Verwechslung im Getümmel oder Diebstahl unter Alkoholeinfluss?

29. Juli 2005 Thema abonnieren
 Von 
Hans Mustermann
Status:
Frischling
(21 Beiträge, 4x hilfreich)
Verwechslung im Getümmel oder Diebstahl unter Alkoholeinfluss?

Guten Tag!

Folgender Sachverhalt bereitet Freund A neben einem schlechten Gewissen Kopfzerbrechen:

Drei Freunde, A, B und C besuchen eine Diskothek. Sie kaufen wenige Getränke wegen astronomischen Preisen, machen dafür aber viele Male bei einer Umfrage mit, bei der die Teilnahme mit Getränkegutscheinen belohnt wird. Sie tun es vielen Diskobesuchern gleich.
Die Ausgabeangestellten der Gutscheine geben irgendwann keine Gutscheine mehr an A,B und C aus, da sie viel zu oft bei der Umfrage gesehen wurden, unternehmen aber auch sonst nichts.
Die Veranstaltung platzt im Laufe des Abends aus allen Nähten und im Getümmel nimmt A eine halbvolle Flasche Alkohol von einer Bar und konsumiert sie mit B und C. Danach wird die Flasche entsorgt und A,B und C befinden sich wieder im Getümmel.
Irgendwann kommen zwei Türsteher und eine dritte Person X zu A und B und beschuldigen sie des Diebstahls einer Flasche Alkohols von einer Bar.
A und B bestreiten die Tat, die Türsteher beharren darauf, da die dritten Person X sie angeblich gesehen hätte.
A und B werden zur Türe geleitet, es wird abkassiert und Hausverbot ausgesprochen.
Dann geben A und B (dumm und alkoholisiert wie sie waren) auf Anforderung ihre Personalausweise den Türstehern, da diese die Personalien aufschreiben wollen, zwecks einer Anzeige.
Die Personalien werden aufgeschrieben und A und B verlassen das Gebäude.
Die Personalausweise werden nicht wieder an A und B zurückgegeben, was A und B leider erst am nächsten Morgen bemerken.
Der Zeuge X war der einzige der A und B an dem Abend beschuldigte und keine Flasche o.Ä. wurde bei A und B gefunden.
Welcher Wert zählt vor Gericht, EK oder VK-Wert der Flasche?
Wie kann bewiesen werden, dass die Flasche nur zur Hälfte gefüllt war?
A und B bestehen auf eine Verwechslung oder falsche Beschuldigung durch den Zeugen X im Getümmel.
Können plötzlich noch weitere Zeugen auftauchen?
Freund B nahm die Flasche nicht an sich, dennoch wird er mit Freund A von Zeuge X beschuldigt.
Freund C verbrachte den Abend mit den Freunden A und B zu allergrössten Teilen und kann sich nicht vorstellen, dass A und B in der kurzen Zeit des Getrenntseins eine Flasche gestohlen und konsumiert haben sollen und kann dies auch aussagen.
Freunde A war noch nie mit dem Gesetz in Konflikt, gegen Freund B wurde einst ein Ladendiebstahlsverfahren wegen eines sofortkonsumierten Bonbons eingestellt.
Welchen Wert haben angeblich gemachte Aussagen am selben Abend von Freunden A und B gegenüber den Türstehern vor Gericht?
Wie stark wiegt der belastende Zeuge X, dem Freunde A und B eine Verwechslung vorwerfen?
Welches Resultat ist zu erwarten, nachdem die Mühlen des Gestztes fertig gemahlen haben, falls eine Anzeige auf A und B zukommt?

Hans Mustermann

Notfall oder generelle Fragen?

Notfall oder generelle Fragen?

Ein erfahrener Anwalt gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Ein erfahrener Anwalt gibt Ihnen eine vertrauliche kostenlose Einschätzung!
Kostenlose Einschätzung starten Kostenlose Einschätzung starten



17 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Bob.Vila
Status:
Student
(2644 Beiträge, 437x hilfreich)

Viele Fragen - aber um es etwas abzukürzen: Sofern es sich bei der Flasche Alkohol nicht um einen 40 Jahre alten Glenfidich o.ä. gehandelt hat, dürfte ein etwaiges Ermittlungsverfahren gegen A und B wohl gem. § 153 StPO eingestellt werden.

-----------------
"fiat justitia et pereat mundus..."

1x Hilfreiche Antwort

#2
 Von 
Hans Mustermann
Status:
Frischling
(21 Beiträge, 4x hilfreich)

Nehmen wir an, es handelte sich um eine zu 1/3 gefüllte Bacardi Rum Flasche.
Wie kann A das beweisen, bzw. wie kann von Anklägern das Gegenteil bewiesen werden?
Wenn von Anklägern behauptet wird, diese Flasche wäre angeblich voll gewesen, könnten in jeder Disskothek etliche, teure Drinks gemixt werden, deren potentieller Gesamtwert sicher 50 Euro übersteigen würde.
Um die Geschichte zu komplizieren, nehmen wir an, B wäre ein Offizier zur Ausbildung bei der Bundeswehr. Welche Konsequenz zieht eine Einstellung des Verfahrens nach sich?
Wie wird wohl der Wert der zu 33% vollen Flasche berechnet?
Wann ist eine Schuld eindeutig zuweisbar?

-- Editiert von Hans Mustermann am 29.07.2005 16:52:23

0x Hilfreiche Antwort

#3
 Von 
wastl
Status:
Richter
(8350 Beiträge, 1491x hilfreich)

Sollte es jemals zu einer Hauptverhandlung kommen, was ich mir kaum vorstellen kann, es sei denn, das BZR ist lang wie ein Buch, käme es auf Ihren X an. Was hat er überhaupt gesehen? Wie betrunken war er? Erkennt er jemanden wieder? Das sind aber alles Unwägbarkeiten, zu denen beim besten Willen nichts konkretes gesagt werden kann.

1x Hilfreiche Antwort

#4
 Von 
DanielB
Status:
Bachelor
(3291 Beiträge, 409x hilfreich)

Die Schadenshöhe ergibt sich wohl aus dem Schaden der durch den Verlust des Alkohols unmittelbar entsteht und möglicherweise zusätzlich entgangenen Gewinnen für Mix-Getränke. Letzteres käme meiner Meinung nach aber nur dann in Frage, wenn weil es keine weiteren Flaschen der geklauten Sorte gab, die Herstellung gewünschter Mix-Getränke nicht möglich war.
Für die Flasche sollte ansonsten nicht mehr als der anteilige Verkaufspreis pur berechnet werden. Ich weiß jetzt nicht wie teuer Barcadi-Rum so ist, aber ich denke das könnte durchaus noch im Bereich der Geringfügigkeit liegen.

1x Hilfreiche Antwort

#5
 Von 
wastl
Status:
Richter
(8350 Beiträge, 1491x hilfreich)

Ich würde nicht etwaige Mixgetränke sondern den Rum selbst ansetzen, und zwar einen "normalen" Preis, den ich vielleicht nicht genau beziffern, aber in jedem Fall im geringfügigen Bereich ansiedeln würde.

1x Hilfreiche Antwort

#6
 Von 
DanielB
Status:
Bachelor
(3291 Beiträge, 409x hilfreich)

Aber wenn tatsächlich andere Getränke in Folge des Diebstahls und Mangels an weiteren Flaschen des Rums scheitert entsteht doch ein Vermögensschaden?

1x Hilfreiche Antwort

#7
 Von 
Bob.Vila
Status:
Student
(2644 Beiträge, 437x hilfreich)

quote:<hr size=1 noshade>Aber wenn tatsächlich andere Getränke in Folge des Diebstahls und Mangels an weiteren Flaschen des Rums scheitert entsteht doch ein Vermögensschaden? <hr size=1 noshade>


...aber § 242 StGB , der hier ja einschlägig wäre, ist ja ein Eigentums- und kein Vermögensdelikt!

-----------------
"fiat justitia et pereat mundus..."

1x Hilfreiche Antwort

#8
 Von 
Hans Mustermann
Status:
Frischling
(21 Beiträge, 4x hilfreich)

Danke für die Einschätzungen bisher.
"...aber § 242 StGB , der hier ja einschlägig wäre, ist ja ein Eigentums- und kein Vermögensdelikt! "
Was heisst dieses Zitat von Bob.Vila?
Dass der Diskothek ein Schaden entstand, weil nicht mehr genug Alkoholika der selben Sorte zu Verfügung standen ist eigentlich nicht möglich, da am ganzen Abend kostenlos Bacardi gegen Teilnahme an einer Umfrage ausgeschenkt wurde und die Diskothek enorm gross ist.
Was passiert, wenn X's Aussage, gegen andere Aussagen stehen?
Zu Motiven: Kostenlose Alkoholika beim Gewinnspiel widersprechen einer Motivation von A eine Flasche Bacardi zu klauen, oder? Andererseits, welche Motivation sollte X haben A und B anzuschwärzen?
Was zählen solche Motivationsgedanken?


-- Editiert von Hans Mustermann am 29.07.2005 19:07:56

1x Hilfreiche Antwort

#9
 Von 
wastl
Status:
Richter
(8350 Beiträge, 1491x hilfreich)

Bob.Vila meint zu Recht, dass es nicht darauf ankommt, was man mit dem Zeug alles hätte machen können (und damit dann verdienen), sondern was tatsächlich weggenommen wurde. Beispiel: Wird einem Kunstmaler eine Tube Farbe gestohlen ist ein Schaden in Höhe des Kaufpreises der Tube entstanden und nicht in Höhe des Verkaufspreises eines Bildes, das er damit hätte malen können.

1x Hilfreiche Antwort

#10
 Von 
Hans Mustermann
Status:
Frischling
(21 Beiträge, 4x hilfreich)

Erklärung zu Eigentums- bzw Vermögensdelikt ist einleuchtend.
Inwiefern gilt der Leitsatz 'In dubio pro reo'?
Zeuge X gibt an nüchtern gewesen zu sein und A und B beim Verzehr der Flasche genau beobachtet zu haben.
Die Türsteher geben an, A und B hätten den Diebstahl erst zugegeben, dann bestritten.
A und B streiten die Vorwürfe ab und erklären die Aussagen der Türsteher mit einem Missverständnis und die Aussage von X mit einer Verwechslung unter den gegebenen Umständen.
Wie stark kann die Glaubwürdikeit von A und B überhaupt sein, wenn sie unter Alkoholeinfluss standen, gegenüber der Glaubwürdigkeit des Zeugen X und den Türstehern?
Die gegebenen Umstände:laute Musik, grosses Gedränge und kein Flaschenfund bei A oder B, kein Ertappen auf frischer Tat, weder bei Verzehr noch bei Diebstahl.

-- Editiert von Hans Mustermann am 30.07.2005 11:51:32

1x Hilfreiche Antwort

#11
 Von 
Bob.Vila
Status:
Student
(2644 Beiträge, 437x hilfreich)

quote:
Inwiefern gilt der Leitsatz 'In dubio pro reo'?


Der in-dubio-Grundsatz gilt im Strafrecht immer - der Strafrichter muß für eine Verurteilung bei Würdigung aller Umstände zu der Überzeugung gelangen, dass sich der Angeklagte strafbar gemacht hat. Bestehen daran Zweifel, ist freizusprechen.

Wie glaubwürdig einzelne Aussagen in einem etwaigen Strafverfahren sind, kann hier mE nicht seriös eingeschätzt werden. Allerdings sollten Sie sich - wie schon oben geschrieben - nicht zu viele Gedanken machen, da eine Einstellung mE sehr wahrscheinlich ist.

-----------------
"fiat justitia et pereat mundus..."

1x Hilfreiche Antwort

#12
 Von 
wastl
Status:
Richter
(8350 Beiträge, 1491x hilfreich)

Der in-dubio-Grundsatz heißt aber nicht, dass bereits dann freizusprechen ist, wenn sich Aussagen widersprechen. Vielmehr müssen alle Aussagen auf ihre Glaubhaftigkeit geprüft werden. Erst wenn dann noch Zweifel sind, muss in dubio pro reo freigesprochen werden.

1x Hilfreiche Antwort

#13
 Von 
Hans Mustermann
Status:
Frischling
(21 Beiträge, 4x hilfreich)

Eine Frage zur evtl. Einstellung der Anzeige/Verfahrens:
Wie sieht die Prozedur für Personen A und B aus, nachdem ein Anhörungsbogen ins Haus flattert, bis hin zur Einstellung? Vorladungen? Vernehmungen? Termin bei Gericht? Wann wird im Regenfall wie eingestellt, wg. Gerinfügigkeit?

1x Hilfreiche Antwort

#14
 Von 
Miad
Status:
Lehrling
(1195 Beiträge, 181x hilfreich)

erstmal anhörungsbogen, dann gegebenenfalls vernehmung bei der polizei, dann einstellung ...

ca. 2 Wochen - ca. 2 Wochen - ca. 2 Wochen bis 6 Monate

m.

1x Hilfreiche Antwort

#15
 Von 
Bob.Vila
Status:
Student
(2644 Beiträge, 437x hilfreich)

@ wastl: Deshalb hatte ich geschrieben *bei Würdigung ALLER Umstände*...

-----------------
"fiat justitia et pereat mundus..."

1x Hilfreiche Antwort

#16
 Von 
wastl
Status:
Richter
(8350 Beiträge, 1491x hilfreich)

@ Bob.Vila
Ich wollte auch nicht verbessern (wie auch? ;) ) sondern nur erläutern.

1x Hilfreiche Antwort

#17
 Von 
Hans Mustermann
Status:
Frischling
(21 Beiträge, 4x hilfreich)

Vielen Dank für alle Beiträge und Antworten! Diese Foren sind wirklich sehr interessant und informativ! :)

1x Hilfreiche Antwort

Und jetzt?

Für jeden die richtige Beratung, immer gleich gut.
Schon 265.161 Beratungen
Anwalt online fragen
Ab 30
Rechtssichere Antwort in durchschnittlich 2 Stunden
107.299 Bewertungen
  • Keine Terminabsprache
  • Antwort vom Anwalt
  • Rückfragen möglich
  • Serviceorientierter Support
Anwalt vor Ort
Persönlichen Anwalt kontaktieren. In der Nähe oder bundesweit.
  • Kompetenz und serviceoriente Anwaltsuche
  • mit Empfehlung
  • Direkt beauftragen oder unverbindlich anfragen
Alle Preise inkl. MwSt. zzgl. 5€ Einstellgebühr pro Frage.

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen