Versuchter Totschlag oder gar Mord?

18. August 2009 Thema abonnieren
 Von 
lillemore.1
Status:
Frischling
(30 Beiträge, 2x hilfreich)
Versuchter Totschlag oder gar Mord?

Folgender Tatbestand:

Es findet eine Feier statt, bei der auch Alkohol konsumiert wird. Es ist Nacht. Irgendwann kommt das Gerücht auf, dass eine liierte Frau eine Affäre mit einem Freund ihres Partners gehabt haben soll. Der Partner rastet aus und versucht der jungen Frau zwei Glasflaschen auf den Kopf zu schlagen, andere Gäste der Feier gehen dazwischen und können Schlimmeres verhindern, die Frau jedoch hat eine Wunde am Kopf und eine Schnittwunde am Daumen. Der Partner verlässt die Feier, alkoholisiert und steigt in sein Auto.

Nun fährt er zu einem anderen Freund, der bereits zu Hause ist und von der Geschichte nichts mitbekommen hat, klingelt ihn aus dem Bett und sagt: "Lass uns zu demjenigen fahren, der etwas mit meiner Partnerin hatte und ihn totschlagen."

Der Freund, der aus dem Bett geklingelt wurde weigert sich und sagt dem anderen, dass er besser schnell nach Hause fährt und sich ausschläft und nicht so dummes Zeug reden soll.

Doch der Mann fährt nicht nach Hause sondern zu dem Freund, der angeblich eine Affäre mit seiner Freundin gehabt haben soll. Auch dieser liegt bereits im Bett und schläft.

Er öffnet dem Täter die Tür im Glauben, er öffne sie einem Freund. Schlaftrunken und nur mit einer Unterhose bekleidet, da er ja schon im Bett lag.

Doch der Täter schlägt ohne Vorwarnung auf ihn ein, zahlreiche Male, immer auf den Kopf und mit den Worten :"Ich bring dich um, ich schlag dich tot!"
Der Angegriffene weiß gar nicht was los ist, ist schon benommen und kaum mehr in der Lage sich zu wehren. Er versucht den Angreifer zu beruhigen, hat aber keine Chance.
Der Täter wirft einen Glastisch auf ihn, schlägt ihn mit einer großen Stehlampe. Irgendwann hat er ihn im Schwitzkasten und versucht, mit den Worten:"Das wars jetzt, mein Junge" seinen Kopf in den Fernseher zu schlagen.

Dem Opfer wird klar, dass der Täter es ernst meint und erkennt,"wenn ich hier nicht rauskomme bin ich tot" Ihm gelingt die Flucht zu einem Nachbarn. Krankenwagen und Polizei werden gerufen.

Die Bilanz:
- eine total zertrümmerte Wohnung und
- doppelter Kieferbruch unten und oben
- zertrümmerte Augenhöhlen
- gebrochene Nase
- gebrochene Jochbeine auf beiden Seiten
- Hämatome am Körper

Das Opfer kann von Glück reden, dass es noch lebt und der Schädel nicht gebrochen ist.

Auch die (Ex) Freundin des Täters erstattet Anzeige wegen Körperverletzung.

Ist das versuchter Mord gewesen?
Es war doch heimtückisch, ein niederes Motiv der Eifersucht und auch Benutzung gefährlicher Waffen, oder?

Wirkt sich der Alkoholeinfluss und eine daraus folgende Unzurechnungsfähigkeit strafmildernd aus?
Wie sieht es mit Schmerzensgeld aus / Höhe?
Wenn der Täter nicht vorbestraft war, besteht trotzdem die Möglichkeit dass er keine Bewährungsstrafe mehr bekommt?

Kann der erste Freund den Täter wegen Anstiftung zum versuchten Mord/Totschlag anzeigen?

Das Opfer nimmt sich einen Anwalt. Es muss noch operiert werden...
Ihm geht es auch psychisch sehr schlecht.
Es hat nie etwas mit der Freundin des Täters gehabt.

Der Täter wurde nach der Tat schon wieder gesehen - frei und am Steuer seines Wagens.


-----------------
" "

-- Editiert am 18.08.2009 11:35

-- Editiert am 18.08.2009 11:38

Notfall oder generelle Fragen?

Notfall oder generelle Fragen?

Ein erfahrener Anwalt gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Ein erfahrener Anwalt gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Kostenlose Einschätzung starten Kostenlose Einschätzung starten



2 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
mega
Status:
Praktikant
(522 Beiträge, 135x hilfreich)

Letztlich wird niemand sicher vorhersagen können, wie ein Gericht in dieser Sache entscheiden wird. Versuchter Mord, versuchter Totschlag, Körperverletzung. Letztlich wird es darauf ankommen, ob man dem Täter eine Tötungsabsicht nachweisen kann.

Ich kann mich ansonsten durchaus aber für die Annahme eines versuchten Mordes erwärmen:
Der Täter handelt mit Heimtücke. Denn das Opfer ist arglos. Es öffnet seinem Freund gutgläubig die Tür und rechnet dabei zu keiner Zeit mit einer Tätlichkeit, schon gar nicht mit einem Angriff auf sein Leben.
Der Täter handelt aus niedrigen Beweggründen, denn Eifersucht ist ein niedriger Beweggrund.
Mordmerkmale wären also im subjektiven und objektiven Tatbestand gegeben.
Gemeingefährliche Mittel hingegen hat der Täter nicht eingesetzt. Das wäre z.B. Feuer oder Sprengstoff etc.

-----------------
" "

0x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
muemmel
Status:
Unbeschreiblich
(32671 Beiträge, 17207x hilfreich)

Hi,

was den Alk anbelangt - wenn der Täter ernsthaft schuldunfähig war, wird er halt wegen Vollrauschs (§ 323a StGB ) bestraft. Das nützt ihm bei einem KV-Vorwurf wenig, bei versuchtem Mord würde er mit dem Vollrauschparagraph ganz gut fahren. Allerdings hat mir der Täter hier zu zielstrebig gehandelt, als daß ich mir den 323a vorstellen könnte. Für diesen braucht man üblicherweise mindestens 3 Promille.
Ab 2 Promille wäre eine Strafmilderung wg. verminderter Schuldfähigkeit drin. Wenn wir mal versuchten Mord annehmen, kämen wir da über die §§ 21 und 49 auf eine Mindeststrafe von 6 Monaten, was dann noch bewährungsfähig wäre.
Strafvorhersagen sind hier kaum möglich, da wir ja nicht wissen, welches Delikt das Gericht letztlich annimmt. Das kann sich im übrigen auch während der Verhandlung noch ändern.

Gruß vom mümmel

-----------------
" "

0x Hilfreiche Antwort

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 264.366 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 30
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
106.994 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. zzgl. 5€ Einstellgebühr pro Frage.

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen