht Staatsanwalt und Gericht beeindrucken. Ich finds schon bemerkenswert, dass hier nicht ein einziger Gedanke an die Opfer "verschwendet" wird. Aber Geld für einen Rechtsanwalt da ist. Auch, dass hier nicht mal der Gedanke an einen Job "verschwendet" wird. Die paar Sozialstunden und die mentale Vorbereitung auf eine Therapie, das haut nun niemanden um! Schadenswiedergutmachung heisst das Zauberwort, was vielleicht jemanden beeindrucken kann.

wirdwerden

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