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Unterstellter (gemeinschaftlich begangener) Ladendiebstahl

 Von 
JuraNoob123123
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)
Unterstellter (gemeinschaftlich begangener) Ladendiebstahl

Liebe juristisch-versierte Menschen,

ich habe mir größte Mühe gegeben, bereits Einträge zu einem solchen Vorfall (doch etwas speziell) zu finden und wurde einfach nicht fündig. Es wird wohl ein längerer Text - vielen Dank im Voraus an diejenigen, die ihn lesen!

Die Lage ist die folgende: A (Student) geht mit Elternteil im Kaufhaus Karstadt einkaufen. Elternteil bietet A an, ein paar schöne Sachen zu kaufen, da A schon lange nicht mehr im Elternhaus wohnt und selten zu Besuch da ist. A nimmt Angebot glücklich an, und findet ein paar Artikel (4 Stück, zwei Kosmetikartikel, ein Parfüm und eine Sonnenbrille) und reicht diese immer jeweils an den Elternteil weiter. Elternteil verabschiedet sich von A mit der Begründung, zur Kasse zu gehen - die Artikel sind nicht irgendwo eingesteckt sondern einfach in der Hand des Elternteils. A stöbert wartend weiter, während das Elternteil ohne Wissen von A eine Etage weiter nach oben fährt, in die Umkleide statt an die Kasse geht, die Artikel einsteckt und wieder loszieht. A wird ungeduldig und will das Kaufhaus schon einmal verlassen, um draußen auf den Elternteil zu warten. Beim Herausgehen wird A vom Ladendetektiv gepackt, unfreundlich angefahren, das Handy aus der Hand genommen und gebeten mitzukommen. A - zu diesem Zeitpunkt vollkommen unwissend, was vor sich geht, möchte nicht mitgehen und öffnet direkt die Tasche um zu zeigen, dass es sich um ein Missverständnis handeln müsse. Nichtsdestotrotz muss A mitgehen, wird im Büro festgehalten und des gemeinschaftlichen Ladendiebstahls bezichtigt. Der Elternteil hat mittlerweile mit der Ware das Kaufhaus (unerwischt) verlassen. A hat natürlich kein Diebesgut bei sich, dennoch wird die Polizei gerufen, A wird vom Ladendetektiv als besonders resistent bezeichnet, da A sich nicht grundlos festhalten und beschimpfen lassen möchte. Danach wird A mit aufs Polizeirevier genommen um die Personalien zu prüfen. A muss zwar nichts sagen, da es sich um den Elternteil handelt, aber die Beamten finden schnell die Identität des Elternteil raus und geben A ein Schreiben (Ermittlungsbogen) für den Elternteil mit. Sowohl A als auch der Elternteil bekommen also ein Ermittlungsverfahren an den Hals.

Nach Absprache mit einem RA wird beiden geraten, keine Aussage zu machen (nach dem Motto "keine Leiche, kein Mord"), beide sind zuvor nie auffällig geworden. A wollte zwar aussagen, dass A die Tat nicht begangen hat, aber den Elternteil dennoch nicht noch mehr "reinreiten".

Nun ist klar, dass der Elternteil A da in eine sehr unschöne Situation gebracht hat. Der Elternteil hat definitiv etwas Falsches getan und ist sich dessen auch bewusst. Das Verfahren läuft momentan und bisher ist noch kein Ergebnis da (kein Bescheid von der Staatsanwaltschaft).

Fast zwei Monate später erhält A jedoch Post vom RA des Kaufhauses (von wegen A sei beim Ladendiebstahl gestellt worden, was so doch gar nicht stimmt, oder?) und wird gebeten, 100 EUR Vertragsstrafe zu zahlen, 45 EUR Geschäftsgebühr (§§ 13, 14, Nr. 2300 VV RVG) und 3 EUR Pauschale für Post und Telekommunikation. Insgesamt also 148 EUR innerhalb von 10 Tagen.

Nun die Frage: Was sollte A hier tun? A selbst hat keinen Diebstahl begangen und auch nichts davon gewusst, dass der Elternteil dies tun würde. Es wurde bei A keinerlei Diebesgut gefunden und auch auf den Aufnahmen der Kameras wird nichts in die Richtung von etwas einstecken zu sehen sein, da A dies nicht getan hat. Macht es Sinn, Einspruch bei dem RA einzulegen mit dem Hinweis, dass es sich bei der zu Unrecht unterstellten Tat um ein Missverständnis handelte und keinerlei Beweismittel für die Tat, der A bezichtigt wird, vorliegen?

Abgesehen davon, dass A tatsächlich unschuldig ungern zahlen möchte, ist auch die Frage im Raum, ob ein Bezahlen nicht irgendwie auch ein Schuldeingeständnis beinhalten würde. Könnte sich dies auch im Bezug auf das Ermittlungsverfahren negativ auswirken?

Entschuldigt bitte den Roman, es ist doch irgendwie eine verzwickte Situation. Wenn A den Ladendiebstahl tatsächlich begangen hätte, wäre klar, dass A die Gebühren, die damit in Verbindung stehen auch zahlen würde.

Jeglicher Input wäre sehr sehr hilfreich.

Vielen Dank und schönen Mittwoch!

JuraNoob123123

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Ladendiebstahl Ermittlungsverfahren Frage Einspruch


9 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
fb367463-2
Status:
Senior-Partner
(6407 Beiträge, 2702x hilfreich)

Diese "Fangprämie" und das Strafverfahren sind zwei Paar Schuhe und haben nichts miteinander zu tun.

Ich verstehe aber nicht, warum A im Strafverfahren nicht deutlich macht, nichts gestohlen zu haben. A muß nicht wissen, was das Elternteil E getan oder nicht getan hat - aber eine klare Aussage "Ich habe nichts gestohlen" fände ich schon sinnvoll. Auf Fragen nach dem Elternteil kann A jederzeit mit "Keine Ahnung, Fragen Sie den oder die" antworten, damit reitet man niemanden rein.

Im weiteren bin ich der Meinung, daß die Prämie vom Elternteil gezahlt werden sollte!

Signatur:Wenn mein Beitrag hilfreich ist, freue ich mich über einen Klick auf "hilfreich" unten. Danke :)
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#2
 Von 
!!Streetworker!!
Status:
Unbeschreiblich
(26317 Beiträge, 7464x hilfreich)

Man teilt dem RA einfach mit, dass es keine Rechtsgrundlage für die Forderung gibt.

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#3
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(70530 Beiträge, 32261x hilfreich)

Zitat (von JuraNoob123123):
Nach Absprache mit einem RA wird beiden geraten, keine Aussage zu machen (nach dem Motto "keine Leiche, kein Mord"),

Volle Zustimmung.
Allerdings wird es wohl jemanden geben, der eine Leiche gesehen hat.
Aber grundsätzlich würde ich erst mal vom Schweigerecht gebrauch machen.



Zitat (von JuraNoob123123):
auch die Frage im Raum, ob ein Bezahlen nicht irgendwie auch ein Schuldeingeständnis beinhalten würde. Könnte sich dies auch im Bezug auf das Ermittlungsverfahren negativ auswirken?

2x JA



Zitat (von fb367463-2):
Ich verstehe aber nicht, warum A im Strafverfahren nicht deutlich macht, nichts gestohlen zu haben.

Man könnte ihm immer noch mindestens "Mittäterschaft" vorwerfen. Taktisch ist es also besser erst mal zu schweigen, bis man weiteres weis.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#4
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(70530 Beiträge, 32261x hilfreich)

Zitat (von JuraNoob123123):
Nach Absprache mit einem RA wird beiden geraten, keine Aussage zu machen (nach dem Motto "keine Leiche, kein Mord"),

Volle Zustimmung.
Allerdings wird es wohl jemanden geben, der eine Leiche gesehen hat.
Aber grundsätzlich würde ich erst mal vom Schweigerecht gebrauch machen.



Zitat (von JuraNoob123123):
auch die Frage im Raum, ob ein Bezahlen nicht irgendwie auch ein Schuldeingeständnis beinhalten würde. Könnte sich dies auch im Bezug auf das Ermittlungsverfahren negativ auswirken?

2x JA



Zitat (von fb367463-2):
Ich verstehe aber nicht, warum A im Strafverfahren nicht deutlich macht, nichts gestohlen zu haben.

Man könnte ihm immer noch mindestens "Mittäterschaft" vorwerfen. Taktisch ist es also besser erst mal zu schweigen, bis man weiteres weis.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#5
 Von 
fb367463-2
Status:
Senior-Partner
(6407 Beiträge, 2702x hilfreich)

Zitat (von Harry van Sell):
Zitat (von fb367463-2):
Ich verstehe aber nicht, warum A im Strafverfahren nicht deutlich macht, nichts gestohlen zu haben.

Man könnte ihm immer noch mindestens "Mittäterschaft" vorwerfen. Taktisch ist es also besser erst mal zu schweigen, bis man weiteres weis.

Hmmm, ich dachte das eben nicht, weil sie ja nicht mal ansatzweise dabei war, als die Mutter den Diebstahl beging. Sie wusste ja nicht mal was davon.

Aber ich gehe davon aus, daß Sie natürlich Recht haben, im Zweifel ist Reden Silber und Schweigen Gold.

Danke für den Hinweis!

Signatur:Wenn mein Beitrag hilfreich ist, freue ich mich über einen Klick auf "hilfreich" unten. Danke :)
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#6
 Von 
NaibaF123
Status:
Schüler
(392 Beiträge, 56x hilfreich)

Zitat (von fb367463-2):
Hmmm, ich dachte das eben nicht, weil sie ja nicht mal ansatzweise dabei war, als die Mutter den Diebstahl beging.

Doch, denn der gesamte Vorgang des Diebstahls umfasst mehr, als nur die Sekunde in der man den Ausgang betritt. A könnte also durchaus den Diebstahl durch geschickte Verwirrungstaktikten unterstützt haben.

"(1) Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar."

Grundsätzlich wäre also eine Beteiligung seitens A konstruierbar.

Zitat (von fb367463-2):
Sie wusste ja nicht mal was davon.
Das käme A dann zu Gute. Gehen wir mal einen Schritt weiter und unterstellen man könnte A eine Mittäterschaft nachweisen, müsste A natürlich entsprechendes Nichtwissen beweisen, bzw. Glaubwürdig darlegen. Da spielt dann auch das Verhalten des A mit ein.

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#7
 Von 
fb367463-2
Status:
Senior-Partner
(6407 Beiträge, 2702x hilfreich)

Danke schön, NaiBaF!

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#8
 Von 
Harry van Sell
Status:
Unbeschreiblich
(70530 Beiträge, 32261x hilfreich)

Zitat (von fb367463-2):
Hmmm, ich dachte das eben nicht, weil sie ja nicht mal ansatzweise dabei war, als die Mutter den Diebstahl beging.

Doch, für unbeteiligte Dritte hat sie die zu stehlenden Waren ausgesucht und überreicht.


Signatur:Meine persönliche Meinung/Interpretation! Im übrigen verweise ich auf §675 Abs. 2 BGB
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#9
 Von 
fb367463-2
Status:
Senior-Partner
(6407 Beiträge, 2702x hilfreich)

Danke schön, Harry. I was here quite nice on the woodway. :grins: :devil: :wipp:

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